Über ein Drittel der Lehrkräfte haben noch immer keine dienstliche Mailadresse (in Hessen jedenfalls)

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Zum Start ins neue Schuljahr haben über 64 Prozent der Lehrkräfte in Hessen eine dienstliche Mailadresse eingerichtet, so teilt das hessische Kultusministerium mit. Das heißt allerdings umgekehrt: Mehr als ein Drittel der Lehrerinnen und Lehrer verfügt am Ende des Jahres 2021 noch immer nicht über einen offiziellen Weg, dienstlichen Mailverkehr abzuwickeln.

Lehrerinnen und Lehrer in Hessen verfügen über ein eigenes digitales Postfach – die meisten jedenfalls. Illustration: Shutterstock

Die Zahl erhöhe sich aber von Woche zu Woche, sagte Kultusminister Alexander Lorz (CDU) am Dienstag im Landtag in Wiesbaden. Es sei auch eine Support-Hotline eingerichtet worden, um die Pädagogen bei technischen Problemen bei der Einrichtung der Mailadresse zu unterstützen. Außerdem gebe es ein Erklärvideo und weitere helfende Erklärungen im Internet.

Die Nutzung einer dienstlichen Mailadresse ist nach Angaben des Kultusministers für die Lehrerinnen und Lehrer verpflichtend und wurde in einem entsprechenden Erlass geregelt. Das bedeute auch, dass Mails regelmäßig abgerufen und gelesen werden müssen. Der Minister zeigte sich zuversichtlich, dass alle Lehrkräfte im laufenden Schuljahr eine dienstliche Mailadresse nutzen werden. In Deutschland wurde 1984 die erste E-Mail verschickt. News4teachers / mit Material der dpa

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20 KOMMENTARE

  1. Solange ich für die Nutzung meiner dienstlichen Email Adresse eine Smartphone brauche, um meine Emails lesen zu können, werde ich eine dienstliche Email-Adresse nicht nutzen können, denn ich besitze kein Smartphone! Ich erwarte von einem Arbeitgeber, dass er mir alle notwendigen Ausstattungsgegenstände zur Verfügung stellt, die ich ich brauche, um meine Dienstpflichten erfüllen zu können!

  2. Solange mein Dienstherr verlangt, dass ich eine App auf einem privaten Endgerät benötige, um den Zugang zum hessischen Schulportal einzurichten, werde ich wohl bei dem Drittel der Lehrkräfte bleiben, die in diesem Punkte raus sind!

      • Wieso? …
        Wir haben vor Monaten über I-Serv dienstliche Adressen eingerichtet und auch in mühevoller und zeitraubender Kleinarbeit die Eltern dort zur Kommunikation bewegt. Zum Schuljahresbeginn kam die Nachricht, dass es einen neuen Server gebe und alles neu eingerichtet werden müsse, da die Adressen nicht mit übernommen werden können! Das ganze Spiel ging von vorne los! Man hat ja sonst nichts zu tun!
        Nun heißt es, auch das soll zum Jahreswechsel bei I-Serv eingestellt werden, um den dienstlichen Mailverkehr über das hessische Schulportal laufen zu lassen!
        Was habe ich also falsch verstanden?

  3. Die Nutzung privater Endgeräte kann nicht verlangt werden. Hier hat das HKM letzte Woche durch sein Einlenken einen peinlichen Rechtstreit vermieden. Alternativ wird nun die Nutzung der Dienstrechner in den Schulgebäuden angeraten. Auch will man die Postfächer kundenfreundlicher gestalten. So die Zusage des HkM. Also eine Luftnummer aus Wiesbaden wie aus dem Lehrbuch.

    • Liebe Redaktion,

      es wäre bestimmt nicht schlecht für eine vollständige Information, wenn in dem Artikel auch auf die hier genannten Bedingungen und Hürden hingewiesen würde.?

      Dennoch: Macht genau weiter so mit eurer informativen journalistischen Arbeit!

  4. Die Nutzung der Dienstrechner wird ein Spaß werden! Wir haben einen (!) Dienstrechner im Lehrerzimmer für 60 (!) Lehrkräfte. Da braucht es schon einen ausgeklügelten Rechnerplan, damit jede/r jeden Tag seine Mails checken kann.

