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Unterrichtsstoff nachholen: Kretschmann bringt verkürzte Sommerferien ins Gespräch

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STUTTGART. Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hat kürzere Ferien ins Gespräch gebracht, damit Wissenslücken nach der langen Schließung der Schulen geschlossen werden können. „Man könnte an den Ferien ein bisschen was abknapsen, um Unterrichtsstoff nachzuholen“, sagte der Grünen-Regierungschef dem «Mannheimer Morgen». „Solche Überlegungen wird man ernsthaft anstellen müssen.“ Auf die Frage, ob er dabei an die Sommerferien denke, sagte er: „Darüber könnte man mal nachdenken.“

Denkt laut nach: Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Foto: Staatsministerium Baden-Württemberg

Der Vorstoß kam ursprünglich vom Präsidenten des Deutschen Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers. Er forderte, in den Sommerferien Schulstoff, der wegen der Coronakrise liegen geblieben ist, nachzuholen. „Wir brauchen in Deutschland eine große Initiative für eine Sommerschule, die Kinder mit deutlichen Lernrückständen unterstützt“, sagte Hilgers dem Tagesspiegel. Die Schülerinnen und Schüler hätten wegen der Corona-bedingten Schließung von Schulen „so viel versäumt im vergangenen Jahr, dass wir versuchen sollten, das aufzuholen“. Er erwarte, dass Lehrerinnen und Lehrer „in diesem Jahr für die Sommerschule besonderen Einsatz zeigen“.

„Zur Behebung der Defizite braucht es zusätzliche Betreuungsangebote und Sonderprogramme“

Kretschmann hat den Ball aufgenommen – und trägt ihn nun weiter. Notfalls, so ließ er durchblicken, müssten auch die Sommerferien verkürzt werden. Lehrer sollten sich zunächst einen Überblick über die im Fernunterricht entstandenen Lücken verschaffen, sagte der Regierungschef der Zeitung weiter. „Zur Behebung der Defizite braucht es zusätzliche Betreuungsangebote und Sonderprogramme“, fügte er an. Notwendig seien besondere Formen der Nachhilfe, außerdem müssten auch Nicht-Lehrkräfte eingesetzt werden. «Es muss dabei um eine zielgerichtete Förderung gehen und wir müssen die erreichen, die es auch wirklich brauchen.» Er habe zu Beginn viele Klagen für etwas übertrieben gehalten, räumte Kretschmann ein. „Ich hatte als Schüler Kurzschuljahre und habe es trotzdem zum Ministerpräsidenten gebracht. Aber jetzt, wo es so lange dauert, fängt mein Herz doch an zu bluten.“ Es könnten tiefe Schäden in der Bildung und der Psyche der Kinder entstanden sein, gab Kretschmann zu bedenken. „Wir müssen uns verstärkt um diese Kinder kümmern, wenn der Unterricht wieder normal läuft. Das wird eine große Aufgabe.“

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Kritik kam umgehend von den Lehrerverbänden. Sommerferien kürzen? Der Vize-Chef des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) in Baden-Württemberg, Dirk Lederle, sagte zu Kretschmanns Statement: „Es zeigt, wie viel Ahnung der Ministerpräsident von der schulischen Realität hat.“ Die Lehrkräfte und die allermeisten Schüler seien hart am Arbeiten, auch in der schulfreien Zeit. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) kritisierte den Vorstoß von Kretschmann als „zu kurz“ gedacht. Landeschefin Monika Stein sagte: „Wir brauchen Förderkonzepte mindestens für die nächsten beiden Schuljahre, und damit diese funktionieren, brauchen wir mehr Personal.“ Die Regierung Kretschmann könnte jetzt noch einmal Mut und Weitsicht beweisen und die Finanzierung von pädagogischen Assistenzen und zusätzlichen Stellen für Lehrkräfte für das nächste Schuljahr beschließen.

„Die Schülerinnen und Schüler lernen und arbeiten gemeinsam mit ihren Lehrkräften von zu Hause aus“

Auch im baden-württembergischen Kultusministerium stößt Kretschmanns Idee auf deutliche Ablehnung. Dies sei nicht der richtige Weg, um pandemiebedingte Lerndefizite aufzuholen. „Wir sollten nicht ein Problem lösen, indem wir neue Probleme schaffen”, sagte eine Sprecherin des Ministeriums von CDU-Spitzenkandidatin (und Kretschmann-Konkurrentin) Susanne Eisenmann. Zudem könne ein solcher Vorschlag vermuten lassen, Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte hätten durch die lange Zeit der Corona-bedingten Schließung bereits genug Ferien gehabt. Schulschließungen bedeuteten aber keine Ferien. „Die Schülerinnen und Schüler lernen und arbeiten gemeinsam mit ihren Lehrkräften von zu Hause aus“, sagte die Ministeriumssprecherin.

Ohnehin würden in den Sommerferien spezielle Förderkurse angeboten, damit Schülerinnen und Schülern Wissenslücken schließen und gezielt an Problemen mit dem Schulstoff arbeiten könnten. Bereits im vergangenen Sommer hätten 61.500 von ihnen das Angebot der sogenannten Lernbrücken genutzt. Geprüft werde zudem, ob diese Nachhilfe auf freiwilliger Basis bereits in den Pfingstferien angeboten werden könne. News4teachers / mit Material der dpa

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