Klassenfahrten-Boom! Jugendherbergen verzeichnen starke Nachhol-Effekte

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BIELEFELD. Für die Jugendherbergen in Deutschland ist die Pandemie-Flaute überwunden. Vor allem das «Comeback der Klassenfahrten» habe 2022 zu einer positiven Entwicklung mit deutlich steigenden Übernachtungszahlen beigetragen, berichtete das Deutsche Jugendherbergswerk (DJH) am Dienstag in Bielefeld. Der gemeinnützige Verein zählte für 2022 fast 8,6 Millionen Übernachtungen – und damit mehr als doppelt so viele wie im Krisenjahr 2021 mit nur 3,9 Millionen. Für 2023 stimme ein sehr guter Vorbuchungsstand optimistisch.

Klassen- und Kursfahrten finden wieder statt. (Symbolfoto) Foto: Shutterstock

Insbesondere ein sattes Plus bei Klassenfahrten hat den Jugendherbergen nach der schwierigen Corona-Zeit ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2022 beschert, wie das Beispiel Niedersachsen und Bremen zeigt: Die Gäste- und Übernachtungszahlen der insgesamt 52 Häuser des Deutschen Jugendherbergswerks (DJH) dort legten im Vergleich zu den beiden Vorjahren 2022 kräftig zu und überstiegen teils sogar das Vor-Corona-Niveau, wie aus der am Dienstag veröffentlichten Jahresbilanz hervorging. «Nachdem 2020 und 2021 pandemiebedingt viele Schulfahrten ausfallen mussten, hätten wir in den beliebtesten Zeiträumen die Betten doppelt belegen können», teilte der Geschäftsführer des Landesverbandes Unterweser-Ems, Thorsten Richter, mit.

Dabei hatte das Jahr 2022 für die Herbergen noch getrübt begonnen: Wegen der Omikron-Variante galt bis Ende März ein Schulfahrtenverbot des niedersächsischen Kultusministeriums. Viele Schulen, die bereits Fahrten gebucht hatten, mussten stornieren oder umbuchen. Im Lauf des Jahres stellte sich dann aber ein deutlicher Nachholeffekt bei den Klassenfahrten ein. Für dieses Jahr stimmt die Buchungslage das Jugendherbergswerk ebenso optimistisch. Im März beginnt die Schulfahrten-Saison. «Insgesamt ist der Vorbuchungsstand für dieses Jahr wieder gut – auch die Nachfrage von Gruppen und in den Stadthäusern zieht wieder an», sagte Geschäftsführer Richter.

Für die Jugendherbergen in Nordrhein-Westfalen ist die Pandemie-Flaute ebenfalls überwunden. Die DJH-Landesverbände Rheinland und Westfalen-Lippe zählten für NRW 2022 zusammen mehr als 1,5 Millionen Übernachtungen. Im Krisenjahr 2021 waren es nur gut 596.000 Übernachtungen gewesen. Für beide Landesverbände sind Schulklassen die wichtigste Gästegruppe – mit sprunghaften Zuwächsen. Im Rheinland fielen die Übernachtungszahlen 2022 dabei um 6,7 Prozent höher aus als im Vor-Corona-Jahr 2019. Und in Westfalen-Lippe machte sich der Nachholeffekt nach zwei Pandemiejahren so stark bemerkbar, dass dort bei Klassenfahrten sogar der höchste Wert der vergangenen 15 Jahre gemessen wurde.

«Es ist ein Balanceakt, weiterhin bezahlbare attraktive Klassenfahrten oder Jugendfreizeiten zu bieten, während auch für uns die Kosten stetig steigen»

Ein ähnliches Bild zeigt sich in Schleswig-Holