384.000 Kita-Plätze fehlen 2023: „Worauf kann verzichtet werden, ohne das Recht der Kinder zu verletzen?“

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BERLIN. Im kommenden Jahr stehen deutlich weniger Kita-Plätze zur Verfügung stehen, als benötigt werden. Das hat der von der Bertelsmann-Stiftung herausgegebene bundesweite Ländermonitor Frühkindliche Bildung mit Zahlen untermauert. Platzausbau, Personalgewinnung und -qualifizierung oder gar ein kindgerechter Betreuungsschlüssel? Sind mit den zur Verfügung gestellten Mitteln nicht zu stemmen, lautet die düstere Prognose. Die GEW ruft nach einer Finanzoffensive. Die Studienautor*innen schlagen unter anderem vor, den Aufgabenbereich von Erzieher*innen zu begrenzen.

Mangelversorgung: Zu wenig Plätze, zu wenig Fachpersonal, zu geringe Betreeungsqualität und Erzieher*innen am Limit. Das Ländermonitoring Frühkindliche Bildungssystemesieht keine Voraussetzungen für Besserung im kommenden Jahr. Foto: Shutterstock.

Besonders im Westen Deutschlands, wo 362.400 zusätzliche Betreuungsplätze gebraucht werden, gibt es gegenüber dem Osten mit 21.200 benötigten Plätzen eine große Versorgungslücke. Um der Nachfrage gerecht zu werden, müssten im Westen 93 700 Fachkräfte und im Osten 4900 eingestellt werden, teilte die Bertelsmann-Stiftung am Donnerstag mit. Allein der Platzausbau führe zu zusätzlichen Personalkosten von insgesamt 4,3 Milliarden Euro pro Jahr. Der Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz werde auch also auch im kommenden Jahr nicht erfüllt, prognostizieren die Studienautor*innen.

Grundlage der Berechnung sind Erhebungen aus dem Jahr 2021. Die Analyse ergibt für fast alle Bundesländer, dass die Nachfrage der Eltern nach Kita-Plätzen höher ist als der Anteil an Kindern, die im vergangenen Jahr in Betreuung waren. Der größte Mangel besteht demnach im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen mit 101.600 fehlenden Kita-Plätzen. In Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen sei dagegen kein Ausbau der Plätze nötig.

Der Ausbaubedarf ist den Berechnungen zufolge für Kinder unter drei Jahren am höchsten. Demnach fehlen für diese Gruppe in Westdeutschland rund 250.300 Kita-Plätze, in Ost-Deutschland – inklusive Berlin – sind es rund 20.700.

Kindgerechter Personalschlüssel? Wenig wahrscheinlich

Damit 2023 nicht nur ausreichend Kita-Plätze zur Deckung der Betreuungsbedarfe bereitstehen, sondern auch alle Plätze kindgerechte Personalschlüssel aufweisen, müssten 308.800 Fachkräfte zusätzlich beschäftigt werden. Das entspräche Personalkosten von noch einmal rund 13,8 Milliarden Euro jährlich.

Die Bundesmittel für die frühkindliche Bildung von je zwei Milliarden Euro für 2023 und 2024, die im neuen Kita-Qualitätsgesetz vorgesehenen sind, reichten dafür nicht. Es sei also unausweichlich, dass der Bund in größerem Umfang in die dauerhafte Finanzierung des Kita-Systems einsteigt, so Anette Stein, Expertin für frühkindliche Bildung der Bertelsmann Stiftung. Sie fordert, die Bundesmittel einzusetzen, um den Qualitätsausbau in Form kindgerechter Personalschlüssel voranzutreiben. Dieses Vorhaben hat die Ampelregierung im Koalitionsvertrag vereinbart.

GEW: „Finanzpolitische Offensive nötig“
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) fordert hingegen eine finanzpolitische Offensive von Bund, Ländern und Kommunen. „Mit den knapp 18 Milliarden Euro, die die Bertelsmann Stiftung veranschlagt, sind multiprofessionelle Teams, Qualifikation und Weiterbildung der Fachkräfte oder der Ganztag an Grundschulen noch nicht ausfinanziert“, erklärt Doreen Siebernik, GEW-Vorstandsmitglied für Jugendhilfe und Sozialarbeit. Das System müsse nachhaltig stabilisiert und qualitativ weiterentwickelt werden. „Jetzt rächt sich, dass wir zwar seit vielen Jahren wissen, was gute frühkindliche Bildung ausmacht, doch niemand die Verantwortung übernommen hat, das konkret umzusetzen.“ Die Beschäftigten in den Kitas seien hochmotiviert, sich zu qualifizieren und jedes Kind individuell zu fördern. Die Erzieherinnen und Erzieher wollen alle Kinder begleiten und unterstützen. Das gelinge aber nur, wenn die Rahmenbedingungen stimmen und die Fachkräfte gute pädagogische Arbeit leisten können.
Kosten nur Teil des Problems

Die Kosten sind laut Studienautor*innen allerdings nicht einmal das Kernproblem. „Die größte Hürde auf dem Weg zu genügend Plätzen und mehr Qualität in der frühkindlichen Bildung ist und bleibt der enorme Fachkräftemangel. Es muss jetzt sehr schnell gelingen, viel mehr Personen für das Berufsfeld zu gewinnen“, betont Annette Stein, und verweist auf die Wechselwirkung: „Mit mehr Personal verbessern sich die Arbeitsbedingungen für alle. Damit steigen die Chancen, dass sich mehr Menschen für die Arbeit in einer Kita entscheiden, und zugleich die vorhandenen Fachkräfte im Beruf verbleiben.“

Damit mittelfristig eine bessere Personalausstattung möglich ist, brauche
es eine verbindliche Strategie, wie zukünftig mehr und qualifiziertes Personal hinzukommen
wird. Hierfür können gesetzlich verankerte Stufenpläne hilfreich sein. Ansonsten verlieren die Kitas ihre Attraktivität als Arbeitsplatz und können ihren Bildungsauftrag nicht mehr erfüllen, so Stein weiter.

Pragmatismus gefordert (aber nicht auf Kosten der Kinder)

Es gelte nun dringend, die benötigten Fachkräfte zu gewinnen und zu qualifizieren. Gleichzeitig müsse es aber bereits jetzt gelingen, das vorhandene Kita-Personal zu entlasten – nicht nur durch die Beschäftigung von beispielsweise Hauswirtschaftskräften, sondern gegebenenfalls durch Priorisierung von Aufgaben. Die Anforderungen an das Kita-Personal seien sehr vielfältig und ließen sich mit der aktuellen Personalbemessung nicht mehr umsetzen. „Die Politik muss gemeinsam mit der Praxis und mit Beteiligung der Eltern die Frage beantworten: Worauf kann verzichtet werden, ohne das Recht der Kinder auf Bildung und gutes Aufwachsen zu verletzen?“, so Stein. (News4teachers mit Material der dpa)

Details zur Studie finden Sie unter:

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132 Kommentare
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Lera
1 Monat zuvor

Auf qualitativ minderwertige Fremdbetreuung.

Angelika Mauel
1 Monat zuvor
Antwortet  Lera

Finden diejenigen, die die fünf abwertenden Daumen gesetzt haben, dass man nicht auf qualitativ minderwertige Fremdbetreuung verzichten kann??? Haben da Politiker abgestimmt – oder Eltern, die es legitim finden, den ErzieherInnen dank fiebersenkenden Medikamenten kranke Kinder „unterzujubeln“?

Es fällt mir schwer zu glauben, dass Lehrer und Erzieher etwas gegen den Verzicht auf qualitativ minderwertige Fremdbetreuung haben. Gäbe es nicht den Rechtsanspruch für die Jüngsten, gäbe es mehr Fachkräfte, die für Jugendämter in der Familienhilfe tätig sein könnten. Dort fehlen die Menschen, die Eltern beispielhaft zeigen können, wie man Kinder verantwortungsbewusst und liebevoll begleiten kann.

Carsten60
1 Monat zuvor

Die Bertelsmann-Stiftung und auch die GEW sollen bitte nicht so tun, als seien mehr Kitaplätze automatisch mit besserer Bildung für die Kinder verbunden. Das müsste erstmal nachgewiesen werden. Wie wär’s mit einer Studie?
In einer diesbezüglichen Meldung in der elektronischen Tagesschau
https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/kita-bertelsmann-101.html
heißt es am Schluss, dass die Bertelsmann-Stiftung eine Anteilsmehrheit am Medienkonzern Bertelsmann hält. Das finde ich doppelt irritierend: Stiftungen sind doch steuerbegünstigt, oder nicht? Und die Digitalisierung (auch der Kitas, manche Leute fordern das) spült gewiss Geld in die Kassen des Medienkonzern.

Sandra
1 Monat zuvor
Antwortet  Carsten60

Allein durch den Zweitspracherwerb verbessern sich die Bildungschancen. Nachweislich. Sozial—emotionale Entwicklung und Gruppenfähigkeit erhöht die Bildungschancen ebenso. Auch, dass die Eltern erstmals mit institutioneller Betreuung und Bildung in Kontakt kommen, erhöht die Bildungschancen.
Zu dem einzelnen Gebieten gibt es bereits tragfähige Studien.

Anne
1 Monat zuvor
Antwortet  Sandra

Die institutionelle Betreuung von Klein-, vor allem von Kleinstkindern soll besser sein als die familiäre? Das ist grober Unfug.
Es gibt auch Studien, die das Gegenteil dessen aussagen, was Sie behaupten. Diese beweisen, dass die beste frühkindliche Bildung, vor allem die sozial-emotionale, erst einmal in der Entwicklung der Bindungsfähigkeit an vorwiegend eine Person besteht und die wird gestört durch häufig wechselnde Personen.
Beim Spracherwerb besagen Studien, dass die meisten Kinder bei einem zu frühen Durcheinander von Sprachen keine Sprache mehr richtig lernen, also in keiner mehr sicher sind, auch nicht in ihrer „Muttersprache“.

Was Sie schreiben, erinnert mich an die dunkelsten Werbezeiten für Krippenbetreuung. Da konnte man den Eindruck gewinnen, Mütter versündigten sich an ihren Babys, wenn sie diese nicht schnellstens in Kitas ablieferten und selbst einer Erwerbsarbeit nachgingen.

Katinka
1 Monat zuvor
Antwortet  Anne

Zitat: „Beim Spracherwerb besagen Studien, dass die meisten Kinder bei einem zu frühen Durcheinander von Sprachen keine Sprache mehr richtig lernen, also in keiner mehr sicher sind, auch nicht in ihrer „Muttersprache“.“

Was meinen Sie mit „Durcheinander“?
Kinder bis zum Alter von ca. 6 Jahren können problemlos 2-3 oder sogar mehr Sprachen lernen (mit 6 ist der Erstspracherwerb abgeschlossen und danach wird es zunehmend schwerer, je älter man ist), wichtig ist hierbei die Zuordnung, also dass immer ein- und dieselbe Person eine Sprache spricht (z.B. Mutter Sprache 1, Vater Sprache 2, Erzieher(in) Sprache 3), damit sie sie eben nicht durcheinander bringen und als individuelle Sprachen erlernen. (Wenn natürlich alle alle Sprachen sprechen funktioniert es nicht.)

Angelika Mauel
1 Monat zuvor
Antwortet  Katinka

Mir fallen gleich mehrere Kinder ein, die auf einmal von ihren Eltern oder einem Elternteil nicht mehr in dessen „Muttersprache“ angesprochen werden wollten. Schon möglich, dass sie ein Gespür dafür hatten, wann es denn mal gut ist und sie selbst über ihre Sprache entscheiden.

Und nun sieht es so aus, als ob bald auch in Krippen und Kitas gendersensible Sprachförderung angesagt wäre. Die PraktikantInnen müssen im Rahmen ihrer Sichtstunden vermutlich den Anfang machen. Doch wenn die Eltern daheim kein Binnen-I aussprechen, fragen die Kids in der Kita dann ausgerechnet in der Prüfungssitiation „Warum sprichst du so komisch?“

Stina
1 Monat zuvor
Antwortet  Angelika Mauel

Gendersensible Sprachförderung in Krippen und Kitas? Jetzt echt?
Ein sperriges, unmelodisches Sprachdiktat wie Gendersprech soll dann was fördern?
Wenn Kindern die Schönheit von Klang und Melodie einer Sprache vorenthalten wird,werden sie doch vielleicht nur soviel Sprache erlernen, wie sie zum Überleben benötigen..
Ich frage mich, wie Menschen,die mit intensivem Gendersprech aufwachsen,in ihrem späteren Leben die Vielfalt und Schönheit in Literatur und Musik entdecken sollen.
Werden Eltern, Pädagogen und Kinder zum Thema noch befragt?

Angelika Mauel
1 Monat zuvor
Antwortet  Stina

Inwiefern es Befragungen gibt, weiß ich nicht. Aber es tut sich einiges, vor allem in Berlin: https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/2022/10/berlin-queer-kita-schwulenberatung.html

Stina
1 Monat zuvor
Antwortet  Angelika Mauel

Danke für den m.M.n.verstörenden Artikel.
Dass es Kindergärten mit kulturellen Schwerpunkten gibt, kann ich nachvollziehen.Musikbegeisterte Eltern Z.B. freuen sich, wenn ein Kindergarten mit besonderen Musikangebot die musikalische Veranlagung ihrer Kinder fördert.
Ich verstehe aber nicht, was in einer queeren Kita gefördert werden soll.
Die Begründung der Initiatoren „Es ist wichtig, dass Kinder andere Lebensweisen und Welten kennenlernen“ überzeugt mich nicht, da Kinder homosexueller Eltern i.d.R.mit diesen zusammenleben und so die Lebensweise ( falls diese sich von der heterosexueller Paare überhaupt unterscheidet) tagtäglich erleben.
Außerdem leben heute viele homosexuelle Paare selbstverständlich zusammen und sind in Familie und Nachbarschaft gut integriet. An Kontakten mit homosexuell lebenden Mitmenschen dürfte es den meisten Kindern nicht fehlen.

Monira
1 Monat zuvor
Antwortet  Stina

NEIN!!!!!

TaMu
1 Monat zuvor
Antwortet  Angelika Mauel

Wie bei „Des Kaisers neue Kleider“, Kinder sind einfach ehrlich, gerade in Prüfungssituationen…

Angelika Mauel
1 Monat zuvor
Antwortet  TaMu

Ich wünsche mir ja, dass Erzieherfachschüler die Frage „Warum sprechen Sie neuerdings das Binnen-I ?“ stellen werden, sobald sie in der Schule entsprechend ankommuniziert werden.
Insgeheim habe ich mich schon einige Male gefragt, wie Jugendliche in der Schule abstimmen würden, wenn es darum geht, ob wir alle so sprechen sollen, wie Melanie Büttner und Sven Stockrahm, die regelmäßig auf Zeit online in ihrem Sex-Podcast eine „Gästin“ begrüßen. (Ein „Ohrenschmaus“, den ich noch nie länger als drei Minuten anhören konnte.)

DerechteNorden
1 Monat zuvor
Antwortet  Angelika Mauel

Wie interessant, dass Sie hiermit „Mir fallen gleich mehrere Kinder ein, die auf einmal von ihren Eltern oder einem Elternteil nicht mehr in dessen „Muttersprache“ angesprochen werden wollten“ gerade ein Argument FÜR Kita-Betreuung geben. Hallelujah!
Hauptsache dagegen, was?

Angelika Mauel
1 Monat zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Man kann viel in Aussagen anderer reininterpertieren. Ich bin ganz bestimmt nicht gegen vernünftige Kindergärten, aber die Qualitätsabstriche, die ich in den letzten Jahrzehnten miterlebt habe, muss ich nicht toll finden.

