Mit der Waffe in die Vorlesung: Hochschulen stellen Hausordnungen auf Prüfstand

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MÜNCHEN. Ein Münchner Student geht mit einer Schreckschusspistole zur Vorlesung – ganz legal. Das sollte nicht erlaubt sein, fordern Vertreter von Studierenden. Erste Hochschulen reagieren.

Schreckschusspistolen sind von scharfen Waffen äußerlich kaum zu unterscheiden (Symbolfoto). Foto: Shutterstock

Nach einem Polizeieinsatz wegen eines Studenten mit einer Schreckschusswaffe im Hörsaal an einer Münchner Universität hat die Technische Universität (TUM) ihre Hausordnung verschärft. Das «Mitführen von Waffen sowie von gefährlichen und waffenähnlichen Gegenständen» sei dort nun grundsätzlich verboten, teilte ein Sprecher der Hochschule mit. Ausgenommen davon seien unter anderem Sicherheitspersonal und Polizei. «Von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, zum Beispiel Wachpersonal, sind wir der Auffassung, dass niemand mit Waffen unterwegs sein sollte», sagte der TUM-Sprecher. Auch die Hochschule Kempten plant nach Angaben einer Sprecherin, bei ihren Vorschriften nachzujustieren.

Studierendenvertretungen der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU), der Hochschule München (HM) und der TUM hatten solche Verschärfungen gefordert, nachdem ein 18-Jähriger Anfang November eine Schreckschusspistole mit in einen Hörsaal der LMU gebracht und so einen Polizeieinsatz ausgelöst hatte. Als Grund gab der Student an, er habe Angstzustände.

In einer gemeinsamen Pressemitteilung der Studierendenvertretungen heißt es: „Hochschulen sind seit Jahrhunderten Orte des Lernens und Lehrens, der Wissensvermittlung und der Forschung. Sie fordern den Geist und das gemeinsame Miteinander und sind die Keimzellen des friedlichen, weltweiten wissenschaftlichen Austauschs. Diesem Versprechen liegen die Meinungs- und Forschungsfreiheit sowie die Unversehrtheit der Lehre, aber auch aller daran beteiligten Personen zugrunde. Eine Waffe dagegen schadet der körperlichen und geistigen Unversehrtheit aller Anwesenden in einem Maße, dass die Vermittlung der Lehre und das Lernen nicht mehr angstfrei erfolgen kann.“

«Bei einem pauschalen Verbot wäre auch das Pfefferspray in der Handtasche einer Studentin verboten»

Die Präsenz einer bewaffneten Person in einer Vorlesung verunsichere und verängstige die anwesenden Studierenden und die lehrende Person, denn jede Waffe stelle zu jedem Zeitpunkt eine potentielle Gefahr dar. „Das vermeintlich erhöhte persönliche Sicherheitsgefühl der mitführenden Person geht zulasten des Sicherheitsgefühls und der Sicherheit aller anderen Anwesenden und kann daher nicht toleriert werden.“ Die Studierendenvertretungen setzten sich seit Jahren dafür ein, dass sich unsere Studierende und Dozierende an unseren Hochschulen wohlfühlen, die nötigen Mittel erhalten und ein Umfeld genießen, sodass sie einen wichtigen Beitrag zur Wissenschaft leisten können. „In diesem Rahmen positionieren wir uns klar gegen das Mitführen von Waffen an Hochschulen und plädieren für ein allgemeines Verbot von Schreck- und Schusswaffen, sowie von Stichwaffen, Anscheinswaffen und Waffenimitaten im Umfeld der Hochschulen.“

Eine LMU-Sprecherin sagte, der Senat der Hochschule wolle über eine Änderung der Hausordnung nicht vor einer Klärung aller rechtlichen Fragen entscheiden. Es gehe dabei zum Beispiel um die genaue Definition von verbotenen Waffen, potenzielle Ausnahmefälle und die Möglichkeit praktischer Kontrollen. Die Hochschule München (HM) prüft nach eigenen Angaben ebenfalls, ob die eigene Hausordnung in diesem Bereich geändert werden kann.

Die Vorsitzende der Bayerischen Universitätskonferenz, Sabine Doering-Manteuffel, wies im Zusammenhang mit strikteren Hausordnungen auf mögliche Streitfälle hin. «Bei einem pauschalen Verbot wäre auch das Pfefferspray in der Handtasche einer Studentin verboten.» Bei der Frage nach dem Führen solcher Waffen strebe sie eine «Diskussion mit allen Zielgruppen» an. Gleichzeitig betonte sie: «Waffen schaffen Unsicherheit in einer Universität.» News4teachers / mit Material der dpa

Polizeieinsatz an Schule – Schreckschuss-Pistole bei Schüler zu Hause entdeckt

 

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Biene
15 Tage zuvor

Dass die LMU erst jetzt reagiert, ist schon komisch! Ein Waffenähnlicher Gegenstand ist doch schon Anfang der 10er-Jahre in einer Tasche eines Studierenden in einer Mensa gesehen worden, infolge dessen es zu einem Einsatz von Spezialkräften an der LMU gekommen ist.
Die Gerüchteküche damals ist explodiert. Das Ende vom Lied war, dass es sich um eine Softair-Waffe gehandelt hatte.
Schon damals hätte man seine Hausordnung überarbeiten können.