Neue Bildungssenatorin Busse hat als Schulleiterin die Schulinspektion schätzen gelernt

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Berlins neue Bildungssenatorin Astrid-Sabine Busse (SPD) sieht eine Parallele zwischen ihrem Job und einem wichtigen Posten im Sport. «Mein Job ist so ähnlich wie der des Bundestrainers, alle waren irgendwann mal selbst in der Schule und wissen deshalb immer alles besser», sagte sie der «Berliner Morgenpost». «Das werde ich aushalten müssen.» Auch als Schulleiterin habe ihr die Sicht von Außenstehenden genutzt – von der (üblicherweise in den Kollegien nicht sonderlich beliebten) Schulinspektion nämlich.

„Wenn man will, kann man sehr viel machen“: Astrid Sabine-Busse war bis vor zwei Wochen noch selbst Schulleiterin. Foto: Sandro Halank, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Gefragt wurde sie, ob ihrer Meinung nach zu viel experimentiert werde in der Bildungspolitik. Grundsätzlich hätten die Berliner Schulen eigentlich viel Freiheit, sagte Busse. Es gebe für alle Schulen einen Rahmenlehrplan, der könne aber individuell gestaltet werden. «Wenn man will, kann man sehr viel machen. Ich bin davon überzeugt, dass ein gutes Leitungsteam aus jeder Schule etwas machen kann.»

Ihrer Meinung nach sollte man Schulleitungen ermutigen, Dinge selbst in die Hand zu nehmen und nicht immer darauf zu warten, dass etwas angeordnet werde. «Ich habe das immer so gehandhabt. Als in meiner Schule im Lockdown das Internet nicht ausreichte, bin ich losgegangen und habe ein paar Router gekauft, dann kamen noch welche von der Senatsverwaltung dazu, und wir konnten alle ganz gut arbeiten. Gejammer hätte doch niemandem geholfen.»

«Daraufhin hat sich unser Kollegium in Bewegung gesetzt und Dinge in Angriff genommen.»

Busse war lange selbst Schulleiterin und Vorsitzende des Interessenverbands Berliner Schulleitungen. Eine weitere wichtige Erfahrung für sie sei die Schulinspektion gewesen. «Sie hat mir vor Augen geführt, was sich an meiner Schule ändern muss», wird Busse in der Zeitung zitiert. «Daraufhin hat sich unser Kollegium in Bewegung gesetzt und Dinge in Angriff genommen.» Evaluation sei ein wichtiges Instrument für die Schulen. News4teachers / mit Material der dpa

Schulleiterin wird neue Bildungssenatorin – Lehrer hatten zuvor mit einem Brandbrief gegen sie gemeutert

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17 KOMMENTARE

  1. Vergleich mit Profisport, alle mitnehmen und schmunzel – check
    Schulinspektion ist Schulinspiration, Ode nach oben – check
    Schulen haben viele Freiheiten, frei zu sein bedarf es wenig – check
    Man muss nur wollen, yes sir! – check
    Ärmel hoch und machen, just do it – check
    Schulleitungen ermutigen, Angsthasen – check
    mal selber zu machen, Hintern hoch – check
    Nicht auf Anordnungen von oben warten, müsst schon auch selbstständig sein da unten – check
    Nicht so bequem, kollektives Bild ausgepackt – check
    Anekdote: bin los, habe besorgt und gut war’s, Super Trooper – check
    nicht jammern, Jammerlappen – check
    Kollegium in Bewegung versetzen, kollektives Bild bedient – check

    Alles drin, doppelcheck. Wenn man will, kann man sehr viel machen.

  2. Da stellt sich mal wieder die Frage, denkt die wirklich so unterkomplex oder meint sie, dass ihr jemand ihr Märchen aus 1001 Nacht abkauft? Wenn das die Leute vom Fach in solchen Positionen sind, kann ich dann die fachfremden bitte nochmal sehen? *shudder*

    • Jetzt mal zum Realitätscheck in puncto Router: An meiner Schule ist die Nichtfunktionsfähigkeit der IT kürzlich eskaliert. Das hat Verantwortliche von Schulträgerseite auf den Plan gerufen, die sich normalerweise nicht mit unserer Infrastruktur befassen. Von denen waren interessante Dinge zu erfahren: z.B. dass die ganze Verkabelung so alt sei, dass auch neue Router eben nicht wesentlich weiterhelfen würden. Dass das Glasfaserkabel nur bis vor die Schule reicht kommt erschwerend hinzu. Sich in die Eigenheiten einer schulischen IT einzufuchsen ist komplex, das sollte man nicht unterschätzen.
      Ich persönlich habe hinreichend Erfahrung um einschätzen zu können, dass es sich hier mitnichten um das Problem einer einzelnen Schule handelt, sondern dass es ein strukturelles Defizit ist. Dass es im Bereich einzelner Schulträger oder an manchen Schulen anders ist, ändert am Gesamtbild erst einmal nichts.
      Frau Busse weiß das auch und gerade daher stößt ihre Äußerung als unlauter auf.

