Philologen an Gemeinschaftsschulen beklagen: Zu viele Projekte, zu wenig Leistung – und begabte Schüler werden vernachlässigt!

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KIEL. Der Philologenverband Schleswig-Holstein schlägt Alarm. Er sieht deutliche Defizite in den Oberstufen der Gemeinschaftsschulen im Lande. Diese Einschätzung ist das Ergebnis eines Treffens von Mitgliedern des Philologenverbands an Gemeinschaftsschulen. Diese äußerten zum Teil heftige Kritik an den Arbeitsbedingungen, aber auch an der Arbeitssituation in den dortigen Oberstufen, wie es in einer Erklärung heißt. „Unterrichtsqualität und Leistungsansprüche an Gemeinschaftsschulen mit Oberstufen müssen denen an Gymnasien entsprechen“, so fordert der Verband.

Daumen runter: Der Grundschulverband hat seine Kritikpunkte aufgelistet. Foto: Gerd Altmann / pixelio.de
Die Philologen sehen die Arbeit in den Oberstufen der Gemeinschaftsschulen kritisch. Foto: Gerd Altmann / pixelio.de

Konkret wurde die hohe Zahl außerunterrichtlicher Aktionen  wie Projekte, Vorhabentage oder Praktika bemängelt. Auch wenn diese fächerunabhängigen Veranstaltungen im Einzelfall pädagogisch sinnvoll sein könnten, führe die Häufigkeit der Vorhaben zu Unregelmäßigkeiten im alltäglichen Unterrichtsablauf, hieß es. Die Folge: Selten könne eine reguläre Unterrichtswoche ohne die Abwesenheit einzelner Schülerinnen und Schüler gestaltet werden.

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Für schwächere Schüler gibt’s Fördergruppen mit doppelter Lehrerbesetzung

Die Förderung begabter und leistungsstarker Schüler, so monieren die Philologen, werde zum Teil vernachlässigt. An Gemeinschaftsschulen erhielten schwächere Schüler zum Teil eine besondere Betreuung in Kleingruppen – nicht selten mit doppelter Lehrerbesetzung. Dagegen blieben leistungsstärkere Schüler in sogenannten „Förderzeiten“ sich selbst überlassen.

Kritisiert wurde auch die Tatsache, dass in Gemeinschaftsschulen zu selten ein sprachliches, in einigen wenigen Fällen nicht einmal ein naturwissenschaftliches Profil eingerichtet werden könne. Diese Entwicklung entspreche nicht den verbindlichen ministeriellen Vorgaben für die Einrichtung einer Oberstufe. Darüber hinaus bemängelten die Philologen eine häufig zu großzügige Versetzungspraxis nach Klasse 10. „Diese erfolgt, damit die Mindestschülerzahl in der Oberstufe von 50 Schülern erreicht wird. Erkauft wird diese Großzügigkeit dann aber mit geringeren Leistungsansprüchen“, so heißt es.

Beunruhigt zeigten sich sowohl die vortragenden Gemeinschaftsschullehrkräfte wie auch der Landesvorstand des Philologenverbandes über das schlechte Abschneiden schleswig-holsteinischer Gemeinschaftschüler in den naturwissenschaftlichen Fächern, was die jüngste IQB-Studie dokumentiere. Anerkennung zollten die anwesenden Lehrkräfte der sachlichen Ausstattung der Gemeinschaftsschulen im Lande. Räume, Sachmittel und Mobiliar seien modern und zeitgemäß.

“Gemeinschaftsschulen haben eine spezifische pädagogische Aufgabe”

„Wir wollen nicht missverstanden werden“, erklärte der Vorsitzende des Philologenverbandes, Jens Finger, im Anschluss an die Veranstaltung, „wie die Gymnasien so haben auch die Gemeinschaftsschulen eine spezifische pädagogische Aufgabe. Diese kann aber nur angemessen erfüllt werden, wenn die Unterrichtsbedingungen dort verbessert werden.“ Im Einzelnen forderte der Verband die Abkehr vom fachfremden Unterricht („Nawi“, Weltkunde), mehr Lehrerstellen, kontinuierlichen Fachunterricht und eine höhere Repräsentanz von gymnasialen Lehrkräften in den Schulleitungen der Gemeinschaftsschulen.