Ich kenne selbstverständlich Erzieherinnen, die liebevoll und wirklich gut mit Krippenkindern umgehen können, aber glücklicher als familiär betreute Kleinkinder fand ich die Langzeitbetreuten nicht. Glückliche Babys duften unglaublich gut. Unglückliche Kleinkinder aber, die gestresst sind und resigniert haben, haben einen ganz anderen Geruch. Es ist auch für gut eingewöhnte Kinder belastend, dass andere nicht von ihren Eltern verlassen werden wollen.

„Ich habe meinen Sohn in die Krippe gebracht, und als ich sah, wie er reagiert hat, habe ich ihn wieder herausgenommen.“ – Dieser Satz stammt von dem Wissenschaftler Wassilios Fthenakis https://de.wikipedia.org/wiki/Wassilios_E._Fthenakis der in diesem Interview damit überrascht hat, dass er als Krippenbefürworter sein eigenes Kind schnell wieder aus der Krippe genommen hat.

Im Interesse des Kindeswohls könnten einige Eltern es ihm gleichtun, doch leider können viele Eltern es sich finanziell nicht leisten.

Immer noch lesenswert: „Die dunkle Seite der Betreuung in der Kindheit“ des Pädiaters Dr. Rainer Böhm. Einige Kindergärten haben diesen Text immer noch irgendwo sichtbar für die Eltern ausgehängt. (Nur damit Sie nicht meinen, außer mir gäbe es kaum noch Erzieherinnen, die es besser fänden, wenn Kinder später und kürzer in Institutionen betreut würden.)

potschemutschka
1 Monat zuvor
Antwortet  Angelika Mauel

„…selbst über ihre Sprache entscheiden…“ – könnte ein grund sein, dass die Kinder nicht in der Sprache der Eltern reden wollen. Mir fällt aber noch ein möglicher Grund ein: Vielleicht haben die Kleinen zu oft gehört: „Hier wird Deutsch gesprochen, deine Eltern sprechen unsere Sprache hier nicht (richtig), odrr ähnlichen verszeckten Rassismus und schämen sich deshalb für ihre Eltern und deren Sprache? Ist natürlich nur so ein Gedanke von mir. Mir ist nämlich bei einigen meiner Grundschüler (ndH) aufgefallen, wie sie regelrecht aufblühten, wenn ich die Vorteile von Mehrsprachigkeit bei passenden Unterrichtsthemen erwähnte.

Angelika Mauel
1 Monat zuvor
Antwortet  potschemutschka

Wir hatten eine so proppenvolle Einrichtung, dass es stets auch eine Fülle an Einflüssen gab. Besonders intensive Erinnerungen habe ich an die früh in den halboffenen Treff gekommenen Stammbesucherinnen eines emanzipatorischen Mädchentreffs. – Sie genossen es, dass sie in ihrer Herkunftssprache sprechen konnten, aber weil Mädchen aus vielen Nationen zu uns kamen und manche Türkin den Dialekt aus einer anderen Region nicht verstehen konnte, wurde aus pragmatischen Gründen auch immer wieder Deutsch gesprochen.

Uns Erwachsenen waren die Vorteile der Mehrsprachigkeit bewusst und da es uns auch ein Anliegen war, das die jungen Mädchen und Frauen selbstbewusst ihre eigene Meinung vertreten konnten, habe ich nie den Eindruck gehabt, dass wir diejenigen gewesen wären, die manipulativ auf unsere Besucherinnen eingewirkt hätten.

Allerdings gab es unter den Müttern mehr Analphabetinnen als ich es mir zunächst vorstellen konnte. Gerade diese Frauen legten Wert darauf, dass ihre Töchter richtig gut in der Schule waren! Obwohl wir eigentlich erst für Mädchen ab dem Schuleintritt offen waren, wurde es auf eine erfrischend unkomplizierte Weise akzeptiert, dass einige ältere Mädchen jüngere Geschwister oder Vettern und Cousinen im Kleinkindalter mitgebracht haben. (Von ihren Eltern wurde erwartet, dass sie auf die Jüngeren aufpassten.)

Manchmal waren es gerade diese vor der Schule (und nach dem vormittäglichen Kindergartenbesuch) die Einrichtung besuchenden Kinder, die daheim auf Deutsch angesprochen werden wollten. Sie sahen, dass die Erledigung der Hausaufgaben von den Stammbesucherinnen sehr ernst genommen wurde. Ihr Spiel war es dann, baldmöglichst auch am Tisch zu sitzen und zu „schreiben“. Es gab auch Mädchen, die sich mit wenig Unterstützung selbst das Lesen beigebracht haben. – Angesichts der vielen Eindrücke die auf die Kinder eingewirkt haben, möchte ich mich nicht auf eine Beurteilung einlassen. Ich halte es für wahrscheinlich, dass die Kinder sich wegen ihres Lerneifers hoch motiviert und übereifrig auf die Fremdsprache Deutsch eingelassen haben. Besonders gut in der Schule waren damals die Mädchen, deren Familien aus dem Iran oder aus Afghanistan geflohen waren. Fluchterfahrungen führen nun mal auch dazu, dass die Kinder früher als andere begreifen, dass sich materielle Werte nicht alle mitnehmen lassen. Darum ist es wichtig, etwas im Kopf zu haben…

potschemutschka
1 Monat zuvor
Antwortet  Angelika Mauel

@Angelika Mauel
Danke für diese Schilderung .

Pit2020
1 Monat zuvor
Antwortet  potschemutschka

@potschemutschka

Da schließe ich mich gerne an!

potschemutschka
1 Monat zuvor
Antwortet  potschemutschka

Entschuldigung für die Tippfehler, war in Eile.

Angelika Mauel
1 Monat zuvor
Antwortet  Katinka

Dass Anne sich erlaubt hat, von einem „Durcheinander“ mehrerer Sprachen zu sprechen. kann ich gut nachvollziehen. Als ich in einem emanzipatorischen Mädchentreff gearbeitet habe, hatten wir mehrere Stammbesucherinnen, die aufgrund der Herkunft ihrer Familienmitglieder mehrsprachig aufwuchsen. Es kam öfter vor, dass Kinder im Vorschul- oder Grundschulalter sich von ihren Eltern nur noch in Deutsch oder einer einzigen anderen Sprache ansprechen ließen. Viele haben daheim lediglich in der Sprache ihrer Wahl geantwortet. Ich denke, dass Kinder ein gutes Gespür dafür haben, was ihnen gut tut.

Im Übrigen ist und bleibt freies Spielen für Kinder wichtig. Sie haben ein Recht darauf, vor übereifrigen Bemühungen um ihre Bildung verschont zu werden. Kleinkinder sind von Natur aus Selbstlerner. Sie lernen Fähigkeiten, ohne dass wir sie ihnen beibringen könnten. – Über die ersten Entwicklungsschritte von ihnen aber freuen sich Eltern und Großeltern meist viel intensiver und authentischer als Erzieherinnen, die schon so oft gesehen haben, wie ein Kind beispielsweise zum ersten Mal von einer Treppenstufe springt.

@Anne: Danke für die treffende Formulierung „grober Unfug“. Ich fand sie spontan feinfühlig.

Riesenzwerg
1 Monat zuvor
Antwortet  Angelika Mauel

„Die Entdeckung der Kindheit“ (von Aries?) ist noch gar nicht so lange her.

Davor gab es nur Erwachsene. Alte Erwachsene, junge Erwachsene und extrem junge Erwachsene.

Mir scheint, in diese Richtung geht es wieder – sehr zu meinem Verdruss.

Kinder sind Kinder und Punkt!

Sie von Anfang an mit Wissen vollzustopfen, ist m. M. nach verkehrt.

Sie brauchen Zeit zum Entwickeln und Spielen und Toben sind Grundvoraussetzungen zum Lernen.

Ich habe da mal das Wort „Differenzierung“ gehört…. Scheint in der KiTa wohl nicht gewollt. Die fängt ja m.E. schon in der Familie statt und mir scheint, in der KiTa sollen alle bereits auf die Zeit nach der Schule – Arbeitsmarkt – vorbereitet werden (liebe Wirtschaft…. keine gute Idee).

Das halte ich für falsch.

Hier sollte das soziale Lernen im Vordergrund stehen – und Spaß und Freude am (wie auch immer gestaltetem) Lernen – nicht das Wissen!

Angelika Mauel
1 Monat zuvor
Antwortet  Riesenzwerg

Hallo Riesenzwerg,

die Förderung der sozialen und emotionalen Kompetenzen steht in „unserer Bildungsinstitution Nummer eins“ selbstverständlich auch in allen Bildungsplänen der Länder. (Lediglich in NRW gibt es dank Prof. Schäfer dankenswerterweise recht kurz gehaltene „Bildungsvereinbarungen“. (Inwieweit ErzieherInnen daran mitgewirkt haben, weiß ich nicht.)

Weil Bildung ein Geschäft ist, wurden vor und nachdem uns in der Praxis die Bildungspläne serviert wurden, zahlreiche Programme zur Förderung der sozialen und emotionalen Kompetenzen entwickelt, selbstverständlich evaluiert, gelobt und zertifiziert. – Absurdes Theater, kabarettreif und unzumutbar für Kinder und ErzieherInnen lautet mein vernichtendes Urteil. So entbehrlich wie ein Kropf finde ich Mimikwürfel, Gefühlsbarometer und Buttons, auf denen die eigenen Stimmungslage plakativ angezeigt wird. Bei „Papilio“ mit den vier Gefühlsbolden (Heulibold, Freudibold, Bibberbold und Zornibold) gibt es sogar eine „Gefühlewand“, an der Kinder und ihre BetreuerInnen täglich ihr Foto unter eines der Bilder der vier Bolde hängen sollen.

Es scheint politisch gewollt zu sein, Erzieherinnen dazu zu bringen, dass sie laut Anleitungen (Handlungsempfehlungen) anderer vor Kindern herumkaspern, um ihnen erwartete Antworten zu entlocken.

Einen hohen Anteil unserer Animations-F(l)achliteratur könnten wir in die Tonne kloppen und uns dafür entscheiden, ausschließlich selbst zu denken. Da hätten die Kinder mehr von.

Es wäre schön, wenn ErzieherInnen in Kitas den Buchbestand mal gründlich ausmisten würden. Da stehen noch dicke Schinken rum, die kein Mensch liest. In „Vom Kleinsein zum Einstein“ kommen die Buchstaben „S-P-I-E-L“ fast nur in den Begriffen „Beispiel“ und „beispielsweise“ vor. Und dann noch die Broschüren, die ungefragt von den Ministerien versendet wurden… Unsere Fachzeitschriften achten ja leider auch sehr darauf, die Interessen der Anzeigenkunden zu unterstützen. Fachartikel passen so gut zu dem, was bestellt werden soll. – Tucholsly hat an seinen Verleger appelliert „Macht unsere Bücher billiger“. – Wir müssten fördern „Macht unsere Bücher besser“!
Ein Tag der offenen Tür für fachfremde, intelligente Schnellleser wäre entlarvend. – Dass so viel Mist in den Buchtregalen der Kitas steht, ist aber nicht die Schuld der Fachkräfte. Wer in der Praxis arbeitet, hat gar keine Zeit alles zu lesen. Und Beschwerden vonnuns werden nicht ernst genommen. Leider.

Riesenzwerg
1 Monat zuvor
Antwortet  Angelika Mauel

Hallo Angelika,

mir wird ein wenig schlecht, wenn ich das lese…. Überall derselbe Mist, wenn sich politisch-egoistisch ambitionierte KuMis etc., die von Tuten und Blasen keine Ahnung haben, einmischen, um auch mal was gesagt zu haben….

Jaaa, wir Lehrys würden auch lieber selber denken dürfen – ist nicht gewollt, wie es scheint.

Die armen Kids werden vom ersten Tag in der KiTa „überwacht“ und „kontrolliert“! Das kann unmöglich gut sein.

Freies Spiel – auch mit Streitereien – muss sein. Und es darf nicht jeder Schritt dokumentiert werden müssen – unter dem Vorwand „zum Besten des Kindes“.

Wir spielen auch schon seit Jahren den Entertainer, damit wir doch noch eine richtige, gute Antwort aus unseren Schülys herausholen – was für ein Wahnsinn!

Ich schließe mich Ihrem „vernichtenden Urteil“ uneingeschränkt an.

Wir erhalten Handlungsanweisungen, uns werden jegliche Maßnahmen zur Erziehung (nein, ich meine weder hauen, noch beißen, noch Isolation!) genommen, damit Kiddis nicht im freien Spiel und auch sonst nicht – wirklich und ehrlich und echt sie selber sein dürfen.

Wie absurd ist das denn?

„So entbehrlich wie ein Kropf finde ich Mimikwürfel, Gefühlsbarometer und Buttons, auf denen die eigenen Stimmungslage plakativ angezeigt wird. Bei „Papilio“ mit den vier Gefühlsbolden (Heulibold, Freudibold, Bibberbold und Zornibold) gibt es sogar eine „Gefühlewand“, an der Kinder und ihre BetreuerInnen täglich ihr Foto unter eines der Bilder der vier Bolde hängen sollen.“

Ohne Worte!

Vom Riesenzwerg, dem resigniertdieHandvordenKopfschlag Verzweifelbold

(Ein bisschen differenzierter – vor allem für die Sprachentwicklung! – sollten die Gefüls-bolde (ich krieg die Krise! Für so einen Schwachsinn wird Geld ausgegeben?!) schon sein.) 😉

Pit2020
1 Monat zuvor
Antwortet  Riesenzwerg

@Riesenzwerg

>>„Die Entdeckung der Kindheit“ (von Aries?) ist noch gar nicht so lange her.
Davor gab es nur Erwachsene. Alte Erwachsene, junge Erwachsene und extrem junge Erwachsene.
Mir scheint, in diese Richtung geht es wieder – sehr zu meinem Verdruss.<<

Volle Zustimmung.

Und hier die üblich informativen und anschaulichen 45 Minuten:
https://www.zdf.de/dokumentation/terra-x/das-uhrwerk-des-lebens-geschichte-der-kindheit-doku-100.html

Riesenzwerg
1 Monat zuvor
Antwortet  Pit2020

Der liebe Pit!

Vielen Dank für den Link! 😉

Angelika Mauel
1 Monat zuvor
Antwortet  Riesenzwerg

Ich schließe mich an. Danke!

Lisa
1 Monat zuvor
Antwortet  Katinka

Ich hatte zwei Mädchen in meiner Klasse: Der Vater italienischer Ingenieur, die Hausfrau und Mutter Thailänderin, dann noch das deutsche Umfeld.
Die Mädchen wuchsen also 3sprachig auf. Die 1 Jahr ältere, sehr intelligente und in allen Schulfächern glänzende Tochter, lernte sowohl fließend Italienisch als auch Deutsch.Thailändisch beherschte sie nach eigener Angabe nicht so gut.
Die weniger begabte Schwester hatte dagegen einen recht kargen deutschen Wortschatz und machte auch grammatische Fehler. Ansonsten war sie eine knappe Durchschnittsschülerin. Nach Aussage des Vaters war sie in der italienischen Sprache auch nicht so ganz sattelfest. Sie hatte also Schwierigkeiten mit der Mehrsprachigkeit.
Später las ich dann mal, dass intelligente Kinder mit einem zweisprachigem Aufwachsen gut zurechtkommen, weniger intelligente aber nicht. Bei ihnen soll es tatsächlich besser sein, wenn sie erst einmal nur mit einer Sprache aufwachsen und später die andere dazulernen.

Riesenzwerg
1 Monat zuvor
Antwortet  Lisa

Wollte ich auch schon anmerken – auch hier spielen selbstverständlich die kognitiven Fähigkeiten eine Rolle!

Carsten60
1 Monat zuvor
Antwortet  Lisa

Das sind ja ganz neue Erkenntnisse, was die Intelligenz betrifft. Was folgt daraus nun für die „normalen“ Migrantenkinder, wo es nur um zwei Sprachen geht? Hatte nicht Erdogan mal offen gefordert, erst müssten die Kinder Türkisch lernen und hinterher Deutsch? Alles wegen nationalistischer groß-türkischer Ideen. Gerüchten zufolge lernen viele beides nur so lala und sprechen hinterher weder ein ordentliches Türkisch noch ein ordentliches Deutsch. Und es sind nun mal nicht alle intelligent, das ist eine Normalverteilung.

