Lücke mittelfristig nicht zu schließen: Studien sehen dramatische Personalnot in Kitas

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DÜSSELDORF. Zwei Studien, eine Botschaft: In Kitas fehlen bundesweit in drastischem Ausmaß Fachkräfte. Die Pandemie habe die Lage noch verschärft. Die Prognosen fallen düster aus. Dabei gelten die ersten Lebensjahre als besonders wichtig für die Entwicklung.

Der Kita-Alltag ist stressig – zumal dann, wenn Personal fehlt. (Symbolfoto) Foto: Shutterstock

Großer Aufholbedarf bei Betreuung und Förderung der Kleinsten: Zwei Studien zur frühkindlichen Bildung sehen bei der Personalausstattung der Kitas bundesweit erhebliche Defizite. Die Pandemie hat den Personalmangel in den Kindertagesstätten noch verschärft, wie aus einer repräsentativen Befragung von 4466 Kitaleitungen hervorgeht, den die Gewerkschaft VBE am Dienstag zum Deutschen Kitaleitungskongress (DKLK) in Düsseldorf vorstellte. Eine erhebliche Fachkräfte-Lücke sieht auch eine Prognose der Bertelsmann Stiftung. Dabei habe es schon einen «enormen quantitativen sowie qualitativen Ausbau des frühkindlichen Bildungssystems» gegeben.

Fast 61 Prozent der Jungen und Mädchen bis sechs Jahre besuchen inzwischen eine Kita – ein Plus von 22 Prozent seit 2011

Laut Stiftung in Gütersloh fehlen für eine kindgerechte Personalausstattung bei gleichzeitigem Kitaplatzausbau bis 2030 mehr als 230.000 Erzieherinnen und Erzieher. Die Lücke zwischen Angebot und Bedarf bei optimaler frühkindlicher Bildungsqualität und ausreichenden Plätzen lasse sich in diesem Jahrzehnt wohl nicht vollständig schließen. Prognosen deuteten aber darauf hin, dass bei weiteren Anstrengungen das «Ost-West-Gefälle» bis 2030 auflösbar sei. Derzeit gebe es im Westen zu wenig Plätze und im Osten betreue eine Kraft deutlich zu viele Kinder.

Wie sieht es konkret aus? 2020 arbeiteten gut 635.000 Fachkräfte in den Kitas – ein Anstieg um 61 Prozent im Vergleich zu 2011 laut Stiftung. Grund für den Personalzuwachs sei ein massiver Ausbau an Kitaplätzen: Fast 61 Prozent der Jungen und Mädchen bis sechs Jahre besuchen inzwischen eine Kita oder eine andere vorschulische Einrichtung – ein Plus von 22 Prozent seit 2011.

Verbesserungen zeigten sich beim Personalschlüssel in den allermeisten Bundesländern: Im Schnitt kümmert sich in Kindergärten eine Fachkraft um 8,7 Kinder (2013: 9,6). In Krippengruppen für die Jüngsten kommt eine Erzieherin auf 4,1 Kinder (2013: 4,6). Allerdings gibt es Länder-Unterschiede. Und eine ostdeutsche Erzieherin kümmert sich um zwei bis knapp drei Kinder mehr als ihre westdeutsche Kollegin. Besonders im Osten erreichten die Personalschlüssel das von Fachleuten empfohlene Niveau noch lange nicht.

Ein ähnliches Bild ergibt sich in der Umfrage des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) und des DKLK-Veranstalters Fleet Education Events: 80 Prozent der befragten Leiterinnen und Leiter schätzen, dass der Personalschlüssel in ihrer Kita schlechter ausfällt als nach wissenschaftlichen Empfehlungen. Experten raten bei unter Dreijährigen zu einer Erzieherin für drei Kinder, bei älteren Jungen und Mädchen bis sechs Jahre zum Verhältnis von eins zu 7,5.

Die Erhebung habe eine teilweise dramatische Unterdeckung beim Personal offengelegt: 40 Prozent der Kitaleitungen gaben laut VBE an, dass sie zu mehr als einem Fünftel der Zeit – also rechnerisch an mindestens einem Tag pro Woche – ihre Aufsichtspflicht in der Kita nicht mehr gemäß gesetzlicher Vorgaben erfüllen können, weil ihnen das Personal fehle. Brisant auch: Träger hätten Kräfte in die Kitas geholt, die «vor Jahren wegen mangelnder Passgenauigkeit nicht eingestellt worden wären», wie 47 Prozent der Befragten sagten.