Für Lehrkräfte des Lehramts an Gymnasien, die an Gemeinschaftsschulen unterrichten, müsse es darüber hinaus nach einigen Jahren eine Rückkehroption geben, wenn ein solcher Versetzungswunsch geäußert werde, so fordert der Verband. Soll wohl heißen: Etliche Philologen haben die Nase voll. Agentur für Bildungsjournalismus

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

50 Jahre Gesamtschule in (West-)Deutschland – GEW fordert zum Jubiläum neue „Anstrengungen für längeres gemeinsames Lernen“

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20 KOMMENTARE

  1. Zu wenig Leistung, weil die Förderung begabter und leistungsstarker Schüler zum Teil vernachlässigt wird. Wie wahr!
    Zitat: “An Gemeinschaftsschulen erhielten schwächere Schüler zum Teil eine besondere Betreuung in Kleingruppen – nicht selten mit doppelter Lehrerbesetzung. Dagegen blieben leistungsstärkere Schüler in sogenannten „Förderzeiten“ sich selbst überlassen.”
    Genauso sehe ich das auch. Das Bemühen um einseitig verstandene Gerechtigkeit geht zu Lasten der begabteren und leistungsfähigeren Schüler.
    Von wegen Chancengleichheit! Die einen werden vernachlässigt, damit die anderen über die Maßen Zuwendung und Förderung erfahren.

    • Dann sollte man begabtere Kinder lieben ins Gymnasium schicken! Es gibt ja keine verbindliche Grundschulempfehlung in S-H. Ich rate es den Eltern der guten Schüler immer.

  2. In eine Schulform gezwungen zu sein, deren inhaltliche Ausrichtung und tägliche Praxis man für falsch hält oder wo die eigenen Kenntnisse und Kompetenzen nicht auf die Schülerschaft passen, muss ungeheuer frustrierend sein. Denn es ist klar, dass je man nach Schulstufe und sozialer Herkunft der Schüler völlig unterschiedliche Fähigkeiten braucht, nur seltene Superlehrer (z.B. GEW-Referenten) können alles. Der Beamtenstatus lässt da kaum Möglichkeiten, wenn jemand den totalen Ausstieg scheut und zu anständig für “Dienst nach Vorschrift” ist. Eine Kollegin arbeitet geteilt in zwei Schulformen und kann einiges dazu erzählen.

  3. Das Niveau in diesem Oberstufen ist katatrophal: Im Mathe-Abitur ist seit Jahren die häufigste Note, die gegeben wird, 3 Punkte!

      • Nein, in S-H müssen die Schüler in den 4 Abiturprüfungsfächern zusammen 20 Punkte haben und zwei Noten müssen mind. glatt ausreichend (also 5 Pkt.) sein.
        Mathe 3 Pkt, Profilfach Sport 9 Pkt., Deutsch 4 Pkt., Geographie 5 Pkt.
        -> Abitur bestanden

        • Im Osten nannte man das vor allem in der Wendezeit “Schönfärberei”. (Ich meine nicht Ihre Aussage, sondern wie da Leistungsschwäche kaschiert wird, um doch noch das Abitur zu bestehen.)

          Schönfärberei gibt es also immer noch. Naja, kennen wir ja auch aus der Arbeitslosenstatistik.

  4. Ich bin Befürwörterin der Gesamtschulen/ Gemeinschaftsschulen und für die Schulen, wo die Kinder von der 1. bis zur 10./12. Klasse in einer Schule lernen. Die strikte Sortierung nach der 4. Klasse (Hauptschule, Realschule, Gymnasium, ggf. Förderschule) im deutschen Schulsystem und länderspezifische Unterschiede spaltet die Gesellschaft und den sozialen Zusammenhalt und verbaut Bildungschancen. Die Binnendifferenzierung in 2 Leistungsniveaus ist vollkommen ausreichend. Und das Gymnasium mit Schwerpunkten soll nur für begabte und leistungsorientierte Schüler vorgehalten sein und dort sollen sie entsprechend gefördert werden. Für alle anderen Schüler mit guten und nicht so guten Leistungen – die Gesamtschule mit Binnendifferenzierung in zwei Niveaustufen. . Und in Projekten mit Praxisbezug/außerschulischen Veranstaltungen/ Präsentationen lernen die Schüler viel mehr und mit viel mehr Motivation als aus theoretischen teilweise veralteten Büchern. Der Auftrag der Schule soll vor allem sein, soziale Bildung, praxisbezogene Allgemeinbildung, Interessenförderung.