Riesenzwerg
1 Monat zuvor
Antwortet  Katinka

Das hat mir gerade vor kurzem eine texanische Mutter bestätigt.

Sie war erst auch verunsichert – Vater Deutscher – und hat sich schlau gemacht.

Fazit:
Kinder können gar nicht erkennen, dass es es um unterschiedliche Sprachen handelt! Sie lernen sie einfach.

Papa spricht immer Deutsch, Mama immer Amerikanisch mit dem t*pischen Slang der Texaner ….. Drei Kiddis sprechen Deutsch und Amerikanisch mit Slang.

Manchmal tatsächlich etwas durcheinander, da sie das entsprechende Wort in der gerade gesprochenen Sprache noch nicht kennen oder es ihnen gerade nicht einfällt, aber mal ehrlich – die kommen prima klar und lernen die fehlenden Wörte einfach dazu – Peng, fertig, alle zufrieden!

Monira
1 Monat zuvor
Antwortet  Anne

Das ist völlig korrekt ,was du sagst..Wenn von 24 Kindern nur 3 muttersprachlich deutsch sprechende Kinder sind ,Erzieher ebenfalls der deutschen Sprache noch nicht fähig sind ,kommt Sprachförderung eindeutig zu kurz

Angelika Mauel
1 Monat zuvor
Antwortet  Sandra

@Sandra: Ja, ja. Studien… Und in der Praxis gibt es Pech für Kinder, Pannen und Peinlichkeiten! Wie viele der aus fremden Ländern angeworbenen studierten Erzieherinnen bleiben denn in den teuren Metroplen? (Kinder verlieren ihre „Bezugserzieherinnen“ in manchen Einrichtungen gleich mehrere Male!!! Und ob das zu mehr Sprachkompetenz führt, wenn nach der Spanierin die Griechin kommt, bezweifle ich doch sehr.)

Es ist verdammt schwer, KLEINKINDER und Dialekt sprechende Eltern und Kolleginnen in einer Sprache zu verstehen, die nicht die eigene Mittersprache ist. Unter Lärm, Stress oder gesundheitlich angeschlagen können die ArbeitsmigrantInnen im Alltag nicht mit Kindern und Kolleginnen auf dem Sprachniveau kommunizieren, das sie in einer Prüfung erreicht haben. Um nicht immer diejenige zu sein, die etwas nicht verstanden hat, wird darum manchmal so getan als ob… Missglücken jedoch Absprachen unter Fachkräften, kann das fatale Folgen haben.

Insider werden Ihnen vermutlich bestätigen, dass längst nicht überall, wo angeblich eine Fremdsprache nach der Methode der Immersion den Kindern vermittelt werden soll, tatsächlich Muttersprachler aktiv sind. Wer halbwegs eine Fremdsprache beherrscht, kann den Job auch haben. Papier ist geduldig und Schaumschlägerei macht sich gut bei privaten Kitas, die höhere Elternbeiträge verlangen, ihre Fachkräfte aber oft so mies bezahlen, dass sie öfter wechseln. Das Personalkarussel dreht sich. Doch Eltern müssen es nicht merken, denn schon vor Corona gab es in der U-3-Betreuung Träger, die angeordnet haben, dass Kinder nur auf dem Flur an eine Betreuerin übergeben werden. Aufgrund des Betreuungsplatzmangels war es möglich, Eltern zur Anmeldung ihres Kindes zu bewegen, obwohl ihnen bald nach der Eingewöhnung verwehrt wird, einen Blick in den Gruppenraum zu werfen!

Einige namhafte Träger sind unrühmlich durch eine Nichteinhaltung gesetzlicher Vorschriften aufgefallen. Mit Zertifikaten wurden sie trotzdem großzügig ausgestattet.

Nicht grundlos sind in fast allen Bundesländern so viele Kitafachkräfteverbände entstanden. Viele Erzieherinnen sind am Limit!

Sandra
1 Monat zuvor
Antwortet  Angelika Mauel

Danke für deine Antwort.
Ich bin selbst Erzieherin und sehe das ganze System eben so kritisch wie du. Dennoch ist nicht alles schlecht in Kitas. Und ein Kind einzuschulen, dass gar kein Deutsch spricht da in seiner Familie eine andere Muttersprache gelebt wird, ist meiner Meinung nach auch keine Lösung.
Die Rahmenbedingungen kranken. Meine Antwort beinhaltet keinerlei Rechtfertigung des Systems sondern lediglich die Leidenschaftslose Erkenntnis, dass es Studien gibt die belegen, dass die Kita durchaus einen positiven Nachweisbaren (!) Einfluss auf die Bildungschancen der Kinder hat.
Alles was aus der Antwort an dieser Stelle gemacht wurde sind düstere Einstellung und vermutlich Überforderung und Resignation meiner Kolleg *innen.
Wir sollten uns auf die Chancen besinnen die Kitas bieten. Dass diese jedoch kaum realistisch aufgrund der Rahmenbedingungen sind, ist meiner Meinung nach unstrittig.

Angelika Mauel
1 Monat zuvor
Antwortet  Sandra

Danke Sandra! Alles finde ich auch nicht schlecht. Gäbe es keine Kindergärten, müsste man sie unbedingt empfinden, denn Einzelkinder brauchen Spielpartner und auf die Sicherheit von Kindern muss auch geachtet werden. Aber bessere Alternativen zu Krippen gab es, bevor die „Eltern-Kind-Gruppen“ durch arbeitgeberfreundliche Betreuungsmodelle ersetzt wurden. Und nun, wo alle Kinder ab einem Jahr einen Rechtsanspruch auf Betreuung haben und es kaum noch Halbtagskindergärten oder Kindergärten mit einer Schließzeit über Mittag gibt, leisten sich sogar voll erwerbstätige Eltern oft keine Wohnungen mit einem Garten mehr. – Und in den Metropolen – und auch auf dem Land – bekamen Krippen und Kitas ohne eigenes Außengelände ein Betriebserlaubnis. Doch weil immer noch nicht genug qualitativ dürftige Betreuungsplätze geschaffen werden konnten, „dürfen“ Betriebe so genannte „Mini-Kitas“ eröffnen. Für diese gilt manches nicht, was ein Kindergarten vorweisen muss.

Ich verzichte darauf, alles abwägend durch den Weichspüler zu ziehen. Der Deutsche Kitapreis zeigt zwar, wie toll einige Vorführkitas ausgestattet sein können – aber die besonders benachteiligten Einrichtungen haben keine Chance, den Preis und damit auch Geld zu gewinnen. Ich wünsche mir Extra-Fördergelder für besonders benachteiligte Kitas! Und mehr mediale Beachtung für krasse Fehlentwicklungen. In Berlin sollen sich immer wieder mehrere Kitas nach einem „Belegplan“ mit den Kindern zu öffentlichen Spielplätzen begeben. Weil sie nämlich gar keinen Garten für die Kinder haben.

Die Situation ist derart verfahren, dass unsere Politiker es gar nicht wagen können, ein bundesweit geltendes Kita-Qualitätsgesetz zu schaffen, dass diesen Namen verdient. Zu vielen Kitas müsste die Betriebserlaubnis entzogen werden.

Die Frage „Auf was kann verzichtet werden“ ist ein Anfang, aber noch wichtiger ist die Frage „Was muss alles getan werden, damit das Kindeswohl gewährleistet ist?“

Die neu gegründeten Kitafachkräfteverbände haben dazu bestimmt einiges zu sagen.

Carsten60
1 Monat zuvor
Antwortet  Sandra

@ Sandra: Wie soll das mit dem Zweitsprachen-erwerb (deutsch) funktionieren, wenn in manchen Kitas kaum deutschsprachige Kinder sind? Und in manchen Wohngebieten ist das der Fall. Dann reden die anderen untereinander irgendwas anderes, und auch die wenigen deutschen Kinder bleiben unter sich. Die Betreuer können das nicht richten, sie kommen dagegen nicht an. Von alleine geht das jedenfalls nicht, niemand kann das erwarten. Alles kann funktionieren, wenn der Migrantenanteil nicht zu hoch ist. Aber in manchen Städten liegt er bei den kleinen Kindern schon bei 50 %, 60 % oder noch höher. Niemand hat sich vorher überlegt, was die Folgen sein können, so naiv waren unsere „Experten“. In den Tests des Monitorings jedenfalls gehen die Deutschkenntnisse immer weiter runter, obwohl es doch nun immer mehr Kitas und auch immer mehr Ganztagsgrundschulen gibt.

Sandra
1 Monat zuvor
Antwortet  Carsten60

Ich hatte damals 1 (!) deutsches Kind in meiner Gruppe (27 Kinder). Türkisch und Albanisch waren die Muttersprachen der anderen Kinder. Die Kinder haben dennoch Deutsch gelernt. Natürlich nicht auf Muttersprachen Niveau, aber sie waren in der Lage zu verstehen, sich zu verständigen und in der Schule zu folgen.
Wäre die sprachliche Situation für die Kinder besser ohne 3 Jahre Kita gewesen?

Marion
1 Monat zuvor
Antwortet  Carsten60

Da die Bertelsmannstiftung eine Anteilsmehrheit am Medienkonzern Bertelsmann hält, dürfte ja wohl klar sein, wo ihre Interessen liegen.
Die wollen bestimmt nicht familiäre Strukturen stärken. Da geht es einzig und allein darum, wie Menschen „fit“ für die Erfordernisse einer globalisierten Wirtschafts – und Arbeitswelt gemacht werden können.
Das geschieht selbstverständlich am besten durch frühzeitige Fremdbetreuung und mehr und noch mehr Digitalisierung schon im Kindergarten.
Um die wirklichen Bedürfnisse der Kinder geht es da nicht im Geringsten.
Worauf kann verzichtet werden, ohne die Kinderrechte zu verletzen?
Ich hab weiter unten meine persönliche Wunschliste für Erzieherinnen in Kitas geschrieben.
Ich hätte wohl lieber eine Verzichtsliste schreiben sollen.
Verzichten könnte man schon mal auf so manche Bertelsmannstudie.
Verzichten könnte man auf diverse Dokumentationspflichten im Kindergarten. Verzichten könnte man auf kranke Kinder in der Einrichtung. Verzichten könnte man auf überzogene Projektaktionen und auf die vielen lustigen, kleinen Zertifikate, die etliche Kitas sich so gerne an die Eingangstüre hängen, die allerdings, außer einem enormen Zeitaufwand, nichts bringen, was man nicht auch ohne sie geschafft hätte.
Man könnte auf so vieles verzichten. Ich fürchte allerdings, die Ergebnisse einer Bertelsmannstudie zu dieser Frage, würde sich nicht mit meinen Erkenntnissen aus langjähriger Erfahrung, decken.

Stina
1 Monat zuvor
Antwortet  Marion

Der Medienkonzern Bertelsmann dürfte auch davon profitieren,dass für neue pädagogische Konzepte in Kitas und Schule ( Unterrichtsmethoden) auch immer neue Materialien benötigt werden.
Während der Kindergarten und Grundschulzeit meiner Kinder, waren wir nicht die einzigen Eltern, die „selbstgesteuertes Lernen“ und „Dosendiktate“ infrage stellten.
Auch die Verquickung des thinktanks Bertelsmann mit Medienkonzern Bertelsmann und deren Einfluss auf Kita u.Schule war nicht nur uns suspekt.
Medienkonzerne würden natürlich auch von einer verbindlichen Einführung des Gendersprech profitieren.

Ich lese hier manchmal am Wochenende mit und viele der Kommentare berühren mich, weil sie genau das Unbehagen oder so eine Art Ahnung beschreiben, die wir auch empfanden.
Wir fanden es gruselig, wie Erzieher und z.T. auch Schulbeschäftigte durch Zertifizierungs und auch Wettbewerbshype in eine Richtung manipuliert werden sollten, die den Blickwinkel auf das Wesentliche in Kita u.Grundschule verengen muss, da Wettbewerbsdenken immer ein reduziertes Denken ist und es nätürlich auch Kräfte bindet.
Wahrscheinlich gibt es unter den gegenwärtigen Kitaeltern noch immer Personen,die die „neoliberale Verheißung“ des induvialisierten Lebens kritisch sehen,und auch wieder Arbeitsbedingungen in Kita u.Schule wünschen, die es den Beschäftigten erlauben ihre umfangreichen Aufgaben wieder entspannter wahrzunehmen.
Vielleicht…

Angelika Mauel
1 Monat zuvor
Antwortet  Stina

Heute wird verbal so getan, als ob alle „Karriere“ machen würden und als ob es etwas Schlechtes wäre, keine Karriere zu machen – oder noch schlimmer – sie gar nicht anzustreben.

Damit wird psychischer Druck auf Eltern ausgeübt, möglichst viele Stunden mit einer Erwerbsarbeit zu verbringen und die Erwartungen des Arbeitgebers zu erfüllen. Die wenigsten machen wirklich Karriere.

Dem Erziehernachwuchs wurde vor Jahren auch einiges vonwegen „Karriere“ versprochen und vorgegaukelt. Viele beginnen gleich nach dem Abschluss ein Fernstudium mit dem Wunsch, baldmöglichst keinen Gruppendienst mehr machen zu müssen. – Und wenn es mit der versprochenen „Karriere“ nicht klappt, werden einige Berufsanfänger bald wieder aus den Kitas ausscheiden. So nach dem Motto „Bevor ich noch Long Covid bekomme, höre ich lieber auf.“

Riesenzwerg
1 Monat zuvor

Ganz ehrlich? Recht der Kinder?

Doch wohl eher ein Abschieberecht der Eltern, damit sie arbeiten gehen können!

Oder anderen wichtigeren Dingen in ihrem Leben nachgehen können.

Zeit haben für Selbstfindung!

Hat mal jemand die Kids gefragt, ob sie dieses Recht durchsetzen wollen oder lieber bei Mama und / oder Papa bleiben würden?

Bestimmt sind einige lieber in der KiTa – was sagt das über das Eltern-Kind-Verhältnis aus?

Angelika Mauel
1 Monat zuvor
Antwortet  Riesenzwerg

Es mag als überzogen empfunden werden, wenn ich sogar schon von „inszentierter Abschiebepflicht“ spreche. Bei ledigen Müttern kommt es immer mal wieder vor, dass sie bedrängt werden, ihr noch gestilltes Kind doch vernünftigerweise einer Tagesmutter zu überlassen. Weil eine Ausbildung wichtig ist, sollen sie sich dann als Pflegehelferin ausbilden lassen…
So werden Kinder und auch ihre Eltern, vor allem alleinstehende junge Mütter zur Manövriermasse.

Leider gibt es keine statistischen Erhebungen darüber, was ErzieherInnen von einer Vollzeitbetreuung der Jüngsten halten. – Es gibt so viele, die ihr Kind lieber anders aufwachsen sehen möchten als es in unseren „Kinderbildungsparadiesen“ möglich ist.

Riesenzwerg
1 Monat zuvor
Antwortet  Angelika Mauel

Was geht nur in den „Menschen“ vor?

Ich konnte Ihren obigen Beitrag (Situation zum Personalkarrussel) schon kaum ertragen….

Was – verdammt noch eins! – ist das Ziel?

Kinder opfern für die Wirtschaft?
Kinder mies betreuen für die Wirtschaft?
Kinder wegorganisieren für den Konsum?
Kinder fremd“betreuen“, weil …
Kinder weg von den Eltern, weil …

Ich werde immer fassungsloser – Kinder sind unsere Zukunft oder sind Kinder unsere Kaufkraft und zur Stärkung der Wirtschaft gedacht und (böse) gemacht?