Das «Gute-Kita-Gesetz» habe Erwartungen vielfach nicht erfüllt, bilanzierte der VBE-Vorsitzende Udo Beckmann. Die Gelder daraus seien von vielen Bundesländern nicht in dringend notwendige Verbesserungen der Kita-Qualität gesteckt worden, sondern in eine Senkung oder Abschaffung der Elternbeiträge. Er sprach von «Etikettenschwindel». Mit dem Gesetz von 2019 stellt der Bund den Ländern bis 2022 insgesamt rund 5,5 Milliarden Euro zur Verfügung.

Auch nach 2022 brauche es weiter Geld vom Bund, verlangte der Deutsche Städtetag. Der Platz-Bedarf werde noch weiter steigen. Die Gewerkschaft GEW forderte in Richtung Bund: «Qualitätsverbesserungen müssen aus einem Sondervermögen dauerhaft finanziert werden.»

Was ist mit Wertschätzung? Vier von fünf Kitaleitungen sehen sich von der Politik nicht ausreichend gewürdigt. «Zusätzliches Warnsignal» laut VBE, dass vor allem jüngere Leitungskräfte dies bemängeln. In den kommenden Jahren müssten viele Leitungspositionen neu besetzt werden. Bemühungen, den Beruf attraktiver zu gestalten, würden konterkariert, wenn Wertschätzung und Bezahlung nicht stimmten, sagte Beckmann. Es brauche bessere Rahmenbedingungen und höhere Bezahlung.

«Wenn Kinder in schlechten Betreuungssettings sind, weil zu wenig Personal da ist, dann gefährden wir ihre Entwicklung»

VBE und Stiftung forderten eine Fachkräfteoffensive und mehr Ausbildungskapazitäten. Und weitere Anstrengungen beim Fachkraft-Kind-Schlüssel, wie auch Anette Stein, Bildungsexpertin der Stiftung, vor allem mit Blick auf das Ost-West-Gefälle unterstrich: «Es kann nicht sein, dass wir den Anspruch gleichwertiger Lebensverhältnisse in Deutschland haben, aber schon in der ersten Bildungsinstitution scheitern.» Der Personalschlüssel gilt als zentral für Kita-Qualität.

«Wenn Kinder in schlechten Betreuungssettings sind, weil zu wenig Personal da ist, dann gefährden wir ihre Entwicklung – etwa in sprachlicher, motorischer oder emotionaler Hinsicht», erläuterte Stein. «Egal wie gut eine Fachkraft ausgebildet ist: wenn sie sich um zu viele Kinder kümmern muss, kann sie maximal eine Betreuung gewährleisten.» Von frühkindlicher Förderung und Bildung könne dann aber keine Rede mehr sein. Von Yuriko Wahl-Immel und Florentine Dame, dpa

DKLK-Studie: Personalmangel in Kitas ist so groß, dass die Aufsichtspflicht leidet

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29 KOMMENTARE

  1. Eine Bitte an die Redaktion: Bitte „Gute-Kita-Gesetz“ unbedingt in Gänsefüßchen setzen oder den korrekten Namen „Kita-Qualitäts- und Teilhabeverbesserungsgesetz“ angeben. Dieser untaugliche Versuch verdient es nicht, dass alle die von Giffey bevorzugte Kurzform verwenden.

    • Sie haben recht – das „Gute-Kita-Gesetz“ gehört in Anführungsstriche. Wir haben den Beitrag entsprechend korrigiert. Herzliche Grüße Die Redaktion

  2. Danke. Da dieses Forum auch von zahlreichen Eltern beachtet wird, bitte ich nun auch noch darum, doch öfter kritisch über die konkreten Auswirkungen des Erziehermangels auf die frühkindliche Betreuung zu berichten. Die Kleinen können noch nichts sagen und weil Dokumentationen und „Ich-Bücher“ als Augenschmaus für die Eltern stets im wertsch(w)ätzenden Stil erstellt werden, neigen Eltern dazu, sich die frühe Langzeitbetreuung ihres Kindes schönzureden. Manche haben echt Angst, ihr Kid könne einen Nachteil in der Schule haben, wenn es nicht früh in die Krippe gehen würde.

