Corona-Krise: Wie Eltern von Grundschülern die unterrichtsfreie Zeit am besten nutzen können – Tipps vom Grundschulverband

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BERLIN. Aufgrund der Corona-Krise schließen bundesweit die Schulen. Anders als bei älteren Schülerinnen und Schülern werden für Grundschulkinder kaum von der Schule digital gestellte Aufgaben zur Verfügung stehen. Vielleicht wird die Lehrkraft des Kindes Lernvorschläge via E-Mail zusenden. Was aber können Eltern ihren Kindern ansonsten anbieten, wie können sie ihr Kind motivieren zu Hause für die Schule zu arbeiten und wie kann das organisiert werden? Was ist überhaupt sinnvoll für das häusliche Lernen, bereiten doch häufig genug schon die Hausaufgaben familiären Kummer? Der Grundschulverband hat ein Papier mit konkreten Anregungen herausgegeben. 

In den nächsten Wochen wird zu Hause gelernt – aber wie? Der Grundschulverband weiß rat. Foto: Shutterstock

„Grundsätzlich muss bedacht sein, dass Eltern zu Hause nicht den Schulunterricht ersetzen oder simulieren können“, sagt Maresi Lassek, Vorsitzende des Grundschulverbands. „Eltern haben andere Beziehungen als Lehrkräfte zu den Kindern und sollten authentisch in ihrer Rolle bleiben. Sie können aber in vielfältiger Weise mit ihrem Kind aktiv werden und durch das gemeinsame Tun über das inhaltliche Lernen des Kindes hinaus seine emotionalen und sozialen Erfahrungen stärken.“

Wo immer es möglich sei, werde die Schule den Eltern Anregungen und Hinweise geben und auf Schulbücher, Arbeitshefte, bestehende Arbeitspläne und anderes verweisen. Davon abgesehen sei die Schulschließung auch eine Chance, dass Kinder einmal etwas mehr selbstbestimmt tun können, was ihnen wichtig ist, und nicht immer nur nach Erwachsenen-Wünschen lernen müssen. Also: „Eltern können anregen, vorschlagen, mitmachen, aber sie sollen vor allem die Kinder fragen, was sie interessiert, was sie wissen und tun wollen, und dann zu gemeinsamen Absprachen kommen“, so regt der Grundschulverband an.

Was kann Eltern darüber hinaus für das Lernen ihres Kindes zu Hause empfohlen werden?

Ideal wäre, wenn sich das heimische Lernen auf das konzentrieren könnte, was in der Regel meist zu kurz kommt.

Ganz vorne an steht das Lesen: Abhängig von der Lesestufe, in der sich ein Kind befindet, kann das Aktivitäten vom Vorlesen bis zum eigenständigen Lesen, über Partnerlesen und gegenseitiges Vorlesen umfassen. Vor allem sollte ein Lesestoff gewählt werden, der die Interessen des Kindes trifft (Bilderbuch, Sachbuch, Abenteuergeschichten usw.). Und: Es ist sinnvoll, sich mit dem Kind über das Gelesene auszutauschen, über mögliche Fortführungen oder alternative Lösungsmöglichkeiten zu diskutieren.

Aufgaben und Spiele zum Kopfrechnen: Plus und Minus im Zahlenraum bis 20, 100, 1000, sowie kleines Einmaleins und das konzentriert 10 bis 15 Minuten pro Tag. Hierbei könnten und sollten auch die Kinder den Geschwistern oder Erwachsenen Aufgaben stellen.

Gesellschaftsspiele: Geübt werden Regelverhalten, soziale Fähigkeiten, Problemlöseverhalten, Strategieentwicklung, Ausdauer und Konzentration. Auch selbst ausgedachte Rollenspiele, sich verkleiden, Theater spielen macht nicht nur Spaß, sondern fördert soziale und sprachliche Fähigkeiten.

Knobelaufgaben aus unterschiedlichen Sachbereichen stärken das logische Denken, regen zu gemeinsamen Gesprächen über Lösungswege an und machen meist der ganzen Familie Spaß.

Bauen und Konstruieren (z. B. auch nach Bauanleitungen) mit Lego, Holzbausteinen und anderen Materialien, die zu Hause vorhanden sind, schulen technisches Verständnis, räumliches Vorstellungsvermögen, Handgeschicklichkeit, Feinmotorik, Wahrnehmung, Ausdauer, Geduld u.v.m. Zu gelungenen Bauwerken schreiben viele Kinder auch gerne die Bauanleitungen für andere auf.

Kreative Aufgaben und Künstlerisches wie Malen, Falten, Kneten u.a., wiederum abhängig vom Alter des Kindes, regen die Beobachtungsfähigkeit durch das Analysieren von Vorlagen (also die Wahrnehmung) an, stärken das Selbstbewusstsein durch konkrete Ergebnisse und verführen zum ausdauernden Verweilen, da es nicht um starre Übungsaufgaben geht. Der Fokus liegt dabei auf Erfahrungen in Bereichen, die der Grundschulverband mit „allseitiger Bildung“ umschreibt. Ein Lied einstudieren, ein Gedicht lernen, eine szenische Darstellung einüben für und mit den Eltern vermittelt emotionale Erlebnisse. In manchen Elternhäusern bieten sich dabei sicher neue Erfahrungen im Miteinander.