Ich nähere mich gerade dem ver-schwörungstheoretischen Bereich und steige lieber aus, bevor meine Fantasie das Zepter übernimmt.

Angelika Mauel
1 Monat zuvor
Antwortet  Riesenzwerg

Die geburtenstarken Jahrgänge hinterlassen schon jetzt eine Lücke auf dem Arbeitsmarkt und sie wird noch größer werden. Deshalb der massive Druck auf die Eltern. In meiner Kindheit konnte ein Arbeiter allein eine fünfköpfige Familie ernähren! Das Essen für die Kinder war meiner Erinnerung nach wohl fast überall gesünder als der zerkochte Papp, der in vielen Kitas und Schulen Kindern zugemutet wird. – Früher war gewiss nicht alles besser, aber wenn heute Doppelverdiener meinen, sie könnten nicht einmal ein Kind so lange familiär betreuen oder in einer selbst organisierten Kleingruppe betreuen lassen, bis es reif genug für eine größere Gruppe ist, dann ist etwas gewaltig aus dem Ruder gelaufen.

Wie dankbar waren frühere Elterngenerationen für die Kampagne des Deutschen Gewerkschaftsbundes zur Arbeitszeitverkürzung und zur Fünf-Tage-Woche. „Samstags gehört Vati mir!“ war ein Erfolg. – Heute sind Eltern dank ihrer ständigen Erreichbarkeit wieder Manövriermasse vieler Arbeitgeber. Das Kindeswohl hat keinen Vorrang mehr vor arbeitgeberfreundlichen Betreuungszeiten.

Carsten60
1 Monat zuvor
Antwortet  Angelika Mauel

„Samstags gehört Vati mir!“
Im genauen Gegensatz dazu heißt es heute: so viele Eltern sind ja gar nicht imstande, ihre Kinder zu unterstützen, etwa mit ihnen zu spielen oder zu basteln oder ihr Deutsch zu fördern, deshalb müssen die nachmittags in die Ganztagsschule, wo dann viel Sport getrieben wird oder eine sonstige „Betreuung“ durch Hilfskräfte (keine Lehrer) stattfindet.
Also einmal erklärt man den Einfluss der Familie für positiv, das andere mal für tendenziell negativ.

Riesenzwerg
1 Monat zuvor
Antwortet  Angelika Mauel

Volle Zustimmung – gesellschaftlich gesehen leider volle Zustimmung.

Das geht seit Jahren in diese Richtung und so langsam fliegt es uns um die Ohren.

Wir hatten auch nicht viel Geld, dafür Gemeinsamkeit.

Sprechen lernte ich zu Hause – von echten Menschen und nicht aus dem Fernsehen. Wir hatten einfach kein Geld dafür (später dann schon 😉 )

Eltern und Kinder entfremden sich zunehmend. Das ist auch keine gute Entwicklung.

MB aus NRW
1 Monat zuvor
Antwortet  Riesenzwerg

Ein bisschen weniger schwarz/weiß wäre schön. Mein „Großer“ (4 Jahre) geht in die Kita – und es geht im gut da und unserer Beobachtung nach tut es ihm auch gut, viel mit anderen Kindern zusammen zu sein und zu spielen. Er hat schon Freundinnen und Freunde gefunden, bastelt viel, bewegt sich etc.
Und auch mal Konflikte mit anderen Kindern auszuhalten, ist sicher nicht verkehrt für ihn.

Und er geht in die Kita, obwohl ich für den „Kleinen“ (1 Jahr) in Elternzeit bin.

Man darf ja auch nicht vergessen, dass Haushalt, Einkäufe etc. erledigt werden müssen. Statt also morgens mit einkaufen zu müssen und Papa nur geteilt „für sich“ zu haben, kann er mit seinen Freunden spielen und wir haben, wenn wir den Großen abholen, auch wirklich Zeit für ihn.

Riesenzwerg
1 Monat zuvor
Antwortet  MB aus NRW

Es gibt immer die „graue“ Mitte mit vielen, vielen Abstufungen.

Das ist bestimmt nicht nur mir bewusst. Es ist nur schwer, alle Facetten in den Kommentaren zu berücksichtigen.

Zumal eben auch die Extreme besonders auffallen.

Zeit ist das Häufigste, das Kinder sich (im Normalfall) von ihren Eltern wünschen (abgesehen von Liebe, Laptop, Zuwendung, Playstation…. 😉 ).

Marion
1 Monat zuvor
Antwortet  MB aus NRW

Auch wenn ich mich in meinen Kommentaren hier meist sehr kritisch über frühkindliche Fremdbetreuung äußere, möchte ich betonen, daß ich keinesfalls Kindergärten grundsätzlich schlecht finde. Im Gegenteil.
Natürlich bieten sie Kindern die Möglichkeit, mit anderen Gleichaltrigen in Kontakt zu treten, gemeinsam zu spielen, Freundschaften zu knüpfen, sich sozial weiterzuentwickeln, Gemeinschaft auch außerhalb der Familie zu erleben. Vor allem weil Kinder heutzutage fast ausschließlich im Kleinfamilienverband aufwachsen und nicht mehr, wie früher in der Großfamilie mit Großeltern, vielen Geschwistern und manchmal sogar mit Onkeln, Tanten, Cousins und Cousinen.
Es gibt auch kaum noch das sprichwörtliche Dorf, daß es braucht, um Kinder großzuziehen. Deshalb sind Kindergärten eine gute und wichtige Sache.
Mich stört nur, daß es inzwischen sehr häufig nicht mehr darum geht, was Kinder brauchen.
Es geht oft nur noch darum, daß Kinder so früh wie möglich, so lange wie möglich, wegorganisiert werden müssen, weil sonst der Alltag der Erwachsenen nicht mehr funktioniert und daß das unter den Etiketten „Kinderfreundlichkeit“, „Rechte der Kinder“, „Chancengleichheit“, „Individuelle Förderung“, „frühkindliche Bildung“ usw., verkauft wird. Das ist, m.M. nach einer der größten Etikettenschwindel überhaupt.
Ginge es um die Rechte der Kinder, würde man jedes Kind individuell betrachten. Dann würde man sehr schnell merken, daß nicht Jedes so gestrickt ist, daß es einer Vollzeitkitabetreuung ab einem, zwei oder drei Jahren in gleichem Maße gewachsen ist.
Heute muß aber der Einjährige schon morgens um halb acht in die Krippe gebracht werden und um halb fünf wird er wieder abgeholt. Nicht weil IHM das so gut tut, sondern allein deshalb, weil seine ELTERN arbeiten müssen oder wollen oder weil sie es gerne ein wenig stressfreier haben. Das Bedürfnis des Kindes ist heutzutage oft Nebensache.
Ich verurteile auch nicht pauschal alle Eltern, die eben auch Zwängen unterworfen sind und keine andere Möglichkeit haben. Das einzige, was ich verurteile, ist die Scheinheiligkeit, mit der wir diese Zwänge, denen wir schon unsere Allerkleinsten unterwerfen, als das einzig Richtige und Beste für sie anpreisen.

Pit2020
1 Monat zuvor
Antwortet  Marion

@Marion

„Das Bedürfnis des Kindes ist heutzutage oft Nebensache.“

Sie benennen da sehr treffend eines der grundlegenden Probleme.
Und sehr oft hat man das Gefühl, dass das Bedürfnis des Kindes vollkommen ignoriert wird! 🙁

Konfutse
1 Monat zuvor

„Worauf kann verzichtet werden, ohne das Recht der Kinder zu verletzen?“
Ich hätte da eine gute Idee: Den Bundestag verschlanken, mancher Landtag auch oder eben verhindern, dass sich der ein oder andere Landtag durch eine Wahlrechtsreform aufbläht. Da könnte man jährlich ganz schön viel Geld sparen und dies dann auch wirklich SINNVOLL einsetzen.

Angelika Mauel
1 Monat zuvor

Eine Frage: Sollen in östlichen Bundesländern tatsächlich nur „4900“ Fachkräfte in Kitas fehlen, um der Nachfrage gerecht werden zu können? Fehlt da am Ende nicht mindestens eine Null? In östlichen Bundesländern führt der geduldete Personalmangel zu katastrophalen Zuständen, die die Eltern in NRW vermutlich nicht akzeptieren würden.

Ojemine
1 Monat zuvor
Antwortet  Angelika Mauel

Der Personalschlüssel ist ein anderer. Dort fährt man gruppenpädagogische Modelle…

Angelika Mauel
1 Monat zuvor
Antwortet  Ojemine

Bei uns wird auch schon mal zur Arbeit nach einem offenen Konzept gedrängt oder es sogar angeordnet. So lässt sich Personalmangel besser verschleiern und die Kleinsten, die besser teiloffen – oder in einer kleinen Gruppe – oder in der Tagespflege (oder noch daheim) betreut werden würden, sind zumindest anfangs enorm gestresst von den vielen Eindrücken und weinen, wenn sie sich verirrt haben.

Ja, in manchen Bundesländern kann man Kinder en masse in einer Halle betreuen, solange nur genügend Aufsichtspflichtige dabei sind. Schrecklich!

Marion
1 Monat zuvor
Antwortet  Angelika Mauel

Ich will nicht die offenen Konzepte generell schlecht reden.
Ich glaube aber, daß diese Arbeitsweise nicht für alle Kindergärten gleich gut geeignet ist. Unser Kindergarten zieht sich vom Erdgeschoß über den 1.Stock bis zum zweiten. Einen Keller haben wir auch noch.
Man kann also sagen, unser Kindergarten zieht sich über vier Stockwerke, auch wenn sich das Hauptgeschehen im Erdgeschoß und im ersten Stock abspielt.
Nichtsdestotrotz ist die Lage bei uns eher unübersichtlich.
Trotzdem wird jetzt wieder auf eine schrittweise Öffnung hingearbeitet. Wegen Corona hatten wir die letzten zweienhalb Jahre geschlossene Gruppen.
Ich war damit nicht unglücklich. Die Kinder auch nicht – zumindest habe ich nicht den Eindruck.
Die Meinung im Kollegium ist geteilt. Dennoch führt kein Weg daran vorbei, da auch vom Träger die Rückkehr zum offenen Konzept gewünscht wird.
So ganz nachvollziehen kann ich die Begeisterung für diese Form des Arbeitens nicht.
Damit das Konzept funktioniert, braucht es viel mehr Regeln und Absprachen. Manche Kinder sind damit überfordert, und wenn ich ehrlich bin, nicht nur die.
Außerdem wird, trotz aller Kommunikation und Absprachen zwischen den Kolleginnen, doch auch viel übersehen.
Das fiel mir immer besonders bei meiner Arbeit mit den Vorschulkindern auf: Da konnten manche noch nicht mal einen Stift oder eine Schere richtig halten, weil sie sich nie im sog. Kreativraum aufgehalten haben und auch nicht „Hier“ geschrien haben, wenn es ein Bastelangebot gab. Das stört mich so an diesem Konzept: Auch wenn die Kommunikation im Team noch so gut funktioniert, es geht trotzdem vieles unter.
Und dann merkst du bei der Arbeit mit den Vorschulkindern plötzlich, daß es da bei einigen Kindern ganz massive feinmotorische Defizite gibt, weil sie von sich aus nie einen Stift, Schere oder Kleber in der Hand genommen haben, was aber keinem je aufgefallen ist, weil die Teilnahme an Bastelangeboten ja freiwillig ist.

Marion
1 Monat zuvor

Guten Morgen, alle aufgewacht!
Habt ihr heute schon gesungen und gelacht?…..

Angelika Mauel
1 Monat zuvor

Unsere Kindergartenpolitik der letzten Jahrzehnte verdient es, einmal gründlich „abgefrühstückt“ zu werden. In diesem Video https://www.youtube.com/watch?v=nVxMNLsg2D0 zeigen Bauern beim „Bauernfrühstück“ wie kritisch sie sich mit den Einflüssen auf ihre Arbeitsfelder auseinandersetzen können. – Erzieher und Erzieherinnen könnten ebenso Tacheles reden! Und dabei ungeniert so viel Kaffee trinken, wie sie wollen!

Ein ebenso gehaltvolles Gespräch von Fachkräften im Kitabereich ist überfällig.

Riesenzwerg
1 Monat zuvor
Antwortet  Angelika Mauel

Und vermutlich bleibt es ebenso ungehört wie die Gespräche und Forderungen, die wir „faulen Säcke“ führen und stellen….

Bitter!

Angelika Mauel
1 Monat zuvor
Antwortet  Riesenzwerg

Wir dürfen nicht verbittern.

Riesenzwerg
1 Monat zuvor
Antwortet  Angelika Mauel

Seufz.

Wir dürfen auch nicht verzweifeln, resignieren, tw. streiken…

Wir müssen krank werden, damit wir arbeitsfähig bleiben, in einem System, das in sämtlichen Bereichen menschenverachtend ist.

Und dort dürfen wir fröhlich tun, viel zu viel arbeiten, freundlich und fleißidg und flexibel srin und gute Miene zu einem fatal bösen Spiel machen.

TaMu
1 Monat zuvor

Kinder von einem bis drei Jahren haben ein Recht auf frühkindliche Förderung. Maximal 20 Stunden pro Woche werden zumindest in Baden Württemberg genehmigt, ohne dass Eltern Berufstätigkeit nachweisen müssen. Und das ist auch das für ausschließlich frühkindliche Förderung benötige Maximum. Um gut gefördert zu sein, brauchen Kinder unter drei Jahren nicht mehr Stunden. Ich bin dafür, diese Förderung in qualitativ hochwertiger Form mit hohem Betreuungsschlüssel allen Kindern anzubieten, ebenso wie etwas längere Zeiten für Kinder über 3 bis zum Schulanfang. Ich glaube, die Aufgabe des Staates den Kindern gegenüber bezüglich Förderung wäre damit eingelöst.

F.H.
1 Monat zuvor
Antwortet  TaMu

Und ich bin dafür, Kinder zumindest die ersten 3 Jahre mit gezielter „frühkindlicher Förderung“ zu verschonen.
Wenn ich bedenke, was sich „Experten“ alles in den letzten Jahrzehnten haben einfallen lassen, um kleine Kinder besser zu bilden und zu fördern, und was als Ergebnis dabei rauskam, bin ich nicht davon überzeugt, dass sie klar sahen und wussten, was die Kinder wirklich brauchten und gebraucht hätten.
Vielleicht hätten die Jüngsten weniger ganztägige Fremdbetreuung gebraucht und weniger Kunstdünger, der nie den ausgewogenen Naturdünger eines liebevollen, aber nicht verhätschelnden Zuhauses ersetzt.

Die Kinder von vor 100 und mehr Jahren hätten ohne gezielte „frühkindliche Förderung“ seitens des Staates eigentlich alle zu geistig-seelisch zurückgebliebenen Menschen heranwachsen müssen. Stattdessen gab es in Deutschland nie so viele tüchtige Naturwissenschaftler, Techniker oder Nobelpreisträger wie im letzten Jahrhundert.

Marion
1 Monat zuvor
Antwortet  F.H.

Ja, ich frag mich auch immer wieder, wie die Menschheit so lange ohne gezielte frühkindliche Förderung durch öffentliche Betreuungseinrichtungen, überleben konnte.

Angelika Mauel
1 Monat zuvor
Antwortet  Marion

Auffällig ist auch, dass diejenigen, die als Kind nie einen Kindergarten besucht haben, weil es diese für kindergartenreife Kinder durchaus wichtige Einrichtung noch nicht gab, überwiegend begeistert von ihrer freien Kindheit erzählen.

