Wann ist ein Kind reif für die Schule? Experten zufolge ist vor allem eins entscheidend: Gruppenfähigkeit

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BERLIIN. Stillsitzen! Konzentrieren! Hausaufgaben! Die Grundschule ist vielleicht nicht der Ernst des Lebens – aber doch ganz anders als die Kita-Zeit. Um das gut zu meistern, müssen Kinder vor allem emotional stabil sein, sagen Experten. Rechnen lernen sie ja noch früh genug.

Das letzte Jahr vor der Schule ist ein wichtiges. Foto: Shutterstock

Der Startschuss für die Schullaufbahn fällt im Sommer. Allerdings nicht im Jahr der Einschulung, sondern ein Jahr vorher. In vielen Bundesländern geht es dann los mit Schuleingangsuntersuchungen, in den Kindergärten steht die Vorschule an. Für Kinder ist das aufregend – und für Eltern nervenaufreibend.

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Denn je näher die Schule rückt, umso mehr Fragen stellen sich: Ist mein Kind reif für die Schule, ist es fit genug? Was muss es schon können? Soll ich es vielleicht sogar früher einschulen? Oder lieber noch ein Jahr zurückstellen? Die eine Antwort auf diese Fragen gibt es nicht. Denn welcher Weg der richtige ist, hängt immer vom einzelnen Kind ab – und von seinem Umfeld.

Große Entwicklungsunterschiede bei der Einschulung

Trotzdem gibt es in den meisten Ländern einen Stichtag, irgendwo zwischen Ende Juni und Ende September: Wer bis zu diesem Datum ein bestimmtes Alter erreicht hat, meistens sechs Jahre plus oder minus ein paar Monate, der fällt unter die Schulpflicht. In vielen Ländern wird dieser Tag seit Jahren immer mal wieder verschoben – einfach deshalb, weil er nie so richtig passt.

Das ist auch kein Wunder, sagt Gabriele Trost-Brinkhues vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ): «Es gibt einfach keinen Stichtag, der allen Kindern gerecht wird.» Dafür seien die Entwicklungsunterschiede zu groß – innerhalb eines Jahrgangs, aber auch zwischen Kindern des exakt gleichen Alters. «Es gibt Kinder im Einschulungsalter, die sind erst auf dem Entwicklungsniveau von Vierjährigen – und andere sind so weit wie Achtjährige.»

Die meisten Bundesländer berücksichtigen das: Eltern können zum Beispiel einen Antrag auf frühere Einschulung stellen. Und oft gibt es auch die Möglichkeit, Kinder noch ein Jahr zurückstellen zu lassen – oder andere Regelungen für einen flexiblen Schuleinstieg.

Doch woher sollen Eltern wissen, ob ihr Kind weit genug ist? Eine wichtige Rolle dabei spielt die Schuleingangsuntersuchung – auch wenn diese oft missverstanden wird. «Ganz wichtig ist, dass die Schuleingangsuntersuchung kein Test und keine Prüfung ist», sagt Trost-Brinkhues. «Das wird ja manchmal als erster “Numerus clausus” bezeichnet, das ist aber ganz falsch.»

Kinder und ihre Eltern gehen für die Untersuchung nicht zu ihrem regulären Kinderarzt. Zuständig ist der sogenannte schulärztliche Dienst. «Die Schuleingangsuntersuchung ist erst einmal eine körperlich-medizinische Untersuchung. Da geht es zum Beispiel um Hör- und Sehfähigkeit, um chronische Krankheiten und vor allem um schulische Vorläuferfähigkeiten und einen eventuellen Förderbedarf», erklärt Trost-Brinkhues.

Also doch ein Test? Wer nicht fit genug ist, dreht eine Ehrenrunde? Nein – aus zwei Gründen. Erstens berät der Schularzt nur und entscheidet nicht. Zweitens geht es dabei auch oder sogar vor allem um das große Ganze. «Gerade der Förderbedarf ist ja ein wichtiger Hinweis für die Schule in Bezug auf Klassengröße und Personalbedarf zum Beispiel», erklärt Trost-Brinkhues.

Die Entscheidung, ob und wann ihr Kind in die Schule kommt, liegt also zuerst bei den Eltern. Die sollten dabei ruhig auf ihr Bauchgefühl hören, rät Trost-Brinkhues – und auf die Kinder. Wie viel Lust auf Schule haben die? «Da geht es nicht zuerst darum, was Kinder alles schon können – wichtig ist vor allem, ob ich das Gefühl habe, dass mein Kind emotional stabil genug für die Schule ist.»

Kann das Kind im Unterricht still sitzen?