    Was der Gesetzgeber bereitwillig zulässt, ist oft genug eine Qual für Kinder und Erzieherinnen. Wie lange soll es eigentlich noch tabu sein, über eine Rücknahme des Rechtsanspruchs für die Jüngsten und im Gegenzug für eine bessere Betreuung von Grundschülern zu diskutieren?
    Inwieweit fällt Lehrern eigentlich auf, dass ihre Schüler auf die bestmögliche Weise in Kitas gefördert wurden? Ich war Springerin, habe Respekt vor vielen, aber nicht allen KollegInnen und finde dass mehr Schaumschlägerei für das Image der Kita geleistet wird als dass Kinder von den üblichen Animationen in Kitas besonders profitieren würden.

    • Das Verrückte ist ja, dass man ALLEN einredet, sie müssten ihre Kinder in die Kita geben. Angesichts des Mangels an Plätzen müsste man doch eigentlich froh sein, wenn es bildungsorientierte und deutschsprachige Eltern gibt, die ihre Kinder auf eigene Faust betreuen oder dieses organisieren können (die Großeltern gibt es ja auch noch). Wenn die Eltern damit überfordert sind (etwa weil sie kaum Deutsch sprechen), dann würde eine Kita-Pflicht Sinn machen, aber eben auch nur für die und nicht gleich für alle. Wieso gerade die Bertelsmann-Stiftung sich so rührend darum kümmert, ist mir nicht ersichtlich. Man bemisst dort die Bildungschancen auch pauschal nach der Anzahl der Ganztagsschulen, aber was das letztlich bringt, das untersucht man lieber nicht genauer.

      • @Carsten

        Vergessen wir mal nicht – es ist ja auch bequem, wenn sich andere um die Erziehung kümmern (und verantwortlich gemacht werden können).

    • Danke, Sie sprechen mir aus dem Herzen!
      Diese Schaumschlägerei wird von unserem Träger verlangt, damit nach außen alles glänzt!
      Vor lauter Schreibarbeit, Feste, Portfolio etc. bleibt fast keine Zeit für die Kinder!

  3. So ist das mit der freien Marktwirtschaft: Anspruchvolle aber schlecht bezahlte Berufe werden nur von Idealisten ausgeübt. Und auch denen ist spätestens seit Corona klargeworden, dass es für Idealismus nichts zurück gibt, sondern man ganz im Gegenteil in Corona-Zeiten nicht mal Arbeitsschutz geniesst. Es würden bei einer angemessenen Bezahlung und menschenwürdiger Behandlung sicher mehr Menschen Erziehungsberufe ergreifen. Das gleiche gilt für die Pflege. Ich habe meiner Tochter dringend davon abgeraten, einen sozialen Beruf zu ergreifen.

  4. Ich weiß nicht mehr, wo ich es gelesen habe, aber an dieser Umfrage haben lediglich 7,7 % aller Kitas teilgenommen. Die Ergebnisse dürften daher alles andere als repräsentativ sein.

    • Sehr geehrter Emil,

      Repräsentativität bedeutet, dass eine Stichprobe in wesentlichen Merkmalen (Alter, Geschlecht, regionale Verteilung etc.) der Grundgesamtheit entspricht. Auch schon eine kleine Stichprobe kann dafür ausreichen. Die großen Meinungsforschungsinstitute arbeiten bei Bürgerumfragen mit Stichproben in einer Größenordnung von 1.000 bis 1.200 Teilnehmern – bei 82 Millionen Einwohnern in Deutschland. 7,7 Prozent sind also ein extrem guter Wert für eine Umfrage.

      Herzliche Grüße
      Die Redaktion

      • Sehr geehrte Redaktion!
        Das ist richtig, wenn die 7,7% unter repräsentativen Aspekten ausgesucht worden wären.
        In diesem Fall handelt es sich jedoch um eine offene Umfrage des VBE, zu der 100% der Kitas befragt wurden, jedoch lediglich 7,7% geantwortet haben.
        Das ist nicht repräsentativ und der Verdacht, dass gerade die schlecht besetzten Kitas die Gelegenheit genutzt haben sich Verhör zu verschaffen, liegt ziemlich nahe. Die Ergebnisse sind daher zumindest mit Vorsicht zu betrachten.
        Mit freundlichem Gruß, Emil

        • Sehr geehrter Emil,

          das stimmt nicht. Es wurden nach unseren Informationen nicht 100% der Kitas befragt. Es wurde auch nicht zur Teilnahme aufgerufen mit einer bestimmten Prämisse. Eine Hochschule (Koblenz) hat die Studie wissenschaftlich begleitet. Sie ist seriös. Die Ergebnisse decken sich ja auch durchaus mit den Ergebnissen der Bertelsmann Studie, die auf amtlichen Daten beruht. Der Personalmangel in Kitas ist ein reales Phänomen. Daran kann es keinen Zweifel geben.

