DÜSSELDORF. Tests sollen ein wichtiger Pfeiler in der Corona-Schutzstrategie werden. Für die Schüler kommt das bundesweit allerdings erst langsam in Gang. NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer zum Beispiel hat gestern Vorschriften dazu veröffentlichen lassen, wie Schulen den Ablauf organisieren sollen. Die Kritik daran ist allerdings massiv. Apotheker warnen vor einer größeren Infektionsgefahr. Auch in der Elternschaft regt sich Umut.
Die weiterführenden Schulen in Nordrhein-Westfalen sollen ab dem heutigen Dienstag die ersten von 1,8 Millionen Selbsttests erhalten, die bis zu den Osterferien vom Land bereitgestellt werden. Für die Schüler ist bis zum Beginn der Osterferien am 29. März zunächst allerdings nur ein einziger Corona-Selbsttest pro Kopf vorgesehen. Das hatte das Schulministerium in Düsseldorf am Montag mitgeteilt. Das schulische Personal soll demnach die Durchführung der freiwilligen Selbsttests beaufsichtigen.
«Die Selbsttests sollen grundsätzlich bei Unterrichtsbeginn im Klassen- oder Kursverband durchgeführt werden»
Der Apothekerverband Nordrhein hält das für keine gute Idee. «Wir raten dringend davon ab, die Selbsttests in den Schulen von den Schülern durchführen zu lassen» – schon aufgrund der Infektionsgefahr, sagte Vorsitzender Thomas Preis gegenüber der „Rheinischen Post“: Die Schüler müssten dazu ihre Maske abnehmen, womöglich gerate infektiöses Material auf den Tisch.
«Die Selbsttests sollen nach Vorankündigung der Schule grundsätzlich bei Unterrichtsbeginn im Klassen- oder Kursverband durchgeführt werden», hatte Schul-Staatssekretär Mathias Richter gestern in einer Schul-Mail erklärt, wie News4teachers berichtete. Auf saubere Hände und gelüftete Räume sei dabei besonders zu achten. Bei einem positiven Schnelltest solle die Schulleitung die Eltern beziehungsweise Ausbildungsbetriebe oder sozialpädagogischen Einrichtungen informieren und entscheiden, ob der betroffene Schüler nach Hause geschickt oder aus der Schule abgeholt werden muss. Busse und Bahnen sollen für die Heimfahrt keinesfalls genutzt werden.
Die Landeselternschaft der Gymnasien in NRW – der mitgliederstärkste Elternverband in Deutschland – übt daran ätzende Kritik. «Unsere minimalen Erwartungen sind doch tatsächlich noch unterboten worden. Einmal bis Ostern und dann alle zusammen; wer den schwarzen Peter zieht, muss raus», heißt es in einer Pressemitteilung. Was konkret wird von den organisierten Eltern kritisiert? «Fangen wir vorne an: Schüler sollen im Klassenraum zusammen mit den anderen Schülern getestet werden. Wann war Ministerin Gebauer zuletzt beim Arzt und wurde dort quasi im Wartezimmer untersucht, und alle anderen guckten zu? Wie steht es da um die Privatsphäre? Wer nach dem Test rausgehen muss, ist also sofort geoutet, wie das pädagogisch aufgefangen werden soll, ist fraglich.»
Weiterer Punkt: «Gesetzt den Fall, ein Kind testet sich positiv, dann muss es in einen anderen Raum, vermutlich zum Direktor oder zur Sekretärin. Na, die werden sich aber freuen! Werden dann alle mit einem positiven Test gesammelt, bis sie abgeholt werden können? Betont wird, dass ein solches Ergebnis erst durch einen PCR Test bestätigt werden muss. Damit ist auch klar: Wer bis hierhin falsch-positiv war, hat nun eine ausgezeichnete Gelegenheit, sich tatsächlich anzustecken.»
“Welchen Wert hat es, wenn man einmal in zwei Wochen testet – und dieser eine Test eine Aussagekraft für einige Stunden hat?”
Auch grundsätzliche Kritik übt die Landeselternschaft: «Vergangene Woche war die Rede von einem Test pro Woche. Wissenschaftler halten aber zwei Tests pro Woche für das absolute Minimum, um Ansteckungszahlen in relevanter Größe zu vermindern. Jetzt bekommen unsere Kinder also einen Test in zwei Wochen? Welchen Wert hat es, wenn man einmal in zwei Wochen testet und wenn dieser eine Test eine Aussagekraft für einige Stunden hat? Wir werden mit Placebos veralbert?» Darüber hinaus sei fraglich, ob freiwillige Tests den gewünschten Gesundheitsschutz leisten können. «Das Schulministerium setzt hier alles auf eine Karte, pardon: einen Selbsttest. Schulen sind aber eben kein Kasino! Dort verliert nämlich der Spieler, nicht die Kinder. Und wo ist eigentlich der Ministerpräsident, der sonst auch gerne in die Schulpolitik reingrätscht? Gibt es den eigentlich noch in NRW?»
Der VBE spricht von «einem weiteren Stresstest für die Schulen». Landesvorsitzender Stefan Behlau erklärt: «Es ist zu begrüßen, dass den Schulen Selbsttests zur Verfügung gestellt werden, doch jetzt müssen sie wieder einmal sehr kurzfristig neue Vorgaben umsetzen. Neben den laufenden Wechselmodellen gilt es nun, die Testangebote zu organisieren, Eltern, Schülerinnen und Schüler zu informieren und Testungen durchzuführen. Das Improvisationstalent der Schulen ist einmal mehr gefragt. Nach den Osterferien sollte eine Teststrategie vorliegen, die den Namen auch verdient. Eine Testmöglichkeit pro Woche für die Schülerinnen und Schüler kann nur einen Testlauf darstellen. »
Geöffnet wurden die weiterführenden Schulen in Nordrhein-Westfalen – wie in vielen anderen Bundesländern – trotzdem schon mal für den Präsenzunterricht. News4teachers / mit Material der dpa
Zweimal pro Woche Nasenbohren: Selbsttests für Schüler und Lehrer kommen! Flächendeckend?
