Unirektor Eitel: Bewertung von Hochschullehrern durch Studenten ist kein „Drangsalieren“

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HEIDELBERG. Die Bewertung der Lehre durch Studierende gilt als bewährtes Instrument, um sie zu verbessern. Doch es wird nun vor dem Verwaltungsgerichtshof in Zweifel gezogen (News4teachers berichtete). Der Chef der Landesrektorenkonferenz verteidigt die Praxis.

Hochschullehrer müssen sich dem Urteil von Studenten stellen. Illustration: Shutterstock

Die Bewertung der Lehrleistungen von Hochschuldozenten durch Studierende ist aus Sicht der Landesrektorenkonferenz (LRK) ein probates Mittel für bessere Lehre. «Es geht um gute Bedingungen für Studierende, nicht um das Drangsalieren von Wissenschaftlern», sagt der LRK-Vorsitzende, der Heidelberger Unirektor Bernhard Eitel, im Interview. Diese Evaluation sei an den Hochschulen nicht mehr wegzudenken. Vor dem Verwaltungsgerichtshof in Mannheim wehrt sich ein Hochschullehrer gegen die Regelungen seines Arbeitgebers zur Bewertung der Lehre, weil sie in seine Wissenschaftsfreiheit eingriffen.

Dürfen Studierende überall ihre Dozenten bewerten?

Eitel: Zumindest an den Universitäten ist das ganz normal. Bei der Einführung vor 10, 15 Jahren gab es Vorbehalte und Nachfragen. Heute wird die Bewertung durch Studierende nicht mehr in Frage gestellt. Sie ist ein Bestandteil des Qualitätsmanagements einer Hochschule. Die meisten Hochschullehrer halten die Rückmeldungen der Studierenden aus Vorlesungen und Seminaren für hilfreich mit Blick auf die Verbesserung der Lehre ihrer Hochschule.

Was bewerten die Studierenden?

Eitel: Die Studierenden können nur bewerten, wie gelehrt wird, nicht, was gelehrt wird. So können sie aufschreiben, wenn sie der Lehrveranstaltung nicht folgen können, sei es wegen Überfüllung, eines ausgefallenen Lautsprechers, weil sie sich überfordert fühlen oder die Vor- und Nachbereitung zu aufwendig ist. Auch die Art der Wissensvermittlung wird bewertet, etwa ob Lernziele klar definiert werden, der Dozent auf Fragen und Belange der Studierenden eingeht, Inhalte vom Blatt liest oder frei und anschaulich Wissen vermittelt. Problematisch wäre es, wenn die Studierenden systematisch auf die gelehrten Inhalte Einfluss hätten. Das ist aber meines Erachtens nirgendwo der Fall.

Wer erhält die Bewertungen und was geschieht mit ihnen?

Eitel: Erste Station sind die Dozenten selbst, die ihre Lehre durch die Evaluation optimieren können. Sie werden zudem dem Dekan der Fakultät zugeschickt, der sie auch mit Blick auf den Lehrplan überprüft. Bei Auffälligkeiten spricht der Dekan mit dem betroffenen Dozenten. Es gibt zahlreiche Angebote und Hilfestellungen zur Unterstützung und Verbesserung der professoralen Lehre. Wir setzen hier auf den Dialog und fahren damit auch sehr gut. Interview: Julia Giertz, dpa

Verteidigt die Beurteilungspraxis: Bernhard Eitel, Rektor der Universität Heidelberg. Foto: Universität Heidelberg / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Zur Person: Der gebürtige Karlsruher Bernhard Eitel ist seit vergangenem Jahr Chef der Landesrektorenkonferenz der Universitäten. Dafür hat sich der langjährige Rektor der ältesten deutschen Universität in Heidelberg vorgenommen, die Situation des wissenschaftlichen Nachwuchses zu verbessern und den Hochschulbau zu beschleunigen. Nach dem Studium der Geografie und Germanistik in Karlsruhe kam er über die Stationen Stuttgart und Passau nach Heidelberg. Dort leitet der heute 60-jährige Geografie-Professor seit 2007 die Ruperta Carola; sie errang drei Mal den Titel der Exzellenzuniversität.

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2 KOMMENTARE

  1. Es hängt davon ab, wer die Ergebnisse zu sehen bekommt und was damit angestellt wird. Eine schlechte Bewertung kann einem lebenslang verbeamteten Professor reichlich egal sein, einem befristet angestellten Lehrbeauftragten, der um die Vertragsverlängerung fürchtet, hingegen nicht unbedingt.

  2. Als jahrelang heftig Evaluierter: Das ist gut, man könnte das aber noch durch Leistungstest der Studierenden ergänzen. Auch muss man die Studierenden fragen, wie sie zur Qualität einer Lehrveranstaltung beitragen.

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