Ausflüge in die Natur ermöglichen sportliche Aktivitäten, aber auch die Beobachtung von Tieren und Pflanzen (s. u.). Was man nicht kennt, worüber man mehr wissen will, kann man fotografieren und zu Hause in Lexika, in Sachbüchern oder im Internet recherchieren. Insgesamt kann man sagen: Es geht nicht um ein Lernen um des Lernens willen, sondern um sinnvolle Aktivitäten für die Kinder, bei denen sie immer auch etwas lernen können. Auch das Schreiben von Briefen und Einkaufszetteln, die dann tatsächlich gebraucht werden, sind schon für Erstklässler sinnvolle Herausforderungen. Wörter, die noch nicht so gut lesbar sind, können von den Eltern dann auch in der „Erwachsenenschrift“, also in korrekter Form dazu geschrieben werden, um anderen das Lesen zu erleichtern.

Welchen Ablauf braucht das häusliche Lernen? Muss es dem Schulrhythmus angepasst werden? 

Für Kinder ist ein Rhythmus im Tagesablauf wichtig – auch zu Hause – und selbst an den Wochenenden haben die meisten Familien einen vereinbarten Zeitrhythmus, also bestimmte Zeiten des Aufstehens, für die Mahlzeiten, für eine Beschäftigung, auch für Freizeit oder selbstbestimmte Zeit. Diese Strukturen gelten für die Familie. Der schulische Rhythmus, geprägt durch Unterrichtszeiten, Pausen, Übungs- und Bewegungszeiten zusammen mit anderen Kindern, gehört in die Schule und passt zu den schulischen Abläufen. Eine Übertragung in den Familienalltag ist keinesfalls sinnvoll.

Beschäftigungs- und Lernsituationen unter Aufsicht der Eltern sind intensiver. Sie treffen einmal das familiäre Beziehungsgefüge und beruhen in der Regel auf einer Eins-zu-Eins Betreuung. Besonders zu Hause gilt (und hier besonders in der vorliegenden Ausnahmesituation), dem Kind Raum und Zeit zu lassen, seine Selbständigkeit zu stützen und die Belastbarkeit aller in dieser besonderen Lage zu beachten. Davon leiten sich die Beschäftigungen und die Arbeitszeiten ab.

Dafür lässt sich keine grundsätzliche Empfehlung geben, denn die Spanne der Arbeitsdauer ist keine Altersfrage, sondern eine Frage der individuellen Entwicklung und zuweilen auch der Stimmungslage des Kindes. Es soll schon das Bewusstsein dafür bewahren, dass es jetzt nicht Ferien hat, sondern nur nicht in die Schule gehen darf und deswegen eben daheim etwas „arbeiten“ muss.  Eine Kollision mit Wünschen der Kinder in der schulfreien Phase, mehr Zeit und Gelegenheit für digitale Medien zu bekommen, ist wahrscheinlich vorprogrammiert. Regeln, die an Wochenenden gelten, sollten überprüft werden und wenn wir von Rhythmus sprechen, müssen darin auch Absprachen über Zeiten an digitalen Geräten vereinbart werden.

Vielleicht ermöglicht die Sondersituation den Eltern, mit ihrem Kind die eine oder andere Medienzeit gemeinsam zu verbringen. Es gibt im Fernsehen und im Internet zum Beispiel interessante Filme für Kinder über Natur, Geografie und das Leben in anderen Ländern und Gesellschaften, die die Weltsicht der Kinder erweitern können, wenn die Eltern mit ihnen zusammen schauen und mit ihren Kindern über das Gesehene auch sprechen.  Die erzwungene Verlangsamung des Alltagslebens bietet an der Stelle eventuell auch Chancen.

Und, so lange Kind und/oder Familie nicht unter Quarantäne stehen, können die Erfahrungsräume ein Stück in die Natur ausgeweitet werden, Spaziergänge im Wald, Radfahren, Tiere beobachten … Dabei sammelt das Kind die authentischen Erfahrungen, die besonders in städtischen Räumen kaum noch oder immer eingeschränkter von den Kindern gemacht werden können. News4teachers

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

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8 KOMMENTARE

  1. Warum sind die Grundschulkollegen nicht dazu in der Lage, ein paar Seiten aus einem Buch einzuscannen und per eMail herumzuschicken? Ein anderer Schluss scheidet nach Lektüre des Artikels weitgehend aus.

    • Weil sie keine E-Mails der Eltern haben?

      Stattdessen haben viele Lehrkräfte am letzten Tag Materialien und Arbeitspläne mitgegeben
      oder stellen nun die Sachen auf die Homepage der Schule, so es sie denn gibt, damit die Eltern dort die Informationen und Materialien finden können.

