Hubig spendiert Schulen jetzt doch Luftfilter – und streicht dafür Corona-Tests

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MAINZ. Nach den Sommerferien sollen Schülerinnen und Schüler in Rheinland-Pfalz weiter in vollen Klassen unterrichtet werden. «Wir wollen im neuen Schuljahr den Präsenzunterricht, den wir jetzt haben, in allen Klassenstufen fortsetzen», sagte Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD). Das Land unterstützt dies mit zusätzlichen zwölf Millionen Euro für die Anschaffung von mobilen Luftfilteranlagen an Schulen. Über ein Jahr lang waren die Geräte für unnötig erklärt worden. Dafür spart Hubig jetzt an anderer Stelle: bei den Coronatests in den Schulen.

Keine Tests – kein Corona: die rheinland-pfälzische Bildungsministerin und KMK-Präsidentin Stefanie Hubig. Foto: Bildungsministerium Rheinland-Pfalz/Georg Banek.

«Wir werden ein Zwölf-Millionen-Programm für Raumlufthygiene auflegen», sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) im Anschluss an die letzte reguläre Kabinettssitzung vor der Sommerpause. Zusammen mit einer neuen Teststrategie seien dann die Voraussetzungen gegeben, «dass wir gut gerüstet in die Sommerferien gehen können».

«Das Lüften ist das A und O», sagte Hubig. Mit den zusätzlich bereitgestellten Mitteln solle aber die Frischluftzufuhr in den Klassenräumen weiter verbessert werden. Kann nicht ausreichend gelüftet werden, gibt es Geld für eine Vielzahl von Maßnahmen. Gefördert wird nach den Empfehlungen des Umweltbundesamts unter anderem der Umbau von Fenstern, die Anschaffung von CO2-Messgeräten, der Einbau von ventilatorgestützten Zu- und Abluftsystemen und die Anschaffung von mobilen Luftreinigungsgeräten.

Ein erstes Programm für Luftfilteranlagen im Umfang von sechs Millionen Euro wurde im Oktober 2020 aufgelegt – allerdings nur für begrenzte Einsatzmöglichkeiten. Das Land förderte nur Geräte für Unterrichtsräume, in denen nicht gelüftet werden kann, die aber trotzdem gebraucht werden. Bis Ende Juni wurden Anträge im Umfang von drei Millionen Euro gestellt, die vollständig bewilligt wurden. Davon profitierten nach Angaben des Ministeriums landesweit rund 1.300 Schulen. Sie sei überzeugt, dass sich inzwischen weitere Schulträger auf den Weg machen wollten und von dem neuen Programm profitieren könnten, sagte die Ministerin. Kein Wunder: Das Umweltbundesamt empfiehlt mittlerweile die Geräte, die zuvor – auch von Hubig – schlechtgeredet worden waren, wie News4teachers berichtete.

«Ich bezweifle, dass die Landesregierung Eltern und Schülern über die Sommerferien hinweg ein sicheres Gefühl vermitteln kann»

Nach den Sommerferien soll es zunächst zwei «Präventionswochen» bis zum 10. September geben, in denen wie bisher alle Schülerinnen und Schüler zweimal pro Woche getestet werden. «Danach wird künftig ein anlassbezogenes Testkonzept greifen», erklärte Hubig – etwa wenn Infektionen in einer Schule auftreten oder in einer Region mit erhöhter Infektionsdynamik. Außerdem soll es zu Vergleichszwecken regelmäßige Testungen an 20 ausgewählten Schulen geben.

Kritik an den Ankündigungen kam von der CDU-Landesvorsitzenden Julia Klöckner. «Die Planungen und Vorsorgemaßnahmen gehen absolut nicht weit genug», erklärte Klöckner. «Ich bezweifle, dass die SPD-geführte Landesregierung Eltern und Schülern über die Sommerferien hinweg ein sicheres Gefühl vermitteln kann.» Sollte im Verlauf des Herbstes wieder Wechselunterricht nötig werden, «stehen die Schulen offenbar weiter im Regen», fügte die CDU-Politikerin hinzu und nannte dabei die digitale Ausstattung der Schulen.

