Die KMK will das Fach Mathematik retten – mit Qualifizierung von Mathe-Lehrkräften. Nur: Davon gibt es viel zu wenige

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BERLIN. Die Kultusministerkonferenz will die Mathematik retten. Genauer: Sie hat auf ihrer jüngsten Sitzung einstimmig ein Zehnjahres-Programm zur Stärkung der mathematischen Bildung beschlossen. Damit reagiert sie jetzt auf ein Problem, das seit fast einem Vierteljahrhundert bekannt ist: Die Mathe-Leistungen deutscher Schülerinnen und Schüler sind im internationalen Maßstab kaum konkurrenzfähig. Dummerweise steckt Deutschland in einem Teufelskreis, aus dem sich mit einem Qualitätsprogramm allein nicht ausbrechen lässt: Das geringe Interesse der Schülerinnen und Schüler an Mathematik hat längst für einen gravierenden Nachwuchsmangel bei den Fachlehrern gesorgt.

Das Fach Mathematik soll spitze werden – schwierig, ohne genügend Mathe-Lehrkräfte. Foto: Shutterstock

Die Mathematik hat in Deutschland ein Problem: Ihr Image ist bei vielen Menschen schlecht. So schlecht, dass sie gar nicht merken, welche Probleme sie ohne Mathematik haben. „In Deutschland ist es cool, wenn man sagt, dass man Mathe in der Schule nicht konnte“, stellte Mathematik-Professor Christian Hesse von der Universität Stuttgart bereits vor vier Jahren fest. „Damit kann man punkten.“ Zukunftsforscher Prof. Gerd Gigerenzer vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung sprach seinerzeit sogar von einem „Volk von Zahlenblinden“.

Geändert hat sich daran offenbar wenig. Längst ist klar, dass das Problem bereits in den Grundschulen beginnt. Deutsche Grundschüler schneiden im internationalen Vergleich in Mathematik nur mittelmäßig ab. Das zeigen die Ergebnisse der alle vier Jahre durchgeführten Vergleichsstudie TIMSS („Trends in International Mathematics and Science Study“), deren jüngste Ausgabe vor genau einem Jahr vorgestellt wurde.

In Deutschland ist der Anteil der Kinder, die nur über „elementare mathematische Fähigkeiten“ verfügen, mit 25,4 Prozent relativ hoch

In Mathe erreichten die deutschen Schülerinnen und Schüler bei den Tests einen Punktwert von 521 und blieben dabei ungefähr auf dem bescheidenen Niveau der letzten Erhebung von 2015 (522 Punkte). Sie lagen damit zwar über dem internationalen Mittelwert (501 Punkte) aller 58 teilnehmenden Staaten und sechs Regionen – aber auch deutlich unter den Mittelwerten der teilnehmenden EU- und OECD-Staaten. Heißt: Im Industrieländer-Vergleich kann Deutschland kaum mithalten. Ein Kernproblem: In Deutschland ist der Anteil der Kinder, die gerade einmal über „elementare mathematische Fähigkeiten“ verfügen, mit 25,4 Prozent relativ hoch.

Und das Problem ist altbekannt. Als die erste PISA-Studie 2001 erschien, war ein Großteil der deutschen Öffentlichkeit noch davon überzeugt, dass die Bundesrepublik bei der Bildung Weltspitze sei – Deutschland, das Land der Dichter und Denker. Experten hatten damals schon so ihre Zweifel, denn dem PISA-Schock war nämlich der TIMSS-Schock vorausgegangen: Die erste repräsentative Vergleichsstudie in Mathematik und den Naturwissenschaften hatte bereits 1997 ergeben, dass die deutschen Schülerinnen und Schüler international allenfalls Mittelmaß sind.

Jetzt, nach fast einem Vierteljahrhundert, reagiert die KMK. Sie verabschiedete am Freitag einstimmig ein Zehnjahres-Programm mit dem gequält klingenden Titel „QuaMath – Unterrichts- und Fortbildungs-Qualität in Mathematik entwickeln“ zur Stärkung der mathematischen Bildung in Deutschland. Nach eigenem Bekunden reagieren die Kultusminister damit auf dem Befund, dass nur knapp die Hälfte aller Jugendlichen die mathematischen Kompetenzen erreicht, die in den KMK-Regelstandards festgelegt hat. Diese Erkenntnis entstammt Erhebungen des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) an der Berliner Humboldt-Universität – den sogenannten IQB-Bildungstrends.

„Um mathematische Kompetenzen zu stärken, ist die Qualitätssteigerung von Mathematikunterricht essentiell“

„Um Kinder und Jugendliche bestmöglich zu fördern und deren mathematische Kompetenzen zu stärken, ist die Qualitätssteigerung von Mathematikunterricht essentiell. Dies ist schon lange bekannt, doch bislang fehlten sowohl eine umfassende Unterstützung der Lehrkräfte als auch kohärente Qualitätsmerkmale für die Entwicklung von Matheunterricht“, so stellen die Kultusminister in ihrem Beschluss fest. Mit anderen Worten: So genau wusste niemand von den politischen Entscheidern, was guter Mathe-Unterricht eigentlich ist. Sie wollen nun „eine wegweisende Weiterentwicklung des Mathematikunterrichts“ fördern.

Das dafür vorgesehene „QuaMath-Programm“ werde vom Deutschen Zentrum für Lehrerbildung Mathematik (DZLM) am Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN) „forschungsbasiert“ entwickelt und gemeinsam mit den Ländern umgesetzt, so heißt es. „Vor allem mit Anregungen zur Unterrichtsentwicklung, fachdidaktisch fundierten Fortbildungsmaßnahmen und durch die Vernetzung aller Beteiligten soll das Programm mehr als 10.000 Schulen erreichen.“ Was ist mit den übrigen rund 20.000? Darüber erfährt man nichts.

Für das „QuaMath“-Programm erhält das DZLM ab 2023 eine Fördersumme in Höhe von 17,6 Millionen Euro für die ersten 5,5 Jahre. Die Länder investieren zudem jährlich weitere 5,5 Millionen Euro für Länderkoordination sowie Multiplikatorinnen und Multiplikatoren.

Prof. Jürg Kramer, Abteilungsdirektor am IPN und ehemaliger Leiter des DZLM, sieht darin einen „bildungspolitischen Meilenstein“, wie es in der Pressemitteilung heißt. Er wird so zitiert: „Die Herausforderungen im Mathematikunterricht wurden identifiziert und auch wissenschaftlich nachgewiesen. Die Bündelung vorhandener Ressourcen mit erheblichen zusätzlichen Mitteln durch die Kultusministerkonferenz zeigt, dass sie die Probleme aktiv angeht. In enger Kooperation der Mathematik-Verantwortlichen der Länder mit der Fortbildungsforschung und -praxis konnte das Programm nun über Ländergrenzen hinweg etabliert werden. Denn nur in Zusammenarbeit kann erkannt werden, was wirklich gebraucht wird.“ Die KMK geht die Probleme aktiv an? Nach 25 Jahren? Naja.

In fünf Prinzipien fasst Prof. Susanne Prediger, Leiterin des DZLM-Netzwerks, die wichtigsten Qualitätsmerkmale zusammen. Deren Wirksamkeit seien erforscht worden, sie entsprächen der Praxis guten Mathematikunterrichts und dienten deshalb als Grundlage für die Programm-Entwicklung:

„Mathematische Kompetenzen entwickeln sich …

  1. … durch aktives und tiefgehendes Denken, nicht durch Oberflächenlernen (Kognitive Aktivierung),
  2. .., indem inhaltliches Verständnis aufgebaut wird, nicht nur durch Aneignung unverstandener Rezepte (Verstehensorientierung),
  3. .., wenn mathematische Inhalte, Prozesse und Ideen immer wiederkehren und systematisch verknüpft werden (Durchgängigkeit),
  4. .., wenn die Lernenden ausgehend von ihren individuellen Lernständen fokussiert gefördert werden (Lernendenorientierung & Adaptivität) und
  5. .., wenn sich Verständnis in gemeinsamen Gesprächen mit Lehrkräften und Lernenden entwickeln kann (Kommunikationsförderung).“

Wie soll das im Unterricht ankommen? „Um Lehrkräfte beim Entwickeln von Unterrichtsqualität zu unterstützen, werden typische Entwicklungsverläufe sowie ihre Hürden untersucht und die Fortbildungs- und Unterstützungsangebote gezielt darauf angepasst. Die gewonnenen Erkenntnisse werden ebenfalls in die Qualifizierung der Multiplikatorinnen und Multiplikatoren, die die Schulnetzwerke in der Unterrichtsentwicklung begleiten, integriert“, so heißt es.

Aus desinteressierten Mathe-Schülerinnen und -Schülern werden kaum gute Mathe-Lehrkräfte

Dummerweise gibt es eine grundlegende Schwierigkeit, die sich durch Fortbildungen nicht lösen lässt: Es fehlen Tausende von Mathematik-Lehrern in Deutschland – und der Mangel wird sich in absehbarer Zeit noch verschärfen. Insbesondere mit mehr Werbung unter Abiturientinnen und Abiturienten will die KMK dem abhelfen, wie sie ebenfalls auf ihrer jüngsten Sitzung beschloss, wie News4teachers berichtete.

Womit wir wieder am Anfang dieser Geschichte wären: Mathematik hat in Deutschland ein Image-Problem… und aus zu vielen desinteressierten Mathe-Schülerinnen und -Schülern werden kaum gute Mathe-Lehrkräfte in ausreichender Zahl. News4teachers

Debatte nach umstrittenen Abi-Prüfungen: Beginnen die Probleme beim „Hass-Fach“ Mathematik schon in der Grundschule?