Ähnlich sieht es auch Klaus Seifried, der im Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen für das Thema Schulpsychologie zuständig ist. Gruppenfähigkeit und soziale Reife spielen bei der Einschulung zum Beispiel eine zentrale Rolle, sagt er: «Kann das Kind aushalten, mal nicht gelobt zu werden oder im Mittelpunkt zu stehen? Kann es Konflikte oder Misserfolge aushalten? Kann es im Unterricht still sitzen, sich konzentrieren und selbstständig arbeiten?»

Denn mit solchen Fragen hätten nicht nur Kinder aus bildungsfernen Elternhäusern zu kämpfen – sondern auch der Akademiker-Nachwuchs. «Das sind dann die kleinen Prinzessinnen oder Prinzen, die gewohnt sind, im Mittelpunkt zu stehen.»

Und auch bei Fein- und Grobmotorik sieht Seifried Probleme: «Manche Kinder haben Schwierigkeiten, etwas mit der Schere auszuschneiden oder etwas zu malen, wenn sie in die Schule kommen», sagt er. «Andere haben Probleme beim Gehen auf einer Linie, oder einen Ball zu fangen.» Solche motorischen Fähigkeiten seien aber eine wichtige Grundlage für vieles andere – sogar für die Sprachentwicklung.

Und was ist, wenn das Kind da noch Probleme hat? Wenn die Kita-Kumpels auch noch nicht in die Schule kommen? Wenn das Bauchgefühl sagt: Lieber noch ein Jahr warten? Dann kann eine Zurückstellung sinnvoll sein – genau wie sich bei sehr fitten Kindern ein Frühstart lohnen kann. «Ideal ist es, wenn Schularzt, Eltern und die Erzieherinnen in der Kita gemeinsam eine Entscheidung treffen», sagt Seifried.

Vorauslernen müssen Kinder in keinem Fall – Rechnen oder Schreiben sind Sachen für die Schule. «Prinzipiell würde ich das nicht machen. Kinder, die alles schon wissen oder zumindest schon viel wissen, könnten sich dann in der Schule schnell langweilen», rät Dorothea Jung von der Onlineberatung der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke).

Manchmal kommt es zwar vor, dass Kinder extrem lernbegeistert und motiviert sind – weil sie zum Beispiel ihren Geschwistern nacheifern wollen. Dann sei das «Vorauslernen» auch in Ordnung. «Ist der Drang allerdings nicht da, sollten die Eltern das Lernen nicht forcieren», erklärt Jung.

Und auch Klaus Seifried rät davon eher ab. Wenn überhaupt, dann sollten Eltern die Energie wissens- und tatendurstiger Kinder eher in andere Bahnen lenken. «Wenn die Kinder schon vor der Einschulung gut entwickelt und gefördert sind, empfehle ich, Sport zu machen oder ein Instrument zu lernen.» Von Tobias Hanraths und Claudia Wittke-Gaida, dpa

Sind die Eltern fit genug?

Nicht nur die Kinder, auch Eltern müssen reif für die Schule sein. Schließlich beginnt für sie ebenso ein neuer Lebensabschnitt – einer, in dem sie Verantwortung abgeben müssen: an die Schule und das Kind. «Es geht darum, die Ablösung der Kinder in die Selbstständigkeit zuzulassen», erklärt Klaus Seifried vom Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen. Konkret heißt das: Nach Möglichkeit sollten Kinder den Schulweg zum Beispiel selbst bewältigen, selbst ihre Tasche packen und erst einmal selbst Hausaufgaben machen.

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

Englische Studie zum Einschulungsalter: Jungen aus sozial benachteiligten Elternhäusern profitieren am stärksten von frühem Schulstart

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24 KOMMENTARE

  1. In dem Artikel fehlt der Hinweis, dass _die Schulleitung_ entscheidet!
    Da können alle anderen gerne gefragt werden und beraten oder eine Meinung entwickeln,
    am Ende ist es die Schule, die entscheidet, die einschult oder zurückstellt.

    Das ist für den Fall wichtig, dass die anderen Meinungen vielleicht nicht so gut passen, weil jemand die eigene Prinzessin unterschätzt und lieber noch ein Jahr zu Haus halten möchte oder überschätzt, weil das eigene Goldstück natürlich über alles erhaben ist.

    Wichtig bleibt der Hinweis darauf, dass Kinder zu Schulbeginn zwar in etwa gleich alt, aber von der Entwicklung her sehr unterschiedlich sein können, was Teilbereiche oder die gesamte Entwicklung betreffen kann.
    Dies ist nicht nur bei der Einschulung zu bedenken, sondern auch für die nachfolgenden Jahre immer wieder in Erinnerung zu rufen und zwar immer dann, wenn man meint, man könne alle Kinder über einen Kamm scheren.

