„Blinder Aktionismus“: Heftige Kritik vom Philologenverband an Bildungssenatorin Busse

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Die Aufhebung der Präsenzpflicht an Berliner Schulen stößt beim Philologenverband auf scharfe Kritik. Von heute auf morgen seien die Schulen mit neuen Regelungen konfrontiert worden, heißt es in einem offenen Brief der Vorsitzenden des Landesverbandes, Kathrin Wiencek, an Bildungssenatorin Astrid-Sabine Busse (SPD). Die Entwicklung der Infektionslage sei von Fachleuten vorausgesagt worden und sei damit nicht überraschend gekommen. «Trotzdem endete es wieder in blindem Aktionismus», heißt es in dem Schreiben.

Was bis vor kurzem selbst Schulleiterin in Berlin: Bildungssenatorin Astrid-Sabine Busse (SPD). Foto: Lena Giovanazzi / Bildungsverwaltung Berlin

«Leider bin ich von Ihrem bisherigen Wirken als Senatorin enttäuscht», so Wiencek. Dabei habe der Verband gehofft, dass mit Busse als erfahrener Praktikerin «endlich ein Weg aus dem Berliner Bildungschaos» gefunden werde. Stattdessen verlagere die Senatorin mit ihrer Entscheidung die Verantwortung auf die Schulleitungen, so dass es keine klaren und verbindlichen Regelungen gebe. Dies könne zu einer Doppelbelastung von Präsenz- und Distanzunterricht für die Lehrer führen.

Bildungssenatorin Busse hatte am Montag mitgeteilt, angesichts steigender Corona-Infektionszahlen könnten Eltern ab sofort bis Ende Februar selbst entscheiden, ob ihr Kind die Schule besucht oder zu Hause arbeitet und lernt. Der Präsenzunterricht bleibe aber die «Regelform». Die Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey verteidigte das Vorgehen. Mit Blick auf die Verbreitung der Omikron-Variante gebe es eine neue Situation, sagte die SPD-Politikerin nach der Sitzung des Senats. dpa

Streit um Präsenzpflicht: Darf der Staat Kinder in die Schulen zwingen, wenn er sie dort nicht schützt?

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potschemutschka
3 Monate zuvor

Warum muss ich beim Lesen dieses Artikels daran denken, dass einige Lehrer ihrer ehemaligen Schule, kurz vor ihrer Ernennung zur Bildungssenatorin, einen Brandbrief geschrieben haben? Sie konnte das damals gar nicht verstehen. Ob das etwas mit ihrem Führungsstil zu tun hat? Oder hat sie damals schon unter Realitätsverlust gelitten?

Rike
3 Monate zuvor

Was soll die Diskussion? Noch zwei Schultage in Berlin und Brandenburg, dann sind erst mal 7 Tage Winterferien. Und mal sehen, wer danach überhaupt gesund ist und zur Schule kommt. Werden so viele nicht sein bei den Zahlen bei uns. Wenn der Spuk vorüber ist, schauen wir mal, wie es den SuS und KuK geht und wer dann noch arbeits- und lernfähig ist.
Dann kann man an die Schadensanalyse gehen und irgendwie versuchen, zu einer Art Normalbetrieb zurückzukehren. Aber jetzt zerbreche ich mir keinen Kopf mehr. Sinnlose Energieverschwendung.
Das war bestelltes Chaos mit Ansage: und wie bestellt so bekommen.

Dil Uhlenspiegel
3 Monate zuvor

Ach Gottchen, was will ich mit so viel Verantwortung. Die zerstreue ich doch lieber ganz fein. Da rieselt sie in so viele Ritzen, dass man am Ende gar nichts mehr von der Verantwortung sieht. Das stört dann auch die geneigten Betrachter der Normalität nicht weiter bei der Kontemplation des mildtätigen St. Omikron.

Maren
3 Monate zuvor

Meine Fresse,die Eltern hier bei uns wären froh,wenn sie diese Entscheidung treffen könnten,und schonwird wieder von irgendeinem Verband rumgemotzt!Dass das aus Lehrersicht nicht ideal ist,ist mir klar,aber wenigstens kann man fpr sein Kind aktiv entscheiden!

