Corona aus Kindersicht: Schulleiterin sammelt Kommentare ihrer Schüler

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POTSDAM. Kinder, kein Zweifel, haben unter der Pandemie gelitten. Ihre Lebenswelt wurde beschnitten, der Kontakt zu Freunden und Familienangehörigen beschränkt, die Schule für den Präsenzunterricht geschlossen. Und trotzdem, so stellt Jana Reiche – Leiterin einer Montessori-Grundschule in Brandenburg – fest: Kinder sind stärker, als sie mitunter dargestellt werden. Und sie haben in der Krise wichtige Erfahrungen gemacht. „Unsere Schüler*innen lernen vor allem, dass eine stabile Gesellschaft Arrangements braucht, das Zusammenspiel von Freiheit und Disziplin“, so schreibt Jana Reiche. Den folgenden Beitrag hat sie uns geschickt: Corona aus Kindersicht. Dabei zeigen sich die Schülerinnen und Schüler erstaunlich pragmatisch.

Viele Kinder können erstaunlich gut mit der Krise umgehen. Foto: Shutterstock

Freiheit und Disziplin sind zwei Seiten einer Medaille

Es regnet heftig, acht Kinder der Jahrgangsstufe 2-3 laufen mit merkwürdigen Tiergestalten ihrer Kunstlehrerin hinterher.  12 Kinder der Lerngruppe 4-5 spielen auf dem Fußballfeld „Werwölfe“.  Sie trotzen dem Regen und Sturm, so wie auch dieser merkwürdigen Begrifflichkeit eines Spiels. Es ist ein Gemeinschaftsspiel für große Gruppen, in dem spielerisch abgefragt wird, ob man sich aufeinander verlassen kann, wer Bürgermeister werden kann und wer wohl der Verräter ist.  In den Schulräumen begutachten Kinder währenddessen ihre Fundstücke aus dem Wald und beschriften sie. In einer Schule, die nie eine Pausenklingel hatte und in der sich Kinder individuell Pausen nehmen, fällt das nicht so besonders auf. Es heißt im Mai 2021 nur anders, eben Wechselunterricht mit Sicherheitsabstand.

Nienhuis Montessori

Maria Montessori. Foto: Nienhuis Montessori

Kennen Sie Albert Nienhuis? Der niederländische Zimmermann stellte in enger Zusammenarbeit mit Maria Montessori Lernmittel her, die ihrer pädagogischen Vision entsprachen. 1929 gründete er Nienhuis Montessori, den weltweit führenden Anbieter von Montessori-Materialien.

Seit über 85 Jahren vereint das Unternehmen Handwerkskunst mit technischer Finesse. Die Produktwelt von Nienhuis Montessori ermöglicht es Kindern heute so gut wie zu Albert Nienhuis Zeiten, ihre Welt eigenständig zu erkunden. Wir nutzen nur beste Materialien, verarbeitet mit Sorgfalt, Hingabe, dem Blick fürs Detail – und einer tiefen Verbundenheit mit der Pädagogik Maria Montessoris. Seit Jahrzehnten bereits ist Nienhuis Montessori offiziell von der Association Montessori Internationale anerkannt.

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„Freiheit und Disziplin sind zwei Seiten einer Medaille“[1], so sagt es Maria Montessori. In gelingenden sozialen Prozessen ist das Kind fähig zur Eigenwahrnehmung und übernimmt Verantwortung für sich und andere. Er kann die Bedürfnisse anderer sehen und achten. Montessoris Freiheitsbegriff koppelt sich an eine Persönlichkeitsentwicklung im Kontext einer Gemeinschaft. Kinder sind von Natur aus soziale Wesen oder — wie Maria Montessori es einmal formuliert — „das soziale Wesen par excellence“[2]. Da es kann es doch mit Distanzunterricht und Notbetreuung eine interessante Frage sein, wie die Schüler*innen unserer Schule das letzte Jahr bewerteten.

Da wir uns mit der Freiheit schon so gut auskennen und sie so gut zu verteidigen wissen, reden wir doch von Disziplin, ein etwas aus der Mode gekommenes Wort. Wir leben in Widersprüchen und diese Zeit macht sie sichtbarer. Und so dürfen wir doch auch einen Moment dankbar sein, dass wir die Gelegenheit bekommen haben, unser Mitgefühl zu prüfen in einer Krise, die uns viel Disziplin abverlangte.

