Zahl befristeter Hochschuljobs sinkt nur langsam

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ERFURT. Viele Hochschulbeschäftigte haben nur befristete Verträge. Trotz des politischen Ziels, mehr feste Anstellungen zu ermöglichen, ändert sich an der prekären Lage nur langsam etwas.

An den Hochschulen in Thüringen haben nach wie vor sehr viele Mitarbeiter nur befristete Jobs. Der Anteil befristeter Stellen beim vom Land finanzierten wissenschaftlichen Personal habe im Jahr 2017 bei etwa 53 Prozent gelegen, sagte eine Sprecherin des Thüringer Wissenschaftsministeriums auf Anfrage. Damit habe sich ihr Anteil gegenüber 2015, als er bei 55 Prozent lag, kaum verändert. Vergleichbare Angaben für 2018 liegen noch nicht vor. Eigentlich ist es erklärtes Ziel der Landespolitik, die Zahl der Befristungen zu verringern.

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Noch immer sind viele Hochschulmitarbeiter befristet beschäftigt. Foto: ChemieBW/Eppler / flickr (CC BY 2.0)

Hochschulstellen, die über Drittmittel-Projekte finanziert werden, sind nicht in den Angaben enthalten. Diese Stellen können naturgemäß höchstens für die Projektdauer vergeben werden. Auch die ebenfalls befristeten Jobs für zum Beispiel studentische Hilfskräfte sind nicht einbezogen.

Nach Meinung von Wissenschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) zeigt die Hochschulpolitik von Rot-Rot-Grün erste Erfolge und die jüngste Entwicklung bei der Zahl befristeter Stellen eine «erfreuliche Tendenz» – auch wenn ihr Rückgang erst gering ausfalle. «Die Landesregierung hat in der laufenden Legislaturperiode eine Vielzahl von Maßnahmen zur Verbesserung der Beschäftigungsbedingungen an den Thüringer Hochschulen eingeleitet, die langfristig nennenswerte Wirkungen haben werden», erklärte er.

Das im Mai 2018 in Kraft getreten novellierte Hochschulgesetz verpflichte die Hochschulen, Richtlinien zu erlassen, die unter anderem Vorgaben zum Verhältnis unbefristeter Funktions- zu befristeter Qualifikationsstellen enthalten müssen. Das Gesetz werde derzeit von den Hochschulen umgesetzt. «Hier erwarten wir in Zukunft langfristige positive Auswirkungen auf die Beschäftigungsbedingungen», sagte eine Ministeriumssprecherin.

Trotzdem beschäftigen manche Hochschulen heute entgegen des Thüringen-weiten Trends sogar mehr Menschen auf Zeit als in der Vergangenheit. An der Hochschule für Musik in Weimar arbeiteten 2015 nach Angaben des Ministeriums etwa 27 Prozent der Beschäftigten im sogenannten akademischen Mittelbau mit befristeten Jobs.

Zu dieser Beschäftigtengruppe gehört das wissenschaftliche Personal, das bereits ein abgeschlossenes Studium, aber keine Professur inne hat. Im Jahr 2017 hatten fast 35 Prozent der Angestellten im Mittelbau einen befristeten Job. An der Fachhochschule Erfurt stieg die Zahl dieser Beschäftigten den Angaben nach von etwa 57 auf 60 Prozent; an der Hochschule Nordhausen von etwa 24 auf 33 Prozent. (dpa)

Noch immer viele Hochschulmitarbeiter mit befristeten Verträgen

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