Nach Drill-Vorwürfen: Ballettschule Berlin bekommt eine neue Schulleitung – voreilig?

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BERLIN. Die Staatliche Ballettschule Berlin bekommt vorübergehend zwei neue Schulleiter. Die Pädagogen Jürgen Dietrich und Volker Dahms, beide Leiter von Berliner Oberstufenzentren, werden bis Schuljahresende eingesetzt, wie die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie am Donnerstag auf Anfrage mitteilte. «Sie kommen von außen und werden mit ihrem frischen Blick die Schule in dieser schwierigen Phase unterstützen», sagte ein Sprecher der Senatsverwaltung. An der Abberufung der bisherigen Schulleitung wird allerdings Kritik laut.

Drill, unverhältnismäßige Lehrmethoden, Verstöße gegen Jugendschutzregeln soll es an der Ballettschule Berlin gegeben haben. Foto: Shutterstock

Der Schulleiter und der Künstlerische Leiter der Staatlichen Ballettschule waren im Februar vom Dienst freigestellt worden. Zuvor hatte es Vorwürfe zum Umgang mit Schülerinnen und Schülern gegeben. Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) versprach Aufklärung und setzte eine unabhängige Kommission ein (News4teachers berichtete). Für Schüler und Eltern wurde zudem eine Clearingstelle eingerichtet. Die Bildungsverwaltung hat im jüngsten Amtsblatt der Stadt die Stellen von Schulleitung und Stellvertretung bereits ausgeschrieben. Als Termin wird «schnellstmöglich nach Freiwerden» genannt.

„Lehrer und Schüler haben ein Recht auf eine objektive Aufklärung“

Nach der Ausschreibung gibt es allerdings Kritik aus der Szene. «Bei aller Notwendigkeit der uneingeschränkten Aufklärung der Vorwürfe zur Arbeitsweise an der Ballettschule» müsse die Aufklärung auf Fakten basieren, heißt es in einer Erklärung der Proskenion Stiftung für Nachwuchsförderung. «Auch eine Eliteschule wie die Staatliche Ballettschule Berlin sowie die dort arbeitenden Lehrer und ihre Schüler haben ein Recht auf eine objektive Aufarbeitung der Vorwürfe durch eine neutrale Expertenkommission.» Aus Sicht der Proskenion Stiftung ist mit dem Vorgehen «eine weltweit zu den führenden Ballett- und Tanzausbildungsstätten gehörende Institution in ihrem Bestand mehr als gefährdet».

Laut Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) – der wochenlang im Umfeld der Schule recherchierte – ist davon die Rede, dass „Schülerinnen und Schüler jahrelang gelitten haben: 13-Stunden-Tage, harter Drill, Bodyshaming, Magersucht“. „Jeder wusste: Wenn ich verletzt bin, gibt es sofort jemanden, der mich ersetzt. Wer nicht mehr funktionierte, wurde einfach ausgetauscht. Wir wurden behandelt wie Maschinen“, so wird eine ehemalige Schülerin zitiert. Der Druck, abzunehmen, sei enorm gewesen. Viele Mädchen hätten Essstörungen wie Bulimie entwickelt. Das sei von der Schulleitung ignoriert worden.

300 Schülerinnen und Schüler lernen an der Staatlichen Ballettschule

An der Staatlichen Ballettschule und Schule für Artistik (SBB) lernen rund 300 Schülerinnen und Schüler im Alter von zehn bis 19 Jahren. Sie können nicht nur die Berufsausbildung zum Bühnentänzer oder Artisten machen, sondern auch das Abitur und einen Bachelorabschluss erreichen. Wegen der Corona-Pandemie ist die Ballettschule, wie alle Bildungseinrichtungen im Land, noch mindestens bis nach Ostern geschlossen. News4teachers / mit Material der dpa

Unmenschlicher Drill, Jugendschutz missachtet? Leiter der Ballettschule Berlin freigestellt

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