Corona-Krise setzt Heranwachsende unter Stress. Wie sehr, hängt von Eltern ab

5

Wie sehr Heranwachsende unter den Schulschließungen und Einschränkungen gelitten haben, belegt eine forsa-Umfrage im Auftrag der KKH Kaufmännische Krankenkasse. 77 Prozent der rund 1.000 befragten Mütter und Väter bestätigen, dass die Pandemie bei ihrem Kind zwischen sechs und 18 Jahren zusätzlichen Stress ausgelöst hat. Zu dem zusätzlichen Stress haben laut Umfrage vor allem die Kontaktbeschränkungen (85 Prozent) und Homeschooling (56 Prozent) beigetragen. Jedes fünfte Kind hat zudem unter Streit innerhalb der Familie aufgrund des Lockdowns gelitten. Die Umfrage zeigt aber auch: Die Erwachsenen im Umfeld konnten maßgeblich dazu beitragen, ob und in welchem Ausmaß die Situation als stressig wahrgenommen wurde.

Kinder leiden an der Corona-Krise. Foto: Shutterstock

Rad fahren, ruhige Vorbilder, Gespräche in der Familie – Eltern haben in der Corona-Pandemie verschiedene Wege gewählt, um den Stress für ihre Kinder zu reduzieren. In einer Forsa-Umfrage gaben viele von ihnen an, es helfe dem eigenen Kind, wenn die Eltern als Vorbild ruhig blieben (89 Prozent) oder man etwas unternehme, zum Beispiel Rad fahre oder Gesellschaftsspiele spiele (89 Prozent). Viel miteinander zu reden (84 Prozent), die coronabedingten Einschränkungen verständlich zu erklären (75 Prozent) und mit den Großeltern eine Videokonferenz zu haben statt sie persönlich zu treffen (57 Prozent) helfe ebenfalls.

«Sich nützlich fühlen und gebraucht zu werden, vermittelt immer ein gutes Gefühl. Das gilt nicht nur in Krisensituationen»

Forsa hatte im Auftrag der KKH bereits im Frühjahr 1002 Eltern, die Ergebnisse wurden nun zum Weltkindertag am 20. September veröffentlicht. KKH-Psychologin Franziska Klemm erklärt dazu: «Regelmäßige Gespräche über Ängste, Wünsche und Sorgen können helfen, jedes Familienmitglied wahrzunehmen und Verständnis füreinander zu schaffen.» In mehr als jeder zweiten Familie (57 Prozent) habe es zudem geholfen, die Kinder in die Arbeit im Haushalt einzubeziehen. «Sich nützlich fühlen und gebraucht zu werden, vermittelt immer ein gutes Gefühl. Das gilt nicht nur in Krisensituationen», so die KKH-Psychologin.

Mehr als drei Viertel der Eltern (77 Prozent) gaben bei der Umfrage an, die Schulschließungen und die anderen coronabedingten Einschränkungen hätten beim eigenen Kind Stress verursacht. Besonders oft wurden als Stressfaktoren genannt, dass sich Kinder nicht mit Freunden treffen konnten (85 Prozent) und Freizeitaktivitäten wie Vereine fehlten (81 Prozent). Auch das digitale Lernen zu Hause im Homeschooling (56 Prozent) und das Alleinsein, weil die Eltern arbeiten mussten und Schulen geschlossen waren (32 Prozent), machten Eltern oft als Grund für zusätzliche Belastung aus. News4teachers / mit Material der dpa

Kinder vor Infektionen schützen! RKI-Chef Wieler schlägt Alarm – Lehrerverbände erwarten erneute Schulschließungen

Anzeige


5 KOMMENTARE

  1. Viele Belastungen hätte man von Anfang an abmildern können:
    Vorschläge gab es genug, sie wurden auch in die höchsten Etagen vermittelt.
    Dort aber ignoriert. Warum?

    Eltern und Kindern hätte es geholfen (und würde bei weiteren ähnlichen Gelegenheiten helfen), wenn Kinder sich offiziell mit dem besten Freund/der besten Freundin oder einer befreundeten Familie oder der Nachbarfamilie oder einem Klassenkameraden hätten treffen dürfen, vielleicht sogar sollen.
    Der Spielraum für Eltern (und auch Lehrer), den Kindern Stress zu nehmen, der Situation auch positive Aspekte oder Chancen abzugewinnen, wäre durch kleine Änderungen viel größer geworden.
    Eltern wären entlastet gewesen, Kinder weniger isoliert, Homescooling weniger einsam, Kinder nicht allein zu Hause, Kinder mehr draußen und in Bewegung, man hätte den Druck aus der Dose genommen, hätte weniger aufgestaute Gefühle verursacht, die sich dann unberechnebar und unkontrollierbar in heimlichen Partys Bahn brechen mussten, Kontakte wären auf die Weise viel besser nachverfolgbar gewesen, weil man sie nicht hätte verheimlichen müssen…

