Bürger sollen Abstriche machen, fordern Politiker (und wollen zunächst Kita-Betreuungsschlüssel kürzen)

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STUTTGART. Für die Kommunen in Baden-Württemberg ist klar: Die Bürger müssen sich in der Krise von dem einen oder anderen liebgewonnenen Standard verabschieden – vor allem bei der Kinderbetreuung. Es sei einfach nicht mehr alles finanzierbar. Der Appell fällt bei den Regierungsparteien Grüne und CDU im Ländle auf fruchtbaren Boden.

Immer auf die Kleinen? Foto: Shutterstock

In der grün-schwarzen Koalition wird wegen der Krise die Forderung nach Abstrichen bei bestimmten staatlichen Standards etwa bei der Kinderbetreuung lauter. Nach der Grünen-Vorsitzenden Lena Schwelling unterstützte auch Innenminister und CDU-Landeschef Thomas Strobl das Ansinnen der Kommunen im Südwesten. «Wir können nicht einfach so weiter machen – auf höchstem Standard und jeden Tag wird noch ein bisschen höher versprochen», sagte Strobl.

Zuvor hatte Schwelling erklärt, die Kommunen hätten völlig recht. Erzieherinnen und Erzieher wüchsen «nicht auf den Bäumen». Man müsse es hinkriegen, den Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz und auf Ganztagsbetreuung an den Grundschulen umzusetzen. «Wenn wir sagen, es hat für uns Priorität, dass jedes Kind einen Betreuungsplatz bekommt, dann wird die Gruppengröße etwas wachsen müssen.»

Zuletzt hatten Städte und Gemeinden gefordert, die coronabedingten Ausnahmen in Kitas für die Zahl der Erzieherinnen und Erzieher pro Gruppe zu verlängern. Doch das Kultusministerium verweigert dies. Grund ist die Sorge, dass Erzieherinnen und Erzieher durch zu große Gruppen überlastet würden und ihren Job aufgeben könnten. Die Fraktionen von Grünen und CDU verwiesen darauf, dass das Ministerium die Möglichkeit eröffnet habe, in einer Kita-Gruppe anstelle einer zweiten Fachkraft auch zwei Nicht-Fachkräfte einzustellen.

Grünen-Fraktionschef Andreas Schwarz will trotzdem noch einmal darüber reden: «Zusammen mit den Trägern müssen wir über weitere zeitlich befristete Maßnahmen sprechen, um die aktuelle Situation abzufedern.» Für die CDU-Fraktion sagte allerdings Alexander Becker: «Die Gruppengröße in den Kitas sollte erst dann verändert werden, wenn wir merken, dass die bisherigen Maßnahmen nicht ausreichen.»

«Hier stehen wir für eine gemeinsame Analyse und beherzte Standardabsenkungen bereit»

Zuvor hatte Schwelling gesagt, im Südwesten gebe es im bundesweiten Vergleich einen hohen Standard beim Personalschlüssel. Man müsse sich dann eben ehrlich in die Augen schauen und sagen: «Gut, dann kommen eben ein paar Kinder mehr in diese Gruppe.» Strobl sagte, als Kommunalminister freue er sich über den Vorstoß der Grünen-Chefin. Er appellierte an den grünen Koalitionspartner: «Lasst uns das nun tatkräftig umsetzen.» Wenn so hohe Maßstäbe angelegt würden, «die das Haus in der Krise zum Einsturz bringen, dann muss man davon abrücken und in der Lage sein, im Sinne der Menschen im Land auch pragmatische Lösungen zu finden». Die CDU sei dazu bereit.

Der Städte-, aber auch der Gemeinde- und der Landkreistag will die Koalition beim Wort nehmen. «Wir begrüßen, dass die Diskussion zur grundsätzlichen Aufgabenkritik nochmals angestoßen wurde», erklärten Gudrun Heute-Bluhm für den Städtetag, Steffen Jäger vom Gemeindetag und Alexis von Komorowski für die Landkreise. Es müssten nun weitere Schritte bei der Überprüfung von Standards und Hürden folgen, um für die Kommunen «spürbare Erleichterungen» zu ermöglichen. «Hier stehen wir für eine gemeinsame Analyse und beherzte Standardabsenkungen bereit», hieß es. Spätestens im Oktober wollen die Kommunen mit dem Land in der gemeinsamen Finanzkommission erneut über dieses Thema verhandeln.