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91 Kommentare
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Dil Uhlenspiegel
7 Monate zuvor

Aus Erfahrung besonders wichtig wären:
– exponentielle Funktionen
– Prolzentzahlen
– x ungleich u
– Rechnen im Zahlenraum über 4 Jahren

Trulla
7 Monate zuvor

Tjoa. Dann bitte Mal darüber nachdenken:
1. Erst Mal beim Mathestudium anfangen und dieses reformieren. Im Vergleich zum Arbeitsaufwand und den zu verkraftenden Misserfolgserlebnissen waren das andere U-Fach und Päda ein Kindergeburtstag. Das ging nicht mir so, sondern durchweg ALLEN – und wird auch von vielen Fach-KuK bestätigt. Momentan kenne ich zwei Personen, die LA Mathe SII (beide ABI mit LK Mathe) studieren und auch kurz davor sind, es zu schmeißen.
2. Die unterrichtliche Situation ist oft zum verzweifeln. Eigene Erfahrungen aus SI / S II zeigen ganz deutlich, dass es eben schon in der Primarstufe anfängt, schief zu gehen. Und dann unterrichtet man in der Sekundarstufe“kompetenzorientiert“. Die Idee ist ja gut, in Mathe bedeutet das, dass die SuS oft schon den Aufgabentext nicht verstehen (offensichtlich läuft beim Leseverstehen auch etwas falsch), dann fehlen elementare Rechentechniken und die Fähigkeit, ein Ergebnis zu reflektieren und/ interpretieren. Das ist insbesondere beim Gebrauch des TR (der oft ein großes Problem ist, weil auch das geübt werden muss, jeder TR ist anders, auch dazu braucht man elementare Fähigkeiten, z.B. Punkt- vor Strichrechnung). So ist dieses Hilfsmittel oft kein Hilfs-, sondern „Verständigungsverhinderungsmittel“. Der Berg wird immer höher und irgendwann geht nix mehr.
Und letztlich gilt es ja als „gesellschaftlich akzeptiert“, teilweise geradezu als „schick“ Mathe nicht zu können.
3. Und wer das alles auf sich nehmen möchte – und es dann auch noch erfolgreich durchzieht, erlebt, wie das Land mit den ach so gesuchten LuL für diese Mängelfächer umgeht.
Noch Fragen?
Da wird man dich besser KM – wie war das da noch Mal mit der Ausbildung?

Pit2020
7 Monate zuvor
Antwortet  Trulla

@Trulla

„Da wird man doch besser KM – wie war das da noch Mal mit der Ausbildung?“
Ausbildung … einerseits hinderlich, andererseits egal.
Fazit: Kann man machen, wenn sonst nichts drückt. 😉

Carsten60
7 Monate zuvor
Antwortet  Trulla

Zu 1: Vermutlich kennt jede(r) ein paar Personen, auf die dieses oder jenes zutrifft. Was soll das hier besagen? Es fehlen ja vor allem Mathelehrer in den Sek-I-Schulen, da wird besonders viel fachfremd unterrichtet (auch in Gemeinschaftsschulen usw). Meinen Sie, das Mathestudium sei auch an der PH bzw. den entsprechenden Uni-Fakultäten fürs nicht-gymnasiale Lehramt zu schwierig? Wenn nein, warum wird das nicht wahrgenommen?
Zu 2: Das könnte eine Folge der großen Reformen des Matheunterrichts in der Grundschule sein. Das haben uns Didaktiker und Bildungswissenschaftler eingebrockt. Aber wer von den Lehrern und Schulleitern hat denn widersprochen?
Zu 3: Deutschland ist halt mathematikfeindlich. Selbst hochrangige Politiker können keine Prozentrechnung und werden dafür von den Journalisten nie kritisiert, denn diese Journalisten können es oft auch nicht. Es wird zu viel damit kokettiert, dass man in Mathe auch eine 5 hatte und dass man dennoch was geworden ist. Das ist offenbar nicht rauszukriegen, trotz allem Schönreden durch die KMK und die anderen Autoritäten.

Derdiedas
7 Monate zuvor
Antwortet  Carsten60

Zu 1: ja definitiv. Selbst für die Primarstufe werden fundamentale Ideen der Mathematik theoretisch gelehrt. Ich war erschrocken als eine Bekannte mir ihre Aufgaben zeigte und ich mich fragte, was das denn bitte noch mit Mathematik der Primarstufe zu tun hätte.

Ich habe selbst Mathematik auf Lehramt studiert und der Tenor ist einhellig. Es ist viel zu anspruchsvoll, für das was man später braucht. Warum nicht Primarstufe oder Sek 1? Nun, weil
1. es zum einen immer noch anspruchsvoll ist
2. gleichzeitig die Bezahlung schlechter ist
3.man mit der Altersgruppe auch wirklich arbeiten möchte
4. Auf ein anderes Fach zur Not wechseln kann
5. Es mit Informatik, BWL, Ingenieursstudiengänge genügend Alternativen gibt um an Mathe nicht zu scheitern

Georg
7 Monate zuvor
Antwortet  Derdiedas

Zumindest bei Informatikern und den Ingenieuren ist das Mathematikstudium deutlich anspruchsvoller als bei Primarstufe.

Derdiedas
7 Monate zuvor
Antwortet  Georg

Jedoch einfacher als ein Mathestudium. Wer ein Mathestudium beginnt, wird einen gewissen Anspruch an sich selbst haben. Dann ist der Wechsel zum Informatikstudium naheliegender als ein Wechsel zur Primarstufe. Zumindest für die Mehrheit. Daran scheitern dann sicherlich deutlich weniger, da die Abbrecher eines Mathestudiums sicherlich nicht auf den Kopf gefallen sind und generell fit in Mathe.

Georg
7 Monate zuvor
Antwortet  Georg

Zu meiner Studienzeit vor der Umstellung auf Bachelor/Master mussten die Physiker, Informatiker und Lehrämter Sek II die gleichen Anfängervorlesungen hören wie die Diplommathematiker. Ansonsten gebe ich Ihnen aber recht.

Carsten60
7 Monate zuvor
Antwortet  Derdiedas

Zu 1: Im Studium wird nie nur das gelehrt, was die SuS am Ende können sollen. Die Behauptung „viel zu anspruchsvoll“ müsste mit mehr Fakten hinterlegt werden, es genügt nicht zu sagen, man kennt da einen, der das sagt. Immerhin haben auch Primarstufenlehrer ein Abitur und sollten das können, was dafür in den Bildungszielen steht, zumindest in ihren angestrebten Schulfächern. Eigentlich müssten die Modulhandbücher darüber Auskunft geben, aber die sind so seltsam formuliert, dass man nicht durchblicken kann. Mir scheint aber, dass das Studium der Physik härter ist und mehr verlangt — auch im Lehramt.

Derdiedas
7 Monate zuvor
Antwortet  Carsten60

Wieso sollte ich das belegen müssen. Schauen sie doch in ein Skript oder Modulhandbuch. Die sind nicht so unverständlich, wie sie behaupten. Zur Not kann man auch in Skripte schauen. Findet man auch im Internet.

Ein Primarstufenlehrer braucht sicherlich nicht die Fähigkeit Grundlagenbeweise der Mathematik durchführen zu können. Das ist so weit weg vom Berufsalltag. Als Sek 2 Lehrer ist das noch etwas anderes. Jedoch zeigen auch da, dass die Abbruchquoten einfach zu hoch sind. An meiner damaligen Uni lag die Quote bei 75 %. Im übrigen weil damals die Mehrheit in den Klausuren durchgefallen ist und exmatrikuliert wurde. Also kein Abgang auf Freiwilligkeit. Das schien auch gewünscht zu sein. Die Bestehensquote lag bei rund 50 % bei Klausuren. Mehr oder weniger sollte es scheinbar nicht sein.

Die Aussage zur Physik kann ich so nicht bestätigen. Die Kommilitonen mit Physik waren allesamt damals der Meinung, dass Mathe weitaus anspruchsvoller ist. Das mag sicherlich ihr persönliches empfinden sein. Grundlegend stellt sich dann die Frage, was ein Physikstudium anspruchsvoll macht. Das wäre dann auch wieder die Mathematik.

Carsten60
7 Monate zuvor
Antwortet  Carsten60

„Modulhandbücher“
Diese sind meist so allgemein formuliert und verklausuliert, dass man die eigentlichen Anforderungen bestenfalls raten kann. Schauen Sie das an für die FU Berlin:
https://www.fu-berlin.de/service/zuvdocs/amtsblatt/2017/ab202017.pdf
Da gibt’s am Studienanfang das „math. Professionswissen“ als Modul, aber die aufgeführten Inhalte gehen kaum über die an allgemeinbildenden Schulen hinaus. Es ist nicht zu erkennen, warum gute Abiturienten diesen Teil nicht sogar ohne Studium bestehen sollten.
Im Physikstudium sind die Hürden die zeitaufwendigen physikalischen Praktika sowie die „Theoretische Physik“. Die letztere ist anerkannt schwierig, auch für Mathematikstudenten.

Trulla
7 Monate zuvor
Antwortet  Carsten60

Widersprochen haben viele. Aber es ist wie jetzt: Es hat keinen gejuckt.

Carabas
7 Monate zuvor
Antwortet  Trulla

Volle Zustimmung. An vielen Punkten meines Studiums fragte ich mich: Wann kommt das denn jemals im Matheunterricht vor. Dafür sind zahlreiche Themenbereiche wie Trigonemetrie, Brüche etc. nicht behandelt worden. Weder facchlich noch die passende Didaktik dazu.

Marhat
7 Monate zuvor

Wer soll (kann) das, wann, womit tun?

Georg
7 Monate zuvor

Bei der ersten Pisa-Studie wurden Dinge gefragt, die im deutschen Unterricht so nicht abgefragt wurden.

Um die mathematische Kompetenz zu stärken, muss man das Niveau (qualitativ, quantitativ, Abstraktionsniveau) in allen Schulformen so angeben, dass die Schüler damit optimal ausgelastet sind. Das geht zwangsläufig einher mit einer Reduzierung der Gymnasialquote.

dickebank
7 Monate zuvor

Das Problem beginnt mit der Vorstellung, dass Rechnen Mathematik ist.