    Warum ist man nicht diesen Weg gegangen?
    Warum mussten Familien quasi heimlich diese Lösungen finden?
    Warum haben Lehrer vergeblich gebeten, Kinder auf diese Weise vor den Folgen der Maßnahmen zu schützen?
    Warum wurde nicht wirksam geschützt – auf allen Ebenen, vor der Infektion wie auch vor den negativen Auswirkungen der Schutzmaßnahmen auf den Einzelnen und die Gesellschaft?

    DAS hätte zum Zusammenhalt beigetragen, zum gemeinsamen Aushalten der Situation, hätte auch im Bildungsbereich die Folgen der Maßnahmen abgemildert – statt die Menschen zu vereinzeln und anschließend zu schimpfen, dass alles alle überfordert, dass Kinder verloren gingen, dass Bildung ins Hintertreffen geriet.

    Jetzt kommt wieder ein Herbst, unvorbereitet in den Schulen, in dem Präsenzunterricht mit Gewalt durchgesetzt werden soll.
    Das Ende vom Lied könnte eine ähnliche Situation wie im letzten Jahr sein:
    Am Ende könnten Schulen wieder vollständig schließen müssen.
    Die Verlierer sind dann einmal mehr und einmal deutlicher die Kinder, für die es keine Impfungen gibt, insbesondere diejenigen, die schon jetzt mehr oder weniger den Anschluss verloren, das Lernen verlernt haben, deren Gesundheit gefährdet ist.

    Alle Geimpften werden sich gegen weitere Einschränkungen wehren, wie sie auf ihrem Sommerurlaub bestanden haben, werden auf ihren Bürgerrechten bestehen, ihr „altes Leben“ wieder aufnehmen zu dürfen (und dabei unwissentlich und ignoriert auch zur Verbreitung des Virus beitragen…).
    Die Kinder aber werden wieder die volle Breitseite der Schutzmaßnahmen hinnehmen müssen. Natürlich, um sie zu schützen – aber das hätte man mit Luftfiltern, halben Klassen und ähnlichen Maßnahmen wesentlich nachhaltiger und mit weniger negativen Nebenwirkungen hinbekommen können.

    Warum wird das wieder nicht gemacht?
    Warum wird wieder alles riskiert?
    Es kann keiner mehr behaupten, er habe es nicht wissen können.
    (Zumal ich dieses Argument vom ersten Moment an für vorgeschoben hielt: Jeder halbwegs gebildete Mensch hat im Januar 2020 wissen können, was auf uns zukommen kann und was man tun muss, um das zu verhindern…)

    Mir tut es Leid für die Kinder, dass wir Erwachsenen uns gegenseitig unterstellen, nicht das Beste für die Kinder zu wollen und uns gegenseitig ausbremsen, sinnvolle und wirksame Maßnahmen zu ergreifen.
    Ob es uns als Gesellschaft am Ende reichen wird zur Rechtfertigung unseres Handels, dass zwar einige (viele? Eltern? Lehrer?) versucht haben ihre Stimme zu erheben, aber nicht gehört wurden und sich am Ende des Tages dem System nicht wiedersetzen konnten?
    Mir persönlich reicht das eigentlich nicht!
    Ich wünsche mir für den Schulbereich viel mehr Augenhöhe und viel weniger „von oben nach unten“, viel mehr gemeinsames, konstruktives Gestalten im Austausch.
    Belehrungen (Remonstrationen sind in dieser Sache nicht zulässig…) und „nette“ Worte („Danke für Ihr Engagement…“) helfen niemandem weiter, wenn nicht gehandelt wird!
    Im Gegenteil, sie wirken demotivierend, laugen uns aus, enttäuschen uns wo wir glauben, nicht mehr weiter enttäuscht werden zu können, lassen uns einmal mehr hilf- und ratlos zurück und allein mit unserer gefühlten Verantwortung für die Kinder und unserem Gewissen, das uns am Ende niemand abnehmen kann.
    Als „normal“ nehmen wir hin, dass uns mit dem Beamtenrecht oder mit Disziplinarmaßnahmen gedroht wird, wenn wir Verbesserungen für die Schüler oder den Schulalltag vorschlagen wollen.
    Vielleicht kann man damit im normalen Schulalltag leben und es als irren Auswuchs des Dienstverhältnisses mit dem Staat abtun. Nicht aber wenn es um die Gesundheit aller geht!
    Aber: Das Verbot an Lehrer, sich vor der Wahl öffentlich politisch zu äußer, um den Ausgang der Wahl nicht zu beeinflussen – das halte ich schon für übergriffig!
    Ich bin Bürger, bin Wähler, bin Lehrer, habe eine Fürsorgepflicht für die mir anvertrauten Schüler – und WILL den Ausgang der Wahl mit meiner Stimme beeinflussen!
    Das ist Sinn und Zweck einer Wahl! Gerade jetzt! Gerade um querdenkenden Allesabschaffern die Grenzen zu zeigen, um das Beste für die Gesellschaft zu erreichen, um Schwächere zu schützen, Zukunft zu sichern!

