„Mehr Gerechtigkeit in der Bildung ist möglich“: aim-Bildungskonferenz 2019 gab wichtige Anregungen für Politik und Praxis

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HEILBRONN. Welche Voraussetzungen sind in den Kitas und Schulen notwendig, damit Bildungsgerechtigkeit hergestellt wird? Auf der aim-Bildungskonferenz 2019 haben renommierte Experten, darunter Ulrich Trautwein, Professor für Empirische Bildungsforschung an der Eberhard Karls Universität Tübingen, und Baden-Württembergs Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann, zum Thema diskutiert und Initiativen vorgestellt. Heute ging die zweitägige Konferenz in Heilbronn mehr als 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmern zu Ende.

Dr. Susanne Eisenmann, Kultusministerin von Baden-Württemberg, sprach vor den mehr als 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmern der aim-Bildungskonferenz. Foto: Marc Ferdinand Körner

„Bildungschancen und Bildungsgerechtigkeit – das sind Tragpfeiler unserer offenen, demokratischen Gesellschaft. Sie sind das Versprechen an jede Einzelne und jeden Einzelnen, dass in dieser Gesellschaft alle etwas werden können, und dass die Gesellschaft ihr Bestes tut, diejenige Unterstützung zu leisten, die die Kinder und Jugendlichen brauchen“, erklärte Prof. Dr. Ulrich Trautwein, Hauptredner auf der aim-Bildungskonferenz 2019. „Es führt zu einer Erosion des Vertrauens, wenn dieses Versprechen nicht eingehalten wird.“

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Tatsächlich gibt es immer noch Defizite.  Seit der ersten PISA-Studie 2000 ist bekannt, dass Kinder aus sozial schwachen Familien in Deutschland schlechtere Chancen auf Bildungserfolge haben – der Befund hat an der Situation bislang allerdings wenig geändert: Die jüngste IGLU-Studie beispielsweise zeigt auf, dass nach wie vor in Deutschland 18 Prozent der Kinder in der vierten Klasse nicht ausreichend gut lesen können.

Baden-Württembergs Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann verwies in Ihrem Statement deshalb auf Anstrengungen des Landes, die Basiskompetenzen zu fördern. „Bildungsgerechtigkeit bedeutet, die Fähigkeiten und Begabungen aller Kinder und Jugendlichen in den Blick zu nehmen. Unser Bildungssystem in Baden-Württemberg bietet deshalb nicht nur vielfältige Ausbildungswege und Abschlüsse, sondern lässt auch Wechsel und nahtlose Übergänge zu. Damit allen Schülern diese Wege offen stehen, legen wir einen Fokus darauf, dass die Basiskompetenzen Lesen, Schreiben und Rechnen intensiv gefördert werden“, sagte sie.

Expertinnen und Experten aus der Praxis, aus der Wissenschaft sowie der Bildungsverwaltung hatten sich zur aim-Bildungskonferenz eingefunden. Foto: Marc Ferdinand Körner

„Mehr Gerechtigkeit in der Bildung ist möglich, wenn wir die Chancen, die das Bildungssystem bietet, konsequent nutzen“ – dies ist das Fazit von Tatjana Linke, Geschäftsführerin der aim-Akademie und Gastgeberin der aim-Bildungskonferenz 2019.

In zahlreichen Vorträgen und Workshops seien wichtige Anregungen dafür gegeben worden, wie das in der Praxis gelingen kann – ob es sich dabei um Qualitätskriterien für die frühkindliche Bildung handelt, die Dr. Michaela Hopf, Professorin für Wissenschaft, Theorien und Forschungsmethoden der Kindheitspädagogik an der Hochschule Düsseldorf, vorstellte. Oder darum, inklusiven Unterricht mit digitalen Medien individueller zu gestalten, wie die Pädagogen Peter Greiner und Dirk Hattenhauer von den Schulen der Nikolauspflege vermittelten. Aus mehr als 30 Vorträgen, Workshops oder Best-Practice-Beispielen hatten die mehr als 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der zweitägigen aim-Bildungskonferenz auswählen können. In Foren wurde intensiv über die Möglichkeiten diskutiert, mehr Gerechtigkeit in die Bildung bringen zu können – unter sechs Fragestellungen: Wie kann individueller Unterricht gelingen? Was haben Sprachkompetenz und demokratische Teilhabe miteinander zu tun? Wie lässt sich Offenheit vermitteln? Wie können feste Strukturen im System flexibler werden? Welche Ansprüche stellen wir an Bildung? Und: Wie muss Bildung aussehen, damit sie auf die künftigen Herausforderungen wie die Digitalisierung vorbereitet?

„Ziel unserer Bildungs- und Weiterbildungsangebote ist es, Kinder und Jugendliche zur aktiven, selbstbestimmten und verantwortungsvollen Teilhabe an der Gesellschaft zu befähigen“, so erklärte aim-Geschäftsführerin Tatjana Linke. Sie dankte den Referentinnen und Referenten sowie den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der aim-Bildungskonferenz 2019 dafür, mit ihren Ideen und ihrem Engagement dazu beigetragen zu haben.

Hintergrund

Bildung stärken – das ist der Auftrag, den die Akademie für Innovative Bildung und Management Heilbronn-Franken gemeinnützige GmbH (aim) von ihren Gesellschaftern insbesondere für die Bereiche Krippe, Kindergarten und Schule erhalten und angenommen hat. Bildung wird als Voraussetzung für die Teilhabe an der Gesellschaft und für die Gestaltung des eigenen Lebens gesehen. Deshalb entwickelt die aim Konzepte, die den nachhaltigen Erwerb von Bildung zum Ziel haben – wirksam, beständig, überprüfbar. Die aim wird von der Dieter Schwarz Stiftung unterstützt. Das ermöglicht es ihr, die Angebote für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer weitgehend kostenfrei anzubieten. Für weitere Informationen zur aim gibt es unter: www.aim-akademie.org.

Debatte auf der aim-Bildungskonferenz: Wie lässt sich das Schulsystem gerechter machen? „Wir brauchen mehr und besseren Unterricht!“

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