Rabe aus NRW
7 Monate zuvor

Jede politische Aussage, die Lehrer ‚qualifizieren‘ will, ist populistisch und beleidigt unsere Arbeit und (schon vorhandene) Kompetenz!

Dil Uhlenspiegel
7 Monate zuvor
Antwortet  Rabe aus NRW

Bei den Qualifizierungen, die ich die letzten 10 Jahr erlebte, hätte ich gerne die Dozenten qualifiziert hinsichtlich Realität und Nachhaltigkeit ihrer Kuransätze. Aber sie sind ja alle schon lange wieder weitergezogen mit ihrem Karren in andere Themen und ferne Gebiete – heute hier, morgen dort, bin kaum da, muss ich fortbilden, hat sich niemand deswegen beklagt. Hab es selbst so gestellt, nie den Outcome gezählt, nie nach gestern und morgen gefragt. Ablassbriefe irgendwer?

Carsten60
7 Monate zuvor

„Damit reagiert sie [die KMK] jetzt auf ein Problem, das seit fast einem Vierteljahrhundert bekannt ist.“
Besser kann man das Wesen unserer lieben KMK kaum beschreiben.

Alla
7 Monate zuvor

Ein großes Problem in der GS ist, dass immer mehr Kinder in die Schule kommen, bei denen ein Zahlen-, Mengenverständnis kaum noch vorhanden ist.
Würfelspiele: Fehlanzeige! Geschweige denn mit 2 Würfeln.
Umgang mit Geld ( einkaufen)? Noch nie gehört!
Man tritt auf der Stelle, denn “ Keiner darf zurückbleiben“!

Förderunterricht fällt wegen des Lehrermangels aus, Forderunterricht erst recht!
Bei Textaufgaben scheitert es oft schon an der Lese- und Sprachkompetenz.
Alle Energie fließt in die „schwachen SuS“, um gute MathematikerInnen zu fördern fehlt die Zeit! Es sei denn, ein Kind ist interessiert und ehrgeizig genug, sich ohne Hilfe an herausfordernde Aufgaben zu wagen, aber da fehlt es meist an der Anstrengungsbereitschaft, wenn es nicht sofort klappt!

Das selbständige Üben alleine zu Hause – genannt Hausaufgaben – fällt auch immer mehr flach, wenn an der OGS eine Aushilfskraft 30 Kinder bei den Hausaufgaben beaufsichtigt! Nach 1 Stunde ist die Zeit vorbei, da schreibe ich als Kind lieber vom Mitschüler ab als selbst zu denken!

Weder Eltern noch Kinder haben dann am Abend noch Lust auf den Hausaufgabenstress!
So fallen Rechenfertigkeiten, die Kenntnis der Einmaleins-Reihen halt unter den Tisch!
Um die fehlende Übung auszugleichen bräuchten wir doppelt so viele Mathestunden, aber das gilt auch für Deutsch und Sachunterricht, denn auch dort sind die Voraussetzungen denkbar gering!

Liebe „Dickebank“, klar ist Rechnen keine Mathematik, aber ohne Rechnen wird es auch mit der Mathematik nichts! Wie soll ein Kind Bruchrechnung schaffen, wenn es die Einmaleins-Reihen nicht kann! Da ist der Frust schon vorprogrammiert!

Aber natürlich gehen alle erst einmal aufs Gymnasium, wo sie dann wieder merken, dass sie Mathe nicht können! Und den Betrieb weiter aufhalten.

Georg
7 Monate zuvor
Antwortet  Alla

Bruchrechnen ist auch keine Mathematik…
Kurvendiskussion im Übrigen auch nicht.

Mathematik fängt da an, wo Rechnen aufhört. Logik, Strukturen und Beweise zum Beispiel sind Elemente echter Mathematik. Das alles wurde aus den schulischen Lehrplänen aber weitgehend entfernt.

Schattenläufer
7 Monate zuvor

Lehrer qualifizieren? Ja! Aber bitte nicht in Mathe sondern in Pädagogik.

Das Problem liegt schon darin, dass im Mathe – Lehramtsstudium Inhalt vermittelt werden, die weit über das später an den Schulen erforderliche Niveau hinaus gehen.

Sorry, Wissen ist schon wichtig. Lehramtsstudenten wollen aber später an Schulen Unterrichten. Selbst am Gymnasium geht das nicht nicht über Kurvendiskussionen und etwas Differential- und Integralrechnung hinaus.
An der Uni wird aber auch im Lehramt Mathe vermittelt, als würden die späteren Mathelehrer zukünftig als theoretische Physiker am CRN eingesetzt.
Viele springen da ab. Der Teil der sich durchbeißt vermittelt später oft Mathe genau so als wäre er am CERN.
Herleitungen und theoretische Betrachtungen.
Was fehl ist ein Gefühl dafür welche Zusammenhänge dahinter stecken, wie weit unten man mit der Erklärung der Sachverhalte anfangen muss und wie langsam oder schnell das Erklär-Tempo sein muss.

Vor allem fehlt bei vielen Mathe-Inhalten an Schulen aber die Verknüpfung zur Lebenswelt der Schüler! Wann und zu was braucht man das, was man da gerade lernt?

Bei meinem Sohn kann ich am Gymnasium beobachten, dass der Matheunterricht aus sehr langen Herleitungen mit vielen seltsamen Zeichen besteht.
Beispiele sind eher selten. Praxisanwendungen kommen fast gar nicht vor.
Wer kann es SuS verdenken, wenn das die Begeisterung für Mathe nicht hebt?

Bei uns an der Berufsschule haben alle Matheinhalte einen Bezug zur beruflichen Wirklichkeit.
Wir sehen immer wieder SuS die Pythagoras auswendig herunter beten können. An sauber eingezeichneten und beschrifteten Dreiecken. An einem Bauteil selbständig ein rechtwinkliges Dreieck zu finden und daran fehlende Koordinaten mit Hilfe des Pythagoras zu bestimmen ist dagegen völliges Neuland.

Pythagoras ohne Anwendung ist so sinnvoll wie den Bello-Gallico auswendig lernen, wenn man kein Latein kann. Da liegt das Problem.

Derdiedas
7 Monate zuvor
Antwortet  Schattenläufer

Würde ich komplett widersprechen. Habe selbst am Gymnasium gearbeitet und Mathe auf Lehramt studiert und arbeite aktuell am Berufskolleg. Die Ausbildung ist fachlich und fachdidaktisch 1A.

Am Gymnasium wird Mathematik extrem verschleiert, gerade durch Anwendungsaufgaben und fehlender Herleitungen. Ihr Sohn scheint da wohl auf einen Kollegen zu treffen, der seinen Lehrplan nicht erfüllt (ohne Wertung!). Niemand lernt dort wirklich Probleme herzuleiten. Denn Beweisführungen werden am Gymnasium nicht unterrichtet bzw. nur sehr oberflächlich.

An der Berufsschule ist das Mathematikniveau deutlich geringer als am Gymnasium. Das ist Fakt und mag nur in bestimmten sehr mathematischen Ausbildungen zu Ausnahmen führen. Natürlich lassen sich berufsbedingt Praxisbeispiele besser einbauen. Das liegt daran, dass die Schüler auch nur das lernen, was sie im Beruf benötigen. Am Gymnasium vermittelt man jedoch Allgemeinwissen. Das ist dann eben ein großes Problem.

Küstenfuchs
7 Monate zuvor
Antwortet  Schattenläufer

Ein netter Beitrag, Schattenläufer, der aber bestenfalls anekdotische Relevanz hat.

Dirk Meier
7 Monate zuvor

Die KMK erkennt also, dass es viel zu wenige Mathematiklehrkräfte gibt (genauso wie in Physik, Chemie, Informatik und Technik) und meint, dass man dieses Problem mit einen Bürokratiebeschäftigungsprogramm lösen kann, welches ein Drittel aller Schulen irgendwie erreichen soll.

Mein Problem als SEK II Mathelehrer ist keineswegs ein Mangel an Fortbildungen. Die Schüler kommen in Klasse 11 an unsere Schule und haben teilweise noch nie lineare und geschweige denn quadratische Funktionen gesehen. Die binomischen Formel können die wenigsten. An Termumformungen scheitern nahezu alle Schüler. Kopfrechnen ist ein völliges Drama, selbst für 7-11 wird der Taschenrechner bemüht. Ich habe dann den Job, diese Schüler zum Abitur zu führen, was trotz CAS-Technologie ein Himmelfahrtskommando ist.

Meine Forderungen sind: Klare Qualitätsstandards in der SEK I. Den Abschluss erhält nur noch, wer in zentralen Prüfungen sein Wissen nachweist. Mehr Unterrichtsstunden: An unserer Schule gibt es weder eine Mathe AG für Interessierte noch Förderangebote für Schüler mit Defiziten. Höhere Löhne für Lehrkräfte mit Mangelfächern, damit mehr geeignetes Personal diesen Karriereweg beschreitet. Solange der Sportlehrer genauso viel verdient ändert sich an den Problemen im Bildungssystem nichts.

GriasDi
7 Monate zuvor
Antwortet  Dirk Meier

Da helfen nur mehr Mathestunden pro Woche. 3 sind in Klasse 8 und 10 einfach zu wenig. Gerade mal eine mehr als in den Nebenfächern.

Carsten60
7 Monate zuvor
Antwortet  Dirk Meier

Das Verrückte ist ja, dass es KMK-Standards für den MSA gibt und ebenso Beschreibungen dessen, was darüber hinaus für den Übergang in die Sek II erwartet wird. Aber das steht nur auf dem Papier. Die KMK-Standards werden nicht einmal konsequent eingefordert, abgesehen davon, dass man sie auch als solche kritisieren kann. Die lieben SuS verlassen sich darauf, dass sie irgendwie durchrutschen werden, zumal die Oberstufen der Gesamtschulen/Stadtteilschulen etc. ja immer eine gewisse Mindestzahl von Schülern aufweisen müssen. Da will keine Schule ihre Oberstufe gefährden.

