Mehr als eine halbe Million Hochschulabsolventen im Jahr 2019

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WIESBADEN. Mehr als eine halbe Millionen Studierende haben im vergangenen Jahr in Deutschland einen Hochschulabschluss erworben. Mit rund 512.000 Absolventinnen und Absolventen sei das im Vergleich zum Vorjahr ein Anstieg um drei Prozent, berichtete das Statistische Bundesamt am Mittwoch. Damit liege die jüngste Entwicklung wieder im langfristigen Trend steigender Absolventenzahlen, der seit 2001 zu beobachten ist. Lediglich 2018 war die Zahl der Hochschulabschlüsse mit 499.999 Absolventen um ein Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken.

Internationale Studentenschaft: Fassade der Berliner Humboldt-Universität. Foto: Rolf Handke / pixelio.de
Deutschland produziert viele Akademiker – und der Arbeitsmarkt hat Bedarf. Foto: Rolf Handke / pixelio.de

Die meisten Abschlüsse, nämlich 40 Prozent, wurden in der Fächergruppe Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften abgelegt. Mit 26 Prozent der Absolventen entfiel gut jeder vierte Abschluss auf die Ingenieurwissenschaften. Abschlüsse in Mathematik und Naturwissenschaften erwarben elf Prozent der Studierenden, ein Zehntel machte einen Abschluss in den Geisteswissenschaften. In der Fächergruppe Humanmedizin / Gesundheitswissenschaften erreichten sieben Prozent der Absolventinnen und Absolventen ihren Abschluss. Die übrigen sieben Prozent der Abschlüsse entfielen auf die Fächergruppen Sport, Agrar-, Forst- und Ernährungswissenschaften, Veterinärmedizin sowie Kunst, Kunstwissenschaft, hieß es.

Knapp jedes zweite Examen führte den Angaben zufolge zu einem Bachelorabschluss, 145.000 Studierende machten einen Masterabschluss. dpa

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6 KOMMENTARE

  1. Es ist interessant zu sehen, wie Kritiklos die Gesellschadt und die Medien es hinnehmen, wie hier die OECD ein Absenken der Bildungsstandards durchgedrückt hat und alle das noch als Erfolg feiern: Es wäre damals undenkbar gewesen, dass ein normaler Student nach 3 Jahren einen Hochschulabschluss (ABSCHLUSS!) hat. Da sich an der Verteilung der Intelligenz nichts geändert hat, muss dieser „Erfolg“ woanders begründet liegen. Nur wo?

    • Seit wann ist ein Hochschulabschluss ein Intelligenzausweis?

      Es geht um höherwertige berufliche Qualifkationen, die von der Wirtschaft ja auch nachgefragt werden, wie der Arbeitsmarkt zeigt. Es gibt praktisch keine Akademikerarbeitslosigkeit – dafür eine sich seiit mehr als einem Jahrzehnt überaus erfolgreiche deutsche Wirtschaft (die mit genau den jungen Menschen erfolgreich ist, denen Sie gerne den Hochschulabschluss vorenthalten würden). Das soll kein Erfolg sein?

      Was denn dann? Das bornierte Elitengehabe von alten Akademikern aus Zeiten, als der Zugang zur Hochschule noch allein durch die soziale Herkunft bestimmt war?

      • Das es keine Akademikerarbeitslosigkeit gibt ist Blödsinn. Das (Schutz vor Arbeitslosigkeit) trifft nämlich nicht auf alle Abschlüsse gleichermaßen zu.

        Die „höhere“ Berufliche Qualifizierung ist auch ein Märchen, weil was kann ein Absolvent mit einem Bachelor? Er hat gezeigt, dass er auf einem niedrigen Niveau wissenschaftlich arbeiten kann.

        Das du offenbar keine Ahnung hast, wozu der „Reformprozess“ in der Universitätslandschaft geführt hat und was dieser „Akademikerwahn“ eigentlich für einen Flurschaden bei der dualen Ausbildung angerichtet hat, lohnt es sich nicht, mit dir über irgendwelche Elfenbeintürme zu diskutieren.

        • Aha, „Blödsinn“ – Sie sind also auch Arbeitsmarktforscher.