      • Es handelte sich nicht um Router die in eine bestehende installation eingepflegt werden müssen, sondern um Mobilfunkrouter, wie sie z. B. von der Telekom oder Vodafone angeboten werden. Die werden nur über die Steckdose angeschlossen und funktionieren sehr gut. Alle Berliner Schulen haben mittlerweile diese Router, um die Zeit bis zum finalen Aufbau der IT-Infrastruktur zu überbrücken.

        • Vielen Dank für die Information. Es ist interessant zu erfahren, was andernorts möglich ist. (Mein Schulträger hat Haushaltssperre, da gibts nicht mal ein Heftel mit Kopiervorlagen für die KuK.) Den Hinweis auf Geber- und Nehmerland verkneife ich mir an dieser Stelle ;-).
          Dennoch klingen die Einlassungen der Dame insgesamt wie „schaut mal wie toll ich bin und wie blöd ihr seid“. Wer solche Vorgesetzte hat, braucht keine Feinde.

  3. Sie hat ein paar Router besorgt. Was eine tolle Frau. Ich bin wirklich so beeindruckt. Die Schulinspektionen waren ein Geschenk Gottes. So schade, dass es bei uns in Hessen nicht mehr gibt. Sich selbst in die Tasche lügen muss man können, um solch Posten zu erklimmen. Die Abgehobenheit der politischen Kaste wird uns ins Elend führen. Das deutsche Schulsystem wird nur noch durch Führen und Folgen aufrechterhalten. Das haben viele Schüler:innen längst erkannt. Es wird nicht gelernt in unseren Schulen, es wird gekuscht und bestenfalls reproduziert, was vorne gesagt wird. Das aber wird niemandem helfen in der Zukunft. Mit Bildung hat das alles schon lange nichts mehr zu tun.

  4. Selbstgerecht, arrogant und selbstherrlich. Ich bin sprachlos, wie man sich selbst so in den Himmel heben kann und dabei nebenbei mal alle anderen Schulen inklusive Schulleitung als völlig kompetenzlos und handlungsbeschränkt darstellt.

  5. Sicher, ihre Grundschule hat sie gut im Griff. Aber all ihren bisherigen Äußerungen als Schulsenatorin ist zu entnehmen, dass ihre Denkmuster auch nur im Bereich der Grundschule anzusiedeln sind.
    Ob sie sich überhaupt in die SEK II und berufliche Bildung reindenken kann ist offen. Dass erwachsene Schüler unabdingbar im Präsenzunterricht sein müssen, ist mehr als fraglich. Im letzen Lockdown konnten wir unsere Schüler auch im Distanzunterricht zum Abschluss führen. Da werden in Berlin auf der einen Seite große Anstrengungen unternommen, dass systemrelevante Berufsgruppen geschützt werden. Auf der anderen Seite sitzen Auszubildende unterschiedlicher Betriebe aus diesen genau diesen systemrelevanten Berufen in voller Klassenstärke zusammen. Da hat sie schon ihren ersten Fehler gemacht …

  6. Wenn Lehrer vorher gegen sie gemeutert haben, dann werden da Gründe vorhanden gewesen sein. Aber gerade solche, die den Draht zur Basis verloren haben, werden in diese Posten gehievt. War für sie sicher eine Rettung, um sich nicht mehr mit den renitenten, ignoranten Lehrern herumschlagen zu müssen. Denn wenn man einen Posten in der Politik ergattert hat, ist man in einer Wohlfühlblase angekommen. Ich möchte damit nicht das Engagement von Frau Busse schmälern. aber Schulleiter, die sich für ihre Lehrerlollegen einsetzen, erlangen nie und nimmer so ein Amt.
    Und was die Schulinspektion angeht, auch externe Evaluation genannt, da habe ich andere Erfahrungen gemacht. In erster Linie „Money for Nothing“, ähnlich McKinsey.

  7. Dass mit der Schulinspektion lässt sich einfach erklären.

    Bekommt die Schulleitung eine gute Bewertung, dann finden sie die Schulinspektion toll. So wird es auch im Fall Busse sein.

    Oft kommen die Lehrkräfte schlechter in Inspektionsberichten weg, deshalb finden Lehrkräfte die Inspektion nicht toll.