Unsere Verantwortung als Schule sahen wir darin, trotz Distanz Nähe zu halten. Die digitale Vernetzung aller Schulkinder konnte sichergestellt werden, die Aufgabenübertragung auch. Und so gab es neben den üblichen Aufgabenübertragungen viele kleine Erlebnisspitzen im Fernunterricht, wie einen Philosophierabend, das Scherbengericht der Alten Griechen, die Mathegeschichte, in der wir dann doch nicht im Untergrund abtauchten.  Wir haben in all diesen Kommunikationsrunden auch geübt, einen Umgang mit Krisen zu finden. Lernen an Beispielen, so machen wir das doch sonst auch. Wenn wir eine Dreisatz-Matheaufgabe lösen, dann nur, falls wir irgendwann mal eine lösen müssen und nicht, weil wir aktuell wissen wollen, was 20 Brötchen kosten. Als wir herausfanden, dass wir bei den Kelten ein bestimmter Baum oder im Chinesischen Horoskop ein bestimmtes Tier gewesen wären, verhielten wir uns trotzdem nicht wie Hasen oder Schweine. Kinder können Realität und Fakten von Spuk und Zauber unterscheiden. Wann verlernt man das? Oder lieben Erwachsene Geschichten, die sie empören, ihnen einen Schauer über den Rücken jagen, die von Schurken und Verschwörungen erzählen, weil Schulen keinen Raum für diesen Space bereithielten?

Unsere Schüler*innen sind Zeitzeugen. Und wenn sie jetzt nicht ihre Geschichte und ihre Wahrnehmungen aufschreiben, werden das andere für sie tun und ihre Sichtweise zugunsten eigener Zielsetzungen, vielleicht auch unabsichtlich, verschieben. Nehmt euch Zeit, redet mit ihnen, hört ihnen zu! Sie sind lässig, blicken durch und sie sind verantwortungsbewusst. Deshalb brauchen sie euer Reflexionsvermögen und euren gereiften Umgang mit einer Situation, die keiner von uns gewählt hat, aber lernen kann. Verantwortungsvoller Umgang mit Krisen ist das Zaubermittel, nicht nur in Glaubensgemeinschaft. Unsere Schüler*innen lernen vor allem, dass eine stabile Gesellschaft Arrangements braucht, das Zusammenspiel von Freiheit und Disziplin.

„Corona langweilig? Von wegen“, so wollten 3 Schüler*innen ihr Buch nennen, das sie in der Distanz-Zeit schreiben wollten. Haben sie nicht, aber ihre Erzählung war Anlass, dass einige Schüler*innen der älteren Klassenstufen unserer Grundschule während des Wechselunterrichts eine Rückschau auf diese Zeit schrieben.

Ich weiß gar nicht, wann ich das erste Mal von Corona hörte. Als dann gesagt wurde, die Schule müsste schließen, freute ich mich, dass ich zu Hause bleiben konnte. Aber nach ein paar Tagen fand ich es nicht mehr so cool und sagte mir, das geht schnell vorbei. Aber Corona wurde nicht weniger – im Gegenteil. Es gab immer mehr Fälle und ich konnte nicht mehr zu meinem Schwimmtraining. Der Homeschooling- Alltag war meistens gleich, ein Tagesfach war vorbereitet und einmal in der Woche gab es Videokonferenzen. Dann wurden von der Bundesregierung die Regeln verschärft und die Zahlen sanken. Dann kam die zweite Coronawelle. Alles musste wieder geschlossen werden. Ich fand das sehr doof, aber wenigstens hatten wir jeden Tag eine Videokonferenz. Nach ein paar Wochen gab es wieder Wechselunterricht und dann wieder fast normalen Unterricht, nur mit Maske. Ich finde es nicht schlimm mit der Maske oder dem Testen. Ich finde es einfach gut, dass man sich wieder mit Freunden treffen kann. (J., 10 Jahre)

Ich würde als Politiker strenger sein. Ich würde für Leute, die keine Maske tragen, Geldstrafen anordnen. In meiner Schule haben wir das Corona-Problem gut im Griff, weil wir uns alle an die Regeln halten. Ich bin hier – andere wegen Corona nicht mehr, aber ich will wirklich was bewegen. Mein Großvater ist in der Coronapandemie gestorben, aber nicht an Corona. Tod ist doch immer schlimm, oder? Ich habe Essen und Trinken und heute kann ich wieder in die Schule gehen. Corona hat was verändert und nicht nur im schlechten Sinne, aber haben wir uns nicht alle verändert? Ich habe ein IPad und einen Hund bekommen. Und ich, ich habe kein Problem mit den Regeln und meine Klasse hat auch kein Problem und wir sind die nächste Generation. Wir müssen vielleicht noch viel Schlimmeres erleben, deswegen lassen wir uns testen und tragen Maske. Tut das auch! (H., 10 Jahre)