    • Sie schreiben :”Wichtig bleibt der Hinweis darauf, dass Kinder zu Schulbeginn zwar in etwa gleich alt, aber von der Entwicklung her sehr unterschiedlich sein können, was Teilbereiche oder die gesamte Entwicklung betreffen kann.”
      Ihr Statement lässt sich aber auch auf jeden anderen Kulturkreis und jeden anderen Zeitpunkt der Einschulungsuntersuchungen zu anderen Zeiten genauso übertragen.
      Sie benutzten aber hier schon mehrfach diese allgemeingültigen Tatsachen als Legitimation dafür, um die von Ihnen favorisierte Art der Unterrichtsmethodik des eigen initiativen Lernens zu werben, deren Methoden zu verteidigen und diese zu rechtfertigen.

      • Diese “allgemeingültigen Tatsachen” sind entscheidend für den Erstunterricht und bedingen die dortige Methodik durchaus, die die genannten Entwicklungsunterschiede berücksichtigen muss, sofern Schule nicht als (häuslicher) Einzelunterricht in 1:1-Betreuung stattfindet.

        Weder ein fester Einstellungstermin noch individuelle Entscheidungen mit Hilfe von Sprachstandsfeststellung + Förderung und daraus resultierenden Berichten, schulärztlicher Begutachtung mit Kurzbericht, Schnupperunterricht, Screening-Verfahren oder gar Einschulungstests werden diese Entwicklungsunterschiede ausgleichen können.

        Und auch die Zurückstellung um ein Jahr kann trotz guter Förderung nicht garantieren, dass große Entwicklungsverzögerungen aufgeholt werden, sodass diese Kinder im Jahr darauf zum Teil die notwendigen Voraussetzungen noch immer nicht erlernt haben.

        Bei Kindern, die, wie oben genannt, emotional noch nicht stabil genug sind, hingegen, kann dieses Jahr sehr viel bewirken, sodass sie erheblich sicherer den Schulanfang meistern und darüber Bestärkung erfahren.
        Wer unsicher und überfordert den Beginn meistern muss, muss diese Erfahrungen zusätzlich zu allen anderen Anforderungen kompensieren.

        Das, was Sie als “allgemeingültige Tatsachen” hinstellen, kommt in der tagtäglichen Arbeit zum Tragen, erhält weitaus differenziertere Betrachtung und ist meiner Meinung nach eine der größten Herausforderungen des Erstunterrichts.

        Ihre Unterstellungen, @AvL, zu meiner persönlichen Methodenwahl im Unterricht werden durch unzählige Wiederholungen nicht wahrer. Da Sie meine Beiträge offenbar gar nicht lesen, ist eine Reaktion sinnlos und ein fachlicher Austausch nicht möglich und anscheinend auch gar nicht gewollt.

        Wenn Sie weiterhin Vorwürfe und Unterstellungen gegen „das Grundschulpersonal“ erheben, denken Sie bitte daran, dass in anderen Foren sicherlich ähnliches über „das medizinische Personal“ geäußert wird, sosehr Sie persönlich sich auch auf Leitlinien und anderes berufen mögen oder tatsächlich gewissenhaft Ihre Arbeit verrichten.

        • Die logischer Weise differenten Untersuchungsergebnisse der Schüler bei Einschulungsuntersuchungen rechtfertigen zu keinem Zeitpunkt die Methoden der Selbstalphabetisierung der Schüler und der anderen Methoden des Spracherfahrungsansatzes, was durch die bescheidenen Ergebnisse der Ländervergleichsuntersuchungen bestätigt wird.
          Nein, diese differenten Einschulungsergebnisse mit Schwächen der Schüler legen eher den Schluss nahe, im Anfangsunterricht mehr strukturierte und lehrergesteuerte Methoden zur Anwendung zu bringen.

          Welche andere schulpolitische Interessensvertretung hat sich denn in der Vergangenheit sonst noch für die Inklusion, Früheinschulung, Lesen durch Schreiben, bebilderte Anlaut-Tabellen, vom Schüler gesteuerte Selbstlernkonzepte, die “luftverbundene” Grundschrift, klassenübergreifenden Unterricht und andere, neuartig scheinende und wiederentdeckte Methoden, wie freies Schreiben nach Scharrelmann/Gansberg oder Peter Petersens Jena-Plan-Methoden eingesetzt.
          Meine Vorwürfe richten sich nicht pauschal gegen das Grundschulpersonal, sondern gegen die Vertreter des Grundschulverbandes.
          Sie sind aus meiner Sicht nur eine einzelne Vertreterin der Grundschullehrer, aber eben auch in erster Linie eine Vertreterin des Grundschulverbandes.

          • Was Palim zu den Einschulungsvoraussetzungen sagt, hat nichts mit “Lesen durch Schreiben” zu tun. Ihre Diskreditierungen sind daher unpassend.