OhneWorte
7 Monate zuvor

Wieso wird Mathe denn dann überall fachfremd unterrichtet? Gerade dieses Fach sollte meiner Meinung nach nur von Leuten unterrichtet werden, die das auch studiert haben. Aber ist ja nur meine Meinung. Die da oben wissen ja eh alles besser.

Lakon
6 Monate zuvor
Antwortet  OhneWorte

Wo wird denn Mathe fachfremd unterrichtet?

Rike
7 Monate zuvor

Euren Kommentaren kann ich aus eigener Erfahrung nur zustimmen. Hätte selbst viele Beispiele parat. Aber, was dem Ganzen die Krone aufsetzt: “Qualifizierung von Mathelehrkräften”! Als ob wir zu blöd wären, unseren Beruf richtig auszuüben! Reden wir doch mal über die Umstände, unter denen wir das tun! Macht doch mal die Klassen kleiner – besonders an der Grundschule, und sorgt mal für richtige Förderung derer, die es brauchen.
Ich bin in SekI / SEK II an Gymnasium und Gesamtschule und sehe überall die gleichen Defizite, mit denen die SuS zu uns kommen. Und Null Anstrengungsbereitschaft. Einige KuK scheinen frustriert/ resigniert aufgegeben zu haben. O- Ton erspare ich euch hier.
Und offizielle Weiterbildungsveranstaltungen sind hier ( in Bbg) der letzte Schrott. Ist mir die Zeit zu schade. Habe ich mir selber bessere Veranstaltungen digital besorgt: Schweiz, Niederlande usw.
Ich will nicht zynisch werden, wiederhole mich auch sicher, da hier schon an anderer Stelle gepostet: ein Teil des Problems der Nichtakzeptanz und des Unverständnis über den Charakter der Pandemie in der Bevölkerung liegt auch darin begründet, dass viele nicht wenigstens die mathematischen Ansätze des exponentiellen Wachstums und der einzelnen Modellierungen verstehen. Und Wissenschaftlern nicht geglaubt wird, einfach, weil sie es besser WISSEN!
Frustriert mich.

Laromir
7 Monate zuvor

Das mit Mathe zieht sich dann auch in andere NAWI-Fächer. Dann wird der Taschenrechner gezückt, weil man z.B
drei Zahlen nicht schriftlich addieren kann. Da kommen dann bei Versuchen Zahlen und Diagramme heraus, die logisch keinen Sinn machen und es fällt keinem in der Gruppe auf. Ach ja und das Hoch auf die Digitalisierung! Schön, wenn HA-Ergebnisse einfach per copy paste die Runde machen. Und am Ende traurige Blicke, wenn es in der Arbeit nicht läuft, wo man ja alles so schön auswendig gelernt hat. Leider ohne Verständnis der Zusammenhänge wofür man eben auch Zeit braucht, die man bei überquellenden Lehrplänen nicht hat.

Carsten60
7 Monate zuvor

Nur Ihr letzter Satz „Aber natürlich gehen alle erst einmal aufs Gymnasium …“ ist politisch gewollt, alles andere sind meist Kollateralschäden einer gewissen (freizeitorientierten) gesellschaftlichen Entwicklung. Aber dieser Etikettenschwindel (alle sollen ein Abitur haben, was sie wirklich können ist Nebensache), den verdanken wir unseren rot-rot-grünen Bildungspolitikern. Das fing schon mit der Gründung der ersten Gesamtschulen an (war damals eigentlich okay bis auf die Illusionen, die damit verbreitet wurden) und wird jetzt auf die Spitze getrieben und widerlegt sich so selbst. Beispiel Berlin: Große politische Sprüche, aber der vorletzte Platz (vor Bremen) bei praktisch allen Tests.

Carsten60
7 Monate zuvor
Antwortet  Carsten60

Das bezog sich auf Alla 14:35.

Werner
7 Monate zuvor
Antwortet  Carsten60

Genau Carsten. Schafft endlich die Gymnasien ab, dann funktionieren auch die Gesamtschulen. So und nicht anders kommen wir aus der Misere wieder raus.

Georg
7 Monate zuvor
Antwortet  Werner

Nein. Macht die Gymnasien wieder zu den Akademikerschmieden, Abituranteil maximal 30% reicht locker. Das dann aber auf einem Niveau, das tatsächlich nur die besten 30% des Jahrgangs überhaupt schaffen kann. Im Vergleich zu heute dürfte das Lehrplanniveau von um die Wiedervereinigung herum reichen. Dann gibt es genug lernwillige, aber eher praxisorientierte Schüler für die anderen Schulformen.

rechtschreiben
7 Monate zuvor
Antwortet  Georg

Ja, das wäre gut. Dann könnten die Kinder endlich auch wieder schreiben ..und sind nicht 3 Stunden beleidigt weil ‚ler‘ entweder zu ‚lehr‘ oder ‚leer‘ korrigiert wird .. von uns Eltern! nicht vom Lehrer .. zum Weinen.
.. war doch früher auch so? Und ging doch auch gut?

SoIsses
7 Monate zuvor
Antwortet  Werner

Abschaffung der Gymnasien ist lange überfällig. Zusammen lernen bis zur 10, das beste Viertel macht dann Abitur.

Carsten60
7 Monate zuvor
Antwortet  SoIsses

„das beste Viertel“
Das ist blasse Theorie vom Stammtisch. Es gibt jetzt schon einen regelrechten „run“ in die Oberstufe. Der Bericht der Köller-Kommission in Berlin sagt, dass an Gymnasien über 90 % in die Oberstufe übergehen und an den Nicht-Gymnasien (ISS) über 40 %, an denen mit eigener Oberstufe sogar 53 %. Im Mittel wären das 65 — 70 %. Das ist POLITISCH GEWOLLT von rot-rot-grün. Nicht alle machen dann Abitur, es gibt auch die Fachhochschulreife dazwischen.

Carsten60
7 Monate zuvor
Antwortet  SoIsses

@ Soisses: Von allen Bundesländern ist das gesamtschulfreudige Bremen am nächsten dran an Ihrem Vorschlag. Man hat eine Gymnasialquote von nur 20-25 %, ansonsten nur Gesamtschulen. Und bekanntlich liegt Bremen bei allen Vergleichstests immer ganz hinten, Bayern und Sachsen dagegen vorne. Die Theorie, die Sie da zu unterstellen scheinen, müsste erstmal empirisch gesichert werden. Woher wissen Sie, was nach Abschaffung de Gymnasien geschehen wird?

SoIsses
7 Monate zuvor
Antwortet  SoIsses

Carsten sucht sich eben die Beispiele, die für den Studienrat passen. Wieso schaut er nicht international in die Länder, in denen es funktioniert? Dort gibt es keine Gymnasien und dort wird zusammen gelernt. Finnland macht es vor. Kostet aber eben Geld. Ist eine andere Art zu lernen. Da ist man nicht mehr der Allwissende der vorne steht.
Und alle die hier maulen, dass die Kids sich nicht mehr anstrengen wollen und sich nicht konzentrieren können: vielleicht liegt das daran, dass wir im Jahr 2021 immer noch unterrichten wie vor 50 Jahren. Die Welt ändert sich, nur das deutsche Schulsystem ist stehengeblieben im letzten Jahrtausend. Da helfen auch keine Fortbildungen und neuen pädagogischen Konzepte mehr. Wir fahren den Laden an die Wand und alle meckern, dass die Kids nicht mitfahren wollen. Die haben längst verstanden, dass das meiste, was sie lernen sollen, nichts mehr mit ihrer Zukunft zu tun haben wird.
Das wird uns sowas von um die Ohren fliegen und ich freu mich drauf, denn vielleicht wird’s danach dann besser.

Carsten60
7 Monate zuvor
Antwortet  SoIsses

Sie beschreiben die Illusion derer, die meinen: Wenn Deutschland erstmal das Gymnasium abschafft, dann wird alles so wie in Finnland. Das wird eine herbe Enttäuschung werden !!
Nebenbei: Unter allen PISA-Teilnehmern war letztens die Differenz zwischen den Lesekompetenzen der Jungs und der Mädchen in Finnland am größten, und zwar zugunsten der Mädchen.

SoIsses
7 Monate zuvor
Antwortet  SoIsses

Und allwissend ist er auch. Eine herbe Enttäuschung sind die Gymnasiallehrer, die krampfhaft an ihrer heiligen Kuh festhalten und damit das ganze Schulsystem an die Wand fahren. Sehr bitter.

Lakon
6 Monate zuvor
Antwortet  SoIsses

In Finnland suchen sich die Universitäten die Studenten aus, die sie haben wollen.

dickebank
7 Monate zuvor

@Alla – Bruchrechnung, genauso wie Prozentrechnen sind ganz schwierige Kapitel in der SekI.
Wie sollen Jugendliche, denen jegliches Mengenverständnis abgeht, Bruchteile erfassen?

Und in Bezug auf das „Von-Hundert-Rechnen“ möchte ich nur auf einen Großteil der Erwachsenen verweisen, die nicht zwischen Prozentangaben und Prozentpunkten unterscheiden können. Die Senkung der Mehrwertsteuer um 3 Prozentpunkte sei dabei nur beispielhaft erwähnt. (Eine Senkung um 3% ist de facto etwas komplett anderes.)

Auch immer schön, wenn Erwachsene mit Hilfe ihres Taschenrechners den Netto-Preis bei vorgegebenem Mehrwertsteuersatz und für private Verbraucher ausgewiesenem (Brutto-)Preis ermitteln wollen.