Es beeinflusst mich zum Glück nicht so dolle. Ich hoffe es ist bald zu Ende, denn es nervt schon ein bisschen. Ich hätte mir nie vorstellen können, dass so eine Pandemie kommt. Ich finde es gut, dass ich in der Schule lernen darf. Mir tun die Kinder leid, die Stress mit ihren Eltern, der Schule oder mit den Freunden haben. (J, 10 Jahre)

Es ist sehr traurig! Vor allem weil so viele Menschen sterben und am schlechtesten geht es den armen Ländern, denen es auch schon ohne Corona nicht gut ging! Ich finde es auch traurig, weil meine Eltern normalerweise nicht viel verdienen und jetzt noch weniger. Es macht mich traurig, wenn meine Eltern darüber reden und so traurig aussehen. Aber eigentlich kann ich glücklich sein. Ich habe ein Dach über meinem Kopf und am besten finde ich, dass kein Krieg herrscht da wo ich lebe! Aber ich finde cool dass in dieser Zeit nicht so viele Flugzeuge und so was fliegen! Ich glaube die Menschen haben viel nachgedacht und daraus vielleicht auch was gelernt!  (N, 12 Jahre)

Ich will euch von einem Erlebnis mit meinen Freunden erzählen: Helene entdeckte einen Baumstamm. Es roch nach Moder und Gülle. Dann kletterten wir auf den Baumstamm. Helene hopste neben den Baumstamm. Sie ging langsam daneben lang. Plötzlich versank Helene bis zum Rand der Gummistiefel. Sie klammerte sich an die Äste über ihr und zog sich hoch. Doch es gab immer noch einen kleinen Haken an der Sache, die Gummistiefel steckten noch im Moor. Helene hangelte sich an den Ästen nach unten und versuchte die Gummistiefel herauszuziehen. Sie schaffte es nicht. Marianne und ich gingen um dass Moorloch herum und suchten eine Stelle, die nahegelegenen den Gummistiefeln war. Wir fanden eine und beugten uns über dass Moorloch und zogen die Gummistiefel raus. Dann gingen wir zu Marianne nach Hause. Corona hält also auch Erlebnisse bereit. Ich finde die Corona Regeln sehr vernünftig. Meine Eltern sagen, dass sie es gut fänden, wenn es zwei Wochen knallharten Lockdown gäbe. Niemand ist aus meiner Familie coronakrank geworden. Das finde ich gut. Keine Demo nützt, dass Corona aufhört. (L., 11 Jahre)

Als ich das erste Mal hörte, dass sich Corona über das Land verbreitet und die Schulen schließen, war ich ein bisschen verwundert. Dann war ich aber froh, dass ich nicht so früh aufstehen musste. Unsere Schule war nicht sofort geschlossen. Bei uns war nicht klar, wann sie geschlossen wird. Sie schloss an einem Freitag. Corona war von meiner Seite aus doof, man konnte sich nicht verabreden, überall musste man Maske tragen und wegen Videokonferenzen saßen wir zu viel vor dem Computer. (B., 9 Jahre)

Ich finde Corona ist ja nicht so schlimm, man muss sich halt ein Stäbchen in die Nase stecken und immer Maske tragen und vielleicht mal das Fenster öffnen, aber das Leben ist kein Wunschkonzert. Am Anfang der Pandemie war es deutlich schlimmer, da haben wir uns nur einmal in der Woche gesehen und das nur per Videokonferenz. Dann konnten wir eine Zeit zur Schule, das hat Spaß gemacht. Zu Weihnachten- das war schon später- da habe ich ein Tablet bekommen, weil nach den Ferien hatten wir Homeschooling. Das Tablet hat auch genervt, jetzt merke ich das auch richtig. Dann war Wechsel – Unterricht. Wir haben uns Donnerstag und Freitag gesehen. Das war richtig cool und da hat man erst gemerkt, wie doll man seine Freunde und die Schule vermisst hat. Später waren wir jeden Tag in der Schule und haben immer zusammen gespielt. Mit Sport haben wir es so gemacht: Immer zwei Kinder haben ein Sportprogramm für 5 Kinder vorbereitet. Das hat sehr viel Spaß gemacht. Ich war durch Corona auch öfters am Tablet, das war nicht so gut. Ich habe sehr viel Computerspiele gespielt und weil ich kein Sport mehr hatte, wurde ich auch etwas unsportlicher und etwas fülliger. Jetzt gehe ich manchmal mit meiner Familie zum Fußballplatz. Ich glaube auch, dass ich jetzt wieder eine bessere Kondition habe. Und ich bin auch etwas besser in Sport geworden. Durch Corona haben wir auch ein Trampolin bekommen. Wir machen immer mit Oma und Opa Videokonferenzen und neulich waren wir bei Oma und Opa in Berlin. Ich bin froh, dass Oma und Opa schon geimpft sind. Ich freue mich schon, wenn Corona vorbei ist. (M., 10 Jahre)

