Polizei schlägt Alarm: Grundschüler können nicht mehr so gut Radfahren wie früher

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HAMBURG. Früher war mehr Geklingel. Früher sind Grundschüler nämlich viel häufiger selbst zur Schule gefahren. Und zwar mit dem Rad. Das kommt heute seltener vor. Und das macht sich auch bei den freiwilligen Prüfungen der Hamburger Polizei bemerkbar.

Radfahren auf autofreier Straßé? Ist für die meisten Kinder unmöglich. Foto: pxhere / CC0

Viele Hamburger Grundschüler können nicht richtig Fahrradfahren. Im Vergleich zu den Kindern von vor zehn oder zwanzig Jahren hätten sich die Fähigkeiten der heutigen Mädchen und Jungen zum Negativen verändert, sagte Polizeihauptkommissar Michael Jensen von der für Verkehrserziehung und Prävention zuständigen Hamburger Verkehrsdirektion 6. Von rund 15.000 Kindern, die am Ende des vierten Schuljahres freiwillig den Führerschein machen, falle durchschnittlich jedes siebte durch.

Im Stadtzentrum fällt die Hälfte der Viertklässler durch

In den Innenstadtbereichen liege die Durchfallquote teilweise sogar bei 50 Prozent, sagte Jensen weiter. Dort sind die Schulwege kürzer, viele brauchen oder haben gar kein Fahrrad. Um das Lernziel erreichen zu können, müssen die Viertklässler nicht nur die Verkehrsregeln kennen, sondern auch sicher auf dem Rad fahren können. Dazu gehören auch das einhändige Fahren, um das Abbiegen nach links anzeigen zu können, sowie der Schulterblick.

Seit mehr als 20 Jahren geht Jensen bereits in Vorschulen und Grundschulen. Sein Ziel: den Kindern die Regeln im Straßenverkehr und mehr Sicherheit beim Radfahren beizubringen.

Bei etwa 220 Grundschulen in Hamburg macht Jensen das natürlich nicht allein. Zum Team gehören 47 Polizeiverkehrslehrer, die jeweils vom regionalen Polizeikommissariat aus in die Schulen gehen. Unterstützt werden sie von sieben Handpuppenspielern der Polizei sowie den Kollegen der Jugendverkehrsschulen, die mit ihren mobilen Fahrradparcours an die Schulen kommen. Hamburg sei mit diesem und dem zusätzlichen Ferienprogramm für die Kinder bundesweit «supergut» aufgestellt, sagte Jensen. «Das hat fast schon Alleinstellungsmerkmal.»

Den ersten Kontakt mit den Verkehrslehrern haben die Kinder in der Vorschule. Ab der ersten Klasse gehen sie dann gemeinsam über die Straßen, sprechen über Zebrastreifen, 30er-Zonen und Ampeln. «Verkehrsunterricht an der Straße und Schulwegerkundung» nennt Jensen das. Und weil schwierige Begriffe und Regeln am besten spielerisch gelernt werden, holen die Polizisten gern die Handpuppen raus. Eine Schulstunde lang spielen sie dann für die Schüler professionelles Kasperletheater, sieben Handpuppenspieler der Polizei sind dafür zuständig. Zwischen vier und acht Stunden sind die Beamten in den ersten beiden Schuljahren in jeder Klasse.

Viele Grundschüler sind motorisch ungeübt – ihnen fehlt Bewegung

Ab der dritten Klasse kommt schließlich das Radfahren hinzu. «Da stellen wir leider immer wieder fest, dass die Kinder motorisch ungeübt sind», sagte Jensen. Vielen fehle es schlicht an Bewegung im Alltag. «Viele Kinder können in der dritten Klasse gar nicht Fahrrad fahren.» Das sollten sie aber können. Die Verkehrslehrer könnten den Mädchen und Jungen das Radfahren nicht von der Pike auf beibringen, das sei Aufgabe der Eltern. «Der Verkehrslehrer soll das Fahren nur sicherer machen», sagte Jensen.

Jensen und seine Kollegen regen dann auch immer wieder an, dass Eltern ihre Kinder – wenn möglich – alleine in die Schule laufen oder fahren lassen sollten. Die Problematik der sogenannten Elterntaxis habe enorm zugenommen. «Der selbständige Weg zur Schule und nach Hause ist ein wesentlicher Bestandteil der Verkehrserziehung. So lernen die Kinder, sich im komplexen Straßenverkehr sicher zurechtzufinden.» dpa

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2 KOMMENTARE

  1. Da stellen die Polizisten etwas fest, das den Lehrkräften seit vielen Jahren schon aufgefallen ist.
    Und trotz der vobildlichen Bemühungen in Hamburg sind die Fähigkeiten rückläufig.

    Unterricht durch Polizisten und Pädagogische Polizei-Puppenbühnen sowie Fahrradkontrollen durch die Polizei, Fahrsicherheitstrainings und Radfahrprüfungen gibt es tatsächlich in anderen Bundesländern in Kindertagesstätten und Grundschulen auch,
    aber auch Elterntaxen und Kinder, die dank Überbehütung oder Unvermögen oder Vernachlässigung vieles nicht erlernen (können).

    • Das schreit doch förmlich schon wieder nach einem neuen Schulfach: Radfahren.
      Eltern wollen scheinbar nicht mehr die Mühen auf sich nehmen, ihren Kindern etwas beizubringen. Warum gibt es sonst das Verlangen nach einem Fach: Alltagswissen.

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