Bayerns Abiturienten gelingen trotz Corona (leicht) bessere Prüfungsergebnisse

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MÜNCHEN. Trotz der schwierigen Bedingungen in der Corona-Krise haben Bayerns Abiturienten 2021 besser abgeschnitten als in früheren Jahren. Nach den ersten Rückmeldungen der Schulen an das Kultusministerium zeichnet sich ab, dass der Gesamtdurchschnitt voraussichtlich zwischen 2,1 und 2,2 liegen wird. In den Jahren zuvor hatte der Gesamtschnitt zwischen 2,2 und 2,3 gelegen.

Zufrieden: Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler). Foto: Andreas Gebert / © StMUK

«Unsere Abiturienten haben bei den Abiturprüfungen exzellent abgeschnitten. Sie können sehr stolz auf ihre Leistung sein», sagte Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) am Montag auf Anfrage. Auch den Lehrkräften sei es trotz vieler herausfordernder Situationen wieder gelungen, die Schülerinnen und Schüler bei der Abiturvorbereitung gut zu unterstützen. «Mir war es wichtig, dass die Abiturientinnen und Abiturienten auch in diesem Schuljahr faire Bedingungen hatten.»

Auch in den Pflichtfächern bewegen sich die Ergebnisse den Angaben zufolge die Ergebnisse im Bereich der vergangenen Jahre: In Mathematik liege die Bandbreite der letzten Jahre zwischen 2,98 und 3,26. In Deutsch zeichnet sich ab, dass die Ergebnisse sogar etwas besser seien als in früheren Jahren. Das Niveau der Mathe-Klausuren war kritisiert worden, wie News4teachers berichtete.

Rund 35.000 Schülerinnen und Schüler haben an den Abiturprüfungen im Freistaat teilgenommen. Die endgültigen Resultate werden erst am Schuljahresende feststehen – die Prüfungen sind noch nicht ganz abgeschlossen. Einzelne Schüler nutzen derzeit noch die Chance, freiwillig Klausuren nachzuholen, die wegen Corona nicht verpflichtend abgehalten wurden. dpa

Mathe-Abi schlecht ausgefallen: Erstes Bundesland passt die Bewertung (nach oben) an

 

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6 KOMMENTARE

  1. Wieder mal ein politisch gewollter Abiturdurchschnitt.
    Nach den Kritiken hinsichtlich der Mathe-Prüfung in Bayern wurden die 2 mündlichen Prüfungen in anderen Fächern sehr großzügig bewertet. Flächendeckend haben viele Abiturient:innen in 2 Kolloquiums 14-15 Notenpunkte und damit überraschend bessere Noten als Vornoten. Dazu werden durch die Nachpüfungen in Mathe die schlechten Mathe-Ergebnisse weiter angehoben.
    So kommt man in Bayern zu angeblich „anspruchsvollen“ und „besten“ Ergebnissen.
    Und in NRW kennt man solche Maßnahmen nicht, denn die naive Absprache war ja die Gleichwertigkeit der Abschlüsse – von wegen!
    Die NRW-Abiturient:innen tun sicher allen so leid.

  2. Wenn ich dieses jovial grinsende „alles-ist-in-bester-Ordnung“ Gesicht des Herrn Piazolo sehe, werde ich nur eins: wütend. Dass man die Abi-Schnitte politisch anpassen muss, damit ja keine Beschwerden kommen, das liegt wohl auf der Hand und wird hier mit keinem Wort erwähnt. Ähnlich wie seinerzeit Herr Spänle, der die Chuzpe hatte, sich in der Presse dahingeghend zu äußern, dass „G8 besser abgeschnitten hat als G9“. Das war das Jahr der zwei Abschlussjahrgänge, wobei G8 Schüler im ersten Durchlauf zu fast 50% durchgefallen wären, und so hat man schnell nachgebessert und die letzten G9 Schüler um ihre Noten und die begehrten Studienplätze betrogen. Die Glaubwürdigkeit der Kultusminister hat damals schon schwer gelitten.
    Fragt sich, ob man irgendwann vor lauter Anpassung an bestimmte Gegebenheiten das Abitur bald ohne jegliche Leistung bekommt, frei nach dem Motto: man muss jedem die Chance geben, man darf keinen diskriminieren. Bin mal gespannt, was da noch kommt, und bin stolz, mein Abi in den Ende 70er Jahren bestanden zu haben. Denn bald wird es nicht mehr viel wert sein, auch wenn es eine Inflation der Einser-Schnitte gibt.