Ich finde die Corona-Pandemie so ätzend! Alles hat zu und ich kann nicht in das Schwimmbad. Ich komme schon aus der Schwimmübung Ich vermisse es, Go-Kart zu fahren. Ich finde es schöner, in der Schule zu sein. Zu Hause war es meist sehr anstrengend.  (P, 11 Jahre)

Als H. bei mir gelernt hat, habe ich aus Versehen ihr I-Pad kaputtgemacht. Sonst war eigentlich alles normal, außer die Schule. Statt in der Schule zu sein, hatten wir eine Stunde Videokonferenz. Für mich ist das kein Problem. Ich kann Zuhause genauso gut lernen wie in der Schule, aber trotzdem vermisse ich die Schule und meine Lehrer. Homeschooling hat für mich aber auch ein paar Vorteile, wie z.B: nicht so früh aufstehen, man kann Pausen machen, wann man will, man kann nichts vergessen und man kann essen wann man will. Seit Mama mir erzählt hat, dass meine Tante, mein Onkel und meine Cousine Corona haben, bin ich noch mal vorsichtiger geworden. Doch ein paar Tage später hat Mama mir gesagt, dass ich bald wieder in die Schule kann. Ich habe mich total über die gute Nachricht gefreut. Ich finde es nicht schlimm, dass ich Sonntagabend oder Montagmorgen einen Test machen muss und dann noch Donnerstagabend oder Freitagmorgen einen Test. An alle die Leute, die denken, das ist schlimm, es gibt Schlimmeres ! Ich finde, wir sollten uns und die anderen schützen gegen diese Pandemie – gegen die erste Pandemie in meinem Leben. (M., 9 Jahre)

Corona nervt total! Wir können unsere Freunde nicht mehr sehen und unsere Hobbies nicht mehr machen. Außerdem können wir nirgendwo hin. Zuhause lernen ist eigentlich ganz ok. Wir hatten immer Videokonferenzen, das war gut. Jetzt dürfen wir wieder in die Schule. Aber wir müssen jeden Montag und Freitag auf Corona testen. Das ist unangenehm!  (B, 12 Jahre)

Als ich hörte, dass es Corona gibt, dachte ich, es wäre nur Fieber. Und dann hat es sich ausgebreitet. Und dann war es eine sehr schlimme Krankheit. Ich durfte irgendwann nicht mehr zum Hockey und ich wurde gerade erst gut. Dann habe ich gehört, dass die Schule auch zugeht. Das war blöd, weil ich nicht mehr so oft meine Freunde sehen konnte. Aber ich konnte zu Hause viel besser arbeiten, weil ich in der Schule auch viel Quatsch mache. Ich fand das sehr cool, dass meine Mutter die erste Impfung gekriegt hat. Und dann wurde mein Vater geimpft und da war ich auch froh. Ich war auch froh, dass meine Oma aus dem Nachbardorf auf dem Betrieb von meinem Vater wohnt. Bei mir am Haus auf dem Feld, da fährt immer ein Traktor. Gut fand ich, dass mein Freund bei mir zu Hause bei den Schulsachen geholfen hat. Ich fand blöd, dass meine Mutter und mein Vater so gestresst waren, denn in unserem Betrieb sind schon 3 angesteckt worden. (A., 9 Jahre)

Eltern haben sich verändert, indem sie netter geworden sind. Mein Vater besonders, er lässt uns mehr machen als früher. Ab April hatten wir Wechselunterricht. Bei Mama durfte ich in der Corona – Zeit mehr an das i-Pad oder an das Handy oder habe mich verabredet. Ich bin zwar sehr traurig, dass mein Opa und unser Hund gestorben sind, der Schmerz geht nicht so schnell vorbei. Aber das Beste ist, dass ich nicht so viel von der Corona- Pandemie mitbekommen habe. (L., 10 Jahre)

Ich erfuhr das erste Mal davon, als meine Eltern gesagt haben, dass so etwas wie eine Grippe nach Deutschland kommt. Ich habe mir eigentlich nur Sorgen über meine Tante und mein Onkel gemacht, denn sie wohnen in Hessen und ich in Brandenburg. Dann kam die Grippe oder was das war immer näher. Es bekam den Name Corona.  Corona verbreitete sich überall hin, sogar meine OMA hatte Corona. Wir haben sie jeden Tag angerufen. Sie hatte keinen Geschmack mehr, aber zum Glück ist sie nicht gestorben. Dann hat meine Tante Corona bekommen, auch sie hatte keinen Geschmack mehr. Auch sie haben wir jeden Tag angerufen. Dann sollten die Läden geschlossen werden, aber nur die ohne Lebensmittel. Aber ich dachte, dass es nichts bringen würde, denn Corona verbreitet sich viel schneller, so in 5 Sekunden. Dann habe ich das erste Mal von Menschen gehört, die glauben, dass Corona nur so wie Grippe und Corona gar nicht gefährlich ist. Ich habe mich daran gewöhnt, aber dann hatte mein Bruder Corona. Das ist mein Lieblingsbruder und er konnte auch nichts mehr schmecken, aber zum Glück hat er es überlebt. (P., 10 Jahre)

