DKLK-Studie: Personalmangel in Kitas ist so groß, dass die Aufsichtspflicht leidet

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DÜSSELDORF. Die Herausforderungen für die Kitaleitungen in der Corona-Krise haben offenbar Spuren hinterlassen. Vier von fünf befragten Kitaleitungen (78,8%) sehen in den ständig wechselnden und/oder unklaren Vorgaben und damit der fehlenden Planungssicherheit eines der größten Probleme in ihrer Kita mit Blick auf die Corona-Pandemie. Das sind Ergebnisse der repräsentativen DKLK-Studie 2021, die heute auf dem Deutschen Kitaleitungskongress (DKLK) in Düsseldorf vorgestellt wurde. Dabei wurde auch deutlich, wie sehr die Einrichtungen unter Personalmangel leiden.

Die Kita-Kollegien haben alle Hände voll zu tun. Foto: Shutterstock

Die DKLK-Studie, die seit 2015 alljährlich zum Deutschen Kitaleitungskongress (DKLK) in neuer Auflage präsentiert wird, gilt als wichtiges Sprachrohr der Kitaleitungen in Deutschland. Fast 4.500 Kitaleiterinnen und -leiter beteiligten sich an der aktuellen Umfrage. In diesem Jahr wurden auch die Auswirkungen der Pandemie untersucht. Klare Vorgaben durch das jeweilige Land (83,1% der Befragten), zusätzliches Personal (56,5%) sowie die Verbesserung der digitalen Ausstattung von Kitas (41,5%) werden von Kitaleitungen als ihre drei dringendsten Anliegen in der Krise benannt.

Praktisch alle Befragten geben an, dass ihre Arbeitszeit seit Beginn der Pandemie gestiegen ist – bei einem Fünftel (20,3%) sogar um mehr als die Hälfte. Die Personalsituation in den Kitas ist nach wie vor prekär: Über zwei Drittel der Befragten (72%) meinen, dass sich der Personalmangel verschärft hat und es noch schwieriger geworden ist, offene Stellen mit passenden Bewerberinnen und Bewerbern zu besetzen. In der Wahrnehmung von fast der Hälfte (46,9%) der befragten Kitaleitungen stellt der Träger heute Personal ein, das nicht passgenau ist und daher vor Jahren nicht eingestellt worden wäre.

„Erwartungen, die die Politik vor allem mit dem sogenannten Gute-Kita-Gesetz geschürt hat, wurden vielfach nicht erfüllt“

Rund 40% der befragten Kitaleitungen geben an, in mehr als 20% der Zeit mit einer so großen Personalunterdeckung arbeiten zu müssen, dass die Aufsichtspflicht nicht mehr vollständig gemäß den gesetzlichen Vorgaben gewährleistet werden kann. „7,3 Prozent der Befragten schätzen sogar, dass sie im zurückliegenden Jahr in über 60 Prozent der Zeit in Personalunterdeckung gearbeitet haben. Bei etwa 57.500 Kitaeinrichtungen in Deutschland hieße das: Über 4.000 Kitaeinrichtungen in Deutschland mussten über die Hälfte des Jahres unter Gefährdung der Aufsichtspflicht arbeiten“, erklärt VBE-Bundesvorsitzender Udo Beckmann. „Allein diese Zahlen machen deutlich: Erwartungen, die die Politik vor allem mit dem sogenannten Gute-Kita-Gesetz geschürt hat, wurden vielfach nicht erfüllt.“

Dass Gelder aus dem Gesetz von vielen Ländern nicht in dringend notwendige Verbesserungen der Kita-Qualität und stattdessen in eine Senkung oder Abschaffung der Elternbeiträge investiert worden seien, „unterstreicht den Etikettenschwindel des Gesetzes und ist eine klare politische Fehlentscheidung“, kommentiert Beckmann. „Eine nahezu logische Konsequenz ist, dass die hohe Arbeitsbelastung der pädagogischen Fachkräfte zu höheren Fehlzeiten und Krankschreibungen führt.“

