Umfrage: Jeder vierte Studierende hält Lernen auf Distanz für ebenso effektiv wie Präsenzunterricht

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MÜNCHEN/DANZIG. Ob Homeschooling, Präsenz- oder Hybridunterricht: Im Hinblick auf die durch die Digitalisierung eröffneten neuen Möglichkeiten der Unterrichtsgestaltung stellt die Corona-Pandemie ein beispielloses Experiment dar, dessen „Auswertung“ noch Jahre dauern wird. Eine Umfrage unter Studierenden ergibt ein gemischtes Bild.

Der große Schub für die Online-Bildung gehört wohl zu den langfristig tiefgreifenden Folgen der Corona-Pandemie, auch über das Schulsystem hinaus. Einer aktuellen, nicht-repräsentativen Umfrage unter europäischen Studentinnen und Studenten zufolge sieht allerdings nur jeder Zwanzigste Schulen und Hochschulen technisch sehr gut auf Distanzunterricht vorbereitet.

Mädchen, mit Kopfhörern am Tablett schreibt auf einem Block
Während allerorten Programme laufen, um pandemiebedingte Lernrückstände aufzuholen, glaubt ein Viertel der befragten Studentinnen und Studenten, dass Distanzunterricht für theoretischen Unterricht genauso effektiv sein kann wie das Lernen vor Ort. Foto: Shutterstock

Ein Viertel der im Auftrag der Webinar- und Videokonferenzplattform ClickMeeting befragten 200 Studentinnen und Studenten äußerte die Meinung, dass Distanzunterricht für theoretischen Unterricht genauso effektiv sein kann wie das Lernen vor Ort. Gleichzeitig sahen fast 40 Prozent der Befragten Schulen und Hochschulen grundsätzlich auf dieses Bildungsmodell vorbereitet. Ebenfalls 40 Prozent glaubten allerdings, dass die Bildungseinrichtungen in der gegenwärtigen Situation noch nicht ausreichend für eine mögliche Rückkehr des Fernunterrichts gerüstet seien.

Nur etwa 5 Prozent der Befragten waren der Meinung, dass die Bildungseinrichtungen hinsichtlich der Technologie für die Durchführung von Fernunterricht oder hybriden Lernformen bereits „sehr gut“ aufgestellt seien. 31 Prozent der Befragten sahen die Vorbereitung der Schulen und Hochschulen in dieser Hinsicht hingegen als „schlecht“ und 8 Prozent sogar als „sehr schlecht“ an.

Lernspiele im shop.4teachers.de

Neben den 25 Prozent, die der Meinung waren, dass Distanzunterricht genauso effektiv sein kann wie das Lernen in Präsenz – zumindest bei Fächern oder Kursen mit theoretischem Schwerpunkt, glauben 49 Prozent, dass Fernunterricht grundsätzlich immer weniger effektiv sein wird als Präsenzunterricht. 20 Prozent gaben an, dass für die Qualität des Distanzunterrichts vor allem die Einstellung der Lernenden sowie die Kompetenz von Lehrkräften und Dozenten ausschlaggebend sei.

Dass diese sich im Rahmen des erzwungenen Online-Unterrichts verbessert haben könnte, deutet eine weitere Umfrage an. 53 Prozent der darin Befragten gaben an, über den Zeitraum von Juni 2021 bis Juni 2022 eine Verbesserung des Verhaltens von Online-Teilnehmerinnen und Teilnehmern festgestellt zu haben. Dies sei genau der gleiche Anteil der Befragten, der in der gleichen Umfrage ein Jahr zuvor angegeben hatte, dass Regeln für die Online-Etikette erforderlich wären. 85 Prozent der Befragten hielten besonders Pünktlichkeit für wichtig, nur 3 Prozent hatten dazu keine Meinung. 8 Prozent der Befragten waren der Meinung, dass Pünktlichkeit nur mit Blick auf die vortragende Person wichtig ist. 4 Prozent hielten sie für unwichtig.

Auch das eigene Online-Verhalten zeigte sich verbessert. Im Jahr 2021 räumten noch 73 Prozent der Befragten ein, bei Online-Meetings nebenbei andere Dinge zu erledigen. 2022 schalteten nach eigenen Angaben 69 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihr Smartphone und andere elektronische Geräte während eines Meetings stumm. Den neueren Ergebnissen zufolge bereiteten zudem 70 Prozent der Befragten vor einem Online-Meeting Notizen vor und 60 Prozent überprüfetn vorab, ob die genutzten Geräte ordnungsgemäß funktionieren. (zab, pm)

Erstes Bundesland erprobt Vier-Tage-Präsenzwoche (angeblich nicht wegen Lehrermangel)

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3 Kommentare
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tozitna
3 Monate zuvor

Jeder Vierte hält Lernen auf Distanz für ebenso effektiv wie Präsenzunterricht – jeder Zweite jedoch nicht… kurioses Framing in der Überschrift. Und wäre es in der Tat eine überwältigende Mehrheit, die die Effektivität von Distanzlernen höher bewertet, wären wir hier alle arbeitslos oder des pädagogischen Kerns unserer Arbeit beraubt.

Dil Uhlenspiegel
3 Monate zuvor

Ich verstehe die Diskussionen eigentlich gar nicht. Wenn ich etwas theoretisch Lernbares lernen will, dann brauche ich i.d.R. nur irgendeine Quelle, woher ich die Infos verlässlich und verständlich kriegen kann: Buch, Internet, Fachleute, Lehrer, Dozentin … vlt. auch mal den eigenen Verstand und Beobachtungsgabe. Alle Nase lang eine Rückmeldung von Kennern beschleunigt sicher die Sache ebenfalls.
Wenn ich etwas lernen muss, etwa um ein Examen zu bestehen, es aber gar nicht lernen will, dann erst brauche ich mehr und mehr „Medien“, die es mir einpflanzen sollen, gerne bitte geräuschlos und fix, damit ich nicht weiter gestört werde.

Praktische Lernstoffe haben da sicher einen anderen Weg zum Gelingen, aber Theoriezeug? … also ich weiß nicht, warum man dem Gehirn durch immer raffiniertere Animationen etwa noch immer mehr eigene kognitive Imaginationsarbeit abnimmt? Dachte ich doch immer, das Denken ist auch weitgehend eine Trainingssache der entsprechenden Gehirnareale und die Ausbildung solider Verknüpfungen eben dieser diversen Areale – but there’s an app for that?

Ron
3 Monate zuvor

Unsere 13jährige Tochter hat Homeschooling genossen und würde sofort wieder damit einsteigen. Ungestört lernen statt Mobbing, Rüpeleien, Lautstärke usw.