Die Pandemie regt mich auf. Ich habe vor ungefähr zwei Monaten eine Hausarbeit geschrieben, die das Thema Corona & Co hieß. Ich habe mich für das Thema interessiert, weil ich es wissen wollte, warum es im Moment so komisch ist. Bei mir in der Familie war es vor einem Jahr im Homeschooling ganz schön stressig, weil es viel Aufwand in der Küche gab. Wenn ich und E. Hilfe brauchten, konnte Mama nicht immer da sein und das führte natürlich dazu, dass Mama auch mal laut wurde und ich keine Lust mehr hatte zu arbeiten. Später hat Mama aber daraus gelernt und ist jetzt nur manchmal laut und genervt. In dem zweiten Lockdown war es ganz anders. Mit Videokonferenzen bin ich besser zurecht gekommen, obwohl ich auch schon 5. Klasse wa und schwierigere Aufgaben zu lösen hatte, war es so trotzdem viel besser. Wir hatten dann später auch Sport über Zoom. Ich finde es schade, dass mein Schwimmverein zu hat und ich nicht schwimmen kann. Dass ich kein Schlagzeug habe, ist echt nicht toll. Mir fehlt, dass ich nicht reisen kann und nicht zu meinem Rest der Familie kann. (T., 11 Jahre)

Corona ist für mich ziemlich schwer. Es ist ganz anders in der Schule. S. wurde schon durch geimpft. Ich will geimpft werden. Ich werde erst nächstes Jahr 12. Ich sitze hier am Tisch und gucke die Tafel an. Ich hoffe, dass ich in 20 Jahren noch mit J befreundet bin und mit B auch, aber wegen Corona übernachte ich nicht mehr bei J so oft wie vor Corona.  (A., 11 Jahre)

Corona soll langweilig sein, von wegen. Ich bin nicht der Meinung. Meine Freundinnen und ich haben recht viel erlebt, wir haben sogar überlegt ein Buch zu schreiben. Aber was macht man nach Homeschooling? Hier werden Plätzchen gebacken! Wir stellten alle Zutaten auf den Tisch und begannen. Wir machten die trockenen Zutaten in eine Schüssel. Nur leider passte nicht alles in die Schüssel, also mussten wir den Teig hochheben und die Schüsseln wechseln. Das war eine sehr klebrige Angelegenheit und hat sehr lange gedauert. Aber irgendwann war er fertig. Der Teig musste dann 1h in den Kühlschrank. Der Teig war irgendwie viel zu brüchig geworden, so dass wir nur zwei Plätzchen ausstechen konnten. Den restlichen Teig haben wir zu Klümpchen geformt und dann plattgedrückt. A. hatte die Idee das wir den Teig mit irgendetwas platt drücken könnten sie hat den Deckel von der Mehldose genommen und fest zugedrückt. Doch auf einmal hat es klirr gemacht und der Deckel war kaputt. A. hat mir gesagt das, dass die Lieblingsdose ihrer Mutter war. Doch die war nicht so sauer. Als wir fertig waren, sah die Küche wieder aus wie ein Schlachtfeld, aber wir räumten auf. (H., 10 Jahre)

Gerade merke ich nicht so richtig, dass wir in einer Corona-Pandemie stecken. Da alles fast normal verläuft. Wir haben normalen Unterricht, können miteinander in der Pause spielen und können zusammen arbeiten. Außer dass wir die Masken drinnen aufhaben müssen, wenn keine Fenster auf sind und dass wir regelmäßig einen Corona Test machen müssen. Das erinnert mich daran, dass Corona ist. Und dass der Pausenhof getrennt ist und dass die Klassen getrennt sind. Ich bin ein bisschen traurig, da wir in den Sommerferien bestimmt keinen Ostseeurlaub machen können wegen Corona. Letztes Jahr hat sich die Corona-Pandemie für mich sehr real angefühlt. Da wir einen Teil des Jahres zu Hause lernen mussten und es später dann Wechselunterricht mit Masken gab. Ich fand es oft sehr langweilig zu Hause und manchmal habe ich mich ein bisschen einsam gefühlt, da ich mich mit den anderen aus der Klasse nicht treffen konnte.  (Y., 12 Jahre)

