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Studie: Schülerinnen und Schüler über Rassismus vergleichsweise gut informiert

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MÜNCHEN. Wie viel wissen Schülerinnen und Schüler zum Thema Alltagsrassismus? Eine ganze Studienreihe hat nun untersucht, wie bekannt Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen typische rassistische Fehlannahmen sind.

Während sich Hunde, Katzen oder Pferde genetisch in Rassen unterteilen lassen, gilt das für den Menschen nicht. Forschung zeigt zweifelsfrei: Vom Aussehen oder Wohnort eines Menschen lässt sich nicht auf seine genetische Veranlagung schließen. Die genetische Vielfalt der Menschen ist immer größer als die Ähnlichkeit bei Individuen mit einer ähnlichen Hauttönung, Augenform oder sonstigen äußeren Merkmalen. Es gibt kein einziges Gen, noch nicht mal ein einziges Basenpaar, keinen einzigen fixierten Unterschied, der zum Beispiel Asiatinnen und Asiaten von Nichtasiatinnen und Nichtasiaten trennt.

Die Altersverteilung beim Wissen um Fehlannahmen im Rassismuskontext spricht durchaus für schulische Erfolge. Foto: Shutterstock

Wissenschaftlich Common sense. Aber wie verbreitet sind derartige Erkenntnisse in der Allgemeinheit? Noch immer ist jedes dritte Kind und ein gleicher Anteil Jugendlicher in Deutschland mit Alltagsrassismus konfrontiert. Die Grundtendenz dabei: Je sichtbarer der Migrationshintergrund, desto häufiger widerfahren den Kindern und Jugendlichen Beschimpfungen, Benachteiligung, sind sie rassistischen Klischees ausgesetzt etc. In einer repräsentativen Studie hat das internationalen Zentralinstituts für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI) beim Bayerischen Rundfunk ermittelt, wie ausgeprägt das Wissen zum Thema (Alltags-) Rassismus in Deutschland ist.

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Die Studie zeigt: Dass sich Menschen nicht in Rassen unterteilen lassen, wissen durchschnittlich 57 % der Erwachsenen mit einer deutlichen Alterstendenz. Während sieben von zehn 20- bis 29-Jährigen dieses Grundwissen haben, zeigt sich bei den 6- bis 9-Jährigen sowie den über 60-Jährigen das niedrigste Wissensniveau mit 45 % bei den Kindern und 46 % bei den Älteren.

Dass es keine Rassen beim Menschen gibt, wissen 74 % der Lehrerinnen und Lehrer und knapp neun von zehn Kolleginnen und Kollegen ist bekannt, dass Deutschland Kolonien hatte und vom Sklavenhandel profitierte. Damit liegen die sie deutlich über dem Wissenstand des deutschen Durchschnitts. Bezogen auf alle Befragten ging nur eine relativ kleine Mehrheit (58 %) davon aus, dass es keine Rassen gebe, 68 % wussten, dass auch Deutschland ein Kolonialreich besaß. Näher am Durchschnitt waren die Erzieherinnen und Erzieher: Jeder siebte von ihnen wusste um die deutsche Kolonialgeschichte. Der Anteil derjenigen, die an Rassen beim Menschen glauben, war mit 44 % sogar noch etwas höher als im Bundesdurchschnitt.

Trotz dieser Werte fehle es auch Lehrerinnen und Lehrern noch an Grundlagenwissen zum Alltagsrassismus, so die Studienautoren. Kinder berichteten beispielsweise mehrfach von Kommentaren wie „Du kannst aber gut Deutsch sprechen“ zu einem einen Hijab tragenden Mädchen. Vermutlich habe es die Lehrerin sogar nett gemeint, für die in Deutschland geborene und muttersprachlich deutsch aufgewachsene Saira (11 Jahre) etwa sei es dennoch verletzend.

Heranwachsende mit Migrationshintergrund erfahren (Alltags-)Rassismus, können ihn aber nicht immer als solchen einordnen

In der Studie sei auch deutlich geworden: Menschen, die selbst oder deren Eltern in einem anderen Land geboren wurden, sind nicht zwangsläufig besser über das Thema Alltagsrassismus informiert als Menschen, die keinen Migrationshintergrund in erster oder zweiter Generation haben. Dies bedeute etwa, dass Heranwachsende mit Zuwanderungsgeschichte ihre eigenen Rassismuserfahrungen nicht als solche einordnen und bewerten könnten. Genau dieses Wissen bräuchten sie aber nach Ansicht der Autoren, um sich nicht individuell als schuldig oder defizitär zu empfinden.

Kinder wollen Rassismus entgegentreten

Die meisten befragten Kinder wollen Rassismus aktiv entgegentreten. Oft fehle ihnen jedoch das notwendige Grundwissen, um Alltagsrassismus zu erkennen und die Perspektive der rassistisch Angesprochenen nachzuvollziehen. Entsprechend wichtig seien Sendungen, die sich explizit mit dem Thema Rassismus auseinandersetzen. Um eine Sendung zu produzieren, die explizit antirassistisch wirksam werden soll, bedürfe es allerdings eines diversen Teams, sowie Sensibilität und Hintergrundwissen.

Kinder brauchen Räume, um sich mit dem Thema Rassismus auseinanderzusetzen

Aktiv Rassismus entgegenzutreten, brauche aber noch mehr als Wissen. In einer weiteren IZI-Untersuchung diskutierten Schülerinnen und Schüler Möglichkeiten, wie sie Mitschülerinnen und -schüler konkret unterstützen könnten. Kinder und Jugendliche kämen zwar auf diverse Ansätze zur Unterstützung, fassen die Autoren ihre Ergebnisse zusammen, bräuchten aber auch an einigen Stellen pädagogische Einordnungshilfe, um beispielsweise die Betroffenen nicht zu bevormunden.

„Die Aussagen der Kinder in den Studien verdeutlichen, wie wenig Raum Alltagrassismus im Kontext Schule bekommt und wie sehr Kinder profitieren, wenn es zum Thema gemacht wird“, erläutert Studienleiterin Maya Götz. „Kinder mit und ohne Zuwanderungsgeschichte brauchen zumindest ein Grundwissen um das Thema Alltagsrassismus.“ (zab, pm)

Monitor-Studie: Rassismus – ein Alltagsphänomen, das auch die Schule betrifft! Andererseits: Bildung sensibilisiert

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