            Tatsache ist, dass Kinder, die zum Zeitpunkt der Einschulung nicht wirklich ‘schulreif’ sind, eine Menge an Problemen bekommen, nicht, weil sie dumm sind, sondern weil sie den umfangreichen Anforderungen des Schulalltags in 30er-Gruppen nicht standhalten können. Jeder Grundschullehrer weiß, dass die jüngsten Kinder in aller Regel mehr Probleme haben als die fast ein Jahr älteren Kinder. Insofern ist es ein desaströser Schritt gewesen, das Einschulungsalter in NRW auf 5+ herunterzusetzen. Dass die Zahl der Kinder mit zusätzlichem Förderbedarf seitdem wächst, wundert nur die, die keine Ahnung haben. Im übrigen schult PISA-Gewinnerland erst mit 7 Jahren ein!!

            Leider ist es in NRW zusätzlich so, dass Kinder nur mit erheblichen körperlichen Einschränkungen zurückgestellt werden können. Soziale und psychische Einschränkungen gelten nicht! Da nimmt man lieber in Kauf, den Bildungsgang eines Kindes des vom ersten Schultag an zu ruinieren! Leider entscheiden ‘Schreibtischtäter’ über diese Gesetze, das Elend dieser nicht schulreif Kinder müssen sie ja nicht erleben.

          • Es traut sich aber auch niemand, den Eltern Versagen in der Erziehung vorzuhalten bzw. künftige Eltern an ihren Erziehungsauftrag zu erinnern.

          • Und wer Kritik an reformpädagogischer Nulldidaktik äußert, dem wird regelmäßig pauschal unsachliche Kritik an Grundschullehrern vorgeworfen.

          • Richtig emil. Sie treffen den Nagel auf den Kopf! In Bayern geht man inzwischen den umgekehrten Weg. Es gibt einen Einschulungskorridor, der den Eltern möglich macht, bei jüngeren Kindern zu entscheiden. Viele lassen ihr Kind zurückstellen statt früher einschulen.
            Daran ist vom Procedere her zu bemängeln, dass die Eltern erst sehr spät entscheiden können und deswegen es lange keine Planungssicherheit für die Schulen gibt.
            Den meisten früher eingeschulten Kindern, die kognitiv als einschulungsfähig befunden wurden, merkt man oft dennoch ein Defizit noch in den 3. und 4. Klassen an: Sie haben häufig ein Problem mit strukturiertem, ausdauerndem Arbeiten und überhaupt der Anpassung an Schulstrukturen. Nicht wenige bleiben am Ende des 4. Schuljahres beim Übertritt unter dem, was man sich vielleicht erhofft hat.

          • richtig. Aus irgendeinem Grund nehmen Grundschullehrer diese Kritik persönlich, Gymnasiallehrer Kritik an der mangelnden Studierbefähigung nicht. Seltsame Welt…

          • @plus
            Das sind zwei paar Stiefel. Bei der Studierfähigkeit ist es ein gesellschaftliches und von der Politik herangetragenes Problem. Da sind die Lehrer nur Ausführende und würden ja sehr gerne, wenn sie könnten, mehr Niveau verlangen.

            Bei der Grundschule ist man geneigt, die Probleme von außen immer auf die Lehrer zu schieben. Meistens ist es angeblich die falsche Didaktik. In der Grundschule meint jeder, er könnte reinreden. Immer noch herrscht bei zu vielen das Vorurteil: kleine Kinder – leicht. Das sieht man, wie teilweise Meidinger seine oft realitätsfremden Einschätzungen über die Grundschule von sich gibt. Grundschule ist die Schulart, die in Deutschland am wenigsten – was die Lehrer und die spezielle Grundschuldidaktik betrifft – ernst genommen wird, das geht teilweise bis in die Ministerien, wenn man sich so die Besetzung der Stellen und das Ernstnehmen von Grundschullehrern anschaut.

            Ein Beispiel: Nachdem die Mittelschullehrer jetzt auch Berichtszeugnisse schreiben müssen, dürfen wir Grundschullehrer jetzt auch ein erleichterndes Programm benutzen. Die Mittelschullehrer haben es durchgesetzt, uns allein hätte man nicht ernst genommen bzw. für uns hätte man so etwas erst gar nicht entwickelt. Plastisch ausgedrückt: Wir müssen doppelt so laut schreiben wie andere Lehrer anderer Schularten, damit man uns hört.