Es ist eigentlich sehr doof, weil ganz viel geschlossen hat. Hier gibt es eh nicht so viel, aber in Berlin konnte man Schlittschuhlaufen oder auf irgendwelche Skaterbahnen gehen. Außerdem gibt es da in eigentlich jeder Straße Läden (Eisladen, Buchläden, Kartenläden, Restaurants…). Hier ist man dann halt viel draußen, liest, backt, kocht, hört Musik, guckt Filme oder macht andere Sachen. Ohne Corona kann man aber mehr machen, deshalb wäre es schon actionreicher ohne Corona. Jetzt sind wir gerade in der Schule. Vorher hatten wir auch noch Homeschooling. Wegen den Geräten gab es keinen Stress zu Hause. Ich finde aber richtig in die Schule gehen besser als Homeschooling.  (K., 12 Jahre)

Für mich war Corona ganz gut, weil ich das frühe Aufstehen nicht mag. Als das erste mal Homescholing war, dachten alle, dass Homescholing so cool ist, aber am Ende fande nur ich Homescholing cool. Meine Geschwister waren fast den gesamten ersten Lockdown da, weil sie nicht in Potsdam und Berlin sein wollten. Im Lockdown habe ich im Zelt gewohnt und wir sind jeden Tag spazieren gegangen und auch generell bin ich sportlicher geworden. Ich bin aus Langeweile jeden Tag gejoggt. Keiner aus meiner Familie ist wegen Corona gestorben. Wir haben eine Hütte gebaut und wir haben an den Baum einen Flaschenzug rangebaut. Da habe ich mir immer kalte Getränke hochgezogen. Ich finde es bescheuert, wenn Leute sagen Corona ist nur eine Grippe. Der grundlegende Unterschied ist doch, dass durch Corona mehr Menschen sterben. Die meisten Kinder meiner Schule finden die Maske, wenn es kalt ist, sogar schön. Ich gehöre dazu, ich ziehe sie draußen oder Zuhause an, wenn es kalt ist. Manchmal spiele ich mit FFP2 Maske Fußball. Testen ist natürlich unangenehm für die meisten, aber es ist auch nur ein dünnes Stäbchen und inzwischen gibt’s Tests, die nicht bis ins Gehirn müssen. In manchen Ländern wünschten sie, dass sie testen können. Und in Deutschland heulen Leute rum, weil sie in der Nase popeln müssen, ob nun mit Stab oder Finger macht doch keinen Unterschied. Nervig war nur, dass meine Mutter eigentlich noch mehr arbeiten musste. Deshalb waren die Schulaufgaben schwerer, niemand konnte mir helfen. Wenn meine Mutter Zeit hatte, war es gut, denn sie kann alles. Erst war Zuhause arbeiten cool, aber dann war es irgendwann nervig, auch weil man seine Freunde vermisst hat. (L., 10 Jahre)

[1] Maria Montessori: Das kreative Kind. 1972, S. 25

[2] Montessori, M.: Frieden und Erziehung, Freiburg 1973, S.15

Die Autorinnen

Als Schulleiterin der Landweg-Schule in der Prignitz, Brandenburg, ist Jana Reiche seit 20 Jahren beteiligt an bildungspolitischen Diskussionen. Seit 2019 ist ihre Schule ein von der UNESCO ausgezeichneter BNE-Lernort.

Seit dem Frühjahr 2020 und den neuen Herausforderungen an der Schule hat sie sich intensiv mit Digitalisierungsprozessen an Grundschulen beschäftigt. Sie gehört zur Gruppe „Die Schulentwickler“, deren Projekt bereits in der KMK und dem BMFB vorgestellt wurde. In einem deutschlandweit einmaligen Vernetzungsprozess hat sie sich mit Schulleiterinnen anderer Montessorischulen über den Bundesverband Montessori vernetzt. Dort werden monatlich u. a. aktuelle Fragen an die Digitialisierung diskutiert.

Mit ihrem Kanal „ReicheReformpädagogik“ gehört sie zur Szene der YouTuberinnen, entstanden aus Notwendigkeit wegen der Schulschließung. Jana Reiche ist Mitglied im Landesverband Montessori Berlin-Brandenburg und in Trägerverantwortung im Landweg e. V.

Ein Plädoyer aus der Praxis: Warum auch Grundschulen (und Montessorischulen) sich auf digitales Lernen einlassen sollten

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10 KOMMENTARE

  1. Schön zu lesen, Dankeschön!

    „Freiheit und Disziplin sind zwei Seiten einer Medaille“ – Stimmt wohl, soweit ich sagen kann. Naheliegend, aber selten gegeben. Wie viel Naheliegendes.

