Sexuelle Aufklärung: Jugendliche vertrauen besonders Eltern und Lehrern

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KÖLN. Jugendliche werden heute später sexuell aktiv als noch vor zehn Jahren. Das Kondom ist beim „ersten Mal“ das Verhütungsmittel Nummer eins, während die Nutzung der Pille rückläufig ist. Für einige Jugendliche sind Lehrer in Sachen Sexualität noch wichtigere Ansprechpartner als die Eltern.

Die ersten Ergebnisse der neunten Welle der Studie „Jugendsexualität“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) sind, zumindest zum Teil, überraschend. Für die Befragung hatten BZgA-Forscher von Frühsommer bis Herbst 2019 rund 6.000 Interviews geführt. Schwerpunktthemen waren Sexualaufklärung in Schule, Internet und Elternhaus, erste sexuelle Erfahrungen sowie Verhütungswissen und Verhütungsverhalten.

Entgegen weitverbreiteter Annahmen sind Jugendliche heute später sexuell aktiv als noch vor fünf Jahren. Foto: StarFlames / Pixabay (P. L.)

Annahmen, wonach junge Menschen immer früher sexuell aktiv würden, bestätigen sich dabei offenbar nicht. Im Gegenteil hätten im Alter zwischen 14 und 16 Jahren deutlich weniger Mädchen und Jungen angegeben, sexuelle Erfahrungen gemacht zu haben als noch vor zehn Jahren, stellte BZgA-Leiterin Heidrun Thaiss fest.

Während sexuelle Aktivitäten unter den 14-Jährigen insgesamt mit durchschnittlich vier Prozent noch die Ausnahme seien, habe im Alter von 17 Jahren mehr als die Hälfte Geschlechtsverkehr-Erfahrung. Junge Frauen deutscher Herkunft hätten im Alter von 17 Jahren im Durchschnitt zu knapp 70 Prozent das „erste Mal“ erlebt. Bei den gleichaltrigen Frauen mit ausländischen Wurzeln waren es der Untersuchung zufolge 37 Prozent. Unter den 17-jährigen Jungen waren es 64 beziehungsweise 59 Prozent.

Gefragt nach den Gründen, warum sie noch nicht sexuell aktiv seien, gaben die Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren zu 55 Prozent vor allem das Fehlen des oder der Richtigen und/oder zu 41 Prozent ein zu junges Alter an. Mit 48 Prozent hielten sich aktuell vor allem deutlich mehr Mädchen für zu jung für das „erste Mal“ als 2014 mit 35 Prozent.

Das Kondom ist bei Jugendlichen mit deutlichem Abstand das Verhütungsmittel Nummer eins beim „ersten Mal“. 77 Prozent der 14- bis 17-Jährigen gaben dies an. Die Pille wurde von 30 Prozent nach wie vor beim ersten Geschlechtsverkehr verwendet, jedoch zeigte sich die Nutzung im Vergleich zu vor fünf Jahren rückläufig. 2014 hatten noch 45 Prozent die Pille beim „ersten Mal“ verwendet. Als mögliche Ursache für den Rückgang der Pillennutzung käme in Betracht, dass Mädchen bei der aktuellen Befragung die Gesundheitsverträglichkeit der Pille deutlich schlechter beurteilen als vor fünf Jahren.

Das Elternhaus spielt Haidrun Thaiss zufolge nach wie vor eine wichtige Rolle bei der Sexualaufklärung. „Eltern sind für ihre Kinder nach wie vor wichtige Vertrauenspersonen und zentrale Beratungsinstanz auch in Fragen rund um Sexualität und Verhütung“, so die Medizinerin.

Je nach Herkunft seien Eltern aber in einem unterschiedlichen Ausmaß Bezugspersonen für sexuelle Fragen: Aktuell hätten 70 Prozent der Mädchen deutscher Herkunft angegeben, dass ihre Mutter eine wichtige Ansprechperson für sexuelle Fragen ist. Bei Mädchen mit Migrationshintergrund waren es dagegen nur 43 Prozent. Auch bei den Jungen verhalte es sich ähnlich: 45 Prozent der Jungen ohne Migrationshintergrund geben den Vater bzw. 37 Prozent die Mutter als wichtige Ansprechperson der Sexualaufklärung an. Bei Jungen mit Migrationshintergrund traf dies auf 27 bzw. 17 Prozent zu.

Für die sexuelle Bildung ist aber auch die Schule ein zentraler Ort: Bei beiden Geschlechtern und unabhängig von der kulturellen Herkunft zählen Lehrer für Jugendliche zu den wichtigsten Ansprechpartnern der Sexualaufklärung. Für Jungen mit Migrationshintergrund sind sie – nach dem besten Freund oder der besten Freundin – sogar die wichtigsten Ansprechpersonen. Knapp 70 Prozent der befragten Jugendlichen geben an, dass ihr Wissen vorrangig aus dem Schulunterricht stamme. Größtenteils auch aus dem Internet hatten nach eigenen Angaben knapp 56 Prozent der Mädchen und 62 Prozent der Jungen ihr Wissen über Körper, Verhütung und Sexualität.

Laut den Daten der Studie verhüteten 86 Prozent der Jugendlichen im Alter zwischen 14 und 17 Jahren beim „ersten Mal“ sicher. Neun Prozent verhüten gar nicht, weitere 4 Prozent mit einer unsicheren Methode. Die Daten der Jugendsexualitätsstudie belegten auch, so die BZgA-Verantwortlichen, dass fast jeder fünfte Jugendliche mit niedriger Bildung beim „ersten Mal“ gar nicht oder unsicher verhüte. Mit zunehmender sexueller Erfahrung verbessere sich das Verhütungsverhalten: Beim letzten Geschlechtsverkehr verhüteten nach eigenen Angaben nur noch fünf Prozent der Jugendlichen gar nicht. (zab, pm)

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