Lehrerausbildung im Coronamodus – Hochschulen stellen auf digitale Lehre um

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STUTTGART. Auch die Hochschulen müssen sich derzeit verstärkt mit der digitalen Lehre auseinandersetzen. Wieweit sie darauf vorbereitet sind, werden die nächsten Wochen zeigen. Die Freie Hochschule Stuttgart, an der normalerweise Waldorflehrer ausgebildet werden, hat relativ schnell auf die Situation reagiert. Professor Tomáš Zdražil kann von ersten Erfahrungen berichten.

Mit dem Erlass des Baden-Württembergischen Schulministeriums stellte auch die Freie Hochschule Stuttgart die Präsenzlehre ein. Eine Woche später startete die Hochschule an der normalerweise Waldorflehrer ausgebildet werden mit dem Online-Betrieb. Professor Tomáš Zdražil berichtet von den Erfahrungen:

Wieweit deutsche Hochschulen auf Onlineteaching eingerichtet sind, wird sich möglicherweise in den nächsten Wochen zeigen. Kleineren Hochschulen fällt die Umstellung möglicherweise leichter. Foto: athlwulf / flickr (CC BY 2.0)

Die Corona-Pandemie hatte auch für Ihre Hochschule weitreichende Auswirkungen: Seit gut einer Woche ist das Haus nun geschlossen. Wie gehen Sie mit der Situation um?
Es ist auch für uns als pädagogische Einrichtung, die auf dem menschlichen Miteinander beruht, natürlich ein gewaltiger Einschlag, den wir so seit unserem Bestehen nicht gehabt haben. Gleichzeitig gibt es für uns dabei einen zeitkritischen Aspekt, der uns veranlasst zu fragen, was umfassendere und tiefere Ursachen und Zusammenhänge dieser Pandemie sind und was uns diese Krise für die Kultur und Pädagogik der Zukunft sagen will.
Wir sind zwar eine verhältnismäßig kleine überschaubare Hochschule, trotzdem war vieles ad hoc zu regeln. Die Hochschulleitung arbeitet ununterbrochen, es gab inzwischen auch schon zwei Hochschulleitungskonferenzen online.

Seit dem 23. März läuft der Unterricht online. Wie sind die ersten Erfahrungen damit?
Dieser virtuelle Unterricht und Austausch ist schon etwas ganz anderes als reale pädagogische Unterrichtssituationen. Trotzdem machen wir damit erste sehr gute Erfahrungen. Wir sind unseren Kollegen aus dem Lehrstuhl für Medienpädagogik sehr dankbar, die uns für den online-Unterricht technisch unterstützt haben. In den meisten Kursen bieten wir nun online-Unterricht an. Schwierig bis unmöglich ist das in den künstlerischen Fächern, die bei uns natürlich einen hohen Stellenwert haben. Aber auch da gibt es inzwischen erste Arbeitsangebote und Anregungen von Dozenten und Dozentinnen an die Studierenden, sei es in Sprachgestaltung, Eurythmie oder Handarbeit.

Wer studiert, um Waldorflehrer zu werden, macht viele Praktika. Was bedeutet die aktuelle Situation für die Studierenden, die nach den Osterferien in Praktika gegangen wären?
Vor allem können die Schulen im Moment nicht sicherstellen, dass die Praktika stattfinden werden. Niemand weiß heute, wie nach dem 19.4.2020 die Lage an den Schulen sein wird. Wir müssen flexibel handeln und wir arbeiten im Moment verschiedene Szenarien aus.

Welche Rückmeldung bekommen Sie von den Studierenden?
Unsere Studierenden haben sich sehr früh schon digital vernetzt, um miteinander zu kommunizieren und Material auszutauschen und sie hatten berechtigterweise den Wunsch, dass virtueller Unterricht gegeben wird. Das ist jetzt der Fall. Die Rückmeldungen auf den online-Unterricht sind positiv, sofern die Studenten technisch ausgerüstet sind. Es nehmen an den online-Veranstaltungen der Hochschule sogar auch Lehrer und Lehrerinnen teil, die sie als Fortbildung und Vertiefung in dieser schwierigen Zeit auffassen. Wir machen alle zusammen auch wertvolle Erfahrungen.
(Interview: Petra Plützer)

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