            Palims Ausführungen sind auch von diesem Hintergrund zu sehen. Die Posts zeigen plastisch, wie komplex die Arbeit in der Grundschule geworden ist und wir für jeden Schüler eine passende Antwort finden müssen. Deswegen ist eine gute Didaktik, die immer wieder neu überdacht werden muss, ganz wichtig in der Grundschule, denn wir haben alle Schüler: vom sonderpäd. Förderbedarf bis zu hochbegabt. Im Schuleingang kommen noch die unterschiedlichen emotionalen, motorischen und kognitiven Entwicklungsstufen dazu unabhängig vom IQ. Ein Hauptthema in der Grundschule ist schon seit Jahren die individuelle Förderung ohne Zuweisung in Kurse, sondern im Klassenverband, das in den spezialisierten Schularten nicht so sehr das Hauptthema ist. Schließlich wollen wir, dass unsere Grundschüler am Ende der vierten Klasse über möglichst viele Fertigkeiten verfügen.

            Es tut “weh”, wenn es hier Mitdiskutanten gibt, die in Regelmäßigkeit die Didaktik und die Arbeit an der Grundschule plastisch auf eigenständiges Arbeiten ohne Anleitung, die Grundschrift und die so schlimmen Vertreter der Reformpädagogik reduzieren. Das bildet die Arbeit an den Grundschulen Deutschlands überhaupt nicht ab.

            Die Niveauverschlechterung der Abiturienten hingegen ist ein allgemein anerkanntes Problem, das keiner zu Recht den Lehrern anlastet. Gymnasiallehrer würden gerne viel mehr erwarten und verlangen, wenn sie könnten.

          • Die Vorfreude auf die nächste bevorstehende Runde um eine strukturierte Lernmethodik steht nach der Einschulung im August an, und somit wird wieder elterliches Gegensteuern gegen Selbstalphabetisierungsübungen gefragt sein, um die Fehlanleitungen und Vertiefungen von falschen Schreibungen durch selbstständiges, auflautierend praktizierte Schreibübungen im freien und “kreativen” Schreiben mit bebilderten Anlaut-Tabellen auszubügeln.
            Außerdem darf man wieder dem Erlernen falscher Betonungen beim selbstständigen Lesenlernen mit vorwiegend erlernt gesprochen Langvokalen durch “Lesen durch Schreiben” entgegenwirken.
            Ach ja, und Norbert Sommer-Stumpenhorst mit seiner Rechtschreibwerkstatt kommt hier im südlichen Münsterland immer noch zur Anwendung , und den will man hier im Forum auch nicht kennen, obwohl dessen Umsatzzahlen immer noch sehr hoch sind.

          • Manchmal muss man anderen eben auf auch mal auf die Füße treten.
            “Erkenne was du vor Augen hast, und was dir verborgen ist, wird dir enthüllt.
            Denn es gibt nichts Verborgenes, das sich nicht manifestieren wird.”

          • @Emil,ysnp
            Ich habe mich nicht alleine auf die schülergesteuerte Form des Lesenlernens bezogen, sondern den gesamten Spracherfahrungsansatz in Frage gestellt, und dieser beinhaltet die von mir oben beschriebenen Methoden, die bei Kindern mit psychomotorischen, kognitiven, geistigen, visuellen, haptischen und auditiven Beeinträchtigungen ebenso eine Überforderung darstellen, wie bei Kindern mit einer Konzentrationsschwäche oder Verhaltensauffälligkeiten.
            Aber auch Kinder mit einem migrationsbedingten Sprachdefizit sind durch diese Methoden überfordert, der Rest soll sich zunächst einmal in der ersten Klasse nach dem Motto “schreib wie du sprichst” unter der Einübung des viel beschworenen Phonologischen Bewusstsein lautorientiert merkwürdige Verschriftlichungen aneignen, die dann mit Smilies und anderen Symbolen honoriert und rückgemeldet werden.
            Derartige Grundschullehrer gibt es in der realen Welt wirklich, und es sind in NRW nicht wenige, auch wenn dies hier immer wieder bestritten wird, denn diese Methoden kommen dann eben in einem Methodenmix zur Anwendung, was vor dem Düsseldorfer Landtag so auch von den Lehrerinnen, die als Gutachter damals 2013 berufen wurden, so bestätigt wurde.
            Haben diese also etwa falsche Aussagen getroffen und gar gelogen?

          • Sie haben ja selbst klar dargelegt, woher Ihr Hass kommt: Sie schulen erneut ein Kind ein und es passt Ihnen schon jetzt das Vorgehen der zuständigen Schule nicht, selbst wenn die Schule erlasskonform vorgeht und die Lehrerin womöglich gewissenhaft ihre Aufgabe versieht.

            Es geht also nicht um eine Auseinandersetzung mit dem Thema “Schulreife” (oder anderer Themen), sondern allein ums bewusste Diffamieren und Herabsetzen: Mit den Äußerungen in öffentlichen Foren soll Druck aufgebaut werden, der letztlich der Durchsetzung persönlicher Interessen dient.

