Bringt nichts: Kretschmann zieht seine Idee, Lehrern Teilzeit zu kürzen, zurück 

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STUTTGART. In Krisenzeiten wie diesen müsse alles auf den Prüfstand, sagt Baden-Württembergs Regierungschef Winfried Kretschmann immer wieder. Auch die Regelungen für Lehrer hatte er dabei im Blick. Sein eher spontaner Vorstoß für weniger Teilzeit bei Lehrkräften kann sich aber nicht durchsetzen.

Hat mal laut nachgedacht: Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne). Foto: Staatsministerium Baden-Württemberg

Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat es vielleicht schon ahnen können. Vor knapp zwei Monaten hatten sich Gewerkschaften und Opposition bereits unisono irritiert gezeigt über seinen überraschenden Vorstoß für eine eingeschränkte Teilzeit von Lehrern. Das sei wenig durchdacht, hieß es damals. Nun verschwindet die Idee, die Mindestarbeitszeit für Beamtinnen und Beamte in Teilzeit wegen des Lehrermangels zu erhöhen, wieder in der Schublade. Das Kultusministerium habe sie umfassend geprüft, sagte eine Regierungssprecherin am Mittwoch. «Allerdings hat die Prüfung ergeben, dass wir dadurch lediglich 80 bis 120 Deputate gewinnen würden. Deshalb werden wir die Idee nicht weiterverfolgen.»

«Bitte überlegen Sie sich doch, ob Sie nicht eine, zwei oder vielleicht sogar drei zusätzliche Stunden unterrichten können»

Getrieben vom Lehrermangel und der hohen Zahl von Flüchtlingskindern aus der Ukraine drehen Regierungschef Kretschmann und seine Kultusministerin Theresa Schopper (beide Grüne) derzeit eine ganze Menge Steine um. In einem gemeinsamen Schreiben an die Schulen gehen beide erneut auf die Lehrkräfte zu und bitten offen um deren Unterstützung. «Bitte überlegen Sie sich doch, ob Sie nicht im kommenden Schuljahr eine, zwei oder vielleicht sogar drei zusätzliche Stunden unterrichten können», heißt es unter anderem in dem Brief. «Oder ob Sie Ihren anstehenden Ruhestand noch etwas hinausschieben und uns als Pensionärin oder Pensionär unterstützen können.»

Kretschmann und Schopper argumentieren auch, eine längere Arbeitszeit könne sich beachtlich auf die Unterrichtsversorgung im Land auswirken. Unterrichte jede zweite Lehrkraft in Teilzeit eine Stunde zusätzlich pro Woche, könnten laut Schreiben im kommenden Schuljahr rund 1000 Deputate gewonnen werden. «Wir wissen, dass wir Ihnen mit unserem Aufruf einiges abverlangen», schreiben beide weiter. Das Land benötige aber in der aktuellen Krise die Unterstützung der Lehrer.

Der Vorsitzende des Philologenverbands Baden-Württemberg (PhV BW), Ralf Scholl, reagierte fassungslos auf Brief und Bitte. «Wir finden es eine Ungeheuerlichkeit, dass die nach zweieinhalb Corona-Jahren völlig erschöpften Lehrkräfte gebeten, ja beinahe angebettelt werden, für die Landesregierung die Kastanien aus dem Feuer zu holen», sagte er. Der Dank an die Lehrkräfte sei nicht mehr als ein «Lippenbekenntnis». Der Verband forderte, zusätzliche Stunden müssten auch bezahlt werden. «Von dem dafür notwendige Nachtrags- oder Sonderhaushalt ist aber bislang nichts zu sehen», sagte Scholl.