Aus der Opposition kam Kritik an der Haltung bei Grünen und CDU. Das Land habe noch andere Möglichkeiten, die angespannte Lage in den Kitas zu meistern, zeigte sich SPD-Fraktionschef Andreas Stoch überzeugt. «Auch in Zeiten des Fachkräftemangels muss das Kindeswohl oberste Priorität haben.» Eine Veränderung des Mindestpersonalschlüssels könne nur das allerletzte Mittel der Regierung sein. Der Ex-Kultusminister plädierte dafür, lieber «nachhaltige Entlastungen» zu schaffen. «Beispielsweise in Form multiprofessioneller Teams und durch den Einsatz von Verwaltungs- und Hauswirtschaftskräften, damit sich Fachkräfte auf den Kern ihrer pädagogischen Arbeit konzentrieren und mit den Kindern arbeiten können.» News4teachers / mit Material der dpa

„Verwahrlosung, Stress und Erschöpfung“: Wissenschaftler schlagen aufgrund der Personalnot in Kitas Alarm

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37 Kommentare
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Glaubwürdiger
13 Tage zuvor

„«Gut, dann kommen eben ein paar Kinder mehr in diese Gruppe.»“ Muss man noch mehr sagen? Wenn man dann noch die Betreuung komplett an den Schulen anbindet- Beamte wehren sich nicht und die Stühle mehr sind auch schon da- ist doch alles paletti.

Da lob` ich mir die Piloten- die zeigen, wie man sich durchsetzt! Und werden im kommenden Jahr wieder pünktlich zu den Sommerferien streiken.

TaMu
13 Tage zuvor
Antwortet  Glaubwürdiger

Die Seitenruder sind beide ausgefallen? Kein Problem… so lange das Höhenruder noch funktioniert… ein guter Pilot schafft dass doch…!
(Der Tag, an dem die KuMis die Luftfahrt übernahmen)

Rüdiger G.
10 Tage zuvor
Antwortet  TaMu

Die meisten Flugzeuge haben nur 1 Seitenruder, aber 2 Querruder (mit denen sie die Schräglage und so auch die Kurve steuern)…

TaMu
10 Tage zuvor
Antwortet  Rüdiger G.

Stimmt 🙂

TaMu
13 Tage zuvor

Dann muss man sich auch ehrlich in die Augen schauen und sagen: der Fabian hat schon seit über einer Stunde die volle Windel, aber weil Anna sich in der Puppenecke übergeben hat und die hauswirtschaftliche Kraft dort alles sauber macht und die andere Erzieherin heute krank ist, kümmere ich mich um Anna und um 10 weitere Kinder, damit sie die Soße aus der Puppenecke nicht an den Schuhen herum tragen und übersehe, dass drei Kinder auf Alex sitzen, so lange er nicht blau anläuft, bis ich Annas Eltern wiederholt angerufen habe, damit sie endlich abgeholt wird, kann ich jetzt nicht das bereits angelieferte Mittagessen austeilen, was nachher zu spätem Mittagsschlaf führt, so dass die früheren Abholkinder aus dem Tiefschlaf geweckt werden und müde den Eltern übergeben werden müssen. Es muss dann ehrlich in alle Augen geschaut und gesagt werden, dass Fabians Po gecremt werden muss, dass Alex eine mittlerweile blaue Beule und einen Biss am Rücken hat, dass die Hälfte der Kinder hungrig ist, weil zu spät gegessen wurde und sie am Tisch eingeschlafen sind und die andere Hälfte müde, weil sie zu kurz geschlafen haben. Und dass MagenDarm umgeht. Und dass das der ganz normale tägliche Wahnsinn ist in einer Gruppe mit noch mehr Kindern als früher und trotzdem nur zwei Betreuungskräften, weil kurzfristig eine ausgefallen ist. Man muss sich ehrlich in die Augen sehen und feststellen, dass an diesem Kita-Tag kein einziges Kind sich in dieser Gruppe wohlgefühlt haben kann, vom Personal ganz zu schweigen.

Konfutse
13 Tage zuvor

“Gut, dann kommen eben ein paar Kinder mehr in diese Gruppe.“
Schon mal nur EINEN TAG in einer KiTa gearbeitet, Frau Lena Schwelling? Oder einmal überhaupt irgendwie richtig GEARBEITET? können Sie sich das überhaupt vorstellen, was das bedeutet, mit Kindern, Kleinkindern zu arbeiten? Achso, das machen ja andere, also nicht Ihr Problem, gell Frau Schwelling? Zarte 30 und schon soooo eine Klappe! WER wählt eigenlich solche Politignoranten????