Heute fällt Grundschullehrern auf, dass Kinder aus Waldkindergärten, die mit ihren Fingern zahllose Tannennadeln hochgehoben und behutsam Kleingetier beoachtet haben, meist eine bessere Feinmotorik haben und sich besser konzentrieren können. Für die angeblich früh geförderten Kinder müssen die Eltern nach der Liste mancher Schule eigens teure dreieckige Stifte mit Nöppchen anschaffen. – Die schleichende Entmündigung durch Lenkung von Kaufentscheidungen hat sich immer weiter etablieren können. – Wohlhabende Eltern verschwenden keinen Gedanken an solche „Lappalien“. Aber Flüchtlingen und vielen anderen Migranten fällt es unangenehm auf.

Mary-Ellen
1 Monat zuvor
Antwortet  Angelika Mauel

Als Drei- oder Vierjährige habe ich nach 4 Wochen den Kindergartenbesuch vehement verweigert. Ich wollte keine (Gruppen-) Angebote, hatte genug eigene Ideen. Draußen war ich quasi bei jedem Wetter.
In der Grundschule (zum Glück ohne Ganztag!) war ich Klassenbeste, Abi mit 18.

Bin froh, dass ich nicht als ,Trichter‘ heranwachsen musste!

TaMu
1 Monat zuvor
Antwortet  F.H.

Ich stimme Ihnen teilweise zu. Ganz bestimmt sollten die Kinder vor ihrem eigenen Rechtsanspruch verschont bleiben, die deutlich im Monat nach der Eingewöhnung zeigen, dass sie sich keine Betreuung wünschen. Ich hatte das Glück, in meiner Kindertagespflege sehr häufig Kinder U3 zu betreuen, die innerhalb des ersten Monats gut angekommen und morgens motiviert waren, vor allem die anderen Kinder zu sehen. Diese Kinder erzählten zu Hause fröhlich in ihrer Sprache von ihren Freunden in meiner Gruppe und vom Essen, das war auch immer ein Highlight! Selbst wenn sie morgens dann kurz weinten, weil das Thema „Abschied und „Wiederkommen“ innerlich noch stark verarbeitet werden musste, waren sie wenige Minuten später schon zum Spielen unterwegs und die Tränen waren versiegt. Für diese Kinder ist es eine Bereicherung, wenn sie ohne Eltern in einem geschützten Raum diese besondere Erfahrung und Entwicklung machen dürfen.
Dann hatte ich natürlich auch die Kinder, denen es deutlich weniger gefiel und die Schwierigkeiten hatten, die frühkindliche Betreuung für sich anzunehmen und gut zu nutzen. Immer öfter hatte ich Eltern, die ihre Kinder nicht nur „zum Spielen“ (in meinen Augen das, was der Rechtsanspruch meinen sollte) bringen wollten, sondern bei denen ihre Arbeit im Vordergrund stand. Dieser Elternwunsch hatte immer das Funktionieren im Fokus, für das Kind, für sie selbst, für den Arbeitgeber. Wo früher, 2014 bis ca 2018, Kinder oft noch um ihrer selbst Willen angemeldet wurden, damit sie „Spaß unter Gleichaltrigen“ haben konnten, während sich die berufliche Neuorientierung meistens der Mütter danach richtete, ob das Kind sich in einer Betreuung wohl fühlte, war das ab 2018 immer öfter nicht mehr der Fall. Seit ca 2020 gibt es diesen kindgerechten Anspruch so gut wie gar nicht mehr. Seitdem „muss“ Betreuung aus beruflichen Gründen stattfinden und funktionieren. Wo früher Kinder ganz selbstverständlich zu Hause bleiben durften, weil sie die ganze Nacht wegen Zahnen geweint hatten (den bringe ich heute nicht, der könnte gar nicht spielen, so fertig ist der), werden Kinder heute gebracht, egal wie es ihnen geht, weil die bezahlten Elternkranktage für Schlimmeres als „nicht geschlafen“ aufbewahrt werden. Ich glaube, wir alle an der U3- Betreuungsfront haben seit 2020 einen Blick in diese neue Realität der Kinderbetreuung geworfen, der zumindest mich persönlich bewogen hat, für diese eigentlich wunderschöne Arbeit nicht mehr zur Verfügung zu stehen. Ich konnte es nicht mehr vor mir selbst verantworten, mit Eltern Verträge über viele Stunden täglich auszumachen für noch ungeborene Kinder. Ich habe früher die Kinder beim Erstgespräch immer gesehen und beobachtet und ein Gefühl für die Bindung entwickelt, aus der ich intuitiv spürte, ob ich da einen Platz haben könnte oder nicht. Es hat sich jedesmal bewahrheitet. Der Versuch, ein nicht bereites Kind einzugewöhnen, ist für alle Beteiligten, einschließlich der anderen Kinder, sehr anstrengend und frustrierend. Ich habe dann auf diese Frühanmeldungen und-verträge verzichtet und meinem Träger gesagt, dass ich lieber die Last Minute Anmeldungen von Zugezogenen oder Spätzündern annehmen und Erstgespräche bei Anwesenheit der betroffenen Kinder führen würde. Das konnte ich zwar so machen, dadurch hatte ich aber im Gegensatz zu den Kolleginnen nicht drei Jahre im Voraus ausgebucht und finanziell vorgesorgt.
Immer öfter habe ich mir Gedanken gemacht, wie die Kinder den Abschied von den Eltern verarbeiten. Für mich gab es drei Möglichkeiten. Es gab die Kinder, die ich definitiv nicht guten Gewissens betreuen konnte, weil sie während der Eingewöhnung schon zeigten, dass sie noch Wochen oder Monate brauchen würden, um sich ohne Eltern eine zeitlang bei mir wohl zu fühlen. In diesen Fällen habe ich mit ihrer Betreuung aufgehört, was für mich mit großem, finanziellem Verlust verbunden war. Meistens waren die Eltern ebenfalls unglücklich, dass „ihr Kind das nicht kann“ und sie beruflich Nachteile hatten. Dann gab es die Kinder, die sehr offen für Neues waren und sich rasch eingewöhnten, eine große Freude für alle Beteiligten. Die dritte Art Kind hat mich besonders betroffen gemacht. Es sind die Kinder, die sich einfügen und anpassen, ohne besondere Begeisterung zu zeigen, die bei neuen Situation wie Schlafen bei mir zwar Schwierigkeiten hatten, aber mit allem „irgendwie“ zurecht kamen, ohne wirklich glücklich und entspannt zu sein. Ich glaube, diese Kinder lernten bei mir und in jeder Betreuung den inneren Wegweiser „Augen zu und durch, ich habe sowieso keine Chance. Es geht gar nicht um mich. Was ich will, interessiert keinen“. Da kann es schön, freundlich und liebevoll bei mir sein, wenn eine Person egal welchen Alters nicht bei mir sein möchte, sollte sie das nicht müssen. Und genau diese Freiwilligkeit wurde hier komplett entzogen. Ich habe mir dann vorgestellt, wie dieser innere Wegweiser Menschen in ihrem Leben fehlleitet und sie dadurch immer überall gut und verlässlich funktionieren, perfekte Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen, die einem über Jahre von ihrem anstrengenden, ungeliebten Job erzählen, mit dem sie gut verdienen, aber unglücklich sind, als ob das normal wäre. Und es ist normal für sie! Als ich begriffen hatte, dass einige Kinder bei mir ganz offensichtlich diese Lektion lernen, war mir klar, dass ich mit dieser Art Kinderbetreuung aufhören muss. Niemals möchte ich frühkindlich diese unglückliche Haltung fördern! Ich weiß, bei welchen Kindern das vermutlich bereits geschehen ist und dass ich in der „neuen Realität“ der Eltern keine Chance hätte, Betreuung abzulehnen, weil bei ihrem Kind gerade dieses Programm greift. Damit hätte ich rasch den Ruf, Betreuung abzubrechen und Eltern beruflich zu schädigen, was ich mir als Selbständige nicht leisten kann.
Meine Entscheidung, mit der Kindertagespflege aufzuhören, wurde mir durch eine monatelange schwere, vermutlich aber vorübergehende Erkrankung erleichtert. Ich hatte mir das anders vorgestellt, nehme es aber gerne hin und orientiere mich neu.
Ich bin dankbar, Kindertagespflege noch kindgerecht kennen gelernt zu haben und für alle Erfahrungen, die ich damit gemacht habe. Es war lange eine sehr glückliche und erfüllende Arbeit. Ich werde in irgend einer Form, vermutlich in der Elternberatung, mit der Arbeit mit Kindern verbunden bleiben. Aber ich werde nicht die von mir erkannte Gefahr der früh erlernten Resignation der Kinder in der institutionellen Kindertagespflege fördern und damit mein Geld verdienen. An dieser Stelle verletzt Kindertagespflege, die in erster Linie den Arbeitsplatz der Eltern im Fokus hat, die Kinderrechte.
Ich werde mich ganz bestimmt in irgend einer Form weiterhin für die Kinder einsetzen, zumal ich jetzt ganz offen darüber reden und schreiben kann!

Marion
1 Monat zuvor
Antwortet  TaMu

Danke, für diesen ehrlichen und offenen Einblick in ihre Arbeit und die Erfahrungen die sie dabei gemacht haben. Meine Beobachtungen sind ähnlich.
Und genau das ist es, was mich bei der ganzen Thematik so aufregt: Es werden alle über einen Kamm geschert.
Natürlich gibt es viele Kinder, die sich auf „ihre“ Krippe oder auf „ihren“ Kindergarten freuen und gerne hingehen. Mir geht es auch überhaupt nicht darum, Kitas generell zu verteufeln, was ja aberwitzig wäre, da ich selbst in einer arbeite.
Aber was mich zunehmend stört ist, das sich heute nahezu jedes Kind spätestens ab 3 Jahren gefälligst daran zu gewöhnen hat, das Pensum eines Vollzeit berufstätigen Erwachsenen abzuleisten und das man das Ganze dann auch noch mit den Kinderrechten begründet.
Ginge es nach den Rechten der Kinder, müßte man es genau so machen, wie sie: Jedes einzelne Kind wahrnehmen und dann entscheiden, was gut für es ist.
Meine Hochachtung gilt ihnen und ihrer Entscheidung.
Ich wünsche ihnen alles Gute für ihre Neuorientierung und daß es ihnen gelingt, sich weiterhin so für Kinder einzusetzen, daß sie es mit ihrem Gewissen vereinbaren können.

Sissi
1 Monat zuvor
Antwortet  TaMu

Liebe TaMu, vielen Dank für den Einblick in Deine wertvollen Erfahrungen, an denen Du uns teilhaben lässt.
Mir gehen die „Augen zu und durch – -kinder“ nicht aus dem Kopf. Auch an den Schulen, sogar bis hin bei mir an der BS gibt es sie. Zurückhaltend, ruhig, bis Richtung depressiv gehend, aufbegehrend, auffällig, verweigernd…….
„Ich muss doch arbeiten, sei lieb. Wenn wir uns den Urlaub leisten wollen…wenn Du kein Abitur machst…Tu mir den Gefallen….“
Viele Kinder dürfen nicht mehr Kind sein und viele Kinder halten den Zwang, die Anpassung an die Wünsche der Eltern irgendwann nicht mehr aus, – früher oder später.
Wie Du schreibst, beginnt das oft schon in der KiTa – mit offenem Ausgang.
Mir ginge es wie Dir, bei Kindern zum “ Funktionieren “ beizutragen, würde mir genauso widerstreben.

Pit2020
1 Monat zuvor
Antwortet  TaMu

@TaMu

Liebe @TaMu,
Ihre Schilderung hat mich – aus verschiedenen Gründen – durchgängig sehr betroffen gemacht, „feuchte Äuglein“ inklusive. Manches „unterfüttert“ sehr stimmig das, was ältere Kinder dann in der Schule „so ganz nebenher“ erzählen.
Aber nicht nur Erzählungen, sondern besonders Verhaltensweisen lassen sich auf diesem Hintergrund einordnen, eine Ahnung hatte ich da schon öfter.
Und die Kinder, die seit 2020 diese neue Realität der Kinderbetreuung „durchlaufen“ haben oder besser: dort durch die Mangel gedreht wurden … diese Kinder tauchen ja noch gar nicht in den weiterführenden Schulen auf.
Also rollen die Wellen weiter und der Tsunami des Elend türmt sich höher auf.
Schlimm!
Einfach nur schlimm …
Da werden Menschen früh beeinträchtigt, sehenden Auges … und wenn man sich fragt „Wozu das alles?“ dann kann die Antwort unmöglich sein „Zum Wohle der Kinder.“ … Es ist offenkundig zum Wohle von anderen!
Die ganze verlogene Sch…. im „Erziehungs- und Bildungszirkus“ auf Kosten der Menschlichkeit und menschlicher Grundbedürfnisse widert mich immer mehr an.

Ihnen, liebe @TaMu wünsche ich von Herzen alles Gute auf Ihrem weiteren – auch beruflichen – Lebensweg!

Angelika Mauel
1 Monat zuvor
Antwortet  TaMu

Danke für diesen in ganzer Länge lesenswerten Beitrag und für eine Entscheidung, die ich für den Bereich Kindergarten sehr gut nachvollziehen kann!

„Ich konnte es nicht mehr vor mir selbst verantworten, mit Eltern Verträge über viele Stunden täglich auszumachen für noch ungeborene Kinder. Ich habe früher die Kinder beim Erstgespräch immer gesehen und beobachtet und ein Gefühl für die Bindung entwickelt, aus der ich intuitiv spürte, ob ich da einen Platz haben könnte oder nicht.“

Als die Dokumentationspflichten über Kindergartenkinder kamen, aber keine entsprechenden Pfichten über die Missstände in Kitas zu dokumentieren, war für mich auch klar, dass Mitmachen zu viele Kompromisse abverlangt und das wir freimütiger über die Fehlentwicklungen sprechen und unsere geschmeidige Mitarbeit im System verweigern müssen. Heimlich machen Erzieherinnen vieles nicht, was sie tun sollten – und das ist auch gut so. Aber das reicht nicht.

Was mir immer gefallen hat: Wenn Kinder aus der Tagespflege Hand in Hand gemeinsam und angstfrei in den Kindergarten kamen. Nur fünf Kinder von einem lieben Menschen in der Tagespflege betreut finde ich für Kinder vorteilhafter als zehn oder noch mehr U-3-Kinder in einem Raum bei drei Betreuerinnen. Dass anfangs für die Krippe auf studierte Kräfte gesetzt wurde und nur sie und Erzieherinnen in ihnen arbeiten durften, die Kinderpflegerinnen aber ausgegrenzt wurdem, fand ich bezeichnend für das System. Die Kinderpflegerinnen waren eigens für die Betreuung der Jüngsten ausgebildet worden. Viele Studierte und auch manche Erzieherin, die jahrelang mit älteren Kindern gearbeitet hat, hatten leider weniger praktische Erfahrung im Umgang mit Kleinkindern…
Aber um Eltern weiszumachen, dass ausgerechnet in der Krippe eine entscheidende Frühförderung stattfinden würde, mussten grandiose Versprechungen gemacht werden, die nun verpufft sind wie ein übler Stinkfurz… Nur um den personalintensiven Rechtsanspruch auf Betreuung für die Jüngsten nicht zurücknehmen zu müssen, wird nun nach Norlösungen gesicht. Ingelernte sollen eigens in den Wickelraum abgestellt werden, damit Erzieherinnen micht mehr im Akkord wickeln müssen.

Laut Anleitungen zur „beziehungsvollen Pflege“ sollten die Bezugserzieherinnen eine Viertelstunde Zeit für ihr Kind auf dem Wickeltisch haben. – Schief gewickelt… Aber es las sich so gut…

Und wenn die „Wickelhelferinnen“ kämen, wäre das natürlich ein Grund, die Gruppenstärke noch ein wenig zu erhöhen…

Mary-Ellen
1 Monat zuvor
Antwortet  TaMu

Einfach nur „Hut ab“ und dazu mein allergrößter Respekt!!!

Pit2020
1 Monat zuvor
Antwortet  F.H.

@F.H.

Das sehe ich ganz ähnlich.