Mit Blick auf Einschränkungen des Lernens in der Pandemie-Zeit sagte Hubig: «Viele, die im Wechselunterricht waren, haben tatsächlich gelitten.» Das Angebot der Sommerschule trage dazu bei, dass die Betroffenen eine gute Basis für den weiteren Unterricht erhielten. Die Ministerin betonte aber, «dass es auch um Spaß und Spiel gehen muss, gerade nach der langen Zeit der geringeren sozialen Kontakte.» News4teachers / mit Material der dpa

Laschet kündigt Bundesprogramm für mobile Luftfilter in Schulen an (die Geräte also, die ein Jahr lang für unnötig erklärt wurden)

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13 KOMMENTARE

  1. Sommerschule in RLP bedeutet eine Woche mit 3 Stunden täglich, insgesamt also 15 Stunden pro Kind. Damit holen wir sicher alles auf, was in eineinhalb Jahren versäumt wurde.

    Und die Sommerferien fangen in RLP Ende dieser Woche an. Jetzt endlich für Luftfilter zu sein ist doch viel zu spät, in 6 Wochen Ferien passiert doch da eh nicht viel.

  2. Hubig ist ein falsches „Sparbrötchen“ – das wird immer deutlicher ersichtlich. Billig, billig, billig Kinder, Jugendliche, Familien und LuL abspeisen – darin ist sie Meisterin.

    Nicht mehr systematisch testen zu wollen, ist ja wohl wie SuS und LuL erneut ins offene Messer laufen zu lassen.

    Leute, überlegt euch, welche Pateien ihr im September wählt. Es wird in der Tat schwierig.

  3. „ Das Land förderte nur Geräte für Unterrichtsräume, in denen nicht gelüftet werden kann, die aber trotzdem gebraucht werden.“
    Was für Räume sollen das denn sein? Abstellräume? Wie bekommt man denn frische Luft in Räume, die nicht gelüftet werden können, und wie sollen Luftfilter dabei helfen? Wie wir ja mehrfach lesen durften, können diese ja nicht das CO2 aus der Luft durch Sauerstoff ersetzen. Sind unbelüftbare Räume jemals überhaupt als Unterrichtsräume zugelassen gewesen?
    Ich fordere jetzt auch mal was: für jede von einem Politiker rausgehauene Bullshitaussage hat dieser 100€ ins Parolenschwein zu zahlen. Nach der Wahl kaufen die Kommunen dafür Luftfilter für Kitas und Schulen. Mit dem übrig gebliebenen Geld wird die Digitalausstattung vorangetrieben.

  4. Zum Glück hört diese Testerei auf. Kostet Zeit, bringt wenig und ich bin als Lehrer kein medizinisches Personal.
    Richtig so.
    Erst beschwert man sich hier, testen zu müssen- nun darüber, es nicht mehr zu sollen…?!?

    • Keine Ahnung wie das Testen bei Ihnen von statten geht.
      Bei uns ( GS !) funktioniert es inzwischen schnell und routiniert durch die Kinder.
      Unabhängig gesehen von Sinnhaftigkeit und Aussagekraft dieser Tests. Tests können ausserdem auch zu Hause gemacht werden.
      Ich sehe diese Tests auch nur als ein Baustein der Massnahmen, immer im Zusammenspiel mit allen anderen. Dazu gehören zwingend Luftfilter etc.
      Aber Frau Hubig bleibt ja beim Lüften!
      Vielleicht sollte manche/r mal das Hirn Lüften…..

      • Wir haben wöchentlich 3mal getestet. Es gab nie ein positives Testergebnis, allerdings waren ca. 5-10% der Tests unbrauchbar (z.B. weil Flüssigkeit fehlte). Kosten (bei 2 Euro pro Test) _wöchentlich_ 3000 Euro.
        Lehrer-Tablets gibt es immer noch keine.

    • So lange die Kinder sich selbst die Teststäbchen in die Nase stecken – mal zu tief und mal nicht ausreichend tief – und dabei die Hälfte der Klasse erst mal ohne MNS durch den Raum niest, sind die Tests wirklich nicht optimal. Ich bezweifle, gerade bei den Erst- und Zweitklässlern ein regelentsprechendes Vorgehen. Da wären die gemeinschaftlichen Pool-PCR-Tests sicher aussagekräftiger.

  5. Das RKI und Martin Kriegel vom Hermann-Rietschel-Institut haben gerade festgestellt, dass auch Lüftungsanlangen mit 6-fachem Luftwechsel nicht ausreichen, um einen sicheren Unterricht über den Zeitraum eines gesamten Schultags zu ermöglichen.

    https://twitter.com/KriegelMartin/status/1414473953037496321

    Schnelltests sind – gerade bei Kindern – zu ungenau, übersehen zu viele Infizierte. Darum wird von Fachleuten empfohlen, diese durch PCR-Pooltests (Lolly- und Spucktest) zu ersetzen.