447
13 Tage zuvor
Antwortet  Konfutse

Die massive Mehrheit der Wahlberechtigten, die auch zur Wahl gehen wählt immer wieder die gleichen 2 bis 3 Konstellation – WARUM sollten Politiker also hart arbeiten, für das Volk Probleme lösen? Wenn man ohnehin weiß, dass „der Kunde“ das „Produkt“ kauft, egal was man macht und egal wie dreist… gibt es keinen Grund, nicht stattdessen lieber Lobbyismus zu bedienen.

Alla
12 Tage zuvor
Antwortet  Konfutse

Das ist doch der neue Trend! Junge Frauen an die Macht. Die retten die Welt dann schon!

Günter Johannsen
11 Tage zuvor
Antwortet  Konfutse

Das hat aber mit dem Realen Sozialismus nicht viel zu tun, Genosse Oberlehrer?!

Last edited 11 Tage zuvor by Günter Johannsen
Marion
12 Tage zuvor

Was soll man dazu noch sagen?
Ohne Worte.

Echt
12 Tage zuvor

Welches Menschenbild liegt solchen Haltungen zugrunde? Massenkinderhaltung hat nichts mit Kindswohl, geschweige denn Bildung zu tun. Mehr als Verwahrung ist nicht drin. Das soll vielleicht für die Wirtschaft kurzfristig Personalprobleme lösen. Langfristig wachsen uns die, aus Beziehungs- und Bildungsarmut resultierende Probleme über den Kopf. Es wird eine Kollektivierung angestrebt die in dieser Form der Überforderung aller Beteiligten nur scheitern kann. Eine Identifikation mit und der Einsatz für das Kollektiv als Grundlage einer funktionierenden Gesellschaft wird so nicht funktionierenden. Die Vernachlässigung der Kinder, das Nichtgesehen werden der Kinder, Eltern und Erzieher führt zu großen individuellen und somit gesamtgesellschaftlichen Problemen. Aktuell augenscheinlich einhergehend mit zunehmenden vielfältigen Förderbedarfen bei den Kindern, die nicht beständig als Coronafolge abgetan werden können. Den Kindern fehlt es an beständigen und aufmerksamen Bezugspersonen in Kita, Schule und Elternhaus. Wo ist Ruhe, wo ist Zeit selbsttätig zu werden ohne pädagogische Funktion, wo ist Raum ungestört und selbstvergessen zu Träumen, Entspannung zu erfahren, wo ist Raum und Zeit für das ICH- Sein, bzw. dieses Ich überhaupt entwickeln zu können. Das ist die Grundlage, sich als Teil der Gesellschaft zu integrieren und Verantwortung übernehmen zu wollen. Davon haben verantwortliche Politiker und Finanzverwalter nicht die geringste Ahnung. Auf politischer Ebene wird Bildung und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf versprochen. Für Pädagogen gibt es verpflichtende Fortbildungen zum Thema Kindeswohlgefähdung. Formal hat hier alles seine Richtigkeit, dazu gestalten die Erzieherinnen tolle Portfolios über die Kinder, schreiben Berichte, kreuzen Fragebögen an und sind von berufswegen Zwangsverständnisvoll. Müsste doch alles perfekt funktionieren in diesem Land? Glückliche, gesunde und gutgebildete Kinder, die ihre Tage in Kinderparadiesen verbringen? Von diesem Zustand sind wir weit entfernt und ohne jegliche Rücksicht auf notwendigsten Rahmenbedingungen für die psychische Gesundheit und Bildungsmöglichkeiten der Erzieher und Kinder. Hochachtung vor den Pädagogen, die sich das aus ehrlicher Zuneigung für die Kinder noch antun!

Rüdiger G.
10 Tage zuvor
Antwortet  Echt

Es sollte mal das Problem lösen, daß Kinder von Eltern, die zum Leben beide lange arbeiten mußten, ständig alleine waren und verwahrlosten.
Dann hat man irgendwann, in schon viel besseren Jahren entdeckt, daß Fremdbetreuung auch entlasten kann — die Bude bleibt sauber und aufgeräumt und man kann Eigeninteressen nachhängen. Leider hat man nicht bemerkt, daß sich die mentale und emotionale Distanz zwischen Eltern und Kindern damit immer weiter verggrößert — also Wohlstandsverwahrlosung entsteht. Eine Einrichtung kann und wird das keineswegs kompensieren, außer in der Vorzeigestunde werden /immer/ die Kinder gefördert, die das a wenigsten nötig haben und die weiter benachteiligt, die Förderung brauchten. Warum? Das adrette, intelligente Kind ist jedem Erzieher lieber als das randdebile, etwas schmuddelige und streng riechende, das ist eben kaum zu ändern. Und der Erzieher als Bezugsperson ist eben auch nur teilzeitverfügbar und kann schon aus Gründen der eigenen, seelischen Gesundheit sein Herz nicht intensiv an 14 Kinder hängen.
Versetzt euch mal ab und an in die Lage und versucht’s mit Denken…