Gümnasiallehrer a.D.
7 Monate zuvor
Antwortet  dickebank

Mich beschleicht einfach der Gedanke, dass nicht mehr genug geübt wird. Und auch auswendig lernen wird kaum noch gemacht. Ich musste Beispielsweise noch alle nat. Zahlen bis 30 auswendif quadrieren können. Der Sinn hat sich erst später erschlossen. Heutzutage scheinen alle auf der Sinnsuche zu sein, da wo kein Sinn erkannt wird, dass wird auch nicht gemacht. Aner wie einen Sinn in etwas erkennen, was womöglich anstrengend ist?

GriasDi
7 Monate zuvor

Gibt es eigentlich eine Analyse, wie viel Mathematikunterricht in den verschiedenen Ländern erteilt wird? Ich kann mir nicht vorstellen, dass es ein Land gibt, in demzum Beispiel in Jahrgangsstufe 8 und 10 nur jeweils 3 Wochenstunden Mathematik unterrichtet werden. Vielleicht sollte man da mal anfangen.
Vielleicht sollte man auch mal die Reformen der letzten Jahre hinterfragen – vielleicht führen die ja zu den schlechten Ergebnissen.
Vor einigen Jahren wurde den Mathematik-LehrerInnen am Gymnasium noch weltspitze bescheinigt.
Quelle:
https://www.spiegel.de/lebenundlernen/schule/paedagogen-pisa-wehe-wenn-der-mathelehrer-rechnen-muss-a-689146.html

Georg
7 Monate zuvor
Antwortet  GriasDi

Die Lehrer an sich dürften noch immer sehr gut sein, vorausgesetzt die fachliche Ausbildung der Junglehrer ist nicht zu viel schlechter als die der mittlerweile pensionierten Altlehrer. Das alles gilt aber für alle Lehrer aller Fächer und aller Schulformen.

Bjoern
7 Monate zuvor
Antwortet  GriasDi

Hab gerade mal eine Stichprobe gemacht:
Bei uns sind es 180 Minuten pro Woche in den genannten Klassen, wenn der Unterricht regulär stattfindet. Dazu noch Zeit, das Wissen in entsprechenden Stunden zu vertiefen (spezielle Stunden wegen Ganztagsschule).

Mathe macht glücklich.
7 Monate zuvor

Es wird sich nichts wesentliches ändern solange sich an den Lerninhalten nichts ändert.
Dazu kann ich nur empfehlen:
Hans Werner Heymann – Allgemeinbildung und Mathematik

Pälzer
6 Monate zuvor

Heymann plädierte damals für eine äußere Trennung in Mathematik ab Klasse 7, im „einfachen“ Niveau sollte nur Alltagsrechnen und Stochastik gemacht werden.

Martina J.
7 Monate zuvor

Wie immer: viel Geschwafel, das nichts ändern wird.
Von Lernziele festlegen und reden und diskutieren ändert sich gar nichts.
Die Probleme in Mathe liegen auch daran, das viele Mathelehrer von den Schülern viel zu weit entfernt sind, mit den guten Unterricht machen und die schwachen bleiben dabei auf der Strecke.
Und die sind das Problem. Es gibt im normalen Unterricht so gut wie keine Mögichkeit und keine Zeit, sich um sie zu kümmern.
Und die Mathebücher sind so grottenschlecht. Es steht eigentlich alles drin aber kein Schüler liest sie weil die meisten nur Bahnhof verstehen. Und es gibt nur noch zwei Verlage die sowieso immer das gleiche machen und nichts ändern.
Es sieht nicht gut aus für die Mathematik in Deutschland.

Michael
7 Monate zuvor

Das Problem ist doch, dass unser Land zwar von MINT-Fähigkeiten lebt, aber diese im öffentlichen Ansehen ganz unten sind. Besagtes Kokettieren mit der eigenen mathematischen Dummheit wurde ja im Artikel genannt. Das wirkt natürlich auch auf Schüler und ihren mathematischen Ehrgeiz.

Darüber hat das Fach Mathe folgende Probleme:
– Kompetenzorientierung hat sich in den Aufgabenformaten so niedergeschlagen, dass das Sinn entnehmende Lesen und damit die Deutschfertigkeiten die größte Hürde für die Schüler sind. Die zentralen Abschlussprüfungen 10 in Mathematik sind z.B. mehr eine Leseverstehensprüfung als eine Matheprüfung.
– Zulieferkompetenzen werden in anderen Fächern nicht mehr erworben, z.B. Zeichnen (Kunst), Schönschreiben (Deutsch) als Zulieferkompetenz (feinmotorische Koordination) für Geometrie.
– Andere MINT-Fächer werden zunehmend demathematisiert. –> Verlust an Übung, verlust an erlebter Relevanz des Fachs Mathe.
– Überfrachtung der Lehrpläne. Es fehlt ein neuer Konsens der essenziellen mathematischen Inhalte. Tatsächlich orientiert sich der Lehrplan zum Teil noch an Kompetenzen, die in einer noch nicht digitalisierten/computerisierten Wirtschaft nötig waren.

So ziemlich das letzte Problem ist der Fortbildungsbedarf der Mathelehrkräfte.

Carsten60
7 Monate zuvor
Antwortet  Michael

Alles richtig außer der Überfrachtung der Lehrpläne bei der Mathematik. Im Gegenteil: man hat vieles „entrümpelt“, was man an den Schulbüchern auch ganz klar sehen kann. Schulbücher aus der Zeit vor 30, 40, 50 Jahren enthielten viel mehr Mathematik und — vor allem — klare Erklärungen der grundlegenden Begriffe und Herleitungen der grundlegenden Ergebnisse. Und Anwendungen wurden auch behandelt, allerdings nicht so krampfhaft wie heute. Man kann alte Schulbücher für wenige Euro bei Amazon oder so bestellen.
Zur Fortbildung siehe den Text des im Artikel erwähnten KMK-Beschlusses. Man hält diese Fortbildung für die Lösung aller Probleme.

Katharina
7 Monate zuvor

Ein Mathematiklehrer sollte ein tiefergehendes Verständnis für die Mathematik haben, um den Schüler nicht nur erklären zu können wie man etwas macht, sondern auch warum. Genau dies fehlt bei vielen Gymnasiallehrern… Daher ist es um so wichtiger „ordentlich Mathematik“ zu studieren und nicht nur oberflächlich die Themen zu lernen, die in der Schule drankommen. Und wenn man dann doch mal einen Lehrer erwischt, der in dem Fach sogar promiert hat, dann fehlt ihm die Pädagogik, den Schülern den Stoff nahezubringen. Und letztendlich fehlt den Schülern ÜBEN, ÜBEN, ÜBEN. Das war früher anders. Selbst mehr als 30 Jahre nach meinem Abi kenne ich noch die Binomische Formeln, Äquivalente Umformung, Satz von Phytagoras, pq-Formel…

Chorleiterin
7 Monate zuvor

Lieber Schattenläufer, ich gehe vollinhaltlich mit.
Als stets sehr gute Schülerin habe ich in meiner gesamten Schulzeit viel Aufwand betrieben, um In Mathe als Einserschülerin wenigstens immer meine Zwei zu schaffen.
Was mir am meisten fehlte, war der hier schon einige Male zitierte Praxisbezug bzw.Bezug zu außermathematischen Zusammenhängen.
Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass ich vieles, mit dem ich mich herumgequält habe, später nie wieder in meinem Leben brauchte.
Das obengenannte führte teilweise dazu, dass ich Wege und Arbeitsschritte ( ich denke z.B. an Kurvendiskussionen) auswendig lernte und eigentlich bis heute nicht weiß, wozu das gut ist…..
Bei uns gab es auf den weiterführenden Schulen Spezialisierungen in mathematisch/ maturwissenschaftlichen Zweig und Sprachklassen, die noch eine Fremdsprache mehr lernten. Ich denke, es wäre gut , solche Spezialisierungen wieder einzuführen, für Musik gibt es das ja z.B. auch.
Das Problem der Überfrachtung mit Spezial- bzw. Hochschulwissen gibt es nach meiner Ansicht aber in allen Fächern, und der arme Schüler muss sich mit diesen ganzen Fächern auf höchstem Niveau herumschlagen.Eine Spezialisierung in eine bestimmte Richtung wäre angebracht, gerade in der heutigen Zeit, wo sich das Wissen rasant vermehrt, so dass also „Grundbildung“ und “ Spezialbildung“ vorgehalten würde und zur Auswahl stünde.

Küstenfuchs
7 Monate zuvor
Antwortet  Chorleiterin

Jetzt erzählen wir alle mal von unserer Schulzeit und schieben unsere eigene Unfähigkeit auf den Mathelehrer.
Es gibt in jedem Fach sehr viele Inhalte, die man nie wieder im Leben braucht. Man kommt durchaus durchs Leben, wenn man nur zweitklassig Gedichte interpretieren kann, oder biologische Zusammenhänge nicht versteht, oder die Französische Revolution ins 15. Jahrhundert verortet.
Offenbar haben Sie aber den Sinn gymnasialer Bildung nicht verstanden und müssen wohl den Begriff „Wissenschaftspropädeutik“ erst mal googlen. Schulische Inhalte sind kein Selbstzweck und führen eben zu einer allgemeinen Hochschulreife. Das ist in jedem Schulgesetz in Deutschland festgeschrieben und auch richtig so.