          Herzliche Grüße
          Die Redaktion

        • Den schlecht besetzten Kitas fehlt eher die Zeit, um Umfragen zu beantworten. Und je nachdem wie die Leitung drauf ist, landen gerade Befragungen oft im Papierkorb. Vieles wird gar nicht gelesen, weil es nicht zwingend zur Kenntnis genommen werden muss.
          Auch wird einfach manches grob eingeschätzt, so nach dem Motto „Jungen haben mehr Probleme, die Sprache zu erwerben…“

  5. Danke, Angelika.
    Ich kenne inzwischen auch mehrere Kindergärten „von innen“. Ich habe zwar schon die Erfahrung gemacht, daß die meisten Einrichtungen das Beste aus den jeweiligen Gegebenheiten zu machen versuchen und daß für die überwiegende Mehrheit der Fachkräfte das Wohl der Kinder im Mittelpunkt steht.
    Aber Gruppengröße, hohe Ansprüche hinsichtlich der Durchführung pädagogischer Angebote, Projekten und sonstigen Aktionen, vor Corona auch Festen und Veranstaltungen, Zusammenarbeit zwischen Grundschule und. Kita, Zunahme von pflegerischen Aufgaben wegen immer früheren Eintrittsalters der Kinder, mehr bürokratischem Aufwand ( z.B. das Führen von Beobachtungsbögen ), das Erstellen der von Ihnen erwähnten Ich – Büchern sowie der Portfolios, mehr sog. „Verhaltensorignelle Kinder etc. etc. und dazu häufige Krankheitsausfälle von Kolleginnen führen eben doch auch immer wieder zu Überforderung. Nur will das niemand zugeben. Jeder ist bestrebt, seine Einrichtung nach außen perfekt darzustellen. Nur keine Schwäche zeigen.
    Den Eltern immer freundlich und verständnisvoll gegenüberstehen und ihnen das Gefühl geben, daß Kind sei bestens aufgehoben und alle seine individuellen Bedürfnisse, Macken und Neurosen werden
    selbstverständlich immer und mit größter Geduld berücksichtigt. Ja, wir versuchen das. Aber zur Wahrheit gehört auch: Das klappt nicht immer. Ja, wir schimpfen auch mal, ja, wir werden auch mal laut, ja, wir sind auch mal ungerecht und wir sehen und hören und merken auch nicht alles.
    Aber wir tun das nicht, weil wir böse sind oder weil wir bequem sind oder weil uns die Kinder nicht am Herzen lägen, sondern weil wir auch nur Menschen und manchmal einfach nur noch überfordert sind.
    Und jeder der behauptet, in seiner Einrichtung wäre alles immer in Butter, lügt sich in die eigene Tasche.

    • Danke ebenfalls, Marion! Manchmal denke ich, dass es gar nicht so schwer oder gar unmöglich wäre, dass Erzieherinnen sich einmal konsequent wehren. Was hält Erzieherinnen davon ab, auf der Leiterinnenkonferenz zu besprechen, ob man nicht die Eltern eindringlich darauf hinweist, dass sie durchaus ihre Einwilligung zur Führung einer Bildungsdokumentation verweigern können. Wie früher würden man bei besonderen Problemen eines Kindes sowieso schhriftliche Aufzeichnungen anfertigen. Was soll uns denn passieren (wenn wir zusammenhalten könnten und uns nicht einschüchtern lassen würden?

      Wer gern bürokratische Pflichten abarbeitet, kann in anderen Berufen mehr verdienen und wer mit Kindern arbeitet, sollte ein so gutes Gedächtnis haben, dass Wesentliches behalten wird. Wird das gute Gedächtnis durch zu große Gruppen überfordert, müssen die Gruppen eben kleiner werden.