            Dabei wird in Kauf genommen, dass die Lehrerschaft allgemein und einzelne Personen im Besonderen durch Unterstellungen, Unwahrheiten und Überspitzungen in Misskredit gezogen werden. Die Professionalität von Lehrkräften wird absichtlich in Abrede gestellt.

            “Manchmal muss man anderen eben auf auch mal auf die Füße treten.
            “Erkenne was du vor Augen hast,”
            Wenn es so läuft, werden Lehrer und Professoren zum Fußabtreter!

          • Ihre Rhetorik mit der Unterstellung von Hass ist billig und reflektiert nicht meine Kritik an den Methoden des Spracherfahrungsansatzes/ lernwegsorientiertes Lernen.
            Ich habe einzelne Elemente dargestellt, sie stürzen sicvh in eine polemische Unsachlichkeit und versuchen mich zu diffamieren.
            Ich danke Ihnen für ihre freundliche Sachlichkeit.

          • Wenn man die Quelle eines Zitates nicht kennt, vermeidet man es besser diese in Teilen zu rezitieren.

  2. Zitat: «Kann das Kind aushalten, mal nicht gelobt zu werden oder im Mittelpunkt zu stehen? Kann es Konflikte oder Misserfolge aushalten? Kann es im Unterricht still sitzen, sich konzentrieren und selbstständig arbeiten?»
    Diese Fragen zur Schulreife irritieren. Wird in der modernen und fortschrittlichen Pädagogik nicht dafür geworben, dass Kinder reichlich viel gelobt werden und sich im Mittelpunkt des Geschehens empfinden? Und wird nicht dauernd versucht, ihnen Konflikte und Misserfolge zu ersparen? Wird nicht auch propagiert, Kinder nicht zum Stillsitzen zu zwingen, sondern Bewegungsmöglichkeiten zu schaffen – auch durch irgendwelche Geräte im Klassenraum, an denen sie ihre Bewegungsimpulse nach Lust und Laune austoben können?
    Warum also eine Schulreife fordern, die von “modernen” Pädagogikexperten in Frage gestellt und konterkariert wird? Gehört die zitierte Definition von Schulreife nicht auf den Müllhaufen altmodischer Erziehungsvorstellungen von Disziplin, Anpassung und Drill?

    • Gute Fragen. Ich ergänze noch das Konzept der individuellen Förderung, das gerade Unselbstständigkeit, im Mittelpunkt stehen fördert.

      • Interessant, wie Sie beide, Alex und xxx das sich so extrem vorstellen. Das Bild, was Sie zeichnen, wäre Chaos. Dann hätten Sie bestimmt nicht so angepasste Schüler in den Sekundarstufen, wenn es in den Grundschulen tatsächlich so ablaufen würde.
        Das Gegensätzliche ist der Drill. Das machen wir auch nicht.
        Wir “erziehen” die Kinder in der Grundschule zu Schülern, ohne die kindlichen Bedürfnisse außer Acht zu lassen.
        Ich werde Ihnen jetzt allerdings nicht die ganze Grundschulpädagogik erläutern. Machen Sie einen Termin mit einer örtliche Grundschule aus und fragen Sie, ob Sie einmal ein paar Stunden als Kollegen hospitieren dürfen.

        • Sie werden sich wundern: Ich stimme Ihnen uneingeschränkt zu!
          Es ist immer wieder schwer, die eigenen Gedankengänge nachvollziehbar zu machen, wenn Lehrer sie irrtümlicher Weise auf sich und ihr Tun beziehen.
          Natürlich würde Chaos herrschen, wenn Lehrkräfte all das blauäugig in die Tat umsetzten, was ich als Propaganda mancher “moderner Pädagogikexperten” meine, die ihre Weisheiten aus theoretischen Erwägungen und Erwartungen ziehen.
          Ich wäre erstaunt, wenn Ihnen das, was ich in Fragen gekleidet habe, nicht auch schon mehrfach im Namen von Fortschritt und Moderne über den Weg gelaufen wäre. Nur darauf wollte ich verweisen.

    • Es ist genau das Zerrbild, das immer wieder von vielen und gerne auch in den Medien dargestellt wird. Was ist der Sinn dahinter, Schule derart darzustellen?

      Es klingt so, als sollten Lehrkräfte zwar keine schwarze Pädagogik ausüben, aber bitte doch die Methoden und den Umgang aus den 50er oder 60er Jahren uneingeschränkt und ohne Ergänzung einsetzen.
      Sobald jedoch jemand erwähnt, etwas anderes anzudenken oder gar anzuwenden, bricht sofort das Chaos im Klassenzimmer aus, SuS werden sich selbst überlassen und Leistungen weder eingefordert noch erzielt.

