Studie: Gezielte Sprachförderung verbessert Mathe-Leistungen von Schülern – Überraschung: Von allen!

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HALLE. Nicht mehr Rechnen, sondern mehr Reden kann Schülerinnen und Schülern dabei helfen, ihre Mathekenntnisse zu verbessern. Gestalten Lehrkräfte den Unterricht so, dass mathematische Ideen häufiger diskutiert und begründet werden sollen, profitieren Schülerinnen und Schüler auf allen Leistungsniveaus davon, also auch die Leitungsstarken.

Sprachkompetenz ist der Schlüssel – auch im Fach Mathematik (Symbolfoto). Foto: Shutterstock

Das zeigt eine neue Studie mit knapp 600 Kindern und Jugendlichen, die von einem Team der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU), der Technischen Universität Dortmund und des Leibniz-Instituts für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN) durchgeführt wurde. Sie erschien im „Journal for Research in Mathematics Education“.

Ziel der neuen Studie war es zu untersuchen, ob sich durch eine gezielte Sprachförderung die mathematischen Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler verbessern lassen. „Aus früheren Studien wissen wir, dass es einen Zusammenhang zwischen der Sprachkompetenz der Kinder im Deutschen und ihrer Leistung im Mathematikunterricht gibt. Die Sprachkompetenz hatte dabei einen größeren Einfluss als etwa der sozioökonomische Status der Kinder“, sagt die Mathematikdidaktikerin Prof. Dr. Kirstin Erath von der MLU.

„Viele Schüler, die Probleme im Matheunterricht haben, sind im alltäglichen Sprachgebrauch sehr erfolgreich“

Die Forscherinnen unterscheiden dabei zwischen einer Alltags- und einer Bildungssprachkompetenz. „Viele Schülerinnen und Schüler, die Probleme im Matheunterricht haben, sind im alltäglichen Sprachgebrauch sehr erfolgreich. Im Bildungsbereich fehlen ihnen dann aber die passenden Kompetenzen, um beispielsweise zu mathematischen Erklärungen im Unterricht beizutragen“, sagt Erath weiter.

Im Rahmen der groß angelegten Studie mit 589 Schülerinnen und Schülern der Klassen 5 bis 7 untersuchten die Forscherinnen der MLU, der TU Dortmund und des IPN diesen Zusammenhang. Die Schülerinnen und Schüler wurden zufällig in drei Gruppen aufgeteilt: In einer Gruppe wurde mathematisches Verständnis gefördert, indem die Lernenden immer wieder zum Erklären und Begründen aufgefordert wurden. Eine zweite Gruppe erhielt zusätzlich so genannte lexikalische Lerngelegenheiten, zum Beispiel Informationen zu Satzbausteinen wie „der Teil vom Ganzen“. In einer dritten Kontrollgruppe wurde der Standardunterricht ohne zusätzliche Lernangebote durchgeführt. Vor und nach den Unterrichtseinheiten testeten die Forscherinnen die mathematischen Fähigkeiten der Kinder.

Das Ergebnis: Die Schülerinnen und Schüler profitierten von dem sprachbildenden Mathematikunterricht – ihre Leistungen verbesserten sich stärker als im Vergleich zu der Kontrollgruppe. „Wenn Schülerinnen und Schüler miteinander ins Gespräch gebracht werden, miteinander interagieren und über den Stoff diskutieren, dann passiert vertieftes Mathematiklernen. Die in der zweiten Gruppe angebotenen Satzbausteine können allerdings einige besser nutzen als andere“, fasst Erath zusammen.

„Wie es am besten gelingt, die Gespräche unter den Schülern anzuregen, hängt auch von den Klassen ab, es gibt keine Patentrezepte“

Aus Sicht der Projektpartnerin Prof. Dr. Susanne Prediger von der TU Dortmund ist das wichtigste Ergebnis, dass alle Schülerinnen und Schüler von den speziell entwickelten Lerneinheiten profitierten, also auch solche mit guten Leistungen: „Bisher wurde Sprachbildung meist für mehrsprachige Lernende und solche mit Leistungsproblemen als lernwirksam gezeigt. Es freut uns sehr, dass wir zeigen können, dass auch diejenigen, die die Förderung aufgrund ihrer bisherigen Leistungen eigentlich nicht brauchen, davon mathematisch profitieren. Das ist eine gute Nachricht im Hinblick auf Inklusion“, fasst Prediger zusammen. Die neue Studie solle dazu beitragen, möglichst für alle Schülerinnen und Schüler einen Zugang zu Mathematik zu ermöglichen und die Chancen auf eine wirkliche Teilhabe zu verbessern.