  2. Die Aussagen vom Grundschulverband sollte man nicht verallgemeinern. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das mehrheitlich so abläuft. Ich bekam schon Bauchschmerzen, als ich die Empfehlung gelesen habe. Nachdem ein User sich entsprechend negativ geäußert hat, schreibe ich jetzt doch etwas dazu.
    In Grundschulblogs zeichnet sich ein ganz anderes Bild. Hier gibt es Materialien und auch dort wird mit wöchentlichen Arbeitsplänen gearbeitet.
    Bei uns läuft das anders als der Grundschulverband empfohlen. Wir sind mit den Eltern (und Kindern) per digitaler Kommunikation verbunden (z.B. Mail und eine App) und schicken einen Lernplan inklusive Arbeitsmaterialien. Dazu haben die Schüler wichtige Schulbücher und Arbeitsmaterialien in den Hauptfächern am Freitag mit nach Hause genommen.
    Was der Grundschulverband beschreibt, ist höchstens die Kür. Auch wir empfehlen zusätzlich zu den konkreten Aufgaben regelmäßiges Lesen, Rechtschreibübungen und Kopfrechnungen. Außerdem verweisen wir auf sinnvolle Apps und Webseiten (z.B. Antolin) hin.
    In Bundesländern, wo die Grundschullehrer mehr Zeit zur Vorbereitung hatten, bekamen die Kinder schon einen Packen Arbeitsmaterialien mit nach Hause, wie ich gelesen habe.
    Es wird von den Ministerien ja ausdrücklich darauf hingewiesen, dass diese 3 Wochen keine verlängerten Osterferien sind.

    • Niedersachsen hat zunächst geäußert, dass kein digitaler Unterricht stattfinden solle, das wurde heute konkretisiert, dass er dennoch angeboten werden könne.

      Dagegen steht aber, dass es in unserem BL eben keine vom Land zur Verfügung gestellt Plattform gibt, die die Kommunikation erleichert oder die gar schon eingespielt ist.
      Deshalb müssen Schulen nun kreativ werden und sich im Rahmen des Datenschutzes Wege überlegen, wie sie die SuS oder Eltern erreichen können.

      Da findet sich sicherlich in den nächsten Tagen noch einiges, was allen Schulen zumindest das Bereitstellen von Materialien ermöglicht.

      Aber ich gehe davon aus, dass vieles, was mitgegeben wurde, durchaus von den Kindern bewältigt werden kann. Sie brauchen am ehesten Unterstützung darin, dass man sie an die Aufgaben setzt, vielleicht auch mal eine Erklärung der Aufgabe selbst (ab Klasse 2)

      Die Lehrkräfte der 1. Klasse haben bei uns Hefter zusammengestellt, in denen die Kinder arbeiten können, sodass es keines Aufgabenplanes bedarf, der eigenständiges Organisieren von unterschiedlichen Arbeitsmaterialien voraussetzt.

      Die Kontrolle der Aufgaben wird in den meisten Fällen dann vermutlich erst nach der Schulschließung durch die Lehrkräfte erfolgen.

      • Digitaler Unterricht ist jetzt bei uns auch nicht, aber es werden Aufgaben bzw. ein Wochenplan digital durch eine App zur Verfügung gestellt. Mebis nutzen wir im Augenblick nicht, was Schülertutorials betrifft. Mebis finde ich sehr gewöhnungsbedürftig, was Tutorials betrifft.

  3. Georg:“Warum sind die Grundschulkollegen nicht dazu in der Lage, ein paar Seiten aus einem Buch einzuscannen und per eMail herumzuschicken? Ein anderer Schluss scheidet nach Lektüre des Artikels weitgehend aus.“
    Meine Kolleginnen und ich haben das ganze Wochenende damit verbracht, wochenweise Lernpläne für unsere Schüler zu erstellen, Arbeitsblätter zu kopieren, Lernpakete zusammenzuschnüren, mit Elternbeirat, Schulleitung und Kollegen zu kommunizieren beruhigende und informierende Elternbriefe zu verfassen. Wir werden auch jetzt nicht zu Hause sitzen und nichts tun, das denken Sie ja.

    • So etwas in der Richtung oder etwas gemäßigter habe ich auch erwartet. Der Artikel suggerierte aber etwas anderes. Von daher ist alles gut.

  4. Der Artikel ist ja auch eher an die Eltern gerichtet. Man kann sich vorstellen, dass es da die unterschiedlichsten Situationen gibt. Insgesamt ist Entspannung angesagt, denn Kinder 24/7 wochenlang zu betreuen ist kein Kinderspiel, v.a. wenn es mehrere sind, in unterschiedlichem Alter, Kinder, die viel Hilfe beim Lernen brauchen usw. Wenn man nicht mehr auf Spielplätze oder zu Freunden darf….
    Vergessen darf man auch nicht die zusätzliche psychische Belastung der Eltern, wenn die Situation sich jetzt verschärft, kranke Angehörige oder Freunde, um die man sich sorgt, zum Beispiel. Da darf schulisch nicht zu viel Druck aufgebaut werden, denn die Eltern werden keine Auszeiten haben.
    Gute Tipps gibt es bei „Frische Brise“.

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