  2. Ja, das ist interessant zu lesen, aber wer je an einer Grundschule gearbeitet hat, weiß (!), dass diese Schülertexte „redigiert“ wurden. Kinder bis Klasse 4, aber auch bis Klasse 6 (in Berlin und Brandenburg) schreiben weder so fehlerfrei (Korrektur ok) noch so „gekonnt im Ausdruck“. Oft wissen sie kaum mehr als 1-2 Sätze zu schreiben. Oft sind es nicht mal Sätze. Von kleinen Kindern stammen diese Sätze sehr wahrscheinlich nicht. Waren es gar Hausaufgaben, bei denen Eltern mitgeholfen haben?

    Es sollen ja Texte von Grundschülern sein!!!

  3. Ich staune gerade. Warum denkt Ihr, dass diese Texte nicht von 10-jährigen stammen?
    Die Ausätze sind ein sehr wichtiges Teil der Bildung, schon in der Grundschule und sie werden äußerst streng korrigiert.

    Mein Sohn beendet gerade 2. Klasse (Homeschooling) und ich müsste schon selbst staunen, wie viele Ausätze, Märchen, Bildergeschichten, Erzählungen dieses Schuljahr in der 2. Klasse geschrieben wurden.

    Meine Tochter müsste nicht so viele vor drei Jahre in der 2. Klasse schreiben, obwohl in der 3. Und 4. Klasse der Druck deutlich stieg, und die Aufsätze müssten sitzen. Es war hart, aber mit viel Übung und viel Lesen ist sie in der Lage jetzt in der 5. Klasse Gymnasium wirklich tolle Aufsätze, Märchen, Erzählungen, Bildergeschichte, Satzanfänge, Adjektive, Satzbau, alles ist da, sogar mit alle drei Spannungsstufen, manchmal sogar mit vier oder fünf zu schreiben, sowohl Inhaltlich, als auch grammatisch. Und unsere Grundschule gehört definitiv nicht zu den Spitzenreitern, eher zu der unteren Stufe.

    Aber ich stimme definitiv zu, dass Grundschulprogram nicht qualitativ umgesetzt werden kann, besonderes Fach Deutsch. Zu viel Religion und Ethik wöchentlich und WG ist heutzutage absolut überflüssig. Statt WG sollte man z.B. Schach spielen, oder diese zwei Stunden wöchentlich aktiv lesen (Herbst, Frühling, Sommer draußen sogar) und darüber diskutieren

    Außerdem wurde übermäßig billiger Spaß in der Grundschule propagiert, sodass viele Kinder spätestens in der 5. Klasse, besonderes in Gymnasium, den Schock erlitten, wenn sie einsehen, dass die Schule kein Spaßort, sondern ein Bildungsort ist.

    Und dann kommt für zu viele Leid und Frust. Das sollte nicht sein. Aber das gehört ebenso dem Bildungsprogram der Konsumgesellschaft.

    Ergebnis dessen könnte uns dieser Pandemie nicht deutlicher zeigen. Als Gesellschaft wachsen wir nicht und entwickeln wir uns nicht weiter.

  4. @Monika, BY:

    Ja, mittlerweile wissen wir, dass IHRE Kinder richtige Durchstarter sind und sich das in der Pandemie auch noch verstärkt hat. Hoffentlich geht alles so weiter, wie in den letzten 1 1/2 Jahren!
    Mal daran gedacht, dass es auch andere Kinder als Ihre gibt? Haben Sie mal in einer Grundschulklasse gearbeitet, um sich ein reales Bild von den Fähigkeiten der Erst- bis Viertklässler machen zu können? Mag sein, dass Ihre Kinder so tolle Aufsätze wie oben auch schon in der 2. Klasse schreiben können. Möglicherweise auch deshalb weil Sie von Ihnen zu Hause bestmögliche Unterstützung erhalten? Aber wie sieht denn die Realität aus? Diese umfassende Unterstützung bekommen sehr wenige. Und diese Durchstarter sind doch Einzelfälle. Man kann doch von diesen Einzelfällen nicht auf die gesamte Stimmung unter den Grundschülern schließen.
    Ich schließe mich jedenfalls den oben genannten Kommentaren an und glaube nicht, dass dies von einer repräsentativen Anzahl von Grundschülern (alleine!) geschrieben wurde. Wenn, dann von einzelnen, die eh schon sehr leistungsstark waren.

  5. „Aber wie sieht denn die Realität aus?“

    Es sieht es so aus, dass 15 vom 22 Kinder aus der Klasse meiner Tochter kamen aufs Gymnasium (noch nicht Corona bedingt) und könnten gute, ein Paar unter ihnen sehr gute Ausätze schreiben.

    Nicht natürlich alle, aber viele haben Unterstützung auch zu Hause bekommen. Und das sollte auch so sein. Die Lehrer sind keine allmächtigen Götter.

