Merz offen, Schulabgängern soziales Pflichtjahr aufzubrummen – FDP strikt dagegen

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BERLIN. Bundespräsident Steinmeier wurde nach seinem Plädoyer für ein soziales Pflichtjahr kritisiert. CDU-Chef Merz argumentiert nun in eine ähnliche Richtung – und bekommt prompt Gegenwind.

Junge Leute zum Dienst verpflichten? Joooaaaaa, meint CDU-Chef Friedrich Merz. Foto: CDU / Tobias Koch

CDU-Chef Friedrich Merz kann der Idee eines verpflichtenden sozialen Jahres viel abgewinnen. «Ich habe noch keine persönlich abgeschlossene Meinung, aber meine grundsätzliche Haltung geht eher Richtung verpflichtendes Jahr als auf der Basis von Freiwilligkeit», sagte Merz, der auch Vorsitzender der Unionsfraktion im Bundestag ist, in Berlin. «Ich bin überrascht, wie hoch die Zustimmung gerade in der jungen Generation zu einem solchen verpflichtenden Jahr in Deutschland ist.»

Justizminister Marco Buschmann und Bildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (beide FDP) lehnten ein Pflichtjahr für junge Menschen umgehend strikt ab.

Auf dem CDU-Parteitag am 9. und 10. September in Hannover soll es zwei Anträge für ein sogenanntes «Deutschland-Jahr» geben. Während einer mehr auf ein Pflichtjahr zielt, plädiert der andere mehr für Freiwilligkeit in Verbindung mit Anreizen wie der Anrechnung von Rentenpunkten oder Erleichterungen beim Numerus Clausus. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hatte kürzlich für einen Vorstoß für eine soziale Pflichtzeit viel Kritik erhalten.

«Wir müssen aus der Rückschau sagen, dass die Politik gerade mit Blick auf die junge Generation auch viele Fehler gemacht hat»

Der 66-jährige Merz betonte nun, das Feedback von Schulklassen und Besuchergruppen zum Vorschlag einer Pflichtzeit sei «durch die Bank positiv. Aber ich kenne auch die Argumente, die dagegen sprechen.» Ihn habe gefreut, dass der Bundespräsident sich so klar positioniert habe. «Jetzt diskutieren wir darüber. Wenn es andere Meinungen gibt, umso besser. Dann haben wir eine interessante politische Debatte.»

Das Argument, viele junge Leute hätten in der Corona-Pandemie viele Einschnitte verkraften müssen, deswegen sollten sie nicht zusätzlich mit einem Pflichtjahr belastet werden, wies Merz zurück. Mit der Schließung von Schulen und Universitäten sei man wohl über das Ziel hinausgeschossen. «Wir müssen aus der Rückschau sagen, dass die Politik gerade mit Blick auf die junge Generation auch viele Fehler gemacht hat.» Dies könne «aber nicht der Maßstab für eine solche Grundsatzentscheidung sein. Bei der Dienstpflicht blicken wir auf die nächsten 10, 20, 30 Jahre.»

Justizminister Buschmann nannte den mit einem Pflichtjahr verbundenen Freiheitseingriff nicht gerechtfertigt. «Junge Menschen müssen frei über ihre Zukunft entscheiden können. Ein #Pflichtjahr passt auch nicht in die Zeit. Überall leiden wir unter Fachkräftemangel», schrieb er auf Twitter. Bildungsministerin Stark-Watzinger betonte, junge Menschen erwarteten, dass die Politik Bildungsgerechtigkeit fördere, Aufstiegschancen schaffe und freiwilliges Engagement belohne. «Das sollte unsere gemeinsame Kraftanstrengung sein – nicht die ewig gleichen Debatten über mehr Zwang», betonte sie auf Twitter.

Der Parlamentarische Geschäftsführers der FDP-Fraktion im Bundestag, Stephan Thomae, warnte ebenfalls, mit einem verpflichtenden sozialen Jahr würden junge Menschen von Ausbildung und Berufseinstieg ferngehalten. «Stattdessen sollten bessere Anreize für den Bundesfreiwilligendienst auf den Weg gebracht werden.» News4teachers / mit Material der dpa

Debatte um soziales Pflichtjahr: Verpflichtet doch Senioren! – ein Kommentar

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3 Kommentare
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Realist
1 Monat zuvor

Unser ehemaliger „Ich bin doch auch nur Mittelschicht“-Black Rock Aufsichtsratsvorsitzende und Lobbyist?

Auf der Suche nach neuen billigen Arbeitskräften zum Wohle des internationalen Kapitals?

Irgendwie wird man schon leicht klassenkämpferisch, wenn man diesen Typen sehen muss…

Ich muss da mal was loswerden
1 Monat zuvor

Top, wenn Merz gern Millionen von jungen Wählern vergraulen möchte…so wird das nix mehr mit der CDU.

Dreamghost
1 Monat zuvor

Viele junge Schulabgänger die noch nicht wissen, wohin sie beruflich gehen wollen, machen ein FSJ. Andere wissen wo es hingeht und sollten nicht gebremst werden. Ich will gar nicht so zynisch sein, aber auf mich wirkt es, als ob die Politik ihr Versagen im Pfelgebereich dadurch kaschieren will, junge Leute für unsolidarisch zu erklären, wenn sie nicht juhu schreien, bei der Aussicht ältere Leute für ein Jahr zu pflegen. Das ist leider der falsche Ansatz Hr. Merz. Kann es sein, dass diesen Leuten langsam die Muffe geht, in Bezug auf ihre eigene anstehende Pflege? Wohl eher nicht, dafür ist ein Hr. Merz finanziell zu gut aufgestellt.