«Eine erzwungene Erhöhung der Teilzeit hätte bei vielen von ihnen dazu geführt, ihren Dienst ganz niederlegen zu müssen»

Für den Verband Bildung und Erziehung (VBE) begrüßte dessen Landesvorsitzender Gerhard Brand den Rückzug der Regierung. Lehrkräfte hätten sich oft aus familiären Gründen ganz bewusst für die Teilzeit entschieden und dadurch auch anteilig auf Gehalt verzichtet. «Eine erzwungene Erhöhung der Teilzeit hätte bei vielen von ihnen dazu geführt, ihren Dienst ganz niederlegen zu müssen», sagte Brand. «Dadurch wäre das Ziel der Landesregierung konterkariert worden.»

Kretschmann hatte im April erklärt, angesichts der Ankunft von Tausenden von geflüchteten Kindern und Jugendlichen aus der Ukraine brauche das Land dringend mehr Lehrkräfte. Die Regelungen bei Teilzeit seien derzeit «sehr großzügig», sodass vor allem viele Lehrerinnen relativ wenige Stunden unterrichteten. Eine Erhöhung der allgemeinen Wochenarbeitszeit von 41 Stunden für Landesbeamte werde aber nicht angestrebt.

Die GEW kritisierte am Mittwoch, die Lehrkräftebedarfsprognosen für Grundschulen und für alle Schularten der Sekundarstufe I lägen schon seit fünf Jahren vor. «Sie wurden bisher weitgehend von der Landesregierung ignoriert», sagte die Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Befristet eingestellte Lehrkräfte brauchten Einstellungszusagen für das kommende Schuljahr, um nicht über die Sommerferien arbeitslos zu sein und dem Land verloren zu gehen. Möglich sei auch eine höhere Altersermäßigung, damit weniger Lehrkräfte wegen der Belastung früher in den Ruhestand gehen müssten. Ziel der Altersermäßigung ist es, ältere Lehrkräfte zu entlasten und ihnen mehr Zeit für die Vor- und Nachbereitung des Unterrichts einzuräumen.

Landesbeamte haben grundsätzlich Anspruch darauf, ihre Arbeitszeit in der Teilzeit auf bis zu 50 Prozent herunterzufahren. Ein Antrag auf Teilzeit aus familiären Gründen, etwa weil ein Kind betreut oder ein Angehöriger gepflegt wird, kann nur abgelehnt werden, wenn zwingende dienstliche Gründe dem entgegenstehen. Die Untergrenze bei der Teilzeit ist seit einer Änderung unter Grün-Rot 25 Prozent – vorher waren es noch 30 Prozent. Solche Anträge werden bei Lehrkräften individuell vom jeweiligen Regierungspräsidium geprüft.

Im Südwesten gibt es gut 110.000 Lehrkräfte an allgemeinbildenden Schulen, 52.000 arbeiten nach Angaben des Landes in Teilzeit. Vor allem in Grundschulen ist der Anteil der Lehrerinnen groß. News4teachers / mit Material der dpa

Personalmangel an Schulen: Kretschmann will Teilzeit von Lehrern einschränken (und brüskiert ihre Verbände)

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Dil Uhlenspiegel
1 Monat zuvor

Eine schwere Kunst trockene Lappen auszuwringen.

Realist
1 Monat zuvor
Antwortet  Dil Uhlenspiegel

Aus Kretschmanns Sicht sind Lehrkräfte in Teilzeit wahrscheinlich auch nur Waschlappen…

Gabriele
1 Monat zuvor
Antwortet  Dil Uhlenspiegel

Meines Erachtens niveaulos, nicht besonders geistreich. Folglich nicht zielführend, zuträglich in der Sache, es sei denn, Sie verfolgen ganz andere Ziele hier bei n4t.

Übrigens, ad Begriffsklärung bezüglich Ihres Pseudonyms/ Names im Forum:
keine Haarspalterei, doch vollständige, saubere Differenzierung. Denn inhaltliche Verengung ist de facto auch Verfälschung!

Sie erinnern sich sicher an meinen Kommentar vor einiger Zeit hinsichtlich Anlehnung an Namen, implizierte Anpielungen:

„der Gesellschaft einen Spiegel vorhalten“ war in der Tat (nur) ein (!) Ziel des
historischen Till Eulenspiegels.