    • @Monika, BY:
      Das ist eine überdurchschnittliche Quote. Die Hälfte dieser Kinder wird spätestens ab Klasse 7 Probleme haben – es sei denn sie werden mit „durchgezogen“.

      „Nicht natürlich alle, aber viele haben Unterstützung auch zu Hause bekommen. Und das sollte auch so sein.“

      Sie wohnen sicher in einer ländlichen und gut situierten Gegend (schätze ich mal) und eher nicht im Brennpunkt? Die Eltern der Kinder sprechen höchstwahrscheinlich gut Deutsch und können dementsprechend gut unterstützen – was vielen Eltern allein schon aufgrund der Sprache leider nicht möglich ist, obwohl sie sehr wohl an der Bildung der Kinder interessiert sind.

      „Die Lehrer sind keine allmächtigen Götter.“

      Das sagt doch keiner und verlangt auch keiner! Klar müssen/sollten Eltern vorallem in der Grundschule unterstützen – es ist nur nicht jedem möglich…aus den unterschiedlichsten Gründen. Im Brennpunkt wahrscheinlich den weingsten. Es verlangt ja keiner, dass die Lehrkraft das dann richten soll. Hier ging es lediglich um die Feststellung, dass die wenigsten Grundschulkinder so schreiben können. Man sollte immer im Auge behalten, dass die eigene kleine Blase (in dem Fall ihre kleine Grundschule – mit 22 Kindern ist sie klein!) nicht immer Standard ist.

  6. Fand es auch recht interessant, zu lesen.
    Ob hier nun Rechtschreibfehler oder Grammatik korrigiert wurde, ist mir schnuppe….schließlich geht es lediglich um den Inhalt der Schülerkommentare.
    Dieser spiegelt meines Erachtens nach, dass Kinder in der vorgestellten Altersgruppe durchaus in der Lage sind, ihre Befindlichkeiten während der letzten Monate zu beschreiben und zu benennen, auf was im Einzelnen ihr Focus gerichtet war.
    Und dafür ein Ohr zu haben, schadet weder Erwachsenen noch diversen Politikern (die ich z.T. leider nicht zu den Erwachsenen, bzw. was man darunter verstehen sollte, zählen kann).
    Ich kenne solche Berichte auch von meinen OGS – Kids aus ihren Schultagebüchern, nichts Ungewöhnliches also.

    • Ich arbeite natürlich nicht mit hunderten Kindern täglich, aber so erlebe ich Kinder auch, nicht nur meine. Die Kinder sind schlaue Wessen. Sie können die Geschehens sehr gut erfassen, wenn man ihnen die Gelegenheit dazu bietet.

  7. „Das ist eine überdurchschnittliche Quote.“

    Für Landkreis München nicht.

    Ungeachtet der Klagen vieler Eltern über den hohen Druck auf die Viertklässler steigen die hohen Übertrittsquoten im Landkreis eher noch an. Nach Angaben des Schulamtes sind heuer 67,2 Prozent der Viertklässler berechtigt, ans Gymnasium zu gehen, im Vorjahr waren es 67,0 Prozent. Die nötigen Noten für die Realschule haben weitere 13,6 Prozent der Viertklässler, im Vorjahr lag die Zahl bei 13,0 Prozent. Zum Vergleich: Bayernweit sind es gut 39 Prozent für das Gymnasium und 28 Prozent für die Realschule.

    „Die Hälfte dieser Kinder wird spätestens ab Klasse 7 Probleme haben – es sei denn sie werden mit „durchgezogen“.“

    Nicht wirklich. Durchfallquote beim Abitur in Bayern liegt bei ca. 2,3% (2019., 2017..,) 3,7% 2012.

    Bei der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sieht man die Zahlen für den Landkreis kritisch. „Die hohe Übertrittsquote im Landkreis München liegt sicher nicht an der besseren Luft, sondern hat mit dem Bildungshintergrund der Eltern zu tun“,

    https://www.sueddeutsche.de/muenchen/landkreismuenchen/uebertrittszeugnisse-zwei-drittel-duerfen-aufs-gymnasium-1.4507300

    Deshalb schrieb ich schon.

    „ Zu viel Religion und Ethik wöchentlich und WG ist heutzutage absolut überflüssig. ..“

    „Außerdem wurde übermäßig billiger Spaß in der Grundschule propagiert, sodass viele Kinder spätestens in der 5. Klasse, besonderes in Gymnasium, den Schock erlitten, wenn sie einsehen, dass die Schule kein Spaßort, sondern ein Bildungsort ist.
    Und dann kommt für zu viele Leid und Frust. Das sollte nicht sein. Aber das gehört ebenso dem Bildungsprogram der Konsumgesellschaft.“

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