      Heute lassen Praxisanleiterinnen, die kaum noch Lust auf den lauten Gruppenalltag haben, ihre Praktikantinnen manchmal viel zu lange allein. Die Eltern merken sehr wohl, wenn die Neuen besonders beliebt sind. Aber da die Fachkraft ja so toll dokumentiert hat, ist sie über jeden Zweifel erhaben.

      Warum bewerben sich überhaupt noch Einrichtungen um den Deutschen Kita-Preis? Soll man doch jene Einrichtungen ungeprüft finanziell unterstützen, die so sind, dass die Fachkräfte dort häufig wechseln. Hallende Container mit miesen bauphysikalischen Eigenschaften, Kitas ohne Außengelände… Stattdessen dieser Werrbewerb darum, welche Kitafachkräfte sich am geschmeidigsten an die Erwartungen anpassen…

      Und was sagen Erzieherinnen üblicherweise, wenn sie in Rente oder Frührente gehen: Es sei immer ihr Traumjob gewesen. – Nur massive Kritik aber würde den Berufskolleginnen weiterhelfen. – „Solange das und das und das nicht endlich geändert wird, kann ich jungen Menschen nur dringend davon abraten, den Erzieherberuf zu ergreifen.“

      Da wegen Corona doch wohl einige Fachkräfte ihr befristetes Arbeitsverhältnis nicht verlängert haben, zahlen manche Träger jetzt Prämien an diejenigen, die ihnen eine Fachkraft vermitteln…

  6. @Marion
    Ich danke Ihnen für Ihre ehrlichen Worte, genauso hab ich den Alltag und die Arbeit der Erzieherinnen verstanden – es sind auch nur Menschen! Ich sehe hier die Politik in der Verantwortung, die Mütter so schnell wie möglich zurück in den Beruf zu bekommen um die Steuereinnahmen zu erhöhen. Da ist absichtlich keine Motivation dahinter, dass sich die Frau bis zum mindestens 3.Lebensjahr um ihr Kind kümmert. Politisch spielt in die Karte die ziemlich große Gruppe der Familien mit dem Migrationshintergrund, durch die „Schleier der sprachlichen Integration“. Da kann ich mir aber auch andere Wege für eine gelungene Integration und Unterstützung vorstellen, als die Kleinsten für 45 Stunden die Woche ihrem Familienumfeld fernzuhalten.

    Wie auch immer, junge Frauen egal welches Bildungsgrades, sind heutzutage so getrimmt – max 1 Jahr in der Eltern Zeit, sonst:
    – kommen wir finanziell nicht über die Runden
    – verliere ich den Job
    – kann meine Karriere vergessen
    – Ich bin keine „Vollblut Mutter“, ist mir langweilig – diese Gruppe ist Gott sei Dank nicht so groß, aber interessanterweise kenne ich mindestens 2 Akademikerinnen, die aus diesem Grund nach 7 bzw. 9 Monaten das Kind in die Krippe/ihrem Mann abgegeben haben.

    Ist echt traurig für mich, wo die Familie, Familienwerte und v.a.die Kinder, ihre Erziehung und Betreuung in der Gesellschaft ihre Stellung seit ein paar Jahren bezogen haben, nämlich ganz hinten.

  7. Ich weiß nicht mehr genau, wann der letzte erweiterte Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz formuliert wurde, aber zu dem Zeitpunkt war es in dem Kindergarten, wo meine Frau arbeitete, schon längst nicht mehr möglich, neues Personal zu kriegen, erst recht niemand, den die Leiterin gerne und fröhlich eingestellt hätte.
    Wäre es nicht realistischer gewesen, die Politik hätte erst mal nachgezählt, ob all die Erzieherinnen überhaupt geboren und ausgebildet sind, die man zur Erfüllung erweiterter Gesetzen bräuchte?
    So taugt der Rechtsanspruch nur dazu, dass Eltern klagen und die klamme Kommune abzocken können.

  8. @Teresa
    „….. die aus diesem Grund nach 7 bzw. 9 Monaten das Kind in die Krippe/ihrem Mann abgegeben haben.“
    Von mir können sich gerne auch die Väter um die Betreuung ihrer Kinder kümmern.
    Das muß jedes Paar für sich selbst entscheiden, wer erst mal zu Hause bleibt.
    Wichtig finde ich einfach nur, daß die Kleinsten einfach ein bißchen mehr Zeit haben, erst mal eine stabile Beziehung zu ihrem engsten Umfeld aufzubauen und IN RUHE ihre Welt zu entdecken.