TC
7 Monate zuvor

Wen wundert es? Da möchte man Grundschullehrer werden und sitzt in wirklich allen Kursen mit den angehenden Gymnasiallehrern in den Kursen. Dozenten, die einem in der ersten Sitzung sagen, dass jeder dritte bald nicht mehr hier sein wird. Nachklausuren bei denen von 50 Leuten höchstens 3 bestehen. Das ganze Mathestudium war ein Kampf und überhaupt nicht Praxisnah. Da kommt dann der Schock, wenn man theoretisch ausgebildet ist und man dann vor echten Kindern steht und einem niemand praktisch gezeigt hat, wie man das auch vermitteln kann. Uh und dann das Referendariat, da wurde einem immer vorgekaut, was man falsch macht und wie es nicht geht. Sinnvolle Alternativen? Fehlanzeige. Und dann die Zauberstunden, die mit der Realität wenig zu tun haben. Das ganze System funktioniert nicht. Und dann gemeinsam mit Corona, kann man zum Teil nicht einmal hospitieren, um von anderen Lehrern zu lernen. Es braucht mehr Flexibilität in den KCs, einige Themen brauchen mehrere Stunden, andere nicht. Wir brauchen kleinere Klasse , also mehr Lehrer. Mehr Förderlehrkräfte. Wenn man bei 20 Kindern 3 mit Förderbedarf hat oder mehr, kann man kaum allem gerecht werden…

Küstenfuchs
7 Monate zuvor
Antwortet  TC

Stecken die jetzt wirklich angehende Gymnasiallehrer in die Rechenkurse für Grundschullehrer? Ich hoffe nicht!

Georg
7 Monate zuvor
Antwortet  Küstenfuchs

Eine fachwissenschaftliche Vorlesung Lineare Algebra können Masterstudenten Primarschule und Erstsemester Gymnasium durchaus gemeinsam besuchen, vorausgesetzt das Niveau entspricht dem für die ehemaligen Diplommathematiker. Der Unterschied ist, dass die Grundschullehrer auf dem Niveau 1-2 Veranstaltungen brauchen, Gymnasiallehrer 10-20. Ach ja, Lineare Algebra ist vergleichsweise einfach.

Steffen
7 Monate zuvor

Ich versuche Ingenieur-Studierenden in Mathe 1 das beizubringen, was früher in der Schule unterrichtet wurde. Das wird aber von Jahr zu Jahr schwieriger. Aus meiner Sicht liegt das vor allem daran, dass die Schülerinnen und Schüler die wichtigen Definitionen nicht mehr lernen und dann im Studium mit dem entsprechenden Formalismus völlig überfordert sind. Was bringt es, auf die Definition des Grenzwertes zu verzichten (weil die Epsilon-Delta-Schreibweise kompliziert aussieht), dafür aber Grenzwertsätze wie den Satz von L’Hospital zu behandeln? Warum führt man keine Mengen ein, schreibt aber die Lösungen von Gleichungssystemen in geschweiften Klammern? Hier würde ich mir von der Schule eine solide Vermittlung der Grundlagen und des formalen mathematischen Denkens wünschen. Dann kann man die Mathematik auch verstehen. Die Kompetenzorientierung, und da schließe ich mich den anderen Kommentaren an, bringt mir für die Ingenieurmathematik nicht viel. Ein Verständnis der Begriffe und auch das Einüben von Rechentechniken wäre mir wichtiger.
Im vorangehenden Kommentar wird darauf hingewiesen, dass sich der Matheunterricht nicht der digitalisierten/computerisierten Wirtschaft angepasst hat. Ich gebe auch Informatik-Vorlesungen, und mir ist nicht klar, was mit dieser Forderung gemeint ist. Die Algebra und Analysis werden unverändert auch für „moderne“ Themen benötigt. Wenn die „alten“ Grundlagen wie die Differenzialrechnung nicht da sind, dann kann man z.B. auch maschinelles Lernen mit neuronalen Netzen nicht in der Tiefe verstehen.

Rike
7 Monate zuvor
Antwortet  Steffen

Natürlich werden Algebra und Analysis für alle MINT Studiengänge und Ingenieurstudienrichtungen benötigt. In welcher Tiefe das für angehende Grundschullehrer nötig ist ist ein anderes Thema.
Aber die Anstrengungsbereitschaft der heutigen Schülerschaft fehlt bis auf wenige Ausnahmen. Solides Wissen in grundlegenden Rechenfertigkeiten fehlt. Riesige Proteste, wenn man mal einen Test ohne Formelsammlung schreibt ( 3 Ableitungsregeln auswendig) oder mal den Taschenrechner nicht gestattet ( weil die Aufgaben auch so aufgehen…). Und überall muss man sich rechtfertigen: zu schwer. Dabei sind wir noch nicht mal bei einer gewissen Abstraktion angelangt. Dazu muss man sich auch konzentrieren können- wieder Fehlanzeige.

Dem Gejammer nach fehlendem Praxisbezug muss ich eine klare Abfuhr erteilen – die Lehrbücher sind voll von Anwendungen. Wem selbst nichts einfällt, dem werden hier genug Anregungen gegeben. Und Mathematik ist überall. Aber wenn sich SuS schlicht nicht interessieren, weil sie nicht mit offenen Augen durchs Leben gehen und der Blick starr aufs Handydisplay gerichtet ist, wird es halt schwer.

Mirko
7 Monate zuvor
Antwortet  Steffen

Ihrem Kommentar stimme ich uneingeschränkt zu.

UT
7 Monate zuvor

Für die SuS sind die Zahlen etwas völlig unlogisches. Die Grundrechenarten können trainiert werden, aber auch hierbei fehlt das Zahlenverständnis. Zahlenstrahl und Hundertertafel sind absoluter Schwachsinn und erklären den Kindern nichts von Zahlengrößen.
Die Kinder haben durch die OGS eine Volltagstelle – es bleibt keine Zeit für weiteres Lernen – die anderen Fächer laufen auch noch nebenbei. Abends stehen noch 30 Minuten Bücherlesen an, Gedicht muss auswendig gelernt werden, Einmaleins jeden Tag mindestens 10 Minuten, Lernen für die nächsten Arbeiten und Tests, Anton und Antolino. Die SuS sind überlastet und nicht faul. 19 Uhr ist Schlafenszeit. 6 Uhr Weckzeit.
Dazu kommen noch überforderte OGS Mitarbeiter:innen, die die Kinder anschreien und die Hausaufgaben falsch erklären. Ein miserables Mittagsessen, dass die Kinder zum Hungern treibt.
An unserer Schule wird Mathematik wegen Lehrermangels von anderen Fachlehrern übernommen. Dadurch findet eine individuelle Förderung der SuS nicht statt. Viele Kinder werden ohne ausreichenden Mathematikunterricht an die weiterführenden Schulen weitergegeben. Das Zahlenverständnis wird selbst bis nach dem Abitur nicht entwickelt. Hinzu kommt noch die Ausfallzeit durch Corona und die Ignoranz der Lehrkräfte, dass die Kinder vielleicht durch die Lockdowns seelig belastet sind.
Man sollte die in den 1980ern abgeschaffte Mengenlehre modernisieren und wieder einführen und Spezialisten für Dyskalkulie in die Erarbeitung von Lehrplänen mit einbeziehen anstatt die SuS als faul zu bezeichnen. Das Lernen der Schüler beginnt oft wegen Lehrermangels nach ihrer 40 Stundenwoche.

Manmanman
7 Monate zuvor
Antwortet  UT

Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.
Wieso läuft die Grundschule nur in Deutschland und Österreich eigentlich nur 4 Jahre und wieso arbeiten dort die am schlechtesten bezahlten Lehrer:innen?
Dazu viel zu große Klassen, fachfremder Fach-Unterricht, immer mehr inklusiv zu beschulende Schüler:innen, etc…
Da setzt man aber nicht an, weil das alles Geld kostet. Und weil die heilige Kuh Gymnasium nicht angetastet werden darf, weil sonst die Eltern, die ihre Kinder für was besseres halten und sie so schnell wie möglich vom pöbelnden Rest getrennt beschult haben möchte.
Wieso wird immer nur in andere Bundesländer geschaut und nicht in die Länder, wo Schule wirklich funktioniert? Ist eben einfacher den Lehrer:innen und Schüler:innen die Schuld zu geben.

Georg
7 Monate zuvor
Antwortet  Manmanman

Nennen Sie bitte mal ein Land, in dem das Gesamtschulsystem gut funktioniert. Bei der Klassengröße und der Inklusion bin ich aber bei Ihnen.

Außerdem können Sie durch die Eltern, die ihre Kinder für etwas besseres halten, den noch immer zunehmenden Drang zum Gymnasium nicht erklären.

Manmanman
7 Monate zuvor
Antwortet  Georg

Finnland

Wer entscheidet denn hier, wo sein Kind hinkommt Georg? Eltern erwarten, dass ihr Kind aufs Gymnasium gehen, da kann es nicht Mal sprechen.

Georg
7 Monate zuvor
Antwortet  Manmanman

Finnland ist vergleichsweise homogen und es gibt Aufnahmeprüfung für das Äquivalent der Deutschen gymnasialen Oberstufe. Besonders letzteres würden Sie wohl nicht wollen. Zudem deuten sich langsam signifikante Unterschiede zwischen Migranten und nicht-Migranten auch in Finnland an. Die hervorragenden Ergebnisse bei der Pisa-Studie im 2000 oder so sind getrübt durch die Schulreform einige Jahre zuvor von hart lehrerzentriert auf schülerorientiert. Seit dem geht es auch in Finnland bergab. Jetzt sind Sie wieder dran.

Ganz abgesehen davon können Sie den Lehrern keinen Vorwurf machen, wenn die Eltern ihre Kinder mangels verbindlicher Schulformempfehlung am Gymnasium anmelden. Letztere sind faktisch bereits Gesamtschulen nur ohne Hauptschulzweig. Jedes schwache Abitur (NC 3,0 und schlechter) dürfte faktisch bezogen auf den Bildungsgrad des Schülers einem Realschulabschluss von vor 20-30 Jahren entsprechen. Entsprechend sind die mittleren Abschlüsse ohne Qualifikation für die Oberstufe ein Hauptschulabschluss von damals und der heutige Hauptschulabschluss so leid es mir tut im Endeffekt nichts.