  3. – Das „Ankommen in der Realität“, dem Erkennen ihrer/seiner Defizite bezüglich Studierfähigkeit, wird manche(n), die/der als Folge der „Noteninflation“ zu blauäugiger, naiver Selbstüberschätzung verführt wird, wird wohl wahrscheinlich eher die/der (besonders) erfahren, die/der ein Studium beginnt. Leider!

    Nicht nur in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern bleibt wohl oft zu befürchten, dass sie nicht umhinkommen, diese Selbsterkenntnis sehr schmerzlich zu erfahren.

    – Denen, die nicht studieren wollen, mögen die Startbedingungen in eine Ausbildung auf diese Weise erleichtert sein.
    Es sei ihnen gegönnt.
    Sie sollen ja nicht auch VerliererInnen in, (Bildungs-)opfer der Corona-Pandemie sein, müssen sie sich doch in erster Linie in der Praxis als Azubis bewähren.

    Unsere jungen Leute verdienen immer, stets, unser Bemühen um Verständnis, gewisse Nachsicht ebenso wie wohlwollendes Entgegenkommen, besonders in schwierigen Zeiten.

    Sie sollen sich eben nicht als sog. „Corona-Generation“ fühlen, mit Nachteilen auch beim Übertritt ins Erwachsenen- und Berufsleben.

    Denn einen zentralen Bereich einer (meist) recht unbekümmerten, unbeschwerten „pubertären Jugendzeit“ mit Abhängen in der Clique, Rumknutschen, Grenzüberschreitungen, nächtlichem Partymachen in Clubs an jedem Wochenende, … haben sie eh – unwiederbringlich – nie erleben können/dürfen.
    Das Zeitfenster dafür ist (ja eigentlich) nun vorbei, kann nur zum Teil, bedingt, nachgeholt werden.

    Mein Wunsch an all unsere AbiturientInnen:
    realistische Selbsteinschätzung möge sie nun – nach ihrem „Super-Abitur“ – vor Arroganz, Überheblichkeit und nachlassendem Arbeitseifer, geringerer Leistungsbereitschaft bewahren!

  4. „Leicht besser“ in der Überschrift trifft leider den Sachverhalt nicht im Ansatz. Dramatisch besser muss es heißen. Bayerns Abischnitt pendelte 10 Jahre lang um die 2,35, im letzten Jahr stieg er auf 2,29 und in diesem Jahr auf rund 2,14 oder 2,15. Damit setzt sich Bayern nach Thüringen auf Platz 2 im Bundesranking um immer bessere Abischnitte. An vielen Gymnasien in Bayern, so auch meinem eigenen, gibt es jetzt über 50 Prozent Abizeugnisse mit einer Eins vor dem Komma. Das sei ja alles den Abiprüflingen gegönnt, wenn es nicht zwei fatale Konsequenzen hätte:
    1. Es ist eine massive Benachteiligung der Vor-Corona-Jahrgänge, die sich um die selben Studienplätze mit Zulassungsbeschränkung bewerben.
    2. Angeschmiert sind die wirklichen Spitzenleister/innen, die in dieser Masse an Einsern regelrecht untergehen und gar nicht mehr herausstechen.
    Da hat eindeutig durch ein Bündel an Erleichterungen (Streichung schlechter Ergebnisse, Günstiger-Regelungen, Ersatz ausgefallener Klausuren durch die besten Noten aus dem Vorjahr, Abstriche bei den Prüfungsanforderungen, längere Arbeitszeiten, mehr Auswahl bei Abituraufgaben, längere Vorbereitungszeit) aus reinem Populismus heraus eine Überkompensation stattgefunden, die der bereits zuvor erkennbaren Noteninflation jetzt den letzten Push gegeben hat.
    Und das in Bayern, das immer so stolz auf seine Anforderungen war!
    Unter Piazolo wurden und werden alle bisher gültigen Qualitätsstandards aufgeweicht.
    Ich sage voraus: Wenn in einigen Jahren die kürzlich beschlossene Abiturreform von Piazolo greift, wonach dann auch die bayerischen Abiturienten schriftlichen Abiprüfungen in Mathe und Deutsch super aus dem Weg gehen können, schafft Bayern auch noch den Sprung auf Rang 1 bei den Landes-Abischnitten!

    • Und damit ist keinem gedient, da das Abitur an Wertigkeit verliert. Aber dieses Zurechtbiegen der Faktenlage ist in der Politik ein probates Mittel, um die defizitäre Gangart der politischen Kaste zu kaschieren, nicht nur in der Bildungspolitik. Aber momentan haben wir tatsächlich die denkbar schlechteste Besetzung im bayerischen Kultusministerium, man hat das Gefühl, dass sich hier nicht wirklich mit der Sache gründlich auseinandergesetzt wird, Hauptsache man hat den Posten.

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