Mika
3 Monate zuvor
Antwortet  Maren

Aus Elternsicht haben Sie Recht. Schwierig wird es, wenn die Eltern dann Aufgaben und Lehrerkontakt für ihre Daheimgebliebenen Kinder einfordern. Das können die im Präsenzunterricht eingesetzten Lehrkräfte nicht leisten. Deshalb heißt es sowohl in Berlin als auch in Brandenburg: es gibt bei ausgesetzter Präsenzpflicht kein Anrecht auf Distanzunterricht – die Schulen sollen nach Möglichkeit Aufgaben erteilen. Sie lesen ja selbst, wie die Personalsituation in den Schulen ist. Und so schieben die Kultusminister wieder die Schuld zu Eltern und Lehrern: Eltern haben ja selbst entschieden, ihr Kind aus der Schule zu nehmen (und sollen jetzt sehen, wie sie klarkommen), und die Lehrer bekommen wieder mal den Stempel faul aufgedrückt, weil sie zusätzliches Doppelunterrichten einfach nicht mehr hinbekommen. So ein Tag hat eben nur 24 Stunden. Präsenzpflicht aussetzen ohne Konzept für Distanzunterricht ist einfach nur eine miese Mogelpackung.

Klaus
3 Monate zuvor
Antwortet  Mika

Meine Kinder sind zwischen 18 und 30 Jahre, es sind Berufsschüler. Keiner kommt seit gestern mehr in den Unterricht. Kein Problem – wir konnten auf Knopfdruck auf Distanzunterricht umsteigen. Im Vorfeld mussten sich leider zahlreiche Azubis in der Schule infizieren bis endlich die Präsenzpflicht gefallen ist.

Maren
3 Monate zuvor
Antwortet  Mika

@Mika gut aber die in Quarantäne müssen ja auch mit Material versorgt werden.Übersicht der bearbeiteten Materialien plus Aufgaben und die Kopien,für die ich Kopiergeld bezahle,reichen mir ,hol ich sogar persönlich ab.Aber besser wäre gewesen,schon im letzten Sommer (!)Pläne für den nä.Winter zu machen,Kollegen speziell für den Distanzunterricht einzuplanen etc.etc….
Aber nichts wurde getan.Nur von sicheren Schulen geschwafelt.

Klaus
3 Monate zuvor
Antwortet  Maren

Haben Sie kein Lernmanagementsystem zur Verfügung oder wenigsten E-Mail?

April
3 Monate zuvor

Aufhebung der Präsenzpflicht ist schön einfach. Jetzt müssen die Eltern entscheiden, wie wertvoll die Gesundheit der Kinder ist.
Unterstützung vom Arbeitgeber zur Betreung und Beschulung kann man nicht verlangen, denn die Schulen sind ja offen.
Hilfe von den Lehrern kann man nicht erwarten, dann die müssen ihren normalen Job weitermachen, wenn sie sich noch nicht angesteckt haben. An einem Arbeitsplatz, der super sicher ausgestattet ist…
So ist es mein Luxus die Kinder neben meiner Arbeit zu betreuen und zu beschulen, immerhin, ich habe das Glück von Homeoffice, andere haben nicht mal diese Möglichkeit.

Soumeya Sebei
3 Monate zuvor

Während dieser ganzen Pandemie, von Anfang bis zum heutigen Tage, hat niemand im Interesse der Kinder gehandelt!!!
Die Kinder leiden am meisten, wir Erwachsene kommen mit diesem ganzen hin und her schon nicht mehr klar, wie sollen es die Kleinsten!!!
Man bedenke schon allein den psychischen Stress den die Kids durchmachen, wenn sie wissen, sie könnten wahrscheinlich der Nächste sein der abgeholt werden muss, weil der Schnelltest in der Schule positiv ist. Oder der beste Freund, die beste Freundin wird nach Hause geschickt. Und nicht jeder geht mit einem positiv getesteten Kind behutsame kontrolliert um!!!!!!!!

Klaus
3 Monate zuvor
Antwortet  Soumeya Sebei

Tja, so ist das Leben – kein Ponyhof,
aber als Erwachsene werden Sie besser mit Krisen und Schwierigkeiten klarkommen als die Gepamperten.