Klassen werden geteilt und wöchentlich im Wechsel unterrichtet – wohl bis zu den Sommerferien

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MAINZ. In Rheinland-Pfalz geht der Schulbetrieb bald wieder los – aber nur für 30 Prozent der Schüler. Und zunächst nur im wöchentlichen Wechsel mit Digitalunterricht daheim. Der Plan findet bei den Beteiligten zumeist Zustimmung.

Bereitet Schüler, Lehrer und Eltern auf schwierige Zeiten vor: die rheinland-pfälzische Bildungsministerin und KMK-Präsidentin Stefanie Hubig. Foto: Georg Banek / Ministerium für Bildung Rheinland-Pfalz

Für ein Drittel der Schülerinnen und Schüler fängt bis Anfang Mai der Unterricht im Klassenraum wieder an. Die Entscheidung zur behutsamen Öffnung der seit Mitte März wegen der Corona-Pandemie geschlossenen Schulen fand am Donnerstag überwiegend Zustimmung. Bei allen Beteiligten gibt es aber auch die Sorge vor möglichen Infektionen. Ein von Bildungs- und Gesundheitsministerium erstellter Hygieneplan soll Standards für den Infektionsschutz gewährleisten.

«Die Zeit bis zu den Sommerferien wird nicht eine Schulzeit sein, wie sie vor Corona war», sagte die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD), die auch Präsidentin der Kultusministerkonferenz ist, am Donnerstag in Mainz. Es sei nicht möglich, den Schalter einfach wieder umzulegen. Die künftige Entwicklung werde sich entscheidend nach dem weiteren Infektionsgeschehen zu richten haben. «Der Infektionsschutz steht ganz an erster Stelle.» Sowohl bei Schülern als auch bei Lehrkräften seien Angehörige von Risikogruppen besonders zu schützen.

In der Öffnungsphase 1 zum 27. April starten nach Angaben der Ministerin rund 35 000 Jugendliche – zumeist Berufsschüler, die vor einer Prüfung stehen, und Abiturienten der Gymnasien mit achtjähriger Schulzeit (G8). In der Öffnungsphase 2 ab 4. Mai folgen rund 130 000 Schülerinnen und Schüler, darunter 34.000 in den vierten Grundschulklassen, 26 000 an den Realschulen plus, 18.500 in Integrierten Gesamtschulen und 40 000 an Gymnasien. Bei den weiterführenden Schulen sind dies im Wesentlichen die Jugendlichen ab der 9., 10. oder 11. Klasse. Insgesamt soll für etwa 30 Prozent der Kinder und Jugendlichen der Präsenzunterricht wiederaufgenommen werden.

Aufteilung der Klassen richtet sich auch nach den Klassenräumen

Bei der Öffnung der Schulen sollen Klassen und Kurse in zwei Gruppen geteilt werden, die im Wochenrhythmus jeweils abwechselnd in der Schule und zuhause lernen. Damit werde die Zahl der Schülerinnen und Schüler im Schulgebäude zusätzlich reduziert, sagte Hubig. Die genaue Aufteilung müsse sich nach den Gegebenheiten vor Ort richten, etwa nach der Größe von Klassenräumen. Die Bildungsministerin kündigte an, dass es nach den Osterferien auch eine Videoplattform für die Schulen geben soll, um den digitalen Unterricht weiter zu festigen. Über das weitere Vorgehen im Kampf gegen die Pandemie, auch im Bildungssystem, wollen Bund und Länder am 30. April beraten.

Die Vertretung der Schülerinnen und Schüler in Rheinland-Pfalz begrüßte den Stufenplan zur allmählichen Öffnung der Schulen. «Gerade die Abschlussklassen werden so erstmal gut in der Vorbereitung auf ihre Prüfungen unterstützt», erklärte die Landesvertretung (LSV) am Donnerstag. Schülerinnen und Schüler machten sich aber Sorgen, «dass die Hygienemaßnahmen an Schulen nicht umsetzbar sein werden». Die Einhaltung der Hygienebedingungen müsse regelmäßig kontrolliert werden.

„Lehrer und Schüler haben jetzt wenigstens Gewissheit“

Lehrervertreter bewerteten den Plan grundsätzlich positiv. Der Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Klaus-Peter Hammer, sagte, er sei beruhigt, dass sich die Öffnung der Schulen auf bestimmte Schülergruppen konzentriere. «Ältere können besser mit Hygienebestimmungen umgehen.» Der Landesvorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE), Gerhard Bold, sagte, viele Lehrer und Schüler hätten endlich mehr Gewissheit, wie das Schuljahr 2019/20 weitergehen werde. Insbesondere Schüler, die vor einem Schulwechsel oder gar Abschluss stünden, könnten nun besser planen. Die Vorsitzende des Philologenverbandes Rheinland-Pfalz, Cornelia Schwartz, sagte, sie sei sehr erleichtert, dass das Ministerium in Mainz nicht den Empfehlungen der nationalen Wissenschaftsakademie Leopoldina gefolgt sei. Die Leopoldina hatte vorgeschlagen, zuerst Grundschulen und die Sekundarstufe I schrittweise zu öffnen.

Besorgt zeigte sich der Landeselternsprecher Reiner Schladweiler. «Ich hätte den 4. Mai als Starttermin vorgezogen», sagte er. «Es ist bei der Öffnung wie bei der Schließung – es muss schnell gehen, und keiner hat etwas geplant.» Was sich in einem Schichtbetrieb im Klassenraum mit kleinen Gruppengrößen regeln lasse, sei in anderen schulischen Situation schwieriger in den Griff zu bekommen, sagte der Elternsprecher. So müsse es etwa auf dem Pausenhof eine verstärkte Aufsicht geben – eine Lehrkraft reiche da nicht aus. Auch am Eingang in den Klassenraum müsse es Vorkehrungen geben, damit es nicht zu einem Gedränge komme.

Er bekomme in der Corona-Krise täglich 400 E-Mails besorgter Eltern, sagte Schladweiler. Vor allem Alleinerziehende und kinderreiche Familien seien teilweise in einer aussichtslosen Situation. «Da kommen einem die Tränen.» dpa

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2 KOMMENTARE

  1. In Niedersachsen soll es Verpflichten der Online Unterricht geben dann muss dort das Land auch dafür sorgen dass auch Schulkinder die in ALG2 leben die notwendigen Mittel dafür bekommen ohne diese geht es nicht

  2. Im Wechsel? Digitaler Unterricht? Das hört sich in der Theorie schön u gut an, doch was ist mit d Kindern/ Jugendlichen die keinen Laptop haben bzw in ländlichen Regionen wohnen? Werden dort die Anschlüsse über Nacht verlegt, so wie Rom erbaut wurde?
    Das ist doch alles nichts Halbes u nichts Ganzes. Da kann man nur d Kopf schütteln!

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