potschemutschka
12 Tage zuvor

„Zeitlich befristete Maßnahmen“ oder wahlweise „temporär“ – ich liebe diese konkreten Aussagen von Politikern und anderen Entscheidungsträgern. Da kann man beliebig lange diese Maßnahmen fortsetzen. Die „temporäre Arbeitszeiterhöhung“ für Lehrer in Berlin dauert(e) wie lange? Spoiler: von 2003 bis? – keine Ahnung, aktuell jedenfalls immer noch.

Anita
12 Tage zuvor

Frau Schwelling hat an der Walldorf Schule ihr Abitur gemacht, dann Germanistik und Geschichte studiert, danach einen grünen Werdegang, dh. einige Monate beschäftigt beim Kommunalverband für Jugend und Soziales, um dann 4 Jahre für das öffentlich-rechtliche IT-Unternehmen Komm.ONE u.a. in einer Stabsstelle tätig zu sein (das kommunale Unternehmen, das viel Geld mit der Lernplattform Ella versenkt hat). Wenn einem die praktische Erfahrung bei richtiger verantwortungsvoller Arbeit mit Menschen fehlt, kann es schon mal passieren, dass man nicht versteht, was die Arbeit als Erzieher oder Erzieherin bedeutet. Dass man es neben all den Dokumentationspflichten mit wirklichen Kindern zu tun hat, dass die Einführung der Kita für 2-jährige durch SPD und Grüne massive Zusatzbelastungen für die ErzieherInnen mit sich brachte, und die Aufnahme von ukrainischen Kindern schon bedingt durch die Sprachprobleme erheblichen Mehraufwand mit sich bringt. Möglicherweise kann man mit so viel vorgeblicher IT Erfahrung auch nicht verstehen, dass man bei Kindern nicht auf den Knopf drücken kann, um sie in einen Ruhezustand zu versetzen. Aber mit all den Details sollte man Frau Schwelling natürlich nicht belasten. Ein paar Kinder mehr, was soll’s. Vielleicht könnte die Landesregierung die vielen grünen Staatssekretäre und deren Mitarbeiter als fachfremde Unterstützung in die Kitas senden. Vermutlich würde kaum jemand bemerken, wenn sie an ihrer hoch bezahlten Stelle fehlen würden, und Windel wechseln – zur Entlastung der ErzieherInnen – kann man den meisten von ihnen vermutlich noch beibringen.

Schattenläufer
12 Tage zuvor

Wo ist das Problem?

Kinder dürfen nicht wählen.
Eltern müssen froh sein, wenn die Kinder überhaupt einen Platz bekommen und sie arbeiten gehen können.

Also nicht maulen sondern schön bedanken. Sonst bleiben die lieben kleinen nämlich bei Vater oder Mutter und die können nicht arbeiten.

Das Handeln der Politik richtet sich eben nicht nach den Bedürfnissen der Bürger oder gar der Kinder.
Die sind egal.
Alles richtet sich nach den Interessen der Wirtschaft. Die braucht hauptsächlich Papa und Mamma als Arbeitskräfte.
Wie und wo die Kinder unter sind ist der Wirtschaft wumpe.

Neugierig
12 Tage zuvor

Warum fühle ich mich gerade an Massentierhaltung erinnert????
Da wird den Müttern das Arbeiten gehen möglichst gleich nach dem Mutterschutz eingeredet (man braucht bei dem Arbeitnehmermangel wirklich jeden) und dann wird die Qualität der Betreuung der Kinder immer mehr herabgesetzt. Und gerade die Schwächsten trifft es dann am schwersten. Alleinerziehende die auf einen Kitaplatz dringend angewiesen sind, weil sie ihr Leben finanzieren müssen haben dann noch ein schlechtes Gewissen, weil das Kind nur noch verwahrt wird. Von Bildung kann man dann ja nicht mehr sprechen. An den Kleinsten wird jetzt gnadenlos am meisten gespart! Und in 10-15 Jahren versteht keiner, weshalb es keine Nachwuchskräfte für die Wirtschaftsmaschine Deutschland gibt.
Das ist so erbärmlich!

Marion
11 Tage zuvor
Antwortet  Neugierig

„Warum fühle ich mich gerade an Massentierhaltung erinnert????“
Weil’s da Parallelen gibt?