    • Ihre Meinung habe ich zur Kenntnis genommen – sie stellt eine typische Ansicht der Linken bzw. Grünen dar und wird so auch in einzelnen Bundesländern bereits umgesetzt. Genau diese Länder zählen nicht zur Spitze in den üblichen Schulleistungsstudien – aber das ist ein anderes Thema.

      “Die Binnendifferenzierung in 2 Leistungsniveaus ist vollkommen ausreichend.”
      Nein – absolut nicht. Die Hauptschüler können das Niveau der Realschule nicht mitgehen, genauso wie es an der Realschule viele Schüler gibt, die mit dem Niveau des Gymnasiums nicht mitgehen können (zumindest hier in Bayern, wo das Abitur noch etwas zählt). Das ist keineswegs negativ bzw. abwertend gemeint, sondern stellt den tatsächlichen Sachverhalt dar. Wenn Sie nur 2 Niveaustufen anbieten, senken Sie damit das allgemeine Niveau ab, um auch “jeden Schüler mitzunehmen”. Durch ein Absenken des Niveaus helfen Sie niemanden.

      “Und das Gymnasium mit Schwerpunkten soll nur für begabte und leistungsorientierte Schüler vorgehalten sein und dort sollen sie entsprechend gefördert werden.”
      Das Gymnasium soll also “leistungsorientierten” Schüler vorbehalten sein. In diesem Punkt gehe ich mit Ihnen mit. Genau jene Leistungsorientierung wird im Elternhaus gelegt und führt zwangsweise wieder zu einer Separierung der Schülerschaft im Sinne von “Gymnasium gut – Gesamtschule schlecht, da nicht “leistungsorientiert”.

      “Für alle anderen Schüler mit guten und nicht so guten Leistungen – die Gesamtschule mit Binnendifferenzierung in zwei Niveaustufen.”
      Leider vergessen Sie, dass “Hauptschüler” hier vom Verhalten stellenweise eher negativ(er) auffallen als Schüler, die aus bildungsnäheren Schichten kommen. Genau jede Schüler aus bildungsfernen Schichten werden den Schülern, die lernen möchten, das Leben zur Hölle machen und dadurch das komplette Niveau herunterziehen. Die Lehrkraft muss sich zwangsweise mit dieser Schülerschaft beschäftigen und hat deshalb weniger Zeit, sich um die leistungsmäßig besseren (und ruhigeren) Schülern zu kümmern, die ebenfalls ein Recht auf Hilfe haben. Warum sollten Eltern so etwas wollen bzw. akzeptieren? Genau aus diesem Grund wächst in Deutschland die Schülerschaft der Privatschulen seit Jahren an.

      “Der Auftrag der Schule soll vor allem sein, soziale Bildung, praxisbezogene Allgemeinbildung, Interessenförderung.”
      Nein – die Schule muss nicht “vor allem […] der Interessensförderung” dienen. Das ist Sache der elterlichen Erziehung und nicht der Schule. Wenn Schüler absolut keine Interessen haben (ich rede hier nicht von pubertierenden Jugendlichen), dann läuft hier eventuell auch etwas im Elternhaus falsch. Schule soll und darf sehr gerne Interessen vertiefen und ausbauen – aber hauptsächlich Interessen zu setzen ist nicht die Aufgabe einer Schule.

