Notbetreuungen bislang „überschaubar“ genutzt – Länder planen Ausweitung

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DÜSSELDORF/BERLIN/WIESBADEN/MAINZ/. In Berlin und Nordrhein-Westfalen sollen ab der kommenden Woche auch Familien, in denen nur ein Elternteil im Bereich kritischer Infrastrukturen beschäftigt ist, einen Anspruch auf Kindernotbetreuung in Schulen und Kitas bekommen. Auch in anderen Bundesländern werde die Notbetreuung bislang „sehr umsichtig“ genutzt.

Der Berliner Senat will wegen der Corona-Krise für Eltern in systemrelevanten Berufen wie Feuerwehr, Pflege und Einzelhandel den Zugang zur Notbetreuung für ihre Kinder erleichtern. Künftig reiche es bereits aus, wenn ein Elternteil in einem dieser Berufe arbeite, teilte die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie am Samstag mit. Bislang wurde vorausgesetzt, dass beide Elternteile in diesen Bereichen arbeiten.

Eine gleiche Regelung wird ab Montag bereits in Nordrhein-Westfalen gelten. Für den Anspruch auf Notbetreuung müsse nur noch ein Elternteil im Bereich kritischer Infrastrukturen beschäftigt, dort unabkömmlich sein und eine anderweitige Betreuung nicht gewährleisten können, teilte das Schulministerium mit. Überdies werde der zeitliche Umfang der Betreuung ausgeweitet. Ab Montag stehe die Notbetreuung bei Bedarf auch samstags und sonntags, und in den Osterferien grundsätzlich mit Ausnahme von Karfreitag bis Ostermontag zur Verfügung.

Die Notbetreuung wird bislang sehr umsichtig genutzt. Foto: Esther Merbt / Pixabay (p.l.)

In Hessen und Rheinland-Pfalz haben bislang nur wenige Schüler in der ersten Woche der Schulschließungen das Angebot der Notbetreuung genutzt. In den hessischen Schulen sind rund 2400, von insgesamt rund 757.000 Schülern betreut worden, teilte das Kultusministerium mit. «Die Notbetreuung wird in sehr überschaubarem Umfang genutzt, was ja auch Ziel der Gesamtmaßnahme ist», sagte ein Sprecher.

Die rheinland-pfälzische Kultusministerin Stefanie Hubig (SPD) lies verlauten, die Notbetreuungen würden «sehr umsichtig» wahrgenommen. Mit Stand von Freitag nähmen 936 Schüler die Notbetreuung wahr. Insgesamt gibt es laut Ministerium im Bundesland zurzeit über 520 000 Schüler. Zu Beginn der Notbetreuung am Montag hatten rund 730 Schüler das Angebot genutzt. «Das sind sehr gute und über die gesamte Woche gesehen sehr stabile Werte», sagte Hubig. «Ich danke allen Eltern im Land dafür.»

Spürbar weniger Lehrer an den Schulen präsent

Auch in Hessen habe es lediglich „vereinzelt“ Nachfragen zur Berechtigung für die Notbetreuung gegeben, teilte ein Ministeriumssprecher mit. Man sei mit der sehr kurzfristigen Organisation durch die Schulen sehr zufrieden. Die Lehrkräfte seien zwar weiterhin im Dienst. Aber, hieß es weiter: «Die Zahl der Lehrkräfte, die an den Schulen präsent sind, ist an den Schulen spürbar reduziert.» Anwesend seien vor allem die Lehrer für die Notbetreuungen und die Abiturprüfungen, die diese Woche begonnen haben.

Dem Deutschen Lehrerverband Hessen sind ebenfalls keine größeren Probleme bei der Notbetreuung bekannt. «Die Kolleginnen und Kollegen erteilen digitalen Unterricht und auch die Abiturprüfungen sind unter verschärften Bedingungen angelaufen», sagte die Landesvorsitzende Edith Krippner-Grimme.

Wie geht es weiter mit der Notbetreuung bei Ausgangssperren

Der Landesverband Bildung und Erziehung (VBE) Rheinland-Pfalz, hingegen kritisierte die Informationskultur der Regierung. «Klare Ansagen von oben fehlen», sagte Lars Lamowski, stellvertretender Landesvorsitzender des VBE am Freitag. Schulleiter und Lehrer hätten über Twitter von den anstehenden Schließungen erfahren. In Rheinland-Pfalz habe es auch erst am Sonntagabend eine Liste mit den sogenannten systemrelevanten Berufen gegeben. Das sei für eine Umsetzung am Montagmorgen zu knapp.

«Mit so einer Situation müsste man viel professioneller umgehen», forderte Lamowski. «Die betroffenen Leute sollten informiert werden, bevor man an die Öffentlichkeit geht.» Zudem seien einige Vorgaben für die Notbetreuung kaum einzuhalten. «Gerade bei der Betreuung von Grundschulkindern ist es fast unmöglich, keinen Kontakt zueinander zu haben.» Zurzeit wisse man auch nicht, wie es mit der Notbetreuung weitergehe, falls Ausgangssperren verhängt würden. (News4teachers mit Material der dpa)

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

 

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7 KOMMENTARE

  1. Die Notbetreuung über die Ferien wird dann eigentlich von wem durchgeführt? Das fehlt hier vollkommen. Und für welche Schüleraltersgruppe wird das eigentlich angeboten (bis 13 Lebensjahr? Länger oder kürzer?)? Gleiches gilt für die Betruung am Wochenende.

    Ist ja nicht so, dass nur systemrelevanten Berufe Familien hätten.

    • Die Notbetreuung übernehmen Lehrkräfte, die sich dafür freiwillig melden oder eingeteilt werden.
      Je nach Bundesland bezieht sich das auf Klasse 1-6 oder 1-8,
      auf allle Wochentage in den Ferien oder auch auf das Wochenende und die Feiertage.

      • Wochenende und Feiertage?
        So lese ich den Rundbrief aber nicht, an meiner Schule werden nur die Werktage abgedeckt. Woher sind diese Informationen?

    • Wird nicht anders sein als bei anderen Bediensteten des Landes auch.
      Und irgendetwas muss der HPR ja auch zu tun haben.

  2. Leider sind die Infos unzureichend u. führen zu unüberlegten Handlungen bzw. Willkür von Seiten der Arbeitgeber. Nur um einige Fakten zu nennen:
    1. Pädagogen müssen Urlaub nehmen
    2. Für ältere Pädagogen gibt es keine
    Lösungen ( Kinder sollen nicht von
    Grosseltern betreut werden) aber von
    älteren Pädagogen!!!!????

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