  9. @Bernd
    Ich beziehe mich in meinen Kommentaren ja immer eher auf das Geschehen in den Kitas. Da hilft Ihre Jugendkriminalitätsstudie nicht wirklich weiter. Außerdem schildere ich meine persönlichen Erfahrungen, die ich während meiner mehr als 30jährigen Berufslaufbahn machen konnte. Daraus und aus dem Austausch mit Kolleginnen, aus Medienberichten, aus dem persönlichen Umfeld usw., bilde ich mir eine Meinung. Ich glaube die wenigsten von uns haben für alles immer eine Studie parat. Manche gesellschaftliche Entwicklungen sind auch nur schwer messbar und deshalb nicht immer exakt zu ermitteln und wissenschaftlich nachzuweisen. Unsere Gesellschaft und deren Sicht auf Kinder, Erziehung und Bildung hat sich innerhalb der letzten Jahrzehnte aber nun mal stark verändert.
    Das kann ich jetzt zwar wieder nicht durch eine Studie belegen, aber ich bin mir trotzdem sicher, daß es so ist.
    Es gibt Menschen, die diese Veränderungen überwiegend positiv bewerten, andere betrachten sie eher skeptisch. Ich muß zugeben, daß ich mich zu zweiteren zähle.
    Sie können da mit Studien um sich hauen so viel sie wollen. Ich gebrauche da jetzt mal ein, ( leicht verändertes ), Zitat von (ich glaube Winston Churchill, wenn ich mich nicht irre): Traue keiner Studie, die du nicht selbst bezahlt hast.

  10. «Egal wie gut eine Fachkraft ausgebildet ist: wenn sie sich um zu viele Kinder kümmern muss, kann sie maximal eine Betreuung gewährleisten.»

    „Gut ausgebildet“ kann man als EuE oder LuL z.B. auch durch diverse Fortbildungsreihen sein.

    • @Dil Uhlenspiegel

      Fortbildungen kosten aber auch meistens auch eine Handvoll Taler.
      Bei besonderer Eignung 😉 sollte wohl ein halber Tag Hospitation genügen …
      (Scherz! – Obwohl … 😉 )

  11. Kita, Kita, Kita …. Wenn ich das Kind auf dem Foto sehe, dann kommt mir der Gedanke, dass es nicht wegen mangelnden Kitaplätzen weint, sondern wegen mangelnder elterlicher Betreuung. Wo sind wir hingedriftet, dass nun auch Kinder nur noch verwaltet werden? „Aber die lernen da doch so viel,,,“, Ausspruch der Eltern und Großeltern. Nun, ich denke sie lernen viel, aber immer nur reproduktiv, im Kollektiv. Wir werden bald merken, dass kreative und eigenständige, verantwortungsvolle Persönlichkeiten bald in der Minderheit sein werden. Zumal das Personal in den Kitas Mangelware wird, und damit wird auch die Qualität sinken. Wollt ihr Eltern das? Nur um Karriere zu machen? Wobei ich die Kitas per se nicht verurteile. Aber mind. 3 Jahre Erziehung daheim muss doch drin sein.

    • Das sehe ich auch so. – Und habe in Kitas gesehen, wie sogar Kinder, die selbst gern in ihren Kindergarten gehen, leiden oder zutiefst verstört sind, wenn sie die verzweifelten Abschiedsszenen mitansehen müssen.

      Was lernen Kinder dadurch? Dass sie machtlos sind und dass es auch ihre Eltern sind. Viele Eltern möchten ihr Kind nicht so verlassen, trauen sich aber nicht, noch länger zu bleiben. Es war nicht verwunderlich, dass Arbeitgeberpräsident Hundt 2009 noch mehr Frühbetreuung forderte, denn aus Arbeitgebersicht lernen doch gerade die Kleinsten in den Krippen und Kitas etwas für das spätere Arbeitsleben…

  12. @Pit 2020
    Ja, den Post hab ich an die falsche Adresse geschickt.
    Bin schon ganz wirr, von all den Kommentaren. Ich muß mich jetzt mal wieder ein bißchen zurückhalten. Aber bei manchen Themen brennts mir einfach unter den Nägeln und ich muß dann ab und zu wieder etwas loswerden.
    Danke für den Hinweis mit den Zitaten.

