Späte Sommerferien? Ja bitte! Die Kultusminister kämpfen um die Ferienordnung

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BERLIN. Sie gelten als die schönste Zeit des Jahres: Doch wann genau sich Eltern und Kinder auf die Sommerferien freuen können, ändert sich in den meisten Bundesländern von Jahr zu Jahr. Zwei Länder – Berlin und Hamburg – wollen mit neuen Ansätzen für mehr Kontinuität sorgen. Umstritten ist auch, ob das Privileg der beiden Südländer Bayern und Baden-Württemberg auf Pfingstferien plus später Sommerferientermin langfristig Bestand haben kann. Es gibt Begehrlichkeiten.

Der Kampf um die Ferienordnung dürfte verbissen geführt werden – die Interessen der einzelnen Bundesländer gehen deutlich auseinander. Foto: Shutterstock

Die Länder Berlin und Hamburg wollen neue Regeln für die Sommerferien in Deutschland einführen. Bei der Kultusministerkonferenz (KMK) am Donnerstag und Freitag in Berlin wollen beide Länder beantragen, die freien Tage künftig zeitlich weniger zu strecken. Generell sollen die Sommerferien demnach erst ab dem 1. Juli beginnen, die unterschiedlichen Termine der Länder enger zusammenrücken und die jährlichen Verschiebungen möglichst gering ausfallen.

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Negative Auswirkungen auf die Lernzeit der Schüler und Belastung der Lehrer?

Ziel sei «mehr Kontinuität» im Schuljahresablauf, sagte Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres im Gespräch. «Vor allem Sprünge von einem späten Ferientermin auf einen frühen Ferientermin führen zu einer Verkürzung von Schuljahren.» Die derzeit geltende Regelung hat aus Sicht der SPD-Politikerin negative Auswirkungen auf die Lernzeit der Schüler, die Belastung der Lehrkräfte, «schulorganisatorische Prozesse» sowie auf den Zeitraum bei den Abschlussprüfungen.

Auch angesichts eines gemeinsamen Pools von Abituraufgaben seien teils erhebliche Schwankungen bei der Länge der Schulhalbjahre nicht mehr zeitgemäß, sagte Scheeres. «Die Ferien sollten zwischen dem 1. Juli und dem 10. September liegen.» So könnten sich die Länder besser dem Ziel annähern, ein bundesweit vergleichbares Abitur durchzuführen. Daher bringe Berlin die Vorlage gemeinsam mit Hamburg auf der KMK ein.

Schleswig-Holstein: Tourismus leidet, wenn die Feriensaison deutlich kürzer wird

Andere Bundesländer reagierten auf Anfrage zurückhaltend bis ablehnend auf den Vorstoß. Schleswig-Holstein sieht keinen Handlungsbedarf. «Ein zu enger Ferienkorridor in ganz Deutschland könnte negative Auswirkungen auf den für unser Land so wichtigen Tourismus haben, wenn die Saison dadurch deutlich kürzer würde», sagte ein Sprecher des Bildungsministeriums in Kiel. So haben der Deutsche Reiseverband und der Deutsche Tourismusverband unlängst sogar eine Ausweitung des Korridors gefordert. Das Argument: Urlaube würden billiger, weil die Kapazitäten in Hotels und bei Flügen besser ausgelastet werden könnten (News4teachers berichtete).

Auch Sachsen-Anhalts Bildungsminister Marco Tullner (CDU) kann keine Vorteile bei der Idee erkennen. Die Zahl der Ferientage insgesamt sei einheitlich geregelt. «Natürlich erwarte ich, dass alle Länder eine gewisse Flexibilität an den Tag legen und sie sich nicht nur auf ein Wunschmodell festlegen», so Tullner. Wichtig für Sachsen-Anhalt sei: «Die zentralen Abiturprüfungszeiträume dürfen nicht durch Alleingänge einzelner Länder in Gefahr geraten.»

Lernstress für die Schüler, Korrekturstress für die Lehrer

Nordrhein-Westfalens Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) sagte: «Jedes Gesetz und jede Regelung sollte von Zeit zu Zeit daraufhin überprüft werden, ob es noch sachgerecht und zeitgemäß ist. Das gilt auch für die komplizierte Sommerferienregelung. Aufgrund der langfristigen Festlegung der Ferienpläne wird es jedoch keine schnellen Entscheidungen geben können.» Damit rechnet auch Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke) nicht. Für ihn sei wichtig, dass die Länder sich weiter einvernehmlich abstimmten. Tatsächlich sind die Termine bis 2023/2024 fixiert.

Allerdings hatte auch Gebauer die bestehende Ferienordnung infrage gestellt (News4teachers berichtete). Sie werde das Thema Ferienregelung in der Kultusministerkonferenz ansprechen, kündigte Gebauer im vergangenen Jahr an. Denn es gebe viele Fragen, die grundsätzlich einmal zwischen den Ländern besprochen werden müssten, wie beispielsweise auch der Ferienbeginn. «Warum haben Bayern und Baden-Württemberg immer zum letztmöglichen Zeitpunkt Sommerferien?», fragte die Schulministerin seinerzeit und fügte hinzu: «Hier meine ich, dass es zu neuen Regelungen kommen muss». Diese durchzusetzen sei aber «ein dickes Brett», die anderen Bundesländer hätten auch ihre Interessen.