Zu Ihrem letzten Absatz passt diese Doku:
https://www.zdf.de/dokumentation/terra-x/das-uhrwerk-des-lebens-geschichte-der-kindheit-doku-100.html
(Ich habe sie auch weiter oben schon einmal verlinkt.)

TaMu
1 Monat zuvor
Antwortet  Pit2020

Fantastisch! Vielen Dank! Diese Doku ist sehr gut gemacht und so aufschlussreich. Wenn man die geschichtliche Entwicklung des Blickes auf das Kind und sein Wohlergehen sieht, kann man auch die derzeitige Entwicklung besser einordnen. Letztendlich mussten Kinder schon immer mit wenigen Ausnahmen in der Erwachsenenwelt funktionieren. Ich glaube, die Nachkriegsgeneration in Deutschland bis zu den ca 2000- Geborenen hatte mit die bestmöglichen Kindheiten, nachmittags zu Hause, viel freies Spiel mit den Kindern aus der Nachbarschaft, sehr gute Förderung durch verschiedene Vereine und Schulen, relativ gelassene Eltern durch noch einigermaßen überschaubare wirtschaftliche Ansprüche bei gleichzeitiger relativer Angstfreiheit bezüglich der Sicherheit der Kinder. Da war es normal, dass die Eltern über Stunden nicht genau wussten, wo die Kinder steckten und zum Abendessen waren in den allermeisten Fällen alle vollzählig wieder da. Ich erlebe Eltern heute viel ängstlicher bezüglich der Sicherheit ihrer Kinder und gleichzeitig bereit, diese so behüteten Geschöpfe in Betreuungen zu geben, von denen man spätestens aus der Presse weiß, wie knapp das Personal ist und wie die Folgen für die Kinder sind. Mich hat 2020 schockiert, mit welchem Druck Eltern ihre durch alle möglichen TÜVgeprüften Vorsichtsmaßnahmen beschützen Kinder wieder in den Betreuungseinrichtungen haben wollten, obwohl über Covid und seine Gesundheitsfolgen noch niemand irgend etwas wusste.
Anscheinend hatten Eltern geschichtlich gesehen schon immer ein äußerst ambivalentes Verhältnis zum eigenen Nachwuchs. Die äußeren Umstände waren wohl maßgeblich dafür verantwortlich, was Kindern gegenüber empfunden werden konnte. Wo in römischer Zeit der Hausherr darüber befand, ob ein Baby überhaupt aufgezogen werden sollte, werden wohl die Mütter ihr bonding ehet verzögert ausgelebt haben. Wer sein Kind in den Salzminen in Hallstatt aufziehen musste, war emotional vermutlich auch zurückhaltend. Zu allen Zeiten werden Eltern ihre Kinder geliebt haben. Heute ist es nicht anders, aber wie schon immer müssen die Kinder sich den Bedürfnissen der Umgebung anpassen. Schwierig finde ich, dass im Gegensatz zu früher bei diesem Vorgang desto mehr von Kindswohl und Kinderrechten geredet wird, je weniger beides beachtet werden kann.
„Wie denken wir über Kinder- und wie leben Kinder dann wirklich?“ Dieser Satz zum Schluss der Doku scheint mir ein Schlüssel für ehrliche Antworten zu sein.

Pit2020
1 Monat zuvor
Antwortet  TaMu

@TaMu

Der Schlusssatz versinnbildlicht den Spagat zwischen Wunsch und Wirklichkeit (und wer beim Spagat nicht aufpasst, tut sich böse weh).

Ebenfalls interessant, es ist gleich der erste Beitrag (bis Minute 10:30) in der Sendung:
https://www.ndr.de/fernsehen/Kindererziehung-Frueher-einfacher,dieratgeber140.html

Minna
1 Monat zuvor

Das alles wird noch SEHR SPANNEND werden. Eine Verwandte in Schweden ist als pädagogische Fachkraft tätig. Es gab nie irgendwelche Vorsichtsmaßnahmen und schien doch halbwegs zu funktionieren, obwohl eine Kollegin im Winter sogar mit Corona ins KH musste.
Nun, seit der Septemberwelle fallen gleich mehrere Kolleginnen dauerhaft aus, was wiederum zu extremer Erschöpfung und vermehrten Krankentagen bei der übrigen Besatzung führt. Ersatz ist nicht mehr zu bekommen. Die Kinder sind nur noch krank (werden natürlich krank in die Kita gebracht), die Neuzugänge sind deutlich anstrengender als sie es von früher kennen … ob es nun an coronabedingten Hirnschäden oder Maßnahmen liegt (keine Impfung in dieser Altersgruppe).
Und wenn ich mich umhöre ist es in deutschen Kitas ähnlich. Das Risiko für Long Covid in diesem Beruf, zumal für junge Frauen, ist sehr hoch und steigt laut aktueller Forschung mit den Reinfektionen. Das Risiko, irgendwie krank zu werden ist auch hoch, umso mehr, da das Immunsystem von Corona angegriffen wird.

Außer wir stellen jetzt alle Kitas auf Waldkindergarten um, sehe ich nicht, wie das gehen soll.

Marion
1 Monat zuvor
Antwortet  Minna

Das können wir dem Wald nicht antun.
Obwohl, die Mistkäfer hätten Schlaraffenland.

Realist
1 Monat zuvor
Antwortet  Minna

Zitat aus der Wirtschaftswoche:
„Das Institut [wissenschaftliches Institut der AOK] ermittelte auch, in welchen Branchen besonders viele Arbeitnehmer mit einer Coronainfektion in den vergangenen zweieinhalb Jahren krankgeschrieben waren. So traf es allen voran Kindererzieher. Pro 100.000 Versicherten verzeichnete die Krankenkasse mehr als 28.000 Erkrankte in dieser Jobgruppe. Dahinter folgen medizinische Fachangestellte, Berufe in der pharmazeutisch-technischen Assistenz und Ergotherapeuten.“
https://www.wiwo.de/unternehmen/dienstleister/coronapandemie-hoher-krankenstand-befuerchtet-wie-unternehmen-ausfaelle-verhindern-wollen/28732590.html

Fun Fact: In medizinischen Berufen wird Covid als Berufskrankheit anerkannt. Soviel zum Stellenwert der Berufe im Bildungs- und Erziehungsbereich..

Nur noch Blöde tun sich das an und werden Erzieherin / Erzieher…

Marion
1 Monat zuvor
Antwortet  Realist

Die Hoch – Zeiten der Pandemie waren für mich DER Augenöffner, um zu erkennen, worum es bei den lauten Forderungen nach möglichst frühzeitiger Fremdbetreuung in Wirklichkeit schon immer ging: Nämlich AUSSCHLIEßLICH um wirtschaftliche Interessen.
Vorher war mir das nicht so in aller Deutlichkeit bewußt.
Seit Corona weiß ich, daß weder die Interessen der Kinder noch die des pädagogischen Personals auch nur die geringste Rolle spielen.
Um das auf die, so scheinheilig betonten, Rechte der Kinder zu übertragen, könnte man zynischerweise sagen: Jedes Kind hat, wie seine Erzieherinnen, das Recht, sich garantiert mit Corona zu infizieren und das mehrmals im Jahr.
Vielen Dank dafür, daß die Kinder und wir die Gelegenheit bekommen, unser Immunsystem so ausgiebig zu trainieren.

Mika
1 Monat zuvor
Antwortet  Realist

Soweit ich weiß, ist COVID 19 auch für ErzieherInnen in Kitas als Berufskrankheit anerkannt.

Realist
1 Monat zuvor
Antwortet  Mika

Das Problem wird der Nachweis sein:
An wie vielen an Covid erkrankten Kita-Kinder wird ein PCR-Test durchgeführt, so dass ein Erzieher nachweisen könnte, sich im Rahmen seiner beruflichen Tätigkeit angesteckt zu haben? Das ist im medizinischen Bereich (Krankenhaus) einfacher, da dort diese Tests routinemäßig durchgeführt werden.

Da das offizielle Narrativ zu Beginn der Pandemie ja war, dass sich Erzieher und Lehrkräfte alle bei wilden Parties am Abend anstecken und keinesfalls im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit (es wurde offiziell behauptet, dass Kinder sich nicht infizieren bzw. als sich das nicht mehr abstreiten ließ (Nachweis von Drosten), dass Lehrer / Erzieher Kinder anstecken, aber nicht umgekehrt), und dieses Narrativ immer noch nachwirkt, wird der Nachweis einer Ansteckung im Rahmen der beruflichen Tätigkeit schwierig.

Angelika Mauel
1 Monat zuvor

Konkret zur Ausgangsfrage: Worauf kann verzichtet werden, ohne das Recht der Kinder zu verletzten?

Wir könnten die Eltern alle darauf aufmerksam machen, dass wir mehr Zeit für die Kinder haben könnten, wenn viele von ihnen ihr Einverständnis zum Führen von Bildungsdokumentationen verweigern.

Engagierte Fachkräfte werden sich sowieso an die Eltern wenden, wenn ein Anlass besteht. – Anstatt arbeitsvertraglicher Verpflichtungen zur Verschwiegenheit bräuchten wir eine Dokumentationspflicht über die Missstände in der Kita! So wie es jetzt immer noch läuft, hinterlassen die Schreibarbeiten doch mehrheitlich den Eindruck, dass es allen Widrigkeiten zum Trotz noch ganz gut laufen würde.

Lera
1 Monat zuvor
Antwortet  Angelika Mauel

Genau darin besteht der wahre Sinn der Dokumentation – es wird eine Parallelwirklichkeit erschaffen – falls mal einer Lunte riecht und es justiziabel werden könnte, kann man bequem darauf verweisen, man hat ja von nichts gewusst, das hat ja keiner ahnen können, da haben die Mitarbeiter wohl ganz schlampig dokumentiert.

Marion
1 Monat zuvor
Antwortet  Lera

Meine Wunschliste für Erzieherinnen im Kindergarten:
– Mehr Zeit für die Kinder,
– Weniger Projekte – u.
Aktionenhype,
– Verzicht auf
„Beobachtungsbögen“ – schon
das Wort ist eine Zumutung,
– Kleinere Gruppen – mehr
Personal,
– Kein von oben aufgedrückter
Zwang zur „offenen Arbeit“,
nicht jeder Kindergarten ist
dafür geeignet,
– Keine Vorschriften darüber, wie
viele Elterngespräche wir zu
führen haben, wir wissen
nämlich selbst, wann ein
Gespräch nötig ist,
– Eltern, die ihr Kind so erziehen,
daß es in der Lage ist, sich nicht
immer und überall aufzuführen,
als wäre es alleine auf der Welt,
– Keine offensichtlich kranken
Kinder in der Einrichtung,
– Hatte ich MEHR ZEIT FÜR DIE
KINDER UND KLEINERE
GRUPPEN, schon erwähnt?
So, das war’s im Großen und Ganzen schon. Ich finde das sind durchaus bescheidene Wünsche.

Angelika Mauel
1 Monat zuvor
Antwortet  Lera

Es ist sogar richtig perfide. Zuerst haben viele Erzieherinnen sich freudig und bereitwillig auf die Dokumentationspflichten eingelassen – und noch nicht mal vorab mehr Gehalt verlangt! (Die Aussicht auf mehr Ansehen reichte vielen… ) Ältere hingegen waren oft aufgrund längjähriger Erfahrungen misstrauisch und haben schlappen Dienst nach Vorschrift abgeliefert. Ich kenne noch das „altersentsprechend normal entwickelt“ für alle Kinder, von Erzieherinnen, die früh geahnt haben, was noch alles auf uns zukommt.

Und nun gibt es die vorgefertigten Schablonen zum Ausfüllen, die das Niveau von „Einkoten, Einnässen, Fingernägel abbeißen – oft, selten oder nie“ überschritten haben und bezeichnenderweise wohltönend als „diagnostische Instrumente“ deklariert werden.

Unsgesamt sind Kinder als ganzheitlich zu fördernde Wesen zu sehen, die es zu optimieren gilt. Zwar wird immerzu von „Wertschätzung“ geschwätzt, aber eigentlich sollen wir Kinder als Mängelwesen ansehen und sie nach den Belangen der Wirtschaft auf die vermeintlich richtige Spur bringen. Nicht mal Kleinkinder und Säuglinge lässt man ungestört ausschlafen!

Ich fände es traumhaft, wenn Erzieherinnen aus Protest gegen die Kindergartenpolitik scharenweise verliehene Urkunden und Zertifikate zurückgeben würden. Kinder müssten nicht mehr freie Spielzeit opfern, um mit „Kinderurkunden“ in der Hand für irgendeinen Schmu zu posieren. Lieber weniger gruppenfähig dumm rumstehen und stattdessen einfach nur spielen! Die „Kinderurkunden“ haben doch wohl vor allem den Zweck, Bildungsdokus zu füllen. Sie sind so kopierfreundlich… Ratz-fatz – „alle geehrt und nachweislich gebildet“.

Haben wir dokumentiert, dass wir alles erledigt oder gar bestens bewältigt haben, können wir schwerer in Gefährdungs- oder Überlastungsanzeigen begründen, wie unzumutbar die Rahmenbedingungen sind. Würden wir als Berufsgruppe das Opfer bringen, uns nicht mehr als „Bildungsbegleiterinnen“ und wer weiß was belobhudeln zu lassen, hätten andere den schwarzen Peter! Und einigen Eltern fiele es leichter, sich selbst zuzutrauen, dass sie ihrem Kleinkind in den ersten Lebensjahren mehr geben können als dies in Institutionen möglich ist.

TaMu
1 Monat zuvor
Antwortet  Angelika Mauel

Schockierend und wahr! Wie furchtbar, Kinder nicht ausschlafen zu lassen… schlafen ist ein Menschenrecht. Schlaf fehlt den meisten Kindern ohnehin, zu spät im Bett, weil abends endlich die ganze Familie zusammen ist und das Kleine nicht ins Bett will und morgens dann aufwecken für die Betreuung, in der Betreuung dann Programm und Ausflüge und irgendwann endlich 1,5 Stunden Schlaf mit wieder aufwecken vor dem Abholen durch die Eltern…
Bei mir durften sie nach Bedarf und ohne Wecken vormittags schlafen und als Tagesmutter durfte ich das auch erlauben, denn ich musste (noch) keine Dokumentation führen. Ich hätte bei einem Drittel meiner Kinder schreiben müssen „hat von 9 Uhr bis 12 Uhr tief geschlafen, war vorher desinteressiert und unmotiviert, hat keine Nägel gekaut, aber geweint, weil ihm eine Puppe herunter gefallen ist. Nach dem Schlaf gesunder Appetit, selbständiges, ordentliches Essen mit Löffel, dann fröhliches, freies Spiel mit denen anderen Kindern bis zum Abholen in entspannter Grundhaltung, hat große Freude am Singen und lernt schnell Texte und Melodie“. Bestimmt war ich damit als Betreuung fast schon untragbar!
Schlaf fehlt den meisten Kindern U3. Auf Erholung und ausreichend Schlaf wird weder in den Familien noch in den Betreuungseinrichtungen geachtet. Familien können für ihre am Abend überdrehten Kinder den ruhigen Nachtschlaf nicht garantieren und die Betreuung muss bunte Herbstkollagen und Ausflüge in die Natur vorweisen, nicht Kinderschlaf… fürs Schlafen wird die Tante schließlich nicht bezahlt, die trinkt in der Zeit womöglich Kaffee!
Die Eltern meiner Kinder waren übrigens begeistert, dass ihre Kinder wenigstens bei mir schlafen konnten und einem entspannten Nachmittag nicht im Wege stand. Abends waren sie dann wieder müde, aber nicht kaputt.
Wenn es hier um das Verletzen von Kinderrechten geht, muss unbedingt über den Schlaf geredet werden. Für eine gesunde Entwicklung ist Schlaf unerlässlich.

Riesenzwerg
1 Monat zuvor
Antwortet  TaMu

Jetzt mal ganz ehrlich:

Ich wecke weder Hund noch Katz!