Mathematiklehrerinnen und -lehrer könnten ihren Klassen helfen, indem sie solche Lerngelegenheiten häufiger in den Unterricht integrieren und nicht nur die Lösungen abfragen. „Wie es am besten gelingt, die Gespräche unter den Schülerinnen und Schülern anzuregen, hängt auch von den Klassen ab, es gibt keine Patentrezepte“, sagt Erath. Die Erkenntnisse der Didaktikerinnen sollen auch in die Ausbildung angehender Mathematiklehrerinnen und -lehrer einfließen. Außerdem bietet das Team im Rahmen des Deutschen Zentrums für Lehrkräftebildung Mathematik am IPN auch Fortbildungen für Lehrerinnen und Lehrer an Schulen an.

Die Studie wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert. News4teachers

Prediger S., Erath K., Weinert H. & Quabeck K.. Only for Multilingual Students at Risk? Cluster-Randomized Trial on Language-Responsive Mathematics Instruction. Journal for Research in Mathematics Education (2022). doi: 10.5951/jresematheduc-2020-0193

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10 Kommentare
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Finagle
2 Monate zuvor

Überraschung? Verbalisierung von Konzepten, Gedanken und Handlungen hilft beim Lernen der kommunizierten Strukturen und Inhalten…Feynman lässt grüßen… aber nun durch eine Studie belegt.. ich sehe ein neues Fortbildungsangebot am Horizont…

Last edited 2 Monate zuvor by Finagle
Gelbe Tulpe
2 Monate zuvor

Den Sprachunterricht können auch die Mathematiklehrkräfte gut gebrauchen, denn deren Sprachfähigkeiten sind doch oft sehr beschränkt. Von den Mathelehrbüchern muss kann gar nicht erst reden.

Saskia
1 Monat zuvor
Antwortet  Gelbe Tulpe

Was sollen denn diese haltlosen Unterstellungen?!

Alx
2 Monate zuvor

Ist das nicht das, wofür Mathekonferenzen schon seit Ewigkeiten im Unterricht eingesetzt werden?
Wortspeicher, Fermiaufgaben usw…
Modellieren und Darstellen steht doch auch als Kompetenz in den Lehrplänen?

Riesenzwerg
2 Monate zuvor

Kleine Gruppen? Viel Zeit?

gehtsnoch
2 Monate zuvor

@Redaktion

Ministerin Feller hat gestern dann allen Eltern und Erziehungsberechtigten, sowie allen SuS geschrieben:
Corona- und Energiesparmaßnahmen an Schulen

n4t sollte da beim Passus:
„Gleichwohl muss auch in dieser Zeit die Funktionsfähigkeit der Schulen unter
Wahrung des Arbeits- und Gesundheitsschutzes der Schülerinnen und Schüler
sowie der Beschäftigten und …“

vielleicht einmal ein wenig genauer nachhaken. (Frei nach „die Geister die ich rief“)

https://www.schulministerium.nrw/system/files/media/document/file/brief-der-ministerin-an-die-eltern_erziehungsberechtigten-aller-sus-zu-corona-und-energiesparmassnahmen_29.9.2022.pdf Brief

gehtsnoch
2 Monate zuvor

Gibt es einen direkten Link zur Studie?

Carsten60
2 Monate zuvor
Antwortet  Redaktion

Da steht aber nur das Abstract, oder? Alle andere muss bezahlt werden. Wer macht da eigentlich die Geschäfte?

Georg
1 Monat zuvor
Antwortet  Carsten60

Die Verlage. Sogar das Korrekturlesen übernehmen Professoren.