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RKI stellt größere Delta-Ausbrüche an Schulen fest – Wieler: Maskenpflicht und Tests für Schüler bis Frühjahr 2022 nötig

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BERLIN. Der Präsident des Robert Koch-Instituts, Prof. Lothar Wieler, rechnet mit der Ausbreitung der besonders ansteckenden Corona-Mutante B.1.617.2, der sogenannten Delta-Variante, in Schulen. »Es werden vermehrt Fälle bei Kindern auftreten, schon jetzt sehen wir größere Ausbrüche der Delta-Variante in Schulen«, sagt er aktuell in einem Interview mit der „Rheinischen Post“ – und plädiert für Schutzmaßnahmen in den Bildungseinrichtungen weit ins kommende Schuljahr hinein. Von der These, dass Kinder ja kaum von schweren Erkrankungen betroffen sind, hält er nichts.

Das Robert-Koch-Institut ist eine Bundesbehörde: Präsident Prof. Dr. Lothar Wieler. Foto: Andrea Schnartendorff / RKI, Wikimedia Commons

Nach eigener Aussage rechnet Wieler mit einem steigenden Infektionsgeschehen an Schulen – und bestätigt, größere Ausbrüche seien schon jetzt zu beobachten. Zuletzt wurde ein Ausbruch in einer Grundschule in Frankfurt festgestellt, wie News4teachers berichtet. Laut Gesundheitsamt sind insgesamt 22 Schüler und Mitarbeiter der Schule infiziert, zumindest ein Teil davon sicher mit der Mutante.

„Hier besteht der Verdacht, dass die Virus-Variante aus dem familiären Umfeld in die drei Schulen getragen wurde“

Aktuell melden Medien einen Ausbruch an einer Berliner Grundschule, wo 13 Kinder und zwei Lehrer positiv getestet worden. „Laut Labor deuten erste Untersuchungen auf die neue Delta-Variante hin”, so hieß es. Die genaue Bestimmung der Virus-Sequenz dauere noch bis nächste Woche. Es habe keine Hygienemängel an der Schule gegeben. Im hessischen Main-Kinzig-Kreis sind gleich drei Schulen betroffen. „Hier besteht der Verdacht, dass die Virus-Variante aus dem familiären Umfeld in die drei Schulen getragen wurde und zwei weitere Kinder angesteckt wurden“, erklärt der Landkreis, wie die „Fuldaer Zeitung“ berichtet. Noch handele es sich um Verdachtsfälle. Bereits nachgewiesen sei die Delta-Variante allerdings bei dem „Ursprungsfall“.

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Zuvor waren Fälle an Schulen in den westfälischen Ortschaften Rheine und Werl aufgetreten. Die hochansteckende Mutante wurde ebenfalls in Dresden nachgewiesen, dort sogar an mittlerweile zwei Schulen und einer Kita. Offenbar mit weiteren Folgen: „In Dresdens Schulen nimmt das Infektionsgeschehen wieder Fahrt auf“, so meldet aktuell die „Sächsische Zeitung“. Auch in Hamburg wurde nach Informationen des „Spiegel“ die Delta-Variante in einer Grundschule entdeckt. Zuvor hatte es einen Ausbruch an einem Gymnasium im niedersächsischen Hildesheim gegeben, bei dem nach offiziellen Angaben 14 Schüler infiziert wurden – sechs davon mit Delta.

»Wir wollen das Infektionsgeschehen niedrig halten, weil auch Kinder schwer erkranken können«

»Wir empfehlen, dass in Schulen weiter getestet und Mund-Nasen-Schutz getragen wird. Aus heutiger Sicht würde ich sagen, das sollte bis zum nächsten Frühjahr so sein«, sagt Wieler. »Zum einen wollen wir ja das Infektionsgeschehen niedrig halten, weil auch Kinder schwer erkranken können. Und zum anderen haben wir natürlich das Ziel, dass die Schulen offen bleiben.« Der weitere Verlauf der Pandemie hänge von unser aller Verhalten ab.

»Vor allem in Innenräumen sollten wir weiterhin Mund-Nasen-Schutz tragen, die Kontakte reduzieren und Testangebote nutzen. Auch vom Impffortschritt hängt es ab, wann es wieder zu einem Anstieg der Zahlen kommt«, betont der RKI-Präsident. »Deshalb ist der Zeitpunkt schwer vorherzusagen. Sicher ist allerdings, dass es im Herbst und Winter wieder zu steigenden Zahlen kommt.«

Wieder schärfere Maßnahmen könne niemand seriös ausschließen. »Aber was ich sicher weiß: Wenn wir jetzt vorsichtig bleiben, wenn wir jetzt in geschlossenen Räumen weiter Masken tragen, wenn wir weiter Abstand halten und die Impfungraten weiter nach oben gehen, dann können wir das vermeiden. Davon bin ich überzeugt. Ich kann nur meine Hoffnung zum Ausdruck bringen, dass das gemeinsam gelingt.«

KMK hat «dauerhaft Regelbetrieb (…) mit allen Schulfächern und Unterrichtsstunden» für das nächste Schuljahr beschlossen

Zweifel daran sind erlaubt. Die Kultusministerkonferenz hatte vorvergangene Woche beschlossen, dass alle Schulen nach den Sommerferien «dauerhaft im Regelbetrieb (…) mit allen Schulfächern und Unterrichtsstunden» besucht werden sollen. Regelbetrieb bedeute, dass Unterricht in der Schule ohne weitere Einschränkungen erteilt und das schulische Leben wieder ermöglicht werde, heißt es in einem Beschluss. Auch außerschulische Angebote wie Schulfahrten würden wieder in «vollem Umfang» ermöglicht. Von Schutzmaßnahmen an Schulen war hingegen keine Rede.

Die werden denn auch in der Breite gelockert. Die meisten Bundesländer haben die Maskenpflicht im Unterricht und/oder auf den Schulhöfen bereits gestrichen. Sachsen hat als erstes Bundesland die Anzahl von zwei Schüler-Tests pro Woche auf nur noch einen halbiert. Thüringen will die Tests in Schulen komplett streichen. Niedersachsen hat – ebenso wie das Nachbarland Schleswig-Holstein –  angekündigt, unmittelbar nach den Sommerferien (noch) testen zu wollen. Danach offenbar nicht mehr. News4teachers / mit Material der dpa

Das Delta-Gespenst geht um: Kommt Corona mit Wucht zurück? 22 infizierte Schüler und Lehrer nach Ausbruch an Grundschule

 

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