Machen Sie sich bitte mal schlau in einschlägigem, seriösem Nachschlagewerk.

Denn Jux und Tollerei, purer Unsinn als Selbstzweck, ist in der Tat die zweite (!),
denkbare Absicht einer Eulenspiegelei.

Welche Zielsetzung verfolgen Sie denn (jetzt)?

Nomen ist Omen! (sic!) In der Tat, meine damalige Einschätzung trifft weiterhin zu.

Besorgter Bürger
1 Monat zuvor

Solche Fehler unterlaufen nur Anfängern – nicht Profis.
Oder ehemaligen Profis auf absteigendem Ast.

Gabriele
1 Monat zuvor

Als Ex-Lehrer (!) eine echte Farce, so einen Vorstoß zu wagen!

Wahrscheinlich früher, damals, in Vollzeit tätig, und mit Ehefrau „gesegnet“, die ihm den Rücken ganz frei hielt und die gesamte Familien- und Hausarbeit schulterte, wie viele Frauen früher.

Und auch ein Schlag ins Gesicht alle seiner Ex-Kolleginnen in Teilzeit!

Eine wahre Zumutung für alle gegenwärtigen Teilzeitlehrkräfte in BaWü, die Teilzeit wahrlich nicht aus Bequemlichkeit machen!!

Ragnar Danneskjoeld
1 Monat zuvor
Antwortet  Gabriele

Als Ex-Lehrer (!) eine echte Farce, so einen Vorstoß zu wagen!“

Der Mann hat seit dreißig Jahren keinen Unterricht mehr gehalten und hat nicht den blassesten Schimmer, wie es in seinem eigenen „The Länd“ an Schulen abgeht. Klar, wenn man noch das gymnasiale Regeldeputat von 23 Wochenstunden, relativ homogene Klassen ohne Inklusion und Binnendifferenzierung, Regelaufstieg nach A14 nach zwei Jahren und die damals vorherrschende Türklinkendidaktik vor Augen hat – dann sind zwei Stunden die Woche mehr absolut machbar.

Bei 7,5% Inflation und 2,5% Lohnerhöhung durch Corona-Prämie habe ich einen Reallohnverlust von 5%, schaffe also jetzt umgerechnet schon eine Stunde mehr als ich verdiene.

Danke, Herr Ministerpräsident, die Suppe löffeln Sie mal schön selber aus.

Leisetreter
1 Monat zuvor

Das hätte auch keinen Sinn gehabt. Die „feiern“ dann krank. Als Beamte haben sie auf unbegrenzte Zeit eine Lohnfortzahlung von 100% (ja,ja, ist dann kein Lohn, sondern Gehalt).

Julia
1 Monat zuvor
Antwortet  Leisetreter

Bezüge bitte, wenn’s konveniert.

Gabriele
1 Monat zuvor
Antwortet  Julia

Genau! Wenn schon, denn schon!

„Unterirdische“ Kommentare nehmen ja bedauerlicherweise im Forum von n4t immer mehr zu.

Walter Hasenbrot
1 Monat zuvor
Antwortet  Leisetreter

Wahrscheinlich werden die KollegInnen wirklich krank. Die KollegInnen in Teilzeit machen das schließlich nicht aus Spaß, sondern weil die Belastungen aus Familie und Beruf nicht miteinander verinbar sind oder weil die Belastung von zwei Korrekutrfächern auf Dauer nicht zu stemmen ist.

Hier wäre der Dienstherr eigentlich seit Jahrzehnten in der Pflicht, die Belastung für KorrekturfachlehrerInnen zu senken. Stattdesen nehmen KollegInnen mit zwei Korrekturfächern lieber ein eine direkte Lohnsenkung hin, um die Arbeit überhaupt schaffen zu können.