2014 hatten die Kultusminister sich auf die bestehende Ferienordnung geeinigt. Tatsächlich sind Pfingstferien plus später Sommerferienbeginn hoch attraktiv. Beide Zeiträume liegen weitgehend außerhalb der Hauptreisesaison von Mitte Juni bis Mitte August, sodass Familien günstiger reisen können. Darüber hinaus verspricht der Hochsommer besonders warme Ferientage. Auch pädagogisch gilt ein früher Sommerferienbeginn als schwierig: Die Unterrichtszeit zwischen Weihnachts- und Sommerferien fällt dann arg kurz aus. Die Prüfungsphasen nach Ostern müssen komprimiert werden – und das bedeutet: Lernstress für die Schüler, Korrekturstress für die Lehrer.

Bayern und Baden-Württemberg beanspruchen bei den Ferien eine Extrawurst

Damit es gerecht zugeht, werden die Termine der Sommerferien von den Kultusministern langfristig nach einem „rollierenden System“ festgelegt. Das heißt, mal starten die einen Länder früher in die Ferien, mal die anderen. So sollen möglichst alle Schüler, Eltern und Lehrer mal in den Genuss der Vorteile eines späteren Sommerferienbeginns kommen. Allerdings: Bayern und Baden-Württemberg beanspruchen für sich seit je her eine Extrawurst – und bekommen sie auch.

Die beiden südlichen Bundesländer machen traditionell im «rollierenden System» der anderen 14 Länder nicht mit und bestehen auf den späten Ferientermin von Anfang August bis Mitte September. Früher begründeten sie das damit, dass viele Kinder bei der Ernte helfen müssten. Heute zieht das Argument nicht mehr. Mancher Schulminister sieht das Beharren seiner bayerischen oder baden-württembergischen Amtskollegen auf den späten – attraktiven – Termin mit Argwohn. News4teachers / mit Material der dpa

Hintergrund

Bisher haben aus historischen Gründen lediglich Bayern und Baden-Württemberg jedes Jahr weitgehend im gleichen Zeitraum Sommerferien. Bei den übrigen Ländern wechseln die Termine permanent. So beginnen im kommenden Jahr die Sommerferien in Mecklenburg-Vorpommern bereits am 22. Juni und enden am 1. August, in Baden-Württemberg als letztem Bundesland starten sie am 27. Juli und enden am 12. September.

Die Bundesländer stimmen sich bei der Ferienordnung ab, um Superstaus auf den Autobahnen zu vermeiden – und um den Bedürfnissen der Tourismusindustrie zu entsprechen. Eine gestreckte Feriensaison verspricht insgesamt eine bessere Bettenauslastung und damit mehr Umsatz. Für die verschiedenen Ferientermine soll insgesamt ein „Zeitraum von 90 Tagen weitmöglichst ausgeschöpft“ werden, so hat die KMK beschlossen. Der Spielraum für die Ferientermine erstreckt sich in der Regel vom 20. Juni bis zum 15. September. Das wechselt aber von Jahr zu Jahr. Fallen Ostern und Pfingsten spät ins Frühjahr, starten die ersten Länder auch erst später in die Sommerferien.

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

Streit um die Pfingstferien: Nordrhein-Westfalen möchte gerne welche haben, in Bayern stellen (manche) Lehrer sie infrage

 

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5 KOMMENTARE

  1. Eine Lösung wäre ganz einfach:
    Das Schuljahr endet in allen Bundesländern am Ende des Kalenderjahres, Prüfungen wären bundesweit im November, das Studium beginnt im Sommersemester.
    Dann wären die Ferientermine egal.
    rfalio

    • Als ich eingeschult wurde, ging das Schuljahr nach den Osterferien los. Es hieß dann irgendwann, durch die lange Unterbrechung des Schuljahres in den Sommerferien würden die Schüler zu viel verlernen und man müsste ( fast ) noch mal von vorne anfangen. Also wurde der Schuljahresbeginn entsprechend verlegt.

  2. In diesem Jahr überschnitten sich die Pfingstferien der Südländer mit dem Ferienbeginn der frühesten Sommerferien, im kommenden Jahr liegt genau eine Woche dazwischen.
    Wenn man das berücksichtigt, ist der 90-Tage-Korridor vermutlich längst ausgeschöpft. Da könnte der Tourismusverband mal Ruhe geben und die Kultusminister anderem Vorrang geben, z. B. einem sinnvollen Wechsel ohne großer Sprünge, statt einer noch breiteren Ausdehnung des gesamten Wechsel-Korridors.

    Warum eine Urlaubsreise um Pfingsten günstiger ist, als der Sommerferien-Urlaub eine Woche später, erschließt sich mir nicht.

  3. Inetwa gleichzeitige Sommerferien finde ich nur sinnvoll, wenn sie auch länger wäre, also z.B. 8 Wochen wie “damals im Osten”. Ansonsten finde ich die Streckung richtig und wichtig, weil ja sonst vie mehr Eltern in einer kürzeren Zeit alle gleichzeitig Urlaub machen wollen werden. Das dürfte die Preise ziemlich nach oben treiben – und bedeutet auch weniger Einnahmen in einer längeren “Nicht-Saison”.

  4. Vielleicht noch 4 Aspekte:
    Das Wiederholen nach den langen Ferien muss immer erfolgen, ob zu Beginn oder während eines Schuljahres.
    Das starke Verkürzen des Schuljahres durch den “Sprung” ließe sich vermeiden, wenn man nicht rolliert, sondern rotiert; also immer eine Woche später bis zum letztmöglichen Termin und dann wieder wochenweise zurück.
    Zwischen Sommerferien und Weihnachten bliebe eine lange Zeit für Abschlussprüfungen etc.
    Die Schüler hätten viel Zeit für die Vorbereitung auf die Abschlussprüfungen.

    rfalio

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