Schulbücher in muslimischen Ländern: Nationalismus, Propaganda, Intoleranz

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BERLIN. Nach seinem Moschee-Report «Inside Islam» setzt sich «Tagesschau»-Moderator Constantin Schreiber nun in einem zweiten Buch mit islamischen Lebenswelten auseinander. In seinem am Donnerstag erschienenen Buch «Kinder des Koran» geht es allerdings nicht um das, was muslimische Kinder in deutschen Schulen lernen, sondern um Schulbücher aus fünf Ländern mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit. Was er darin fand: Geschlechterklischees, übersteigerten Nationalismus, politische Propaganda und religiöse Intoleranz.

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„Was in diesen Büchern steht, sagt viel über die Gesellschaft aus, in der die Kinder aufwachsen.“ So sei die Idee für das neue Buchprojekt von Tagesschau-Moderator Constantin Schreiber entstanden. Für „Kinder des Koran“ hat der Grimme-Preisträger, der seit Jahren immer wieder als Journalist im Nahen Osten arbeitet, 100 Schulbücher aus Afghanistan, dem Iran, Ägypten, Palästina und der Türkei gesichtet und sei mit einem „heiklen Weltbild“ konfrontiert gewesen.

Schreiber erzählt laut „Westdeutscher Allgemeiner Zeitung“ von einem Beispiel aus einem afghanischen Schulbuch. Darin berichte eine verhüllte Frau aus Wilhelmshaven, warum sie einen Schleier trage. Im Schulbuch reiche dieses Beispiel als Beleg dafür, dass sich jetzt auch immer mehr Frauen im Westen verhüllen würden. Aus einem iranischen Schulbuch ließ Schreiber übersetzen: «Eine angemessene Kleidung der Frau (Hidschab) schützt ihre Schönheit vor den Blicken der lüsternen Männer und ihrer Gier.»

Auch kritisierte er die Selbstdarstellung der Türkei, die sich in den Lehrmaterialien als „funktionierende Demokratie“ stilisiere. „Das hat mit der Realität in diesem Land überhaupt nichts zu tun“, sagt Schreiber. Ein Muster, das sich auch in anderen autoritären regierten Staaten findet: Fakten seien falsch, wichtige Personen der Zeitgeschichte würden weggelassen. In einem ägyptischen Geschichtsbuch würde die Historie geklittert. „Darin hat Ägypten den Sechs-Tage-Krieg gegen Israel gewonnen. Das Gegenteil ist der Fall.“

Constantin Schreiber moderiert auf Arabisch für den ägyptischen Sender ONTV die Wissenschaftssendung SciTech, die regelmäßig vier Millionen Ägypter schauen. Foto: Krd / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Aus einem anderen ägyptischen Lehrwerk zitiert er einen Absatz, in dem es über die Proteste von 2011 und 2013 und die Wahl von Präsident Abdel Fattah al-Sisi heißt: «Ägypten wurde damit auch auf den richtigen Weg gebracht, um die Demokratie zu verwirklichen, die Interessen des Volkes voranzustellen und Fortschritt, Wachstum und Wohlstand zu erreichen.» Schreiber ist in Ägypten einer breiten Öffentlichkeit bekannt: Er moderiert auf Arabisch für den ägyptischen Sender ONTV die Wissenschaftssendung SciTech – Unsere Welt von morgen, ein Pendant zum ProSieben-Magazin Galileo. Rund vier Millionen Ägypter schalten die Sendung regelmäßig ein.

Der Autor betonte nun laut WAZ: „In diesen Schulbüchern wird Ideologie, Nationalismus und Religion durcheinander geworfen.“ Immer wieder würden auch judenfeindliche Inhalte propagiert. Wenig überraschend sei das zwar aufgrund der politischen Situation zwischen Israel und Palästina, trotzdem präge solch ein Weltbild die Menschen für Jahrzehnte.

Schreiber hatte 2017 ein Buch veröffentlicht, in dem er Freitagspredigten aus Moscheen in Deutschland abgedruckt hatte, begleitet von Kommentaren einiger Experten. Ihm war damals vorgeworfen worden, er habe bewusst auffällige Prediger und Gotteshäuser ausgewählt. Ein Vorwurf, den Schreiber zurückwies.

Bei der Auswahl habe er jetzt vor allem Länder berücksichtigt, «die für Deutschland relevant sind», sagte Schreiber im Gespräch. «Entweder, weil viele Menschen von dort zu uns gekommen sind, wie aus der Türkei, oder weil wir uns dort stark engagieren, wie etwa in Ägypten.» Er sagte: «Ich kann mir vorstellen, dass es für deutsche Lehrer sehr spannend ist, zu sehen, welchen Einflüssen ihre Schüler oder deren Eltern früher ausgesetzt waren.»

Die bei der Buchpräsentation anwesende Generalsekretärin der FDP, Linda Teuteberg, kritisierte laut WAZ-Bericht, dass viele dieser Schulbücher über Entwicklungshilfe durch Deutschland finanziert würden. News4teachers / mit Material der dpa

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7 KOMMENTARE

  1. Peinlich für die pädagogische Wissenschaft, dass sie das bislang offenbar übersehen hat. Eigentlich wäre auch die Unesco dafür zuständig. Aber die dankt lieber dem Königreich Saudi-Arabien für die Erstellung einer Schrift für inklusive Bildung und gendergerechte Sprache in Schulbüchern:
    https://www.unesco.de/sites/default/files/2018-09/Schulbuchinhalte inklusiv gestalten.pdf
    Eine Kritik von realen Schulbüchern ist dabei offenbar nicht vorgesehen, obwohl die ENtwicklung von Schulbüchern lt. obigem Link seit 1945 zu den Aufgaben der Unesco zählt.

  2. Und dann wundert man sich, dass die muslimische Kultur so ist, wie sie ist? Wer hier zur Schule geht, hat zuhause häufig ein anders geprägtes Elternhaus.

    • Die Herkunftsländer betreiben eben die gleiche Indoktrination wie in anderen Diktaturen um die Bevölkerung für ihre Interessen einzuspannen. So konnte man den Nahostkonflikt dazu nutzen , um von innenpolitischen Defiziten abzulenken, wie eine fehlende Gleichstellung von Frauen in der Gesellschaft, die Unterdrückung der Presse- und Meinungsfreiheit, Verstößen gegen die unveräußerlichen Grundrechte eines jeden einzelnen Menschen, die in unserem Grundgesetz verwirklicht sind.
      Letztendlich dienen der geschürte Konflikt mit Israel und der chauvinistische Nationalismus der Stabilisierung des Status Quo und der Erhaltung der Macht der Herrschenden, denn regieren stellt sich anders da.

      • Es stimmt, was Sie sagen. Einen Punkt möchte ich allerdings erweitern. Feindbilder und geschürte Konflikte werden nicht nur von diktatorischen Regierungen dazu benutzt, um von innenpolitischen Defiziten abzulenken und das Volk hinter sich zu bringen.

  3. Vielen Dank an die Redaktion, dass dieses Buch hier im Blog ohne Framing und Bewertung vorgestellt wird. Das ist eine gute Grundlage für eine wichtige Debatte.

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