Tonne: 1.900 zusätzliche Lehrer-Stellen für kommendes Schuljahr (aber wie besetzen?)

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HANNOVER. Niedersachsen will für das kommende Schuljahr 1900 zusätzliche Lehrer einstellen. Das sagte Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) der «Neuen Osnabrücker Zeitung» (Freitag). Demnach sollen an den Grund-, Haupt und Realschulen 650 Stellen geschaffen werden, an den Oberschulen 500 und an den Gesamtschulen 400. 180 Stellen seien Gymnasien und 170 an Förderschulen vorgesehen.

„Es besteht kein Anlass, um hektisch tätig zu werden“: Kultusminister Grant Hendrik Tonne. Foto: Foto-AG Melle, derivative work Lämpel – Own work / WIkimedia Commons / CC BY 3.0

«Unser Ziel ist aber nicht nur ein Maximum von Stellen auszuschreiben, sondern vor allem auch zu besetzen», sagte der Minister mit Blick auf den Lehrermangel. «Wir stellen uns in der Landesregierung natürlich auch der Frage, wie wir bei offensichtlich schwieriger werdenden finanziellen Verhältnissen auch für Lehrkräfte attraktiv bleiben können.»

Dies gehe einher mit der Frage, wie das Berufsfeld insgesamt attraktiver gemacht werden könne. «Da haben wir mehrere Bälle in der Luft, es geht um schrittweise Verbesserungen bei Bezahlung, Arbeitszeit und Entlastungen», sagte Tonne. Eine Landtagspetition fordert derzeit vom Land eine Mindestvergütung von Lehrkräften auf dem Besoldungsniveau A13.

Zum Start des zweiten Schulhalbjahres am 1. Februar hatte Niedersachsen 1250 neue Lehrerstellen ausgeschrieben, zu Beginn des laufenden Schuljahres im August vergangenen Jahres 2000. An den allgemein bildenden Schulen im Land gibt es rund 68.400 Lehrer. dpa

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5 KOMMENTARE

  1. „`Es besteht kein Anlass, um hektisch tätig zu werden‘: Kultusminister Grant Hendrik Tonne.“ Nein, auf gar keinen Fall. Alle Kultus- und Wissenschaftsministerien sollten weiterhin schlafen und nichts unternehmen. Tausende Lehrkräfte fehlen? Kein Problem! Hauptsache: nicht „hektisch tätig“ werden. Schon mal wenigstens pro Bundesland fünf neue Professuren für Deutschdidaktik einstellen (ja, da gibt es noch ein paar qualifizierte Leute, die seit Jahren auf eine Stelle warten)? Nö, lieber noch etwas warten. Es besteht ja wirklich kein Anlass …

    • Die Minister kennen die demografische Entwicklung ganz genau. Ohne unvorhersehbare Einwanderung würden die Länder in spätestens 5-10 Jahren auf eine nicht finanzierbare Überbesetzung sitzen bleiben. Sie sagen das allerdings nicht.

      • Das ist Quatsch und das wissen Sie auch genau.
        Die Schülerzahlen sind nicht allein wegen der Einwanderung hoch, die Lehrkräfte sind nicht erst seit der Flüchtlingwelle knapp und vieles wurde schon vor längerer Zeit eingespart, um die Quote der Unterrichtsversorgung zu schönen.

        Obwohl vorab in etwa bekannt ist, wann viele Pensionierungen anstehen, gab es in den letzten 10 Jahren schon Stellen, die nicht besetzt werden konnten, weil es keine Bewerber gab. Schon da hätte man erheblich mehr Anstrengungen vornehmen müssen, um Lehrkräfte zu finden und für den Beruf zu werben.

        Ebenso wird die Liste derjenigen, die für Vertretungen/ befristete Stellen zur Verfügung stehen, auch seit mehr als 10 Jahren immer winziger, sodass man für Schwangerschafts-/Elternzeit-/ und längere Krankheitsvertretungen niemanden findet.

  2. Ich finde ja eher komisch, dass der Minister „Bälle in der Luft“ hält. Da ist das Halten offenbar so anstrengend, dass alles andere liegen bleibt und es zu keinen Ergebnissen kommt.

    Davon zu reden, das Lehramt attraktiver zu machen, wird nicht helfen.

    Zudem hätte schon geregelt sein müssen, wie angesichts des Lehrermangels jetzt und in den Folgejahren der Unterricht gewährleistet werden soll.
    Mit dem zusätzlichen Jahrgang am Gymnasium durch die Rückkehr zu G9 wird die Versorgung insgesamt nicht besser.
    Umgesetzt wird das CDU-Wahlprogramm, in dem stand, dass alle generell verfügbaren Lehrerstunden in den Unterricht gesetzt werden sollen. Darüber wird dann die Sprachförderung vor der Einschulung gestrichen und auch andere Förderung eingekürzt. Abwarten, was noch eingekürzt wird, um Lehrkräfte für den Unterricht zur Verfügung zu haben.

  3. «Unser Ziel ist aber nicht nur ein Maximum von Stellen auszuschreiben, sondern vor allem auch zu besetzen»

    Wie schön! Aber mit dem Aussprechen banaler Selbstverständlichkeiten wird doch kein Problem gelöst. Wenn die Länder tatsächlich mehr Geld auszugeben bereit sind, bleibt immer noch die Frage, woher die jungen Leute kommen sollen, die für den Lehrberuf die ausreichende Motivation und Kompetenz mitbringen. Nicht nur Schulen, auch Pflegeheime, Kirchen, Krankenhäuser oder Polizei suchen händeringend Nachwuchs, der einfühlsam, kommunikativ, belastbar und intelligent ist, möglichst mit altruistischer und politisch seriöser Neigung. Die gibt es in jedem Jahrgang, auch unter Einwanderern und Seiteneinsteigern, aber meines Erachtens immer weniger, dafür steigt die Zahl der Hilfsbedürftigen und Verhaltensauffälligen in allen Segmenten. Die Kinder, die in den nächsten Jahrn eingeschult werden, werden es nicht leicht haben…

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