    • In Ihrem Modell entspräche die GS den früheren Haupt- und Realschulen, weniger als 1/4 der Schüler würde Gymnasien besuchen, also etwa so wie ca. 1980. Da es die strikte Sortierung nach der 4. Klasse ja seit über 20 Jahren nicht mehr gibt (und die verbauten Bildungschancen auch nicht, unsere Schulsysteme haben 100 Wege zum Abitur und 200 zum Studium), bin ich mit Ihren Gedanken völlig einig.
      Ihre Beschreibung vom Auftrag der Schule passt auf die Gesamt- oder Mittel- oder Realschule Plus ganz gut.
      Eine Gesellschaft braucht allerdings auch Menschen, die noch in der Lage sind, hochkomplexe abstrakte und konzentrationsintensive Tätigkeiten auszuüben. Es gibt auch genügend Kinder, die das können und darin Freude und Erfolg finden, wenn man sie entsprechend befähigt. Die können dann auch theoretische Bücher (Quantenmechanik, Informatik, Makroökonomie) verstehen und lesen z.T. gerne veraltete Texte wie z.B. Utopia oder Goethe oder Rousseau oder Platon oder Isaac Newton. Ja, da steckt eine Prise Ironie drin.

  5. Da steigen einige Philologen aus ihrem Elfenbeinturm, treten in die Welt außerhalb und stellen fest, dass diese so ganz anders ist, als ihre und als sie es sich vorgestellt hatten. Huch!

    Es muss daraufhin die Gegenfrage erlaubt sein, wie es mit der Differenzierung an den Gymnasien aussieht und auf welche Weise dort ohne Rückgriff auf Projekte bestimmte Inhalte der Bildung vermittelt werden.

    Interessant ist, dass die Philologen selbst feststellen, dass die Arbeitsbedingungen an den anderen Schulen weitaus schlechter sind als am Gymnasium, weshalb sie für die andere Schule mehr Lehrkräfte fordern.
    Und es ist festzustellen, dass trotz schlechterer Arbeitsbedingungen, trotz anderen Schülerklientels, trotz erheblich heterogener Klassen und trotz vielfacher Projekte, die durch das Team und die Schüler getragen werden, auch die abiturrelevante Fähigkeiten vermittelt werden, nicht allein, sondern zusätzlich zu den anderen Fähigkeiten.

    Nun überlege ich, ob eine höhere Repräsentanz der Philologen in sämtlichen anderen Schulen den allgemeinen Arbeitsbedingungen in allen Schulformen dienlich sein könnte.
    Wünschen muss ich das nicht, der Lehrkräftemangel in Grundschule und SekI wird dies über Jahre weiter zur Anwendung bringen und Gymnasiallehrkräften, die am Gymnasium keine Stelle finden, nicht allein in den Oberstufen der Gesamtschulen, sondern auch in allen anderen Schulformen eine sichere Stelle bieten.

    • Entweder haben sie nicht richtig gelesen oder die Kritik der Philologen nicht verstanden. Es geht hier im Wesentlichen um die Oberstufe. Im Kern ist die Kritik doch einfach: Wenn man Oberstufen an Gemeinschaftsschulen aufbaut, muss man auch dafür sorgen, dass die Schüler diese erfolgreich absolvieren können.

      Dazu gehört:
      1. Förderung der Leistungsstarken, nicht nur der Leistungsschwachen in den Stufen 5-10
      2. Unterricht durch fachlich qualifizierte Lehrkräfte
      3. Kontinuität

      Wie soll man plötzlich in der Oberstufe ein Profilfach Geschichte/Geographie/WiPo erfolgreich absolvieren, wenn man vorher nur im Fach “Weltkunde” unterrichtet wurde? (Wenn denn in diesem Fach überhaupt stringenter Unterricht stattgefunden hat)

      Wenn eine Gemeinschaftsschule eine Oberstufe anbietet, dann muss sie auch dafür Sorgen, dass ihre Absolventen ein Abitur und ein Studium erfolgreich abschließen können. Das ist doch keine absurde Forderung!

      • Sie lesen einzelne Kritikpunkte heraus, ich andere.
        Zu 1: Förderung der Leistungsstarken: Wie sieht diese denn an den Gymnasien aus? Und auf welche Weise nehmen sich die Gymnasien der begabteren Schülerschaft an?
        Auf welche Weise fördern sie die leistungsschwächere Schülerschaft in Klasse 5-10, fördern HauptschülerInnen, MigratInnen und Kinder mit Förderbedarf Lernen oder Geistige Entwicklung in ihrem Unterricht?