          Dann ist das hier wohl „erfunden“:

          „An den Arbeitslosenzahlen haben Akademiker einen weit unterdurchschnittlichen Anteil. Im Jahr 2018 lag ihre Arbeitslosenquote bei 2,2 Prozent. Dabei waren im Westen sogar nur 1,9 Prozent der Akademiker ohne Job, im Osten waren es 2,7 Prozent. Der Gesamtdurchschnitt lag dagegen bei 5,2 Prozent. Ein hoher Bildungsabschluss ist demnach eines der besten Mittel gegen eine (andauernde) Arbeitslosigkeit.“

          Quelle: https://www.academics.de/ratgeber/arbeitslose-akademiker

          • PS. Wer „das“ und „dass“ nicht auseinanderhalten kann, demonstriert damit auch nicht gerade akademische Hochkultur. Scheint also auch schon früher Bildungslücken gegeben zu haben.

  2. Die Debatte über die adäquate Akademikerquote und den vermeintlichen „Akademikerwahn“ ist wesentlich von Dünkel und Privilegiensicherung geprägt. Die meisten, die solche Forderungen erheben, reden immer über die Kinder anderer Leute. Ihre eigenen Kinder gehen natürlich den akademischen Weg.
    Im internationalen Vergleich zeigt sich gerade in Deutschland über den gesamten Lebenslauf hinweg eine sehr geringe soziale Mobilität.
    Wie die Veröffentlichungen des deutschen Studentenwerks im sog. Bildungstrichter zeigen, haben Kinder aus sozial benachteiligten Familien nur sehr eingeschränkte Chancen, aufzusteigen. Deutlich wird dies besonders, wenn man die Bildungsoptionen von Jugendlichen aus Akademikerfamilien mit denen aus Nicht-Akademikerfamilien vergleicht. Gut Dreiviertel der Akademikerkinder haben einen Zugang zur Hochschule, bei den anderen ist es lediglich ein knappes Viertel.
    Nach diesen Zahlen kann man wohl davon sprechen, dass in Deutschland in Akademikerfamilien der Akademikerstatus „vererbt“ und den anderen der Aufstieg kaum ermöglicht wird.
    Aufstiegschancen sind aber fundamentale Voraussetzungen für soziale Gerechtigkeit und sozialen Zusammenhalt in einer Gesellschaft. Ein Plädoyer für die Reduzierung der Akademikerquote in Deutschland würde nach diesen Zahlen bedeuten, dass weniger Kinder aus Akademikerfamilien ein Studium absolvieren sollten, bei der deutlich unterrepräsentierten Quote der Nicht-Akademiker ist wohl eher Nachholbedarf geboten.
    Mal unterstellt, dass die Studienplätze beschränkt werden sollten. Wem wollen wir dann verbieten, ein Studium zu beginnen. Es wäre wohl kaum durchsetzbar, die deutlich überrepräsentierten Kinder aus Akademikerfamilien vom Studium abzuhalten. Die eh schon unterrepräsentierten Jugendlichen aus nichtakademischen Familien noch stärker vom Studium auszuschließen würde aber gegen die Grundregeln der sozialen Gerechtigkeit verstoßen. Hier muss eher ermutigt werden, die Aufnahme eines Studiums ernsthaft zu prüfen.
    Die immer wieder geführte Diskussion über zu hohe Akademiker-Quoten in Deutschland, die ein Gleichgewicht zwischen akademischer und nicht-akademischer Ausbildung herstellen sollen, ist nicht zielführend. Solange Akademiker in Deutschland mit wachsendem Bedarf auf dem Arbeitsmarkt gesucht werden und solange ein Hochschulabsolvent heute 74 Prozent mehr verdient als jemand mit Sekundarabschluss oder Lehre wird der Arbeitsmarkt die Nachfrage steuern. Das wissen auch die jungen Leute und sie orientieren sich deshalb daran. Der Industrie- und Handelskammertag muss sich fragen lassen, warum gerade hier die sonst so gelobten Marktmechanismen von Angebot und Nachfrage außer Kraft gesetzt werden sollen.
    Natürlich brauchen wir auch in Zukunft genügend Auszubildende in Handwerk und Handel. Und natürlich benötigen wir für unsere Frühstücksbrötchen keine Bäcker mit Hochschuldiplom. Es ist aber eine Illusion, wenn angenommen wird, dass freie Lehrstellen dann besetzt werden könnten, wenn man Studienplätze begrenzen würde. Hier sollten wir uns vielmehr um die ca. 20% so genannten Risikoschüler kümmern und durch gezielte Förderung dafür sorgen dass sie zukünftig über die notwendigen Kompetenzen verfügen. Vorschläge dazu liegen auf dem Tisch, nur die Durchführung lässt seit Jahren zu wünschen übrig.

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