TaBu
12 Tage zuvor

Ich bin es leid…seit 20 Jahren bin ich Erzieherin, habe 4 Jahre Ausbildung + FH mit Schwerpunkt Psychologie gemacht…um mir jetzt sagen zu lassen, dass eine fachfremde Kraft meinem Job machen kann???
Unser Beruf ist für die meisten von uns Berufung… aber die Belastung steigt zunehmend. Mehr Kinder, jüngere Kinder… und viel mehr Kinder mit Förderbedarf.
Schichtdienste, da die Betreuungszeiten stetig erweitert werden. Eine unglaubliche Flut an Dokumentation und administrative Aufgaben … und Eltern die sich mehr und mehr Aktivitäten an Abenden und Wochenenden wünschen , da haben sie ja Zeit … kommt es da noch auf ein paar Kinder mehr an????
Sicher wird der Beruf so für junge Menschen noch uninteressanter! Und für „alte Hasen“ wie mich …stellt sich mehr und mehr die Frage ob ich mir das noch antun möchte… aber sind ja nur ein paar Kinder mehr!

TaMu
11 Tage zuvor
Antwortet  TaBu

Also die Aktivitätsbedürfnisse der Eltern würde ich mir unter diesen Bedingungen ganz gediegen am Dings vorbei ziehen lassen. Darauf kann es momentan sicherlich nicht ankommen.

Riesenzwerg
11 Tage zuvor
Antwortet  TaMu

Sehe ich auch so – sieht außerdem auch mehr nach

„Aktivitäten am Wochenende – ich komme gern, entspanne, lass mich bedienen und meine Kinder erziehen.“

Ist bei uns an der Schule teilweise auch so – kaum ist die Lehrkraft anwesend, ist die Erziehung und oft Maßregelung (seufz) ihr Ding. Während die anwesenden Mamas andere – wichtige! – Dinge zu tun haben….

Frustrierte Erzieherin
11 Tage zuvor
Antwortet  TaBu

Völlige Zustimmung. Ich bin auch seit 20 Jahren als Leitung tätig und eigentlich ziemlich belastbar. Die Tage an denen ich am absoluten Limit bin werden mehr und mehr und an meine berufliche Zukunft will ich garnicht denken. Ich habe meinen Beruf mit Begeisterung und sozialem Optimissmus gewählt ausgeübt. Und bin frustriert wie unsere Politik nach und nach systematisch kaputt macht.

Marion
11 Tage zuvor

Entschuldigung schon vorab dafür, daß ich wieder mal etwas weiter ausholen muß, um meinen Frust, meine Wut und meine zunehmende Verzweiflung, angesichts der Umstände, in Worte zu fassen.

Aber kann es vielleicht sein, daß wir nun, nach Jahrzehnten des stetig wachsenden Wohlstandes, des technischen Fortschritts, des Einreißens gesellschaftlicher Normen und Tabus, der ins unermessliche gewachsenen Ansprüche hinsichtlich dessen, was wir als „normalen“ Lebensstandart betrachten, an unsere Grenzen stoßen?

Kann es sein, daß wir mittlerweile von der Komplexität einer total globalisierten, digitalisierten Welt, in der alles und jedes irgendwie miteinander vernetzt ist, überfordert sind?

Kann es sein, daß NOCH MEHR FORTSCHRITT gar nicht geht?
Kann es sein, daß wir den Zenit längst überschritten haben?

Stehen wir jetzt am Anfang eines epochalen Wandels, dem Zusammenbruch unserer sog. westlichen Zivilisation, so wie schon viele Hochkulturen vor uns an der eigenen Dekadenz zugrunde gegangen sind?

Angesichts der vor uns liegenden Probleme, kann man da schon ein wenig ins Grübeln kommen: Klimawandel, Krieg in Europa, Pandemie und immer mehr, in unversöhnliche Splittergruppen zerfallende Gesellschaften. Junge gegen Alte,
Arme gegen Reiche, Frauen gegen Männer, Homo/Trans/Queer gegen Hetero, Querdenker gegen Mainstream, Genderideologen gegen alte weiße Männer etc.etc.
Und alle aufgepeitscht und angestachelt von den „sozialen“ Medien, in denen jeder seinen Haß auf andere ungefiltert austoben kann.

Und überall beginnt es zu bröckeln. Alles, was noch vor wenigen Jahren wie selbstverständlich funktioniert hat, kommt jetzt ins Wanken.
Die Erosion unseres Wirtschafts – und Gesellschaftssystems ist in vollem Gange.
Gesundheitswesen, Bildung und Erziehung, Energieversorgung, Handwerk, Gastronomie – alles gerät ins Rutschen.