      Ich kenne niemanden der das, was da gezeichnet wird, so in seiner Klasse anstrebt, erlaubt, zulässt, unabhängig davon, dass es seit jeher Lehrkräfte gibt, die die Klasse enger oder sehr locker führen.

      Tatsächlich laufen einem diese Gedanken gerade nicht von “modernen Pädagogikexperten” über den Weg und auch nicht im Namen von Fortschritt oder Moderne, sondern immer als Zerrbild, das durch Veränderungen herbeigeführt wird.

      Es gibt m.E. Dreierlei, das in Schulen Veränderung bewirkt:

      a) neue Curricula, die neue Inhalte setzen, die andere Methoden einfordern.
      So hat in den Sprachen, auch in Deutsch, der Bereich “Sprechen und Zuhören” einen erheblichen Anteil der Note und damit des Unterrichts erhalten. Ein Beispiel: Während der Unterricht früher aus Grammatikübungen und schriftlichen Übersetzungen bestand, gibt es nun Dialoge, Vorträge, Diskussionen, SuS werden zum Sprechen gebracht und auch das Verstehen gehörter Beiträge wird mit einbezogen.
      Das fordert von Lehrkräften, dass sie ihren Unterricht überdenken und entsprechend der Vorgaben umstellen.
      Und eine Umstellung auf Grund weiterer Inhalte, die zusätzlicher Zeit bedürfen, bedeutet auch immer, dass andere Inhalte dadurch verdrängt werden, gerade weil die Unterrichtszeit nicht verlängert wird.
      Werden Fächer um Stunden erweitert, müssen andere Fächer Stunden abgeben … und damit auch Inhalte.
      Werden Fächer um Inhalte ergänzt, müssen diese gemeinsam in der gleich bleibenden Unterrichtszeit vermittelt werden.
      Die Quadratur des Kreises, mehr Inhalte in gleich bleibende Unterrichtszeit zu bringen und zusätzlich zu den gleichen Leistungen wie bisher auch die neuen Ziele zu erreichen, wird dabei den Lehrkräften überlassen.

      Leider gibt es vorab keine Zeit, sich in neue Curricula einzuarbeiten, natürlich nicht als anerkannte Arbeitszeit, aber auch nicht als Zeitraum. In meinem Bundesland werden neue Curricula im laufenden Schuljahr veröffentlicht und gelten dann rückwirkend, gerne gleichzeitig für mehrere Fächer, von denen in der Grundschule immer nahezu alle Lehrkräfte gleichermaßen und dann auch zu gleicher Zeit betroffen sind.
      Ich würde mir einen anderen Prozess wünschen, der die Professionalität der Lehrkraft unterstützt, aber diese Bitte verhallt vermutlich ungehört.

      b) eine andere Schulpolitik, die nach jeder Landtagswahl blühen kann.
      Jede Umstellung ist eine kleine Meldung, bewirkt aber in den Schulen die Notwendigkeit von sehr viel zusätzlicher Arbeit der Umsetzung.
      Ob ein Fach von „Politik/Wirtschaft“ in „Wirtschaft/Politik“ umbenannt wird, scheint belanglos, bedeutet aber eine Umstellung des Planes, der Inhalte und womöglich auch des Teams, wenn das Fach andere Zuweisungen in der Stundentafel erhält.
      Jede Veränderung in der Schulstruktur erfordert Beratungen der Elternschaft, die informiert werden muss, aber häufig auch viele zusätzliche Pläne, Ausarbeitungen, Listen, neue Dokumentationen.

      In den letzten 20 Jahren wurden die Änderungen in den Schulen abgeladen und jede einzelne Schule musste für sich selbst alles, was damit zusammenhing, selbst erarbeiten, erstellen, durchführen, evaluieren, erneuern etc.
      Und das im stetigen Wechsel der Landtagswahlen.
      Nach der 3. oder 4. Wahl und stetigem Hin und Her ist man es leid, unzählige Stunden an diesen Ausarbeitungen zu sitzen, die man nach der nächsten Wahl wegwerfen und neu erstellen muss.

      Auch dieser Vorgang stützt die Professionalität der Lehrkräfte nicht, sondern zeugt davon, dass die Arbeit weder gesehen noch wertgeschätzt wird.
      Ich würde mir wünschen, dass die außerunterrichtlichen Tätigkeiten der Lehrkräfte erfasst werden, vielleicht wird innerhalb der Politik dann deutlicher, wie verschwenderisch mit der Arbeitszeit der Lehrkräfte in den letzten 2 Jahrzehnten umgegangen wurde und weiterhin umgegangen wird.