Die brauchen ihren Schlaf und ihre Erholung.

WARUM wir das bei Kindern anders gehandhabt? Passt besser zum Tagesablauf, gell?

Schlafentzug ist nicht nur ein Menschenrechr (andersherum natürlich!), sondern auch eine Foltermethode! (do rum stimmt es).

Pit2020
1 Monat zuvor
Antwortet  Angelika Mauel

@Angelika Mauel

„Nicht mal Kleinkinder und Säuglinge lässt man ungestört ausschlafen!“

https://www.kinderaerzte-im-netz.de/news-archiv/meldung/article/wie-wirkt-sich-zu-wenig-schlaf-auf-die-entwicklung-des-gehirns-aus/
… und da geht es um 9 bis 10jährige Kinder, die hoffentlich schon relativ „gesunde“ Hirnstrukturen aufbauen konnten …

Bei Babys bildet sich die Hirnstruktur und ab dem Kleinkindalter wird das Gehirn nur noch repariert.
https://www.mdr.de/wissen/schlaf-repariert-gehirn-kleine-schlafen-mehr-100.html

Angelika Mauel
1 Monat zuvor
Antwortet  Pit2020

Danke sehr für diesen Hinweis auf einen vor wenigen Tagen ins Netz gestellten Artikel. Wenn ich die Hoffnung hätte, dass es etwas bringen würde, würde ich den Link an den Verlag weiterleiten, der das Buch „Schlafen in der Kinderkrippe“ – mit dem Untertitel „Achtsame und konkrete Gestaltungsmöglichkeiten“ https://www.amazon.de/Schlafen-Kinderkrippe-Maren-Kramer/dp/3451342189 herausgegeben hat. Zwar wird das Wecken von Kleinkindern dort selbstverständlich ein wenig problematisiert, aber am Ende – auf der letzten Seite, die hoffentlich niemand mehr liest! – befindet sich ein Liste, die zu Protokollen benutzt werden kann, wenn es darum geht einen „günstigen Weckzeitpunkt zu ermitteln“.

Bemerkenswert, was heute alles mit dem „Sprühsahnehäubchen“ Achtsamkeit angepriesen wird…

Cuibono
1 Monat zuvor

Es ist ja nicht so, daß nur ErzieherInnen und LehrerInnen fehlen und nur an den Stellschrauben (z. B. Gehalt, Ausbildung) gedreht zu werden bräuchte.
Der demographische Faktor fängt an durchzuschlagen, die geburtenstarken Jahrgänge gehen langsam in Rente. Das dicke Ende kommt ja erst noch.

Aber auch in der Privatwirtschaft ist das noch nicht wirklich angekommen.
Seit etlichen Jahren werden nun die Frauen mit eingeplant.
Das hat dazu geführt, daß bei Gruppenschließungen in Kitas die Familien unter Druck geraten.
Weder Arbeitgeber noch Behörden reagieren darauf oder haben einen Plan.

Vor Einführung der Kita Platzgarantie ab 1 Jahr hatten die Kinder mit zwei berufstätigen Elternteilen Vorrang.

Zur Zeit gibt es keine Prioritäten. Auch Arbeitgeber bestehen einfach auf Vertragserfüllung – die wenigsten haben auf dem Schirm, was sie eigentlich machen wollen, wenn reihenweise die Mütter zurück an den Herd müssen.
Im Gegenteil, bei vielen wird weiterhin so getan, als stünden für jeden, der ausfällt 20 vor der Tür, die’s besser und billiger machen.
Andere warten darauf, daß es staatliche Unterstützung gibt, wenn sie familienfreundliche Modelle umsetzen (hat mir vor kurzem ein Personaler eines großen Unternehmens verraten).

Ich würde gern mal von vorausschauenden Überlegungen hören. Aber nee: „das konnte ja keiner ahnen und: nach mir die Sintflut“

Mo3
1 Monat zuvor

Meine Kinder sind dem schon entwachsen, aber als mein älterster Sohn vor 12 Jahren in die KiTa kam, meinten die Eltern noch, dass das Kind sich irgendwann langweilen würde, wenn es zu lange dort wäre. Vier Jahre waren da Maximum, Plätze für U2 gab es nur sehr wenige. Kurz vorher wurden in unserer Gemeinde sogar noch KiTa-Plätze abgebaut. Mit dem Ausbau des Rechtsanspruchs sind heute mindestens 5 Jahre Standard. Gleichzeitig wurde das optionale Angebot (Bewegung/Kretativität/…) schon während der Zeit, in der meine Kinder noch dort waren immer mehr eingekürzt, so dass es mehr und mehr Aufbewahrung würde. Mir wurde dann gesagt, dass andere Eltern zuviele Angebote nicht schätzen würden, weil es zu viel für die Kinder würde, wenn sie sie nachmittags abholen und dann noch privat Angebote wahrnehmen. Außerdem fehlt das Personal dafür, weil immer mehr Kinder über Mittag betreut werden müssten. Nach wie vor bin ich der Meinung, dass Kinder nichts verpasst haben, wenn sie erst mit drei Jahren in die KiTa kommen – frühkindliche Bildung hin oder her. Es ist nur so, dass man teilweise Angst hat, dann keinen Platz mehr zu bekommen und deshalb das Kind spätestens mit dem zweiten Geburtstag in die KiTa muss. Dass es für die Eltern natürlich auch eine wirtschaftliche Frage ist, ob die Kinderbetreuung möglich ist, ist die andere Seite.

Angelika Mauel
1 Monat zuvor
Antwortet  Mo3

„Es ist nur so, dass man teilweise Angst hat, dann keinen Platz mehr zu bekommen und deshalb das Kind spätestens mit dem zweiten Geburtstag in die KiTa muss. Dass es für die Eltern natürlich auch eine wirtschaftliche Frage ist, ob die Kinderbetreuung möglich ist, ist die andere Seite.“ – So ist es. Und die ErzieherInnen würden lieber ältere Kinder in die Betreuung aufnehmen, aber es gibt Städte und Kommunen, die schreiben beispielsweise vor, dass sechs Zweijährige in die Regelgruppe aufgenommen werden müssen. Die Kirchen bieten auch schon lange keine oder nur noch sehr selten die früher beliebten Eltern-Kind-Gruppen an. Dort trafen sich Eltern mit jüngeren Kindern wöchentlich ein- oder zweimal und die ersten Verabredungen zu Spielen mit anderen Kindern wurden getroffen. – Heute haben Eltern Schwierigkeiten, Spielpartner für ihr Kind zu finden, wenn sie es gern länger zu Hause betreuen möchten.

Die Kirchen haben die Gelder, die für den Betreuungsplatzausbau oder später für 24äStunden-Kitas flossen, gern in Anspruch genommen.

Schattenläufer
1 Monat zuvor

„Worauf kann verzichtet werden, ohne das Recht der Kinder zu verletzen?“
Falsche Frage!

Ob hier jemand verletzt wird, insbesondere Kinder die noch nicht wählen dürfen, interessiert in der Politik keinen Menschen.

Die Frage der Politik lautet grundsätzlich: Wie weit kann ich gehen ohne das es für den Wähler ein schlechtes Bild ergibt?
Probleme müssen für die Politik also gar nicht gelöst werden. Es genügt voll und ganz, sie so zu gestalten, das die Mehrheit der Wähler sie nicht wahrnehmen kann.

So gesehen sind die Kindergärten für die Politik absolut problemlos.

  • Die Kinder dürfen, wie schon erwähnt, nicht wählen. Erledigt.
  • Die Beschäftigten müssen froh sein, wenn Sie Arbeit haben. Erledigt.
  • Für die Eltern ist der Kindergarten als Verwahrungsort während der Arbeitszeit alternativlos. Erledigt.
  • Die Medien haben sich zu großen Teilen angewöhnt die Beschönigungen, Relativierungen und Luftblasen der Politik unreflektiert weiter zu gebe. Prima.

Projekt Kinderbetreuung läuft.

Kein Mensch merkt was oder interessiert sich wirklich dafür. Ausnahmen sind die Insider und die hat man im Griff.

Alles in Butter.

Angelika Mauel
1 Monat zuvor
Antwortet  Schattenläufer

„Kein Mensch merkt was oder interessiert sich wirklich dafür. Ausnahmen sind die Insider und die hat man im Griff.
Alles in Butter.“ – Es hat wirklich sehr lange gedauert, bis sich eine relativ unpolitische Berufsgruppe dazu aufgerafft hat, sich in Verbänden für die Interessen der Kinder und ihre eigenen zu engagieren. – Dass kann ein ernst zu nehmender Widerstand werden, gegen den die Politik machtlos ist.

Ist es nicht toll, dass Erzieherinnen unbedingt bessere Betreuungsbedingungen und bessere Arbeitsbedingungen erreichen wollen – während die Corona-Gewinnler sich auf Kosten des Allgemeinwohls bereichert haben und weiterhin bereichern?

Sissi
1 Monat zuvor

„Alles in Butter“ – was die Anstrengungen der Politik angeht.
Auch aus einer Gesprächsrunde gerade im DLF mit K.Prien war das ersichtlich!
Ein sich selbstberäuchernder GS-Schulleiter vermittelte den Eindruck: alles sei möglich, wenn nur die Arbeit der KuK passe.
Ein Kita/KigAerfahrener Anrufer war
“ schlecht zu verstehen “ als er von übertriebener Dokumentation und fordernden übermotivierenden Eltern sprach.
KM Prien verwies auf A13 für GS…..

Resumee dieser Sendung; man kann zuversichtlich sein.
Also wie @ Schattenläufer schreibt
“ Alles in Butter “ auch wenn die Butter ranzig ist und sie keiner mehr haben will – genau das erkannte man in der Gesprächsrunde.

Pit2020
1 Monat zuvor
Antwortet  Sissi

@Sissi

Hier der Link zur Sendung vom 22.10.2022 „Grundschüler haben Defizite in Deutsch und Mathe“ (51:31)
https://www.deutschlandfunk.de/campus-karriere-100.html

Emil
1 Monat zuvor

Kinder brauchen liebevolle Eltern. Mindestens bis zum 3. Lebensjahr. Eltern, die möglichst viel Geld verdienen wollen und die Kinder deshalb fremd betreuen lassen, tun dies auf Kosten ihrer Kinder. So einfach ist das .
Tja, ein Urlaub oder ein Urlaub ist ja so wichtig..

Angelika Mauel
1 Monat zuvor
Antwortet  Emil

Manche Eltern fahren drei Mal im Jahr in Urlaub und sind gestresst, auch wenn sie ihre Kinder im „Mini-Club“ abgegeben haben. In vielen Hotels und Ferienanlagen geht die Fremdbetreuung weiter. Entsprechend schnell steigt der Krankenstand dann nach den Ferien an. Internationaler Bazillenaustausch.

Und ausgerechnet die Eltern, die Kinder bewusst krank in die Kita bringen, lassen ihre Kinder kurz vor ihrem Urlaub daheim oder von den Großeltern betreuen. Wäre halt blöd, wenn man mit einem kranken Kind in Urlaub fahren müsste.

TaMu
1 Monat zuvor

Die Verletzung der Kinderrechte kann man schon dadurch vermindern, dass man den Fokus von „Frühkindliche Bildung“ auf Frühkindliche Bindung“ legt. Zwischen L und N liegt der existenzielle Unterschied!

Marion
1 Monat zuvor
Antwortet  TaMu

Richtig. Das Gerede von der frühkindlichen Bildung ist auch nur so eine hohle Phrase, die den Menschen suggerieren soll, ohne Krippe müßten Kinder geistig und sozial verkümmern.
Kleine Kinder brauchen in erster Linie keine Bildung, sondern Bindung. Sie brauchen liebevolle, aufmerksame Zuwendung. Jemanden der mit ihnen spielt, singt, Späße macht, sie tröstet, wenn sie traurig sind und einfach für sie da ist.
Für Bildung bleibt später noch Zeit genug.

Pit2020
1 Monat zuvor
Antwortet  TaMu

@TaMu

In jeder Hinsicht genial!

Davon würden alle profitieren können:

  • Kinder sowieso (und endlich mal!)
  • Steuerzahler (1 Buchstaben auszutauschen kann wirklich nicht viel kosten!)
  • sogar Politiker! (Nein, nein, nein! WIR waren das gar nicht! WIR KONNTEN es WIRKLICH nicht besser wissen! Der Optiker/Augenarzt war schuld!) 😉
Mary-Ellen
1 Monat zuvor
Antwortet  Pit2020

….denn der hatte immer wieder das rosarote Modell mit Opalglas empfohlen bzw. verschrieben… 😉

Echt
1 Monat zuvor
Antwortet  TaMu

Gut formuliert! Das Wesentliche ist das Gefühl einer grundsätzlichen Sicherheit und Geborgenheit in der Familie. Darauf kann dann erst alles Weitere aufbauen. Die Anerkenung der Familie gehört in den Focus bildungspolitischer und wirtschaftlicher Interessen. Zurzeit läuft es m.M.n. eher auf Ausbeutung der Familien, besonders zu Lasten der Kinder, hinaus.

Pit2020
1 Monat zuvor
Antwortet  Echt

@Echt

„Das Wesentliche ist das Gefühl einer grundsätzlichen Sicherheit und Geborgenheit in der Familie. Darauf kann dann erst alles Weitere aufbauen.“

So einfach, so wahr.
Vielleicht zu einfach für Leute ganz oben im Elfenbeinturm?

Allerdings denke ich, man braucht nicht unbedingt eigene Kinder um das verstehen zu können.
Ein ganz durchschnittliches Leben mit ganz durchschnittlich entwickeltem Interesse an der Umwelt und einem ebenso durchschnittlich entwickelten Beobachtungsvermögen genügen da ganz sicher.
Oder googeln, da hat man schnell verständliche und kurz gefasste Erklärungen zur Hand, z.B.:
https://www.kinder.de/themen/baby/urvertrauen-als-grundlage-fuer-die-entwicklung/
Aber wer weiß …?
Vielleicht haben etliche von den Entscheidungsbefugten selber nicht dieses Urvertrauen mit auf den Lebensweg bekommen … Und das meine ich noch nicht einmal böse oder geringschätzig.
Es gibt vermutlich viele Menschen, die ohne Urvertrauen aufwachsen mussten und dieses Defizit eine lange Zeit unentdeckt mit sich herumtragen.
Vielleicht ist der Leidensdruck so groß, dass sie sich Hilfe suchen.
Vielleicht landen sie aber auch – aus welchen Gründen auch immer – an Stellen, an denen sie „das Sagen haben“ und das ursprünglich eigenes Leid begründende Defizit im menschlichen Bereich bekommt eine Wendung hin zu „rational kühlen“ Denk- und Handlungsmustern, letztlich karrierefördernd in einigen „Branchen“ und (Schlüssel-)Positionen, leider dann oft zum Nachteil von vielen anderen Menschen.
… never ending story … 🙁

Sissi
1 Monat zuvor
Antwortet  Pit2020

„So einfach, so wahr.
Vielleicht zu einfach für Leute ganz oben im Elfenbeinturm“
Danke! @ Pit 2020

> So wahr, ZU EiNFACH.
Optimierungsbedürftig!
Da würden ja die Wähler sagen, was tun die denn eigentlich ? Also besser verschlimmbessern auf Teufel komm raus, vom ersten Tag der Kinder an.
Nur die Verpackung muss passen : Fremdsperachenerwerb im KiGa, Sozialisierungsdefekte ohne KiTa, effektives spielerisches Lernen…..welches Elternteil will sich da schuldig machen? Hört sich doch glorreich bemüht an.
Wir sollten mehr unser Grundwissen über Kinder- und deren Entwicklung bemühen.
( Danke für den Einbezug des Urvertrauens )
Die GS-Studien und KiGa/KiTa- Erfahrungswerte sprechen dafür;
die Profilierungs-Purzelbäume der Glorreichen nicht, sie dienen Kids (und Eltern) nicht – 🙂 uns?
überhaupt nicht

Mary-Ellen
1 Monat zuvor

Den meisten Foristen hier möchte ich für die
wunderbaren Kommentare und Erfahrungsberichte ausdrücklich danken!

