45 Kinder in einer Klasse: Hubig will Lehrerausbildung in Ruanda unterstützen

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KIGALI. Die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Hubig informiert sich eine Woche lang über das Bildungssystem im afrikanischen Partnerland: «Es gibt einen dringenden Bedarf an mehr Lehrkräften.» Schüler in Bingen wünschen sich einen Gegenbesuch aus Ruanda.

Engagiert sich in Afrika: Die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig ist mit sich zufrieden. Foto: Georg Banek / Ministerium für Bildung Rheinland-Pfalz

Rheinland-Pfalz und Ruanda haben ihre seit rund vier Jahrzehnten bestehende Partnerschaft mit einem Besuch von Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) vertieft. «Wir haben eine Absichtserklärung für die Weiterführung unserer engen Zusammenarbeit in der allgemeinen und beruflichen Bildung unterzeichnet», sagte Bildungsministerin Stefanie Hubig zum Abschluss einer einwöchigen Reise. Begleitet wurde sie von Innenstaatssekretär Randolf Stich (SPD) und weiteren Delegationsmitgliedern.

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«Vor allem bei den Grundschulen in Ruanda wollen wir die Ausbildung von Lehrkräften unterstützen», sagte Hubig. Mit etwa 45 Kindern seien die Grundschulklassen in Ruanda immer noch sehr groß. Weil die Schulräume nicht ausreichten, müsse der Unterricht gerade in ländlichen Gegenden oft im Schichtbetrieb organisiert werden. «Es gibt einen dringenden Bedarf an mehr Lehrkräften.»

Ihre Besuche hätten sich über die gesamte Bildungskette erstreckt, sagte Hubig, von der Kindertagesstätte bis zu berufsbildenden Schulen. Bei der beruflichen Bildung seien die ruandischen Partner an einer noch engeren Zusammenarbeit bei der Aus- und Fortbildung der Lehrkräfte interessiert, sagte die Ministerin und wies auf bereits bestehende Projekte hin. «Wir können voneinander lernen, beispielsweise auch in der Digitalisierung des Unterrichts.»

«Meinem ruandischen Kollegen Eugène Mutimura ist darüber hinaus die Einhaltung der Schulpflicht sehr wichtig», sagte Hubig. So besuchten etwa sechs Prozent der Kinder keine Schule, vor allem in den Dörfern. «Die Kinder sind dann oft sich selbst überlassen, weil ihre Mütter auf dem Feld arbeiten.»

Betroffen zeigte sich Hubig von Besuchen in der Genozid-Gedenkstätte Gisozi und bei der Überlebenden-Organisation IBUKA. «Wir haben viel über den Völkermord von 1994 erfahren, über schulische Gedenkarbeit und darüber, was das Land seitdem unternimmt, um dieses Unrecht auf ganz unterschiedliche Art zu be- und zu verarbeiten.» Es sei beeindruckend, wie Ruanda es erreicht habe, in vergleichsweise kurzer Zeit wieder in einer Gesellschaft zusammenzuleben und zusammenzuhalten.

Überall sei zu spüren gewesen, wie wichtig den Menschen in Ruanda die Partnerschaft mit Rheinland-Pfalz sei, sagte die Ministerin. Mehr als 220 Schulpartnerschaften zeigten, wie aktiv die Freundschaft gelebt werde. Gegenseitige Besuche seien noch die Ausnahme, aber es gebe viele weitere Kontakte wie Brieffreundschaften oder über die sozialen Medien. «Künftig wollen wir die bestehenden Schulpartnerschaften noch besser miteinander vernetzen.»

Der Schüler Lucas Fomsgaard vom Stefan-George-Gymnasium in Bingen sagte, an seiner Schule werde die Partnerschaft mit der Schule in Nyagahanga in der Ostprovinz von Ruanda in einer eigenen Arbeitsgruppe gepflegt. Seit 2003 habe es fünf Reisen mit Schülerinnen und Schülern dorthin gegeben, nach intensiver Vorbereitung für etwa zehn Tage. «Unser Ziel ist, dass Schülerinnen und Schüler unserer ruandischen Partnerschule auch uns einmal besuchen können.» dpa

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