Manmanman
7 Monate zuvor
Antwortet  Manmanman

Wo bitte habe ich Lehrern einen Vorwurf gemacht? Liest Georg überhaupt einen Kommentar, bevor er antwortet? Stichproben seiner Kommentare belegen daß Gegenteil.

Und wann er das letzte Mal einen Hauptschüler zu Gesicht bekommen hat, ist auch fraglich. Und immer sind Einwanderer bei ihm Schuld, dass das Niveau sinkt. Auf die Idee, dass man die vielleicht besser beschulen und integrieren könnte, ist er aber noch nicht gekommen. Sehr seltsam

Georg
7 Monate zuvor
Antwortet  Manmanman

Wenn ich raten müsste, wird bereits jetzt pro Kopf gerechnet für Migranten aus dem arabisch-afrikanischen Raum schon heute viel mehr Geld ausgegeben als für Einheimische oder Migranten aus anderen Gegenden. Alle Sozialarbeiter, Programme, Institutionen, staatlich oder sonst wie finanzierte Stiftungen usw., die sich in welcher Form auch immer der Heterogenität, dem Rassismus, der Integration usw. widmen, gibt es in erster Näherung nur deshalb. Sonderlich erfolgreich scheinen die aber ganz offensichtlich leider nicht zu sein.

Man muss hoffen, dass diese Art von Einwanderung nicht zu einer Netto-Auswanderung wird und sich das Projekt „wohlhabender Industriestaat“ nicht ähnlich wie das römische Reich aufgrund der Völkerwanderung mittlerweile dem Ende zuneigt. Californien geht schon zugrunde, Australien steht auf der Kippe. Das mit dem „Ende zuneigen“ ist zeitlich sehr lang gestreckt zu sehen und kann durchaus noch 50 oder 100 Jahre dauern, vielleicht aber auch nur noch 5. Ich habe keine Ahnung. Spätestens, wenn Krieg droht, wird man sehen, wer aus der Bevölkerung für welches Land, und sei es nur die EU, zu kämpfen bereit ist. Im aktuellen Deutschland meiner Meinung nach weniger als ein Drittel, tatsächlich dafür auch geeignet deutlich weniger. Beim aktuellen Führungspersonal bin ich bezogen auf die Eignung noch skeptischer. Ja, ich bin Pazifist und überzeugter Gegner von Krieg und Kriminalität.

Bernd
7 Monate zuvor
Antwortet  Georg

Rassismus existiert also nur deshalb, weil es Rassismus-Opfer gibt.

Mit Verlaub: Sie haben eine Macke. Das Thema Schulfach Mathemathik mit Einwanderung in Verbindung zu bringen, diesen absurden Spin hat meines Wissens bislang nicht mal die AfD hinbekommen.

Nach Ihrer Logik müssten die DDR und das Deutsche Reich der 30-er Jahre ja ein Traum gewesen sein – praktisch migrantenfrei.

dickebank
7 Monate zuvor
Antwortet  Georg

Die Zahlen als solche sind ja schon arabische Migranten.
Mit den römischen Zahlenzeichen ließ sich einfach nicht rechnen:)

Georg
7 Monate zuvor
Antwortet  dickebank

Die heutige Schülerschaft egal welcher Herkunft kann das sogar mit arabischen Zahlen ohne Taschenrechner leider auch kaum noch.

Halleluja
7 Monate zuvor
Antwortet  Georg

So früh schon so einen Dünnpfiff hier abzusondern ist schon bemerkenswert Georg. Mir wäre es peinlich, sowas zu schreiben. Ich hoffe sie stellen sich in diesem Zustand nicht vor eine Klasse.

Mthdnmnn
7 Monate zuvor

Ein Fach steht und fällt mit dem Lehrer!

Eckhard
7 Monate zuvor

Aus der Sicht einer FH-Lehrkraft für Mathematik in Ingeneurwissenschaften: Wenn die Studierenden zu uns kommen, können sie erschreckend wenig. Keine Ahnung von Beweisen. Dabei ist das doch das Wesen dere Mathematik. Und an Fertigkeiten? Ein Teil scheitert schon an der Bruchrechnung oder dem Dreisatz. Meine Sprachregelung: Sie können die Grundrechenarten MIT TASCHENRECHNER.

Rike
7 Monate zuvor
Antwortet  Eckhard

…auch nicht! Bruchrechnung, Vorrangregeln, Klammersetzung….

Küstenfuchs
7 Monate zuvor
Antwortet  Eckhard

Zum Teil ist dies aber auch Gejammer der Hochschulen, die sich gefälligst auf eine veränderte Schülerschaft einzustellen hat.
Wenn an der Schule gespart wird und es keine Leistungskurse mit 12 Schülern mehr geben darf, sondere alle bis zum Abi in Gruppen zu 25+ gleiche Inhalte lernen sollen, dann muss auch die Uni reagieren.
Was stimmt: Wer an Bruchrechnung oder Dreisatz scheitert, sollte besser kein Ingenieur werden. Aber wir haben genug Schülerinnen und Schüler, die das selbstverständlich können.

Carsten60
7 Monate zuvor
Antwortet  Küstenfuchs

„die Uni soll es richten“
Das ist zu bequem gedacht. Früher waren die Schulklassen auch nicht kleiner, eher größer. Und es studieren auch Leute aus den 3-stündigen Grundkursen. Diese „Heterogenität“ kann keine Hochschule so nebenbei auffangen, eine Hochschule ist keine Grundschule. Die Studenten sind erwachsen und studieren aktiv (ja, sie „studieren“, sie werden nicht „ausgebildet“ wie Azubis). Wieso eigentlich müssen sich Studenten nicht auf die Hochschule einstellen, sondern umgekehrt? Es ist kein Geheimnis, was so erwartet wird. In Anfängerkursen sitzen bei den Ingenieuren schon mal 1000 Leute, die kann man nicht einzeln an die Hand nehmen und „bepampern“.

dickebank
7 Monate zuvor
Antwortet  Eckhard

FH: Bau-Ing baut Brücke, die hält.
TU: Bau-Ing baut Brücke, die einstürzt.
Im Gegensatz zum FH-Ing kann er aber bis auf 10 Nachkommastellen exakt berechnen, warum Sigma-Bruch erreicht worden ist:)

Mirko
7 Monate zuvor

Ich habe als Mathelehrer die lebenslange Erfahrung (bin 57) gemacht, dass das Mathematikstudium nicht zu anspruchsvoll ist, um in der Schule mathematische Bildung zu vermitteln. Erst in der Uni habe ich die Mathematik richtig kennengelernt, wobei ich in der Schule immer auf 1 stand und glaubte, was davon zu verstehen. Und das Studium hat mich befähigt, Schüler für die Mathematik zu begeistern, zum Lernen zu motivieren, da ich durch es wusste, warum viele Dinge in der Mathematik so sind, wie sie sind.
Die allgemeine Klage, das Studium sei zu schwer, ist leider aber oft auch eine Antwort auf schlechten eigenen Mathematikunterricht und schlechte Konzepte dafür. Wenn im Unterricht praktisch keine Beweise mehr geführt werden, wird ein Beweis in Studium natürlich sehr schwer zu verstehen sein. Mengenlehre und Algebra bringt kaum ein Student in die Uni mit.
Ich bin jedenfalls froh, das Studium so, wie es war, gehabt zu haben, fast nichts davon habe ich nicht gebraucht.
Viele Grüße Mirko

ImmerWiederGerne
20 Tage zuvor
Antwortet  Mirko

Also ich muss auch sagen, dass ich das Studium als sehr sinnvoll erachte. Ähnlich wie Sie kam ich von mir überzeugt mit Note 1 an die Uni und wurde erstmal geerdet. Und sicher habe auch ich aus Frust die Frage gestellt, warum ich das alles machen muss, wenn ich am Ende in der Schule unterrichte. Ich bin aber wirklich froh, drangeblieben zu sein und mich der Herausforderung gestellt zu haben. Mein Hirn kam mit der Zeit tatsächlich aus dem Zustand der Überforderung in einen Zustand der Flexibilität, um mit dieser Abstraktheit umgehen zu können. Und siehe da, die Noten an der Uni wurden zunehmend besser. Aber es war harte Arbeit.
Der Lohn: Ich fühle mich im Unterricht total sicher, bin flexibel im Erklären von Sachverhalten, sowohl bei vertiefenden, neugierigen Fragen der guten Schüler wie auch bei größeren Verständnisproblemen der weniger guten Schüler. Ich kann mich auch gut hineinversetzen in die möglichen Schwierigkeiten und beachte das bei der Planung des Unterrichts gleich mit. Ich versuche auch stets zu vermitteln, dass man im Fach Mathematik oft mit Niederlagen zu kämpfen hat, diese aber eine große Chance bieten, daran zu wachsen, wenn man denn auch dran bleibt. Dann erzähle ich manchmal von meinem Studium und nicht wenige sind total erstaunt, weil irgendwie in den Köpfen steckt, dass der Mathelehrer natürlich automatisch auch der Überflieger schlechthin ist.
Und dann gibt es Unterrichtsstunden, da habe ich einen richtigen Flow und die Schüler wundern sich, wie schnell die Stunde doch vorbei ist. Ich kenne aber auch die anderen Probleme mit Verweigerern, Arbeitsunwilligen, am Fach Desinteressierten, die ich also auch weder begeistern noch wenigstens zum grundlegenden Arbeiten motivieren kann.

Fazit: Das Studium war für mich bereichernd und herausfordernd. Ich habe damals 5 Jahre an der TU studiert und das Staatsexamen erreicht. Das komplette Grundstudium glich dem Studium der Mathematiker und Informatiker.