    Kommen Schulleitung und Kollegium gut bei der Schulinspektion weg, dann findet die ganze Schulgemeinschaft die Inspektion „ganz toll“.

    • Aus meiner beruflichen Erfahrung, die Jahresabschlussprüfungen, Revisionsprüfungen und bankenaufsichtliche Prüfungen und Zulassungen beinhaltet, nehme ich solche Maßnahmen von außen natürlich immer auch als zusätzliche Belastung wahr.

      Andererseits bringen sie alle Beteiligten auf den aktuellen Stand und helfen, Verbesserungen vorzunehmen und Schwachstellen aufzudecken.

      Ich könnte mir vorstellen, dass das in Einrichtungen, die unsere Kinder aufs Leben vorbereiten sollen, nicht unbedingt schädlich sein muss.

      Würde man der Wissensvermittlung einen ähnlichen Stellenwert einräumen wie dem Schutz der Anleger, wären wir nicht in dieser Situation.

      Naja, was weiß ich schon.

      Allen hier im Forum und der unermüdlichen Redaktion ein frohes neues und gesundes 2022!

  8. Das einzige, was ich schade finde, dass sich die Schule von Frau Busse erst nach der QA in Bewegung gesetzt hat, um vorhandene Defizite abzubauen.
    Ansonsten sitzt eine ehemalige Schulleiterin sicher besser auf dem Posten einer Bildungssenatorin als irgendeine RA Gehilfin. Auch wenn sie nur ein Primimäuschen war… Und von weiterführenden Schulen keine Ahnung hat, wie einige hier kolpotieren…

    Und ich kann es nur bekräftigen, Schulen haben Freiräume und jede Menge Gestaltungsspielräume für ihre pädagogische Arbeit. Man muss sie nur nutzen. Das geht natürlich nur mit viel Engagement, einer guten Führung und viel Liebe zum Beruf.

  9. Mein Gott, ich fasse es nicht, die neue Bildungssenatorin wird hier sofort genauso kritisiert und schlechtgemacht wie die alte (Sandra Scheeres). Es mag für sie aber ein Trost sein: Es hat nicht mit ihr zu tun, es liegt am Amt !?!?!?

    • Ich kenne die Dame nicht und bewerte nur ihre Äußerungen, in der Form wie sie hier dargestellt werden. Ich halte das für einen Fall von „Wie man in den Wald hineinruft…“ . Diese Art der Kommunikation ist m.E. bereits als Schulleitung unangemessen. Es wäre ihr zu wünschen, dass ihre Pressestelle hier unterstützt.

    • Eine Schulsenatorin, die nach Meinung aller hier alles richtig macht, die muss wohl erst noch geboren werden. So wie der nächste Messias.

  10. Worauf bezieht sich eigentlich die Schulinspektion? Dieser Bericht hier sagt es aus Sicht der Schuladministration:
    https://www.isq-bb.de/wordpress/wp-content/uploads/2016/05/ISQ_Ergebnisbericht_Schulinspektion_Berlin_final.pdf
    Auf Seite 8 oben stehen die genaueren Punkte, z.B. die Schulzufriedenheit und das Schulmanagement. Von den bei Tests gemessenen Leistungen der Kinder ist nicht die Rede.
    Genau das war der Knackpunkt, als die Bergius-Schule in Berlin unter Leitung von Michael Rudolph von der Schulinspektion gerüffelt wurde trotz guter Leistungen und vergleichsweise gutem Benehmen der SuS sowie guter Ausbildungschancen ihrer Absolventen (es ist eine Schule der Sek I) und steigender Nachfrage. Man findet diese und andere Ungereimtheiten im Netz. Auch andere Schulen wurden trotz guter Leistungen gerüffelt, wenn sie ihre Erfolge mit den „falschen“ Methoden erreichten, z.B. dem, was heute abwertend „Frontalunterricht“ heißt.
    Der Herr Gärtner, der im Bericht als Autor genannt ist, der wurde natürlich belohnt: Er ist jetzt Professor an der FU Berlin für „Unterrichts- und Schulevaluation“ (offenbar eine neue Wissenschaft) und zugleich Leiter dieses ISQ.
    Kritiker ziehen den Schluss, dass diese Art von Schulinspektion nicht primär für die Schulen, sondern für die Parteiideologen in der Schulverwaltung gut ist. Frau Busse stand denen wohl schon nahe und sieht das natürlich positiv. Der erfolgreiche Schulleiter Rudolph dagegen hat ein zorniges Buch darüber geschrieben („Wahnsinn Schule“).

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