        Zu 2: Welche Lehrkräfte sind denn in Ihren Augen qualifiziert?
        Es ging generell um mehr Lehrkräfte. Da es für Grundschule und SekI nicht genügend Lehrkräfte gibt, werden an diesen Schulen viele Unterrichtsstunden derzeit durch weit weniger qualifizierte Personen abgehalten. Da gibt es durch die Bundesländer ganz unterschiedliche Konzepte. In meinem sind es im besseren Fall Menschen mit anderer Lehramtsausbildung, z.B. abgeordnete Gymnasiallehrkräfte, im schlechteren Pädagogikstudierende als voll verantwortliche Vertretungskraft oder Aufsicht durch nicht-studierte Personen mit unterschiedlichen Qualifikationen, die vom Land als pädagogische MitarbeiterInnen dafür eingestellt werden.
        Alternativ fallen Stunden aus, zuerst die Doppelbesetzungen, die Angebote der Zusatzbedarfe, die dann nur noch auf dem Papier stehen, aber nicht erteilt werden, sodass die Förderung und Herausforderung unterrichtsimmanent erfolgen muss.

        Wenn man in der Grundschule und der SekI mehr ausgebildete Lehrkräfte haben möchte, wird man mehr einstellen müssen. Gibt es keine GHR-Lehrkräfte, werden es Gymnasiallehrkräfte sein müssen, die ja auch für die SekI ausgebildet sind und diesen Unterricht erteilen können. Dann werden sie auch gleich die unter Punkt 1 eingeforderte Differenzierung unter Beweis stellen können und erhalten dabei ggf. über die Zusatzbedarfe Unterstützung von anderen Lehrkräften.

        Zu 3: Kontinuität? Ja, die wünschen wir uns alle, statt ständigen Wechsel der Curricula, der Fachbezeichnungen, der Vorgaben zu Leistungserhebung und Übergängen, der Antrags- und Konzepterstelung, der abgeordneten Lehrkräfte und der Vertretungslehrkräfte. Also: siehe Punkt 2.

        Wenn ein Fach in der SekI anders als in der SekII genannt wird oder es unterschiede zwischen SekI-GeSa und SekI-Gym gibt, dann müsste man die Curricula nebeinander legen und eine Synopse erstellen, ob oder wo sich die Vorgaben gleichen und wo und aus welchem Grund Unterschiede zu verzeichnen sind.

        Wenn eine Gemeinschaftsschule eine Oberstufe anbietet, dann tut sie das für ihre Schülerschaft mit ihren Lehrkräften und ich gehe davon aus, dass letztere im Rahmen der ihnen gestellten Möglichkeiten gut arbeiten. Warum sollte ich das nicht?

        Wenn die Philologen nun feststellen, dass die Arbeitsbedingungen an anderen Schulen so schlecht sind, dass dies nicht möglich ist, ist es gut, wenn sie für bessere Bedingungen an den anderen Schulen eintreten und selbst das ihnen Mögliche dafür tun.

        Oder worum ging es bei der Kritik?

        • Vielleicht ist es im Artikel nicht so ganz klar geworden, da ich aber einen Teil der Gemeinschaftsschulkollegen kenne, die diese Kritik geäußert haben, eine Klarstellung:
          Die Kollegen sind nicht abgeordnet oder versetzt, sondern haben sich auf freie Stellen an diesen Gemeinschaftsschulen mit Oberstufe (GemSmO) beworben. Teils, weil an Gymnasien keine (Plan-)Stellen vorhanden waren, teils, um eine Stelle in der bevorzugten Region zu bekommen (i.d.R. Kiel/Lübeck), teils, weil sie an lieber an einer GemSmO unterrichten wollten. Theoretisch soll jede GemSmO ca. 1/3 Gymnasiallehrkräfte haben, was oft nicht erreicht wird.