    Was also kann man (Vater/mutter, Lehrer/in) noch tun, um weitere negative Wirkungen der Pandemie auf Kinder wenigstens für die Zukunft zu vermeiden??????
    Echte, gute, konsequente und konstruktive Lösungen sehe ich nirgends… wieder einmal das „kleinere Übel“ wählen? Das sollte uns im Sinne der Kinder eigentlich nicht genug sein…

    • Sie schreiben, „echte, gute, konsequente und konstruktive Lösungen sehe ich nirgends…wieder das kleinere Übel wählen?“ Vor diesem Dilemma stehe ich auch. Da ich mich diesmal aber nicht wieder zwischen Pest oder Cholera entscheiden wollte, habe ich mir mal die Programme verschiedener kleiner Parteien angesehen. Und siehe da, ich bin fündig geworden. Ich will hier keine Wahlpropaganda betreiben. Aber vielleicht hilft es dem einen oder anderen ja weiter sich mal das Wahlprogramm der ÖDP durchzulesen. Besonders in den Bereichen Umwelt, Familie und Bildung werden hier echte Alternativen geboten.

    • Bei uns in SH durften sich die Kinder mit einem Freund pro Tag treffen, was auch fast alle Eltern wahrgenommen haben. Es musste nicht immer derselbe sein!
      Die 70% der Grundschüler, die in den 5 Wochen Distanzunterricht nicht in die Notbetreuung gekommen sind, waren dadurch nicht ganz so isoliert.
      Auch konnten wir Lehrer uns mit einzelnen Familien mit Abstand und Maske im Freien treffen, wenn gewünscht. Einige Eltern zogen aber auch private ViKos vor, andere schienen auch ohne zusätzlichen Lehrerkontakt klarzukommen.
      Die Schüler-ViKos waren für die Erstklässler leider keine große Hilfe, da nach spätestens 20 Minuten das Herumgekasper anfing. ViKos gingen sowieso nur mit max 10 Kindern gleichzeitig, sonst stürzte das System ab. Also haben wir die Klassen in Gruppen aufgeteilt, und den SuS davor bzw. danach freie Austauschzeit eingeräumt.
      Trotzdem waren viele der Kinder, die nicht in der Notbetreuung waren, froh, dass sie nach 5 Wochen wieder im Präsenzunterricht in voller Klassenstärke waren. Nur wenige Eltern und Kinder haben die Chance genutzt, sich weiter freistellen zu lassen. Und das, trotz kalter Räume, Maskenpflicht auf dem gesamten Schulgelände, keinerlei Impfung oder Luftfilter!

  2. Oder kurz: Kinder, deren Eltern ihre Rolle als Eltern ernst nehmen, kamen besser durch die Schulschließung als Elern, die ihre Kinder warum auch immer überwiegend durch KiTa und Schule erzogen wissen wollten. Dummerweise korreliert das alles wieder mit der Bildungsnähe der Eltern. Kriege ich jetzt dasselbe Honorar wie die Forscher für ihre Arbeit?

    • Gute Frage, Georg! Ich wundere mich auch immer wieder über Forschungsergebnisse, die auf der Hand liegen und von jedem, der nüchtern und ideologiefrei denkt, selbst hätte herausgefunden werden können.
      Immerhin sind mir diese Forschungsergebnisse aber -zig mal lieber als andere, die irgendwelche Theorien und Ideologien untermauern sollen. Bei denen wird penetrant die Schutzbehauptung aufgestellt: „Die Wissenschaft gibt uns Recht“ oder „Unsere Argumente beruhen auf wissenschaftlicher Erkenntnis“.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here