„Der Frust in Teilen der Gesellschaft über bestehende ‚Coronaregeln‘ hat sich vielfach an Kita und Schule entladen“

Der VBE-Chef betont: „Das zeigt, dass sich der Frust in Teilen der Gesellschaft über bestehende ‚Coronaregeln‘ vielfach an Kita und Schule entladen hat. Ein wesentlicher Grund: Das Regelungschaos und die intransparente Kommunikation der Politik verunsichern viele. Die Folge sind unter anderem Konflikte an Kitas. Hier wird pädagogisches Fachpersonal dafür verantwortlich gemacht und dafür abgestraft, dass es seiner Arbeit nachkommt und die verordneten Infektionsschutzmaßnahmen umsetzt. Das darf nicht sein.“

Weiter sagt er: „Es verwundert in diesem Kontext nicht, dass sich auch in der DKLK-Studie 2021 keine Verbesserungen hinsichtlich der wahrgenommenen Wertschätzung des Berufsbildes durch die Öffentlichkeit und vor allem durch die Politik zeigen. Daran haben auch die öffentlichen Bekundungen über die Systemrelevanz von Kitas in der Pandemiezeit und das Gute-Kita-Gesetz nichts geändert“, urteilt der Bundesvorsitzende.

Hintergrund: Von den Befragten wird die Wertschätzung der Kita-Leitungskräfte durch die Politik als gering wahrgenommen. Lediglich jede Fünfte (21,1%) gibt an, sich von der Politik zumindest „eher“ wertgeschätzt zu fühlen – vier von fünf dagegen „eher nicht“ bis „überhaupt nicht“. „Insbesondere die jüngeren Leitungskräfte fühlen sich von Eltern und Politik tendenziell weniger wertgeschätzt als die älteren, was auch mit Blick auf das Vorhaben der Fachkräftegewinnung interpretiert werden muss“, erklärte Studienautor Dr. Andy Schieler von der Hochschule Koblenz. Heißt: Bei dieser Stimmungslage wird sich genügend Berufsnachwuchs nur schwer gewinnen und junge Kräfte halten lassen. „Wir brauchen engagierte Menschen, die Leitungsverantwortung übernehmen, gleichzeitig ist die Gefahr offenbar, dass sich Menschen unter den bestehenden Bedingungen aus dem System verabschieden“, warnt Beckmann.

„Noch nie haben sich so viele Kitaleitungen an der alljährlichen DKLK-Umfrage beteiligt, nämlich 4.460 (nach 2.795 im Vorjahr). Das unterstreicht die Bedeutung der DKLK-Studie für die Leitungskräfte und ihre Kollegien“, so erklärt Axel Korda, Geschäftsführer von Fleet  Education Events. „An den Ergebnissen lässt sich ablesen, was die Führungskräfte in den Bildungseinrichtungen, die den Grundstein für den späteren Lernerfolg von Kindern legen und deshalb in ihrer Relevanz für unsere Gesellschaft kaum überschätzt werden können, wirklich denken.“

Die DKLK-Studie 2021 wurde von Fleet Education Events in Kooperation mit dem VBE Bundesverband sowie den drei VBE Landesverbänden, dem Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV), dem VBE Baden-Württemberg und dem VBE Nordrhein-Westfalen durchgeführt. Einige Ergebnisse stimmen jedoch auch zuversichtlich: Fast alle Kitaleitungen berichten von einer Kultur der gegenseitigen Wertschätzung und Unterstützung von ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern (97%), den Eltern (90%), dem Träger (88%) und der Fachberatung (91%). Und: Die meisten Befragten (86%) üben ihre Leitungstätigkeit – alles in allem betrachtet – sehr gerne aus. News4teachers

Hier lässt sich die vollständige Studie herunterladen.

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