          Die Kritikpunkte noch mal erklärt:
          1. In der Mittelstufe gibt es an diesen Schulen die Fächer Geschichte, Geographie, Wipo, Physik, Biologie und Chemie nicht, sondern nur Weltkunde und Nawi. In der Oberstufe müssen Schüler dann ein sog. Profilfach (=späters Abifach) wählen, auf das sie oft nicht richtig vorbereitet sind.
          2. An den GemSmO wird viel fachfremd unterrichtet, um viel Unterricht beim Klassenlehrer zu haben und wegen Fachlehrermangels. Das führt zu echten Nachteilen in der Oberstufe besonders in den Profilfächern.
          3. Mit Kontinuität ist gemeint, mal 4 Wochen oder mehr ohne Wegfall von Stunden für Projekte, Aktionstage etc. etc. zu haben (“Unregelmäßigkeiten im alltäglichen Unterrichtsablauf”)
          4. Möchte man leistungsfähige Schüler in der Oberstufe, muss man sie auch vorher fördern und nicht nur mitlaufen lassen, weil jede Aufmerksamkeit den Schwachen gehört.

          Als belastend empfinden die Kollegen, dass ihre Schüler in der Oberstufe nicht auf diese vorbereitet sind (siehe die drei Kritikpunkte oben). Resultat sind u.a. Misserfolge im Zentralabitur. Die Arbeitsbedingungen (nicht -belastung) stimmt nicht und darauf haben sie hingewiesen.

          • Man vergleicht doch aber die Oberstufen zweier verschiedener Schulformen. Da kann man doch nicht erwarten, dass es in beiden Oberstufen gleich läuft.

            Dass es an der GemS mehr Klassenlehrerunterricht in Klasse 5-10 gibt, hat doch pädagogische Gründe,
            dass es kombinierte Fächer gibt ebenso.

            Auf welche Weise fördern Lehrkräfte am Gymnasium denn die begabteren SchülerInnen? Warum sollte dies an den GemS nicht möglich sein?

            Auf welche Weise fördern Lehrkräfte am Gymnasium fächerübergreifende Inhalte, die an GemS über die kombinierten Fächer und Projekte vermittelt werden?

          • Die Oberstufen beider Schulformen laufen aber nach den gleichen Regeln und dem gleichen Zentralabitur.

            Klar hat es pädagogische Gründe, wenn viel vom Klassenlehrer übernommen wird. Darunter leidet dann aber die fachliche Qualität (wegen des fachfremden Unterrichts), was in der Oberstufe dann zu spüren ist.

            Gymnasien in S-H sind verpflichtet, besonders begabte Schüler zu fördern: z.B. Drehtürmodell, übersprungene Klassen, regionale Enrichment-Programme, Wettbewerbe (außerhalb des Unterrichts!), regionale Schülerforschungszentren im MINT-Bereich.
            All das passiert an den GemSmO nicht oder nur in ganz kleinem Umfang. Warum sollte das nicht möglich sein? Genau das beklagen die Kollegen ja, die Schulleitungen der GemSmO’s stellen dafür keine Recourcen bereit, fördern lieber die Schwachen!

            Und ob die kombinierten Fächer immer zusätzliche Erkenntnisse liefern, bestreite ich. Warum muss heutiges Wirtschaftssystem und Geschichte in der SekI in einem Fach unterrichtet werden? Mit angelesenem Miniwissen der Lehrkraft, die nur ein Fach studiert hat? Bei getrennten Fächern im NaWi-Bereich arbeiten z.B. Physik und Chemie sinnvollerweise zusammen, wenn es z.B. um die Entwicklung eines Atommodells geht.

  6. Als Lehrkraft arbeite ich sei 2 Jahren an einer Gemeinschaftsschule. Der Wechsel von einer Hauptschule dorthin war für mich sehr irritierend. Das durchschnittliche Leistungsniveau liegt hinter den Hauptschülern.
    Die Gründe wurden genannt: fehlende objektive Benotung, kein Wiederholen von Klassen und damit völlig fehlender Leistungsdruck, überbordende Projektarbeit, mangelnde Förderung begabter Schüler und nicht zuletzt meist stark verhaltensauffällige Inklusionsschüler welche im Unterricht lärmen, schreien und rumrennen und in den Pausen die Mitschüler gewalttätig bedrohen.
    Da sich aufgrund der politischen Verhältnisse an den Bedingungen nichts ändern wird, kann ich Eltern nur dringenst raten ihre Kinder auf möglichst hochpreisige Privatschulen zu schicken. Die dadurch erkaufte soziale Trennung ermöchlicht den Kindern neben ungestörtem Lernen auch die Chance auf einen angemessenen beruflichen Erfolg

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