  13. Die ganz Kleinen, oftmals noch nicht mal ein Jahr alt, sind oft 9 Stunden in der TE.
    Das ist ein ziemlicher Streß und wie ein Arbeitstag für sie.
    Aber viele Eltern wollen halt auf nichts mehr verzichten. Sich ein paar Jahre einschränken zum Wohl des Kindes? Das kann man nicht erwarten.
    Viele Eltern schieben auch die gesamte Erziehungsarbeit ab. Was früher selbstverständlich nach Hause gehörte, wird heute von den Erzieherinnen verlangt,z.B. Sauberkeitserziehung. Ganz besonders bei den über 3 jährigen.
    Eltern verlangen von den Kollegen alles das aufzufangen, was sie selbst nicht mehr leisten können oder wollen.
    Aber wie soll das gehen in überfüllten Gruppen mit zu wenig Personal und Platz?
    Viele Eltern vergessen, dass ihr Kind nicht das Einzige zu betreuende Kind ist, sondern (bei permanenter Überbelegung mehr) 20 – 23 andere da sind mit den gleichen Bedürfnissen.
    Eltern wird heute suggeriert, dass das Kind von Tag 1 in die TE muss. Wegen sozialer Kontakte!
    Die einzigen Kontakte, die ein Kleinkind braucht, sind die zu seinen Eltern und ein-bis zweimal in der Woche eine Krabbelgruppe.

    • Bine, das ist ganz genau meine Meinung. Ist hier vielleicht nicht Diskussionspunkt, da das Portal nicht für diese Probleme ausgelegt ist. Aber die Lehrer werden mit den Folgen der Kita-Erziehung und der manglenden emotionalen Bindung zu den Eltern zu tun haben. Allerdings hat unsere Regierung kein Interesse an elterlicher Bindung, hier geht es um den Arbeitsmarkt und die Fremderziehung der Kinder, die man dann gut steuern kann. Man fühlt sich schon in die DDR zurückversetzt. Wenn jemand für die Kinder zuhause bleibt, wird er/sie finanziell bestraft, obwohl man gute Steuerzahler erzogen hat (die jetzige kurze Elternzeit ist lächerlich und belastet nur die Kontinuität am Arbeitsplatz. Viele Eltern nehmen die Zeit für Reisen mit dem Säugling, klasse). Aber die Bereicherung, die man erhält, wenn man sich um seine Kinder kümmert und die Erziehung übernimmt, die nimmt einem keiner mehr. Wird aber nicht honoriert. Ich befürchte nur, dass wir bald eine Kita-Generation von gleichgeschalteten Alleskönnern und Besserwissern bekommen, die emotionale Bindung fehlt größtenteils, und die ist verdammt wichtig für die Charakterbildung. Ein Teil der katastrophalen Bildungspolitik, und Fakt ist, dass die Familienbindung nicht mehr unterstützt wird. Materialismus ist wiichtiger.

      • Und dieser, z.T. unnötige Materialismus, entfremdet ums immer mehr von unseren eigentlich menschlichen Bedürfnissen und spült, durch Ersatzkonsum, immer mehr Geld in die Kassen v.a.der globalisierten Großkonzerne, die häufig unter Umgehung hier üblicher Arbeitnehmerschutz und Umweltschutzrechte, billig in Drittländer produzieren lassen und damit einen wesentlichen Beitrag zur Erderwärmung leisten….
        Vielleicht wäre ja ein Beitrag zum Klimaschutz, und ich meine das nicht ironisch, wenn sich die ErzieherInnen weigern würden, mehr als zwei Krippenkinder zu versorgen.
        Wenn dadurch immer mehr Eltern ihre Säuglinge und Kleinkinder wieder Zuhause versorgen mussten, hätten sie nicht nur die Möglichkeit in Ruhe in die Elternrolle zu wachsen und die damit verbundenen Gefühle zu erleben, sie bräuchten dann auch weniger unnötige materielle Güter, wie z.B. Zweitwagen oder Dinoauto….
        Die Politik wäre irgendwann dann gezwungen Wohnungs und Arbeitsmarkt wieder familienfreundlich zu regulieren, denn viele Eltern gehen derzeit so früh wie möglich wieder arbeiten, weil sie auch Angst um ihre Jobs haben…..

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