BERLIN. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) und der Chef-Virologe der Berliner Charité Prof. Christian Drosten, haben auf die Gefahr auch für Kinder und Jugendliche durch die Omikron-Variante des Coronavirus hingewiesen – und sich gegen eine Durchseuchung der Schulen ausgesprochen. Mit Blick auf Kinder sagte Lauterbach im heute journal: „Es wird oft vorgetragen, Omikron verlaufe leichter. Das stimmt, aber es ist trotzdem keine leichte Erkrankung, und es wird bei vielen auch bleibende Schäden hinterlassen.“ Drosten, der zum Expertenrat der Bundesregierung gehört, verwies darauf, dass schon Delta sich in den Schulen ausgebreitet habe.
„Das besorgt mich sehr“, so sagte Lauterbach angesichts des in diesen Tagen wieder anlaufenden Schulbetriebs. „Allerdings weiß man auch, dass bei der Omikron-Variante, die die dominierende, wenn nicht in wenigen Wochen die alleinige Variante sein wird, Masken sehr gut wirken. Von daher appelliere ich wirklich an alle Länder, dass man hier vorgibt, dass in den Schulen Masken getragen werden, weil tatsächlich ist die Maske bei der Omikron-Variante sehr effizient und würde gerade in den Schulen eine große Sicherheit bieten. […] Je besser die Maske ist, desto besser wirkt sie natürlich, daher würde ich meinen eigenen Kindern tatsächlich die FFP2-Maske empfehlen, das ist klar. […]“
Viele denken: Omikron verläuft milder, weshalb keine Durchseuchung? Die billige Impfung… Das wäre ein grosser Fehler, viele Menschen würden schwer erkranken mit oft bleibenden Schäden. Für unsere Kinder wäre es ein absolut unverantwortbares Experiment https://t.co/f9QL2wU7yB
— Prof. Karl Lauterbach (@Karl_Lauterbach) January 5, 2022
Im Herbst hatten zahlreiche Bundesländer die Maskenpflicht im Unterricht ausgesetzt und die Inzidenzen unter Kindern und Jugendlichen so massiv nach oben getrieben; noch immer müssen nicht in allen Bundesländern durchgängig Masken in den Klassenräumen getragen werden – Sachsen zum Beispiel hat die Grundschulen von der Maskenpflicht ausgenommen.
“Hier werden viele schwer krank werden und werden auch längerfristig krank werden”
Lauterbach sprach sich entschieden dagegen aus, die bevorstehende Infektionswelle einfach durch die Kitas und Schulen rollen zu lassen. „Ich bleibe dabei, eine Durchseuchung mit der Omikron-Variante wäre für die Kinder, wie aber auch für die Erwachsenen in keiner Weise verantwortbar“, sagte er. „Das kann man nicht auf die leichte Schulter nehmen. Hier werden viele schwer krank werden und werden auch längerfristig krank werden. Das wollen wir gerade unseren Kindern auf jeden Fall ersparen“, sagte er – und betonte (offensichtlich mit Blick auf mögliche Schulschließungen): „Daher wird nichts ausgeschlossen.“
Drosten sprach in seinem aktuellen NDR-Podcast von einem „Fragezeichen“, wie sich Omikron im Schulbetrieb auswirken werde. „Wir werden jetzt, wenn der Schulbetrieb wieder losgeht, Schüler haben, die mit Omikron in die Schule kommen.“ Unklar sei aber, ob sich Omikron dort dann genau so ausbreite wie Delta „und von dort wieder zurück gestreut wird in die Familien oder ob das vielleicht weniger der Fall ist“. Es könne sein, dass von Kindern weniger Virus ausgeschieden werde, sodass Omikron „durch die allgemeinen Kontrollmaßnahmen in den Schulen besser abgehalten“ werde.
„Also es gibt junge Leute mit Mitte 20, die auf der Intensivstation landen. Das ist einfach nicht auszuschließen”
Wenn aber Omikron sich im Schulbetrieb auswirke wie Delta – oder sogar noch schlimmer –, dann könne sich eine neue große Welle aufbauen, die auch junge Menschen gefährde. Drosten warnte davor, Berichte aus Südafrika oder Großbritannien über vermeintlich mildere Verläufe zum Anlass für nachlassende Vorsicht zu nehmen.
Drosten: „Also es gibt junge Leute mit Mitte 20, die auf der Intensivstation landen. Das ist einfach nicht auszuschließen. Es gibt sogar Leistungssportler, die nach einer fast asymptomatischen, sehr milden Infektion noch wochenlang Probleme im Training haben und Leistungseinbrüche verzeichnen. Woher kommt denn das? Das ist ja kein Hokuspokus. Das kommt daher, dass das Lungengewebe geschädigt wird. Das stellt sich schleichend ein und ist dann sehr lange nachhaltend und es braucht vielleicht Monate, bis das wieder kuriert ist. Man muss schon sehr ignorant sein, um das zu übersehen.“
Alarmmeldungen aus anderen Ländern über Krankenhaus-Einweisungen von Corona-infizierten Kindern hätten sich in den vergangenen Tagen etwas relativiert; die Daten ließen aber auch nicht erkennen, dass Omikron Kinder weniger stark bedrohe als frühere Virusvarianten – wie die KMK in ihrem jüngsten Beschluss behauptet: Es gebe deutliche Hinweise, „dass eine mögliche Erkrankung milder verläuft“, so erklären die Kultusminister (News4teachers berichtet). Fakt sei, so Drosten, dass die Gesamtzahl der Fälle zunehme. Drosten: „Ja, es gibt diese Zunahme, die gibt es auch im pädiatrischen Bereich. Es ist also nicht so, dass das schon fast nur die Erwachsenen betrifft und die Kinder ausgespart sind. Das ist nicht der Fall.”
Eine Durchseuchung wäre für unsere Kinder ein absolut unverantwortbares Experiment. Dann fragen wir uns, warum das Experiment durchgegeführt wird, insbesondere an Schulen. #schuetztdiekinder https://t.co/8lufVxH0Qz
— Thorsten Frühmark (@TFruehmark) January 6, 2022
Lauterbach legte unmittelbar nach dem KMK-Beschluss per Twitter nach: „Viele denken: Omikron verläuft milder, weshalb keine Durchseuchung? Die billige Impfung… Das wäre ein grosser Fehler, viele Menschen würden schwer erkranken mit oft bleibenden Schäden. Für unsere Kinder wäre es ein absolut unverantwortbares Experiment.“ News4teachers
- Hier geht es zum heute journal-Interview mit Karl Lauterbach.
- Hier geht es zum aktuellen NDR-Podcast mit Prof. Christian Drosten.
Kultusminister bestätigen sich auf ihrer Krisensitzung selbst – VBE: Armutszeugnis