    Luftfilter sind eine Begleitmaßnahme, um bei einer infizierten Person die Viruslast im Raum zu senken.

    Luftfilter sind kein Ersatz für regelmäßige Tests, Delta ist 4x so ansteckend wie der Wildtyp in 2020.

    Kinder brauchen Tests(PCR)+Abstand(2m)+Maske(FFP2)+Luftwechsel(kontrolliert)+Filter(Hepa).

    Kinder bis 12 Jahre bekommen stattdessen ein Feigenblattprogramm, solange es noch keine Impfzulassung für diese Altersgruppe gibt. Für alle ab 12 Jahren besteht bereits ein Impfangebot.

    Kindern bleibt nur die Hoffnung auf einen milden Verlauf ohne PIMS (1:1000) und ohne LongCovid 7:100). Oder Impfung.

  6. Sollte jemand noch unsicher gewesen sein hinsichtlich der wahren Entscheidungs- und Handlungsleitfaktoren – voila.

    • Sehe ich wie Sie.

      Hubig schreibt in Ihrem aktuellen Elternbrief: „Sie können sicher sein, dass wir auch im kommenden Schuljahr auf Basis der Empfehlungen von Gesundheitsexperten handeln und die Maßnahmen jeweils an das aktuelle Infektionsgeschehen anpassen. Dabei ist es mir ein besonderes Anliegen, das gemeinsame Lernen und den „normalen“ Schulalltag für unsere Schülerinnen und Schüler zu ermöglichen – wir wollen im kommenden Schuljahr unsere Schulen offen halten.“

      Was sind das für „Experten“?:
      -immer noch der emmeritierte Zepp, der vermutlich mit seinem Stiko-Kollegen Mertens auf einer Linie liegt, die Selbsttests an Schulen einzustellen? (warum? – damit die Durchseuchung möglichst geräuschlos vonstatten gehen kann?)
      – Plachter, der ständig davon redet, dass „wir das beobachten müssen“
      – Kohnen, der Krankenhaushygieniker, der es nicht geschafft hatte, die Hygiene in seinem eigenen Krankenhaus sicher zu stellen?

      Hubig will die Schulen „offen halten“.
      Hubig unternimmt aber immer noch nichts, damit jedes Klassenzimmer mit mobilen Luftfiltern oder hochwertigen Lüftungsanlagen ausgestattet wird (damit meine ich nicht die MPI-Selbstbau-Anlagen).
      Hubig unternimmt nichts, damit flächendeckend und sicher auf SARS-CoV-2 in/vor Schulen getestet wird.
      Hubig unternimmt nichts, damit Impfstoff für jüngere Menschen zu Verfügung steht. Hubig unternimmt nichts, damit Plexiglaswände aufgestellt werden.
      Hubig unternimmt nichts, damit Familien kostenlose oder kostengünstige, in Deutschland produzierte FFP2-Masken bekommen.

      Die Frau ist eine Meisterin des Ablenkens, des Schönredens, der Desinformation und des Kaputtsparens.

  7. Die Analysen und Simulationen der erneuten epidemischen Welle von Prof. Dr. Kai Nagel sollten allen KuMis und vor allem dem „Sprarbrötchen“ Hubig eine Warnung sein:

    „Die Simulationen zu Schulen zeigen laut dem Bericht, dass Lüftungssysteme und flächendeckender Einsatz von Schnell- und/oder PCR-Tests die Infektionsdynamik verringern könnten. Würden solche Maßnahmen konsequent umgesetzt, seien Schulschließungen oder Wechselunterricht nicht notwendig, hieß es. Die zwei Schnelltests pro Woche, die derzeit typisch seien, halten die Wissenschaftler ohne zusätzliche Maßnahmen allerdings bei weitem nicht für ausreichend. Würden die Schulen nach den Sommerferien ohne Schutzmaßnahmen geöffnet, ergäbe sich laut Modell eine Infektionswelle bei den Schülerinnen und Schülern, die zu einer Welle bei Erwachsenen führe.

    Weltweit arbeiten Wissenschaftler mit verschiedenen Ansätzen an Covid-19-Simulationen. Diese beruhen auf bestimmten Annahmen und sind mit Unsicherheiten behaftet. Das Team um Professor Nagel nutzt anonymisierte Berliner Mobilfunkdaten, um das Infektionsgeschehen zu modellieren. Die Ergebnisse sind ihm zufolge mindestens auf andere Großstädte übertragbar.“
    https://www.tagesschau.de/inland/rki-zahlen-691.html

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