Vielleicht fragt sich der eine oder andere jetzt, was das eigentlich mit dem Thema im
obigen Artikel zu tun hat. Ich finde, jede Menge. Ausgerechnet eine grüne Politikerin, deren Partei diejenige war, die immer dafür eingetreten ist, daß alles möglich sein muß, daß man auf nichts verzichten muß, nicht auf berufliche Karriere plus Familie,nicht auf öffentliche Betreuungseinrichtungen auf höchstem Niveau, am besten auch noch zum Nulltarif und die damit die Erwartungshaltung von Eltern ins Unermessliche katapultiert hat, die erst dafür gesorgt hat, daß die Verantwortung für die Bildung und Erziehung schon der Allerkleinsten in die Hände von öffentlichen Einrichtungen abgegeben wurde, ist jetzt eine der Ersten, die von den Bürgern fordert Abstriche zu machen. Wer hat denn ständig das Blaue vom Himmel herunter versprochen? Wer hat denn dafür gesorgt, daß immer mehr eine Mentalität des Abgebens von Verantwortung für die eigenen Kinder und deren Erziehung an öffentliche Institutionen, um sich gegriffen hat. Wer hat Eltern regelrecht eingeredet, daß ihre Kinder ohne frühzeitige Fremdbetreuung irgendwas versäumen könnten?
Und wer soll denn da jetzt wirklich Abstriche machen? „Die Bürger“?
Ne, ne – in erster Linie die Kinder und diejenigen, die sich um sie kümmern, nämlich die Erzieherinnen in den Kindergärten und Krippen.

Wir stecken metertief im Morast, den wir selbst durch Gier und Egoismus angehäuft haben. Und jetzt sollen ausgerechnet diejenigen, die am wenigsten dafür können, nämlich unsere Jüngsten, die Suppe auslöffeln, die wir ihnen eingebrockt haben?

Wie schäbig ist das denn?

Aber vielleicht ist das ja richtig so. Angesichts der eher wenig rosigen Zukunftsaussichten dieser Kinder, kann man nicht früh genug damit anfangen, sie an Entbehrungen zu gewöhnen.

Wir hätten es in der Hand gehabt. Aber wir haben es verbockt. Warum?
Weil wir AUF NICHTS VERZICHTEN wollten. Nicht aufs Geld, nicht auf die Karriere, nicht aufs schicke Haus, nicht auf den Urlaub, nicht aufs neue Auto, nicht aufs neue Handy, und warum auch? War ja bisher alles möglich. Die Kinder schon mit einem Jahr von Montags bis Freitags frühmorgens bis spätnachnáchmittags aus dem Haus. Mutti und Vati ab in die Arbeit zum Geld verdienen und Wohlstand mehren.
In den Ferien dann in den Urlaub, am besten mit dem Billigflieger und „All Inklusive“.
Die quengeligen Kinder konnte man während der langen Reise und auch sonst im Alltag, mittels der schönen neuen digitalen Technik, ganz bequem ruhigstellen.

Gut, die Umwelt hat ein bißchen gelitten.
Das Leben wurde ein klein wenig hektischer.
Die Kinder ein bißchen „schwieriger“.

Aber das ließ sich gut verdrängen, weil wir in unserer schönen neuen Welt, dank ständiger Ablenkungsmöglichkeiten, gar nicht mehr richtig zum Nachdenken gekommen sind.
Und jetzt fällt uns der ganze Mist auf die Füße und viele reiben sich verdutz die Augen und wundern sich.
Aber ganz ehrlich: Mich wundert schon lange nichts mehr und ich glaube auch (fast)
nicht mehr daran, daß wir aus der ganzen Scheiße einigermaßen glimpflich wieder raus kommen.

TaMu
11 Tage zuvor
Antwortet  Marion

Wow, Marion! Wow!