Pit2020
1 Monat zuvor
Antwortet  Mary-Ellen

@Mary-Ellen

Du Gute! 🙂
… Wetten, dass das rote Daumen gibt? 😉

Und jetzt muss 😉 ich dir auch noch zustimmen:
Das ist eine Diskussion mit insgesamt erfreulichem Ablauf! … Geht doch!

Pit2020
1 Monat zuvor
Antwortet  Pit2020

Na, wer sagt’s denn?!
20:56 … und (erst) 1 (dicker?) roter Daumen?

Oh, come on folks … Da geht noch was, auch wenn heute Montag ist! 🙂

Stromdoktor
1 Monat zuvor
Antwortet  Pit2020

Überflüssig – Ihre Eingangsbemerkung zu den roten Daumen und die kritische Nachverfolgung der beiden Kommentare.

Sie wissen wahrscheinlich selbst nicht, was Sie damit bezwecken.

Aus Mitleid schenke ich Ihnen zwei grüne Daumen.

Sissi
1 Monat zuvor
Antwortet  Pit2020

@ Pit 2020
Frei nach Goethescher Anleitung:
“ Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man etwas Schönes bauen “
Oder hast Du hellseherische Fähigkeiten, 😉 s.u.

@ Mary-Ellen, ja, war wirklich richtig interessant; ich möchte mich anschließen.

Stromdoktor
1 Monat zuvor
Antwortet  Sissi

„Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man etwas Schönes bauen“.

Pit2020 kann nur Mauern bauen und teilt auf in „gutes“ Forum und „böses“ Forum.

Im Anschluss wirft er aber einen Stein rüber und und lukt durch ein Loch hindurch, weil es ihn viel brennender interessiert, was drüben los ist.

Und um Pit2020 Zumindest für einen Moment glücklich zu machen, wirft man halt hin und wieder einen Kieselstein zurück…

Pit2020
1 Monat zuvor
Antwortet  Sissi

@Sissi

Nicht überraschend, sondern erwartbar, weil im Herbst besonders aktiv … Auf die Natur ist halt Verlass:
https://www.mdr.de/brisant/ratgeber/stinkwanzen-was-tun-110.html
Kleiner Scherz. 😉

Mary-Ellen
1 Monat zuvor
Antwortet  Pit2020

„Im Haus möchte man sie trotzdem nicht haben“….

Stromdoktor
1 Monat zuvor
Antwortet  Pit2020

Man merkt, bei Ihnen in NRW sind die Ferien um…Sie sind jetzt wieder aktiver – insbesondere unter der Woche.

Pit2020
1 Monat zuvor
Antwortet  Sissi

@Sissi

Und nach diesem kleinen Scherz widmen wir uns alle wieder dem Thema, der Form und der Höflichkeit.
Wäre ja gelacht, wenn auch diese bis hierhin gelungene Diskussion wieder mutwillig „zerschossen“ würde … 🙂

Stromdoktor
1 Monat zuvor
Antwortet  Pit2020

Ja, perfekt! Jetzt haben Sie einer guten, inhaltlichen Diskussion noch den notwendigen Feinschliff verpasst.

Merken Sie selber, oder?

Mary-Ellen
1 Monat zuvor
Antwortet  Sissi

Zum Glück gibt es hier keine Bewertungsfunktion in Form roter Mittelfinger…nicht auszudenken….

Stromdoktor
1 Monat zuvor
Antwortet  Mary-Ellen

Offensichtlich verkennen Sie die Realitäten.

Über die gesamte Diskussion hinweg konnten sie sich hier austauschen. Niemand ist dazwischen gegrätscht oder hat die Beiträge systematisch downgevotet.

Ich komme zu zwei Erkenntnissen:

1) Genügt es einigen nicht, hier einen ruhigen Austausch zu pflegen. Stattdessen wird das unbeteiligte Forum zu einer Rückmeldung aufgefordert bzw. proaktiv Kritik geübt. Nach dem Motto: „Wagt es bloß nicht, hier tolle Beiträge negativ zu bewerten“.

2) Haben sie hier den Beweis erbracht, dass insbesondere ihre Gruppe mit der Voting-Funktion (in sämtlichen Facetten) überfordert ist. Eine Erweiterung auf den „Mittelfinger“ macht es noch undurchsichtiger – insbesondere für sie.

PS.

1) Gerne wiederhole ich mein Bild von Ihnen, dass Ihre inhaltlichen Beiträge meist überschaubar sind und Sie mir insbesondere mit Kritik an Kritikern auffallen. Bestenfalls mit positiver Wertung von Kommentaren Ihnen „nahestehender Personen“.

(Einen fünfzeiligen inhaltlichen Beitrag habe ich jedoch beim Überfliegen zur Kenntnis genommen)

2 )Vielleicht sollten Sie Ihren Eingangskommentar noch einmal erweitern (Danksagung für die tollen Beiträge und Erfahrungsberichte). Sagt eigentlich eine Menge über die Leute hier aus. Und zwar auf BEIDEN „Seiten“. Es gibt hier Gruppen, die können Diskussionen zulassen und sich zurücknehmen und es gibt Gruppen, die können das nicht…von einer Gruppe wurde der Nachweis erbracht, entgegen allgemeingültiger Feststellungen zu beispielsweise „berufsfremden Lesern“, Trollen…

(Die Einteilung der Gruppen übernehmen selbstverständlich weiterhin sie)

Last edited 1 Monat zuvor by Stromdoktor
potschemutschka
1 Monat zuvor
Antwortet  Stromdoktor

Lieber Stromdoktor, obwohl ich Ihre Meinung zu verschiedenen Themen nicht immer teile, lese ich Ihre Kommentare meist gern. Sie versuchen stets sachlich zu bleiben und Ihre Meinung mit Quellen zu belegen.
Wie auch Ihnen ist mir in letzter Zeit aufgefallen, dass immer mehr Beiträge in die persönliche Ebene abrutschen und sich nicht mehr auf das Ausgangsthema beziehen. Das finde ich sehr schade und unnötig. Ich habe nichts gegen Ironie, Sarkasmus und auch schwarzen Humor, solange es nicht unter die Gürtellinie geht. Die Sache mit den Daumen finde ich im Prinzip gut, aber wie handhabt man es richtig? Meine persönliche Einstellung dazu: Grüner Daumen: „Das finde ich gut!“ Da spare ich mir das Tippen einer Zustimmung, spart Zeit. Rote Daumen habe ich bisher vielleicht eine Handvoll verteilt (Sie waren nicht dabei) die gibt es, wenn mir ein Kommentar total gegen den Strich geht, ich aber das Gefühl habe, es ist sinnlos, demjenigen zu antworten. Ansonsten schreibe ich, was ich zu dem Thema denke und versuche, wie Sie, sachlich und beim Thema zu bleiben. Oder ich halte mich ganz aus der Diskussion raus und gebe keinen Daumen, wenn ich davon keine Ahnung habe oder es mich nicht interessiert/betrifft.

Stromdoktor
1 Monat zuvor
Antwortet  potschemutschka

Liebe Potschemutschka,
vielen Dank für Ihre Antwort!

Also ich finde mich in Ihren Beiträgen zumeist oft wieder – da habe ich umgekehrt wohl noch etwas Potential !

Letztlich bekommt man über die Monate / Jahre ja einen ganz guten Eindruck von vielen Menschen hier, die dann gar nicht mehr so anonym sind. Offensichtlich sind viele hier bereit, auch einige Hintergründe zur eigenen Person in die Diskussion einzubringen und eine eigene kleine und nachverfolgbare Geschichte über die Zeit zu erzählen. Alleine dadurch, dass man bei seinem gewählten Nickname bleibt. Ich finde das grundsätzlich positiv und es zeigt für mich, dass wir hier alle zwar (aus wahrscheinlich ähnlichen Gründen) anonym kommentieren, aber der grundsätzliche Wunsch da ist, inhaltlich mit der gesamten, persönlichen Einstellung und Erfahrung wahrgenommen zu werden.

Anders kann ich mir den „Haufen“ und insbesondere den harten Kern auf N4T nicht erklären.

Irgendwann habe ich unter einen Beitrag mit knapp 400 Kommentaren (ich vermutete einen Rekord) mal den Hinweis bekommen, dass es vor ca. 6 Jahren hier schon ähnlich umfangreiche Diskussionen mit einer ähnlichen „Kultur“ gab. Der Artikel wurde verlinkt und man konnte sehen, dass auch damals schon der Tonfall nicht (immer) gepasst hat…“erkannt“ habe ich die damaligen Kommentatoren nicht.

Letztlich scheint vielen der Umweg über eine sachliche Diskussion zu mühselig zu sein. Einige Weltbilder passen auch nicht zusammen (hier würde ich z.B. auch Ihre Einstellung zu den Themen Gleichberechtigung und Schulsyststem in der ehemalige DDR sehen). Manchmal fällt einem dann die Nachvollziehbarkeit des eigenen Hintergrundes auf die Füße und einige gehen mit einer vorgefassten Meinung in die Antwortfunktion.

Der letzte Punkt ist ja gerade der Witz. Die Provokationen wirken nur im Zusammenhang mit der Identität. Das gleiche gilt für die positive Unterstützung von Beiträgen.

Insofern muss jeder hier für sich selber entscheiden, ob er daran arbeitet, von einer Gruppe aufgenommen zu werden und sich dann wiederum geschlossen gegen eine andere Gruppe zu stellen und den Kampf um die einzig wahre Meinung auszurufen…oder ob er/sie sich inhaltlich mit seinen eigenen Positionen zurückmeldet und auch einmal riskiert, nicht der Mehrheitsmeinung zu entsprechen. Dann ist die Geschichte hinter dem Nick zwar eine gute Ergänzung, wird aber nicht als Abgrenzung bzw. zur Pflege von „Freundschaften“ genutzt.

Am ersten Punkt orientiert sich aktuell auch das Voting-Verhalten von Teilen des Forums hier.

Wird sich vielleicht irgendwann auch wieder legen…

potschemutschka
1 Monat zuvor
Antwortet  Stromdoktor

Ihr Name scheint auf jeden Fall die roten Daumen anzuziehen, warum auch immer!;)

potschemutschka
1 Monat zuvor
Antwortet  potschemutschka

Scheint ansteckend zu sein!

Stromdoktor
1 Monat zuvor
Antwortet  potschemutschka

Ja. Das tut mir leid…

…bin mir aber sicher, dass es denjenigen bei Ihnen nicht leicht gefallen ist.

Stromdoktor
1 Monat zuvor
Antwortet  potschemutschka

Ja. Meine Follower sind mir allerdings weitestgehend „bekannt“ ;-).

Ab 10 roten Daumen aufwärts hinterfrage ich meine Beiträge kritisch. Alles eine Definitionsfrage…

Riesenzwerg
1 Monat zuvor

Was ist eigentlich mit dem Recht der Kinder auf ihre Eltern?

K.S.
1 Monat zuvor

Man betone : …. man erlaubt 2 Kinder mehr pro Gruppe auf einen Erzieher …. Damit ist der Personalmangel ja nicht behoben.

Monira
1 Monat zuvor

Ich bin Erzieherin in Berlin,60 Jahre alt und somit noch 7Jahre um Dienst. Der Beruf hat mir immer große Freude gemacht Kinder und Eltern ein Stück auf ihrem Weg zu begleiten….
Seit ein paar Jahren ist es auf Grund von akutem oder besser gesagt schon chronischem Personalmangel und vermehrter Kinderanzahl mit besonderen Bedürfnissen ,kaum noch auszuhalten für uns. Es wird übrigens nie über die Rechte der Erzieher gesprochen. Sind wir keine Menschen???

Sanja
1 Monat zuvor
Antwortet  Monira

2.9 Krippenkinder pro Erzieher…..? Das wäre in Sachsen absoluter Luxus….wir sind zu zweit mit 16!!!! 1 bis 3 jährigen und das 4 Tage die Woche….da sind verhaltensauffällige Kinder dabei…du fütterst 3 gleichzeitig…und versuchst trotzdem noch pädagogische Angebote zu gestalten während 4 Kinder auf deinem Schoß sitzen….

J. Unbekannt
1 Monat zuvor

Ich erlerne, im Quereinstieg, den Beruf der Erzieherin. Es wird wahrscheinlich ein nahes Ende nehmen. Warum? Da meine eigenen Kinder keine ausreichende Betreuung finden. Wir durchleben eine Qual. Hätte ich das geahnt, ich hätte es nicht mal begonnen. Und so erfahre ich es vielmals. Betreuung wird zu einem weiteren Luxusmerkmal. Wer Großeltern hat, darf sich seiner Rentenkasse widmen. Der Rest (ob arbeitswillig oder nicht), Pech gehabt.
Dass ich diesen Beruf wirklich gerne täte, es ändert nichts daran, dass meine Kinder nicht betreut sind.

Sabine Kehne
1 Monat zuvor

Sorry, ich bin selber Fachkraft für Sprache und Erzieherin seit 35 Jahren. Ich mache meine Arbeit mit Herz. Die Kitas sollen alles wieder richten? Wie denn, mit welchem Personal? Wir ersetzen die Familie nicht! Das war nie ein Ziel! Betreuung und Verwahrung ist eben nicht alles. Die Eltern müssen wieder in ihre elterlichen Pflichten zurückkehren. Sie legen Grundsteine für ihre Kinder und sind für ihre Kinder verantwortlich. Die Eltern brauchen Unterstützung und richtige Rahmenbedingungen, damit sie diese Aufgabe endlich wieder erfüllen. Das geht nicht, wenn Krippen, Kita und Schulen alles leisten sollen.
S.K.

Sarah
1 Monat zuvor

Balance gibt es garkeibw Erzieherinnen mehr aufgrund der absurden Arbeitsbedingungen. Aufbewahrungsanstalten haben nichts mit Pädagogik zu tun.
Armes Deutschland, wo die Betreuung der Kleinsten sowenig Wert hat und der Beruf der Erzieherin keine angemessene Anerkennung und Bezahlung erfährt.Aber Autobahnen bauen,dafür ist Geld da.Fragt sich,was wichtiger ist….

Uta
1 Monat zuvor

Und manchmal sind es auch 30 Kinder pro Fachkraft. Minderjährige FSJler und Sozialassistenten sind dann eben die Lösung des Problems.
Mich nerven diese Zahlen, die mit der Realität oft nichts zu tun haben. Ich gehe morgens schon müde und erschöpft zur Arbeit. Mein Traumberuf macht mir schon lange keinen Spaß mehr. Ich kann nicht so arbeiten, dass ich am Abend das Gefühl habe, etwas bewegt zu haben. Mir tun die Kinder leid.

Christina
1 Monat zuvor

Ich frage mich warum gehen wir nicht zurück in die Zeit, wo es weitestgehend üblich war 3 Jahre Elternzeit zu gewähren (auch im Osten)? Aus entwicklungspsychologischer Sicht wäre es für die Kleinkinder eh besser ihre ersten Jahre in der Familie zu verbringen. Dazu finanzielle Mittel zur Verfügung stellen ist allemal preiswerte als den massiven Ausbau der Krippen voranzutreiben und dann doch kein geeignetes Personal zu finden für eine qualitativ hochwertige Betreuung. Qualitativ hochwertig und preiswert ist die Betreuung von Kleinkindern durch die Mutter.
Um auf die Frage zu antworten: frühkindliche Betreuung in der Familie fördern und auf den Ausbau der Kleinkindbetreuung verzichten. Damit das Recht der Kinder auf Bindung erfüllen. Finanzielle Ressourcen sind somit frei für Sprachförderung von gut gebundenen Vorschulkindern.