      c) einzelne Methoden oder Herangehensweisen im Unterricht, die die Lehrkräfte in der Konferenz beschließen oder die die Lehrkraft selbst umstellt
      Zumeist steht dahinter die Beobachtung, dass etwas nicht mehr so gut läuft, wie es noch vor Jahren ging. Dies kann auch mit den unter a) oder b) genannten Veränderungen zusammenhängen, ebenso mit veränderter Gesellschaft, veränderter Kindheit etc. Gerade in dieser Hinsicht sind die Untersuchungen zur Schulfähigkeit und die zu Beginn der Schullaufbahn Tests zur Lernausausgangslage wichtig.
      Dabei hat die Lehrkraft die konkrete Schulklasse im Blick, informiert und orientiert sich und wählt dann aus den Möglichkeiten eine alte oder neue aus, die durchgeführt wird.
      Dabei kann man direkt abbrechen, wenn es gleich zu Beginn nicht erfolgsversprechend beginnt.
      Oder man führt es durch und reflektiert danach, hat aber auch dann immer die Möglichkeit, Bewährtes zu ergänzen oder Weiteres einzusetzen.
      Das passiert, wenn neue Schulbücher eingesetzt werden, die zuvor gesichtet werden, deren „Macken“ aber häufig erst beim tatsächlichen Einsatz entdeckt werden, oder wenn in den Auflagen, die alle 3 Jahre verändert werden, die Themen getauscht, die Texte verändert, bewährte Übungen gelöscht oder neue eingesetzt werden. Seit der 3-Jahres-Ausleih-Regel, die für Nds. Schulbuchfreiheit gilt, hat man NIE 2x das gleiche Buch vor sich liegen!
      Es ist geschieht, wenn man ein Thema mal von hinten aufzäumt (vom Großen zum Kleinen oder doch mal vom Kleinen zum Großen?), weil man sich davon ein noch besseres Verständnis erhofft.
      Oder man ergänzt oder substituiert innerhalb einer Unterrichtseinheit etwas, z.B. weil man beim letzten Mal nicht zufrieden war oder weil man sich von einer anderen Methode mehr Schüleraktivität und besseres Vermitteln und Lernen verspricht oder weil man vorab anhand der Lerngruppe einschätzt, dass Bisheriges in dieser Gruppe nicht durchführbar ist oder z.B. eine andere Methode mehr Kinder anspricht, weshalb die Inhalte insgesamt besser erlernt weden.

      Das alles führt zu Veränderungen.
      Aber nichts davon führt sofort und unter Garantie ins Chaos, was das Zerrbild unterstellen will.

      Doch immer sagt dieses Zerrbild über Schule und Lehrkräfte:
      Ihr wisst nicht, was ihr tut!
      Ihr seid ungebildet!
      Ihr seid unreflektiert!
      Ihr verrichtet eure Arbeit nicht!
      … und natürlich auch ein: Wir wissen es besser!

      Lehrkräfte haben ein Studium hinter sich und ein Referendariat.
      Sie sind diejenigen, die im Referendariat mindestens 18 Monate lang unter andauernder Prüfung stehen und unentwegt gefordert sind, zu reflektieren.
      Es ist ihre tägliche Arbeit, Ziele zu setzen und zu überprüfen, ob sie erreicht werden.
      Sie sind darauf trainiert, in einer Klassensituation zu diagnostizieren, auszuwerten und die nächsten Schritte darauf abzustimmen.

      Lehrkräfte würden, was auch immer gefordert wird, nicht blauäugig in die Tat umsetzen, schon gar nicht alles auf einmal und ganz sicher nicht, wenn sie selbst dann tägliches Chaos zu erwarten hätten.

      Wie wäre es, damit zu beginnen,
      – die Professionalität der Lehrkräfte anzuerkennen
      – ihre Arbeit wertzuschätzen
      -Aufgaben im Unterricht sowie außerunterrichtliche Aufgaben zu bemessen und Lehrkräfte in der Durchführung zu unterstützen, statt sie mit immer weiteren Aufgaben zu überhäufen
      – die fachliche Meinung der Lehrkräfte, die täglich vor der Klasse stehen, zu hören, als Expertise anzusehen und sie in Prozesse mit einzubeziehen
      – Schule nicht kleinzureden, sondern deutlich die Wichtigkeit von Bildung herauszustellen, damit Schule und Bildung in der Gesellschaft einen höheren Stellenwert erhalten

      – statt weiterhin Zerrbilder zu zeichnen, lieber Fragen zu stellen, Informationen zu sammeln und eigene Sorgen oder Ängste klar anzusprechen, wenn man sich diesen stellen möchte

      • Hier wird von den entsprechenden Protagonisten immer das Schreckgespenst der 50er und 60er Jahre-Pädagogik als Schreckgespenst und als einzige Alternative zum Spracherfahrungsansatz angeboten, dabei hatten sich bereits ab den 70er Jahren die Methoden in der Grundschulpädagogik geändert.

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