Echt
11 Tage zuvor
Antwortet  Marion

Der Blick auf das Westliche ist in dieser globalisierten und digitalisierten Welt abhanden gekommen. Am Umgang mit den Schwächsten, den Kindern und den Alten erkennt man, dass die Anbetung der Götzen des Konsums und die Selbstüberschätzung der Menschheit, echte (Mit-)Menschlichkeit schwinden lassen. Stattdessen wird geframet, Kinderrechte werden politisch und medial in schönsten Farben dargestellt, Frauenquoten werden (auf höheren Gehaltsebenen) eingeführt und woke Empfindsamkeiten feiern sich als moralisch überlegen. Das reale Leben für Kinder, die sich schon früh den wirtschaftlichen Bedürfnissen anpassen müssen, für Frauen, die in typischen Frauenberufen tätig sind und die lieber eine gerechte Bezahlung, statt Quote für ohnehin schon privilegierte Geschlechtsgenossinnen hätten, und für Menschen, die Dreadlocks vielleicht nicht schön finden, aber darin nie einen kulturelle Aneignung gesehen hätten und, die für Dauerempörung schlicht keine Zeit und Nerven haben, weil sie sich um Familie und Arbeit kümmern, sind die aktuellen Entwicklungen kaum mehr zu überblicken oder nachvollziehbar. Die politischen Reaktionen, die immer mehr versprechen und die Menschen belasten, statt die Realität zu betrachten und vielleicht auch mal wieder einen Schritt zurückzugehen (z.B. kein Recht auf Ganztag, was so nicht umzusetzen ist und tatsächlich auch nicht von allen Eltern gewünscht wird) stelle ich sehr infrage. Die Entwicklung der vergangenen 20-25 Jahre, gerade auch im Bereich Bildung (Kita, Schule) ist ernüchternd und enttäuschend für einstmals motivierte und über Jahre engagierte Pädagogen. M.M.n. nach war die Entdeckung der Wirtschaft, den Bildungsbereich zusätzlich als günstige Verwahrungsmöglichkeit nutzen zu können, der Beginn dieser negativen Entwicklung. Die Bertelsmann- Stiftung hat sich unter dem Deckmantel bildungspolitischen Engagements, ebenso wie einige IT- Firmen auch noch zusätzliche Einnahmequelle erschließen können. Alles natürlich für eine „gute Bildung und zum Wohl der Kinder „. Für die Wirtschaft läuft es sogesehen im Bildungbereich wunderbar. Was ist dabei herausgekommen? Ganztägige Massenverwahr- und Bildungs(?)einrichtungen. Die Familie und der Wert familiärer Fürsorgeleistungen wurden systematisch zugunsten wirtschaftlicher Interessen abgewertet. Die versprochene Vereinbarkeit von Familie und Beruf hatte ich mir nicht mit einer solch einseitigen Fokussierung auf die möglichst ganztägige und frühzeitige Abgabe von Kindern vorgestellt. Diese Entwicklung ist sehr enttäuschend, denn sie lässt vielen Familien und Frauen aufgrund finanzieller Zwänge, und auch aufgrund erfolgreicher Vermittlung des wirtschaftlich und politisch erwünschten Frauenbildes keine Wahlfreiheit. Individuelle Kinderrechte spielen da aus meiner Sicht überhaupt keine Rolle mehr. An dieser Stelle wäre nun eine gute Überleitung zum Thema Inklusion möglich, aber das lass ich mal lieber für heute.

Marion
11 Tage zuvor
Antwortet  Echt

„Selbstüberschätzung der Menschheit“….
Danke. Damit fassen sie kurz und bündig fast alles zusammen, was ich mit vielen Worten versucht habe auszudrücken.
Wir leiden an einer maßlosen Selbstüberschätzung. Wir glauben alles zu können und alles zu dürfen.
Die Welt hat sich gefälligst nach uns zu richten.
Tut sie aber nicht.
Die Welt kommt ganz sicher wunderbar ohne uns zurecht.
Wir haben das nur vergessen.

Riesenzwerg
11 Tage zuvor
Antwortet  Marion

Jepp! So ist es – der Tanz ums Goldene Kalb und der Zerfall…

Und wir, die „Dornen“Krone der Schöpfung, macht munter weiter.

Jede Gesellschaft schafft sich ihren eigenen Untergang.

Das lehrt die Geschichte – allein der Mensch lernt nicht daraus.

Darfdaswahrsein
11 Tage zuvor
Antwortet  Marion

Danke für dieses etwas weiter Ausholen.
Treffend auf den Punkt gebracht.
Habe den Beitrag gerne und mit großer Zustimmung gelesen.