  5. Nicht im Outlook benutzbar, keine Mailumleitung möglich, Zwang der Installation einer App auf dem privaten Endgerät, unendlich umständliche Zwei-Faktor-Authentifizierung, da bleibt es auch bei mir bei einem freundlichen ,,Nein, danke!“

  6. Juchhu! Wenn wir die Mails auf dem Dienstrechner in der Schule abrufen sollen, dann heißt das also, dass wir im Lehrerzimmer endlich internetfähig werden!?

  7. Also bedeutet das dann, dass ich Dienst- und Elternmails nur noch bis zum frühen Nachmittag lesen müsste. Prima, kein Wochenendstress mehr mit Schulmails vom KuMi, die gern Freitag abends kommen und am Montag gelten sollen. Wär doch auch mal was.

  8. Leider gibt es Kröten, die man schlucken muss. Ich sehe keinen Hinweis darauf, mails nur bis zum frühen Nachmittag zu lesen, sondern innerhalb der Dienstzeit, die sich nicht auf die Morgenstunden beschränkt.
    Auch eine Zwei-Faktoren-Authentifizierung nehme ich in Kauf.
    Irgendwie werden wir uns damit arrangieren müssen. Und ganz ehrlich: ich schreibe lieber mails als zu telefonieren. Eltern haben meist nur am Abend oder am Wochenende Zeit, da erledige ich das alles lieber per Mail.
    Es gibt so viele Punkte, die einfach nur unendlich nerven, aber dennoch tut sich was und ich bin froh, dass es in eine digitalere Richtung geht.
    Ich habe übrigens auch keinerlei Probleme damit, mein „privates Endgerät“ zu nutzen. Das mache ich seit Jahren, und es ist nicht mein privates Gerät, sondern das, das ich mir für meinen Beruf angeschafft habe (und von der Steuer absetze und schön von meinem wirklich privaten Kram getrennt halte).
    Ein bisschen Realitätssinn hilt hier allen Beteiligten.

    • Natürlich haben Eltern nur abends und am Wochenende Zeit! Das ist so, wenn man Fulltime arbeitet. Ich weiss nicht, was Sie für eine Vorstellung haben, wie sich eine Familie finanziert. Einfach mal über den Tellerrand hinausschauen. Offensichtlich haben Sie nachmittags ja genug Zeit dafür. Wieder einmal einen Volltreffer ins Klischee gelandet.

      • Bei der Erledigung ihrer Bankgeschäfte haben Sie ja auch zu Geschäftszeiten Zeit? Aber nicht für ihre Kinder?
        Ist halt alles eine Frage der Prioritäten.

    • @alterlehrer: meine Arbeitszeit beträgt pro Woche 41 Stunden. Die sind spätestens am Nachmittag aufgebraucht. Leider hat es sich aber eingebürgert (und das hat durch Corona noch zugenommen), dass LK quasi rund um die Uhr und auch am Wochenende per Mail erreichbar sind. Wenn ich nur noch auf dem PC in der Schule Mails lesen könnte, wäre für mich tatsächlich nachmittags Schluss damit.
      PS: Schaffen sich eigentlich Finanzbeamte auch die Geräte für ihren Job selbst an, nur weil man sie von der Steuer absetzen kann (was, wie Sie sicher wissen, bei weitem nicht heißt, dass man den Kaufpreis erstattet bekommt).

  9. „Über ein Drittel der Lehrkräfte haben noch immer keine dienstliche Mailadresse“ – Vermutlich lässt ein Problem mit Privat-Computer bzw. Privat-DSL die Eröffnung eines weiteren Mail-Accounts bei Googlemail, Yahoo, GMX, Web o.ä. gerade nicht zu.

    • Bevor ich die Dienstadresse bekam, habe ich das auch so gemacht.

      Es geht da aber um das Prinzip, dass von Lehrern erwartet wird, dass sie sich um die technischen Voraussetzungen, ihren Beruf vernünftig ausüben zu können, selbst zu kümmern haben. Das Finanzielle gehört dazu. Zudem sind sie selbst dafür verantwortlich, dass der Datenschutz gewahrt bleibt, was ich offen geschrieben bei auch privat genutzten Geräten ohne VPN-Verbindung zum Schulnetzwerk stark bezweifeln darf.

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