Noch ein Satz zum Abitur in Mathe. In Sachsen ist es seit ein paar Jahren Mode, dass sich die Aufgabenschaffenden (IQB insbesondere) wohl gegenseitig übertreffen wollen, möglichst viele verschiedene und immer wieder neu erscheinende Aufgabenformate zu erstellen. Die meisten meiner Schüler sind flexibel genug, um da gut durchzukommen. Ich sehe aber, dass vielen, trotz zuletzt fünfeinhalb Stunden Arbeitszeit (coronabedingt), die Zeit fehlt, alle Aufgaben anzugehen. Das finde ich ein bisschen schade. Die Prüfung gibt daher nur wieder, wie nervenbewahrend und schnell ich die Aufgaben geschafft habe, und nicht, ob ich in der Lage bin, die Aufgaben zu bewältigen.

Herr Vorschlag
7 Monate zuvor

Das Problem ist, dass Mathematik-Lehramt Gymnasium zu 80% dem forschungs- und wissenschaftsfokussierten Fachstudium Mathematik entspricht. Selbst die Fachmathematiker werden dieses hohe Theorieniveau kaum noch im späteren Beruf benötigen, sofern sie nicht in der universitären Forschungswelt verbleiben.

Mein Vorschlag wäre, das Studium für Mathe-Lehramtler davon etwas zu entkoppeln. Für diese mehr Module zur angewandten Mathematik, mehr Exkurse in Wirtschaftsmathematik, Spieltheorie, Ingenieursfächern mit hohem Matheanteil, mathematische Modelle aus Physik, Chemie, Biologie anbieten. Je nach Neigung. Dem „reine Mathematik“-Enthusiasten auch weiterhin Modulbelegungen bei den Fachmathematikern ermöglichen, denn der wird diesen Enthusiasmus auch mit höherer Wahrscheinlichkeit an spätere Schüler weitergeben können. Sprich: Mehr Modulfreiheit und fachlich breiter streuen.

Georg
7 Monate zuvor
Antwortet  Herr Vorschlag

Ist diese Modulfreiheit nicht heute auch schon gegeben? Ich musste in meiner Studienzeit schon diverse Bereiche abdecken, habe aber auf Interessensgründen die Angewandte Mathematik übersprungen.

Ganz abgesehen davon: Welche Bereiche echter angewandter Mathematik finden sich in den Schulischen Lehrplänen? Außer rudimentärste Wahrscheinlichkeitsrechnung und einfachste Numerik im Sinne von Tabellenkalkulation mit absoluten und relativen Zellbezügen fällt mir zumindest für NRW nicht ein. Matrizen sind raus, Spieltheorie war glaube ich nie drin, Differenzialgleichungen fehlen, Versicherungsrechnen fehlt usw.

Carsten60
7 Monate zuvor
Antwortet  Herr Vorschlag

Was macht Sie so optimistisch, die angewandte Mathematik, Wirtschaftsmathematik, Spieltheorie usw. würden irgendwas verbessern? Denken Sie, diese Themen würden an den Gymnasien auf mehr Interesse stoßen als die gegenwärtige, bereits ziemlich anwendungsorientierte Mathematik, und die Lehrer würden dadurch bessere Lehrer?

OS
7 Monate zuvor

Lasst die Schüler doch mal kreativ werden – auch in Mathe! Bastelt mit ihnen aus Karton oder Seil einen Zahlenstrahl in der Grundschule, bastelt Quader und Tetraeder in SekI zur Volumenberechnung, macht Optimierungsaufgaben durch Basteln einer Wanne mit maximalem Inhalt in SekII, oder zeigt, dass PC-Games wie der MS-Landwirtschaftssimulator oder Fortnight das Paradebeispiel für Vektorrechnung sind.
Ich könnte noch vielerlei Anwendungen aufzählen – aber solange Menschen zeitlebens nur in theoretischen Strukturen denken – das gilt übrigens auch für die Lerntheoretiker – wird da nichts praxisbezogenes als Mathelehrer oder sonstigen Lehrer rauskommen.
Wenn Mathe so abstrakt bleibt wie in den letzten Jahrzehnten sehe ich schwarz, daher traut Euch, die Zeit zu nutzen, auch wenn Ihr den Lehrplan nur zu 70% erfüllt – Euer nachfolgender Kollege in höheren Klassen wir es Euch danken, dass dann wenigstens diese 70% sitzen.

GriasDi
7 Monate zuvor
Antwortet  OS

Selbst wenn Sie so etwas machen, wird es nicht viel besser. Beim Basteln (viele können weder mit Schere noch mit Säge umgehen) haben meist genau die keinen Bock die auch sonst im Unterricht keinen Bock haben. Wenn Sie mit Computerspielen kommen, bekommen Sie als Antwort „ich will die Spiele spielen nicht programmieren“. Die Probleme bleiben die gleichen.

GriasDi
7 Monate zuvor
Antwortet  GriasDi

Ich muss innerlich immer sehr schmunzeln, wenn meine Schülerinnen basteln. Sie sprachen von 70 %. Ich wäre froh, wenn ich so weit käme. Von den 70% bleiben dann auch nur 10% hängen. Macht 7% des Lehrplanes 🙂

AR
7 Monate zuvor

Ein Problem (von vielen) ist, dass die Kinder/Jugendlichen/Studierenden immer weniger grundlegende Fähigkeiten/Fertigkeiten mitbringen und diese immer häufiger in den jeweiligen Bildungseinrichtungen vermittelt werden müssen.

Das fängt im Kindergarten an, wo 3-jährige noch Windeln tragen und geht in der Grundschule weiter, wo seit einigen Jahren ein Trend zu sehen ist, der die Vermittlung z.B. eines Mengenverständnisses, der Grundrechenarten etc. erheblich erschwert: In der Gruppe sind die Kinder kaum noch ansprechbar. In meiner derzeitigen 1. Klasse (eine Schule im ländlichen Einzugsbereich von Frankfurt/M. mit vielen „Mittelschicht-Eltern“) mit 20 Kindern geht täglich ein nicht unerheblicher Teil der Unterrichtsstunden dafür drauf, die Kinder einzeln anzusprechen, um zB zu erreichen, dass alle die für den Unterricht benötigten Materialien bereitstellen. Erklärungen für die gesamte Klasse erreichen – wenn es gut läuft – etwa die Hälfte der Schüler. Alle anderen benötigen individuelle Hilfestellungen oder Erklärungen. Während man dann einem Kind etwas erklärt, müssen die anderen warten, sind bestenfalls mit – ihrem Leistungsvermögen angemessenen – Aufgaben versorgt, sofern sie nicht gerade bockend unter dem Tisch sitzen, in der Klasse umherwandern und andere Kinder beim Arbeiten stören, das Frühstück auspacken, weil ihnen gerade einfällt, dass sie Hunger haben, ihrer Nachbarin gerade die Haare flechten, quer durch die Klasse Verabredungen für die Pause treffen, gerade aufs Klo müssen, weinen, weil sie eigentlich nach Hause wollen, sich gegenseitig schubsen, ihr Lieblingsspielzeug im Ranzen entdecken,… Ich könnte die Liste unendlich weiterführen!

In meinem letzten 4. Schuljahr wurden 4 von 21 Kindern inklusiv beschult, davon ein Kind im Bereich geistige Entwicklung. Der (Mathe)Unterricht musste von mir auf mindestens 4 komplett unterschiedlichen Niveaustufen (vom Zahlenraum bis 10 bis hin zum „normalen“ Stoff des 4. Schuljahres) vorbereitet werden, Klassenarbeiten habe ich auf bis zu 7 verschiedenen Niveaustufen (Stichworte „Rechenschwäche“ und „Nachteilsausgleich“) geschrieben.

Solange wir in der Grundschule nicht mit besseren personellen (Förderschullehrkräfte, Doppelbesetzungen), räumlichen (Differenzierungsräume – Fehlanzeige, mit Kleingruppen wird auf dem dunklen, kalten Flur gearbeitet) und sächlichen (Anschauungsmaterial, PCs in jedem Klassenraum,…) Ressourcen ausgestattet werden, wird das, was Kinder an fachlichen Voraussetzungen für die Sek1 mitbringen, eher schlechter als besser. Die Folgen für die Sek2 und die Universitäten kann sich wohl jeder selbst ausrechnen…

Das mit den Ressourcen gilt selbstverständlich nicht nur für die Grundschule, sondern für alle Bildungseinrichtungen!

UD
7 Monate zuvor

In den 80er Jahren gab es an der Uni Gießen mal eine Kommission, die sich mit der Qualifikation des Nachwuchses in der Hochschullehrerausbildung für die Didaktikfächer befaßte.
Ein Ergebnis war u.a. daß es den Hochschullehrern der Didaktikfächer ( speziell hier auch der Mathamatik) an grundlegender Praxiserfahrung im täglichen Schulunterricht insbesondere in der Grundstufe fehlt. Ich fürchte, daß sich dies nicht geändert hat!?

Agnieszka Michalik
5 Monate zuvor

Ich stamme aus Polen, wohne aber in Berlin, wo Kinder 1. und 5. Klassen besuchen. Ich absolvierte in Polen mathematisches Gymnasium und studierte Mathe, später Informatik. Aus meiner Perspektive wird keine echte Mathe in deutschen Schulen unterrichtet. Schüler werden gezwungen mechanische Übungen zu rechnen, keine Lösung zu finden, kein abstraktes Denken. In deutscher Schule ist es am wichtigsten, ob ein Kind gehorsam ist, der Inhalt weniger. Es sind Regeln als Mathe gelehrt. Intelligente Kinder werden sich langweiligen und dafür ständig gestraft werden. Ich wundere mich nicht, dass Einstein an deutscher Schule gelitten hat. Er hat sicher eigenes Denken gehabt und zu viele Fragen gestellt. Es wundert mich nicht, dass Deutschland in der Digitalisierung hinten in Europa steht.

Dr. Jadranka Mrzljak
19 Tage zuvor

Mehr Unterricht, mehr Lehrer, das ist alles was man braucht, aber das kostet Geld, und dann tut man lieber so, als seien die Mathelehrer inkompetent…wann hört diese Heuchelei im Bildungswesen endlich auf?