Annekathrin Müller
10 Tage zuvor
Antwortet  Marion

Danke schön. Super cool geschrieben und spricht mit aus der Seele. Hoffe das es viele lesen! Ich bin Mama von zwei Tenager und das ist echt nervenaufreibend. Habe viel mit ihnen erlebt. Arbeite in der Schule in der Nachmittagsbetreuung und da hat sich so viel verändert. Noch mehr Kinder ….. – viel Arbeit (mache ich aber gerne), wenig Zeit. Gerne würde ich mich mehr um die Kids kümmern, aber gefühlt sind sie nur aufbewahrt und das ist nicht gut. Die Schule und auch der Kindergarten ist ja auch ein Raum zum lernen. Wenn das nicht mehr so gelingt, dann habe ich richtig Angst um die Kids wenn sie Mal Gross sind. Da kommen ganz andere Probleme noch auf unsere Gesellschaft zu und ich bin mir nicht sicher, ob das dann zu schaffen ist. Da es überall fehlt und nicht mehr jeder bereit ist seinen Beitrag an die Gesellschaft zu leisten. Das finde ich traurig! Ich hoffe sehr die Regierung und die Länder finden Lösungen.

Mona
11 Tage zuvor

Ich bin so froh, dass ich letztes Jahr den Berufswechsel vollzogen habe. Jede ungelernte Putzhilfe ohne Arbeitserlaubnis und Sprachkenntnisse erfährt noch mehr Wertschätzung und Rückhalt von Arbeitgeber bzw. „Kunden“ und Gesellschaft.

Markus
11 Tage zuvor

Hohe Standarts? Hoher Realitätsverlust wohl eher

Maxi Stübing
11 Tage zuvor

Echt unglaublich. Das kann ja nur Satire sein.
Vorallem „zum Wohle der Menschen in diesem Land“
Dementsprechend sind also Kinder und Erzieher/innen keine Menschen!?
Fast schon lustig, wenns nicht so traurig wäre.

Durchschnittsarbeiter
11 Tage zuvor

Die lieben Politiker, würde ich gerne 1 Woche als Praktikant haben.
Besonders weil wir alle auch nur Menschen sind und gelegentlich auch mal krank sind.
Eine Gruppe alleine zu betreuen kann dann passieren.
Anstatt 20 Prozent verhaltensauffäliger Kinder sind es nach Corona bei ca 30 Prozent. Dazu kommen dann noch Kids die gar nicht wissen wie ihnen passiert, Sie verstehen gar nichts und können sich nicht mal mitteilen wenn Sie z b Bauchschmerzen haben.
Stark an der Realität vorbei ist diese Politik
Bei aller Empathie und Leibe für diesen Beruf, wieviel kann ein Erzieher oder wie ich Kinder Pflegerin leisten und aushalten.

Ella
11 Tage zuvor

Es ist nicht MACHBAR! Es sind doch jetzt bereits zu viele Kinder in den Gruppen und die Kollegen alle überfordert.

Rüdiger G.
10 Tage zuvor

Kinder, die so heulen, weil sie bei den Eltern bleiben müssen, anstatt ins Indoktriniierung-Rudel gehen zu dürfen, müssen Schlimmes erlebt haben und gehören schon deshalb fremdbetreut. Tut mir leid, ich kenne das ausschließlich andersherum, heulende Kinder, /weil/ sie in den Kindergarten sollen. Und, liebe Leute, überlegt’s euch: Alles das, was der Staat übernehmen soll, wird zwingend teuer, auch die Betreuung eurer minderjährigen Zellhaufen.

Verena Knehr
10 Tage zuvor

Als Erzieherin i.V. bin ich seit jeher gut ausgelastet.
Von Mai bis August war ich dauerhaft nur in einer Einrichtung tätig.
In dieser waren zwei von drei Vertretungskräften eingesetzt, dazu kamen zwei Schliesstage die Woche.
Nun arbeite ich seit September in einem anderen Kindergarten , in dem eine Fachkraft (100 Prozent)fehlt.
Dort herrscht momentan Aufnahmestopp.
Ich kenne keine Einrichtung des Trägers, in der alle Stellen vollbesetzt sind.Trotzdem weigert er sich, zwei 50Prozent-Kräfte einzustellen.
Die Neuregelung bedeutet Rückschritt, Überlastung- deshalb mehr Krankheitsausfälle, Abwanderung und (noch mehr) Unattraktivität dieses wunderbaren Berufes.
Was soll dabei (anderes) herauskommen, wenn völlig realitätsferne Entscheider am Werk sind, denen es nicht um’s Wohl der Kinder geht?

Patrick
10 Tage zuvor

Und ich dachte der Tiefpunkt war schon erreicht als Winni meinte den dummen Bürgern erklären zu müssen, in welche Richtung man den Thermostat der Heizung drehen muss…

Reklü
9 Tage zuvor

Das ist ja lustig ….
Ich würde ein paar Politiker in die Kitas Einladen.
Wenn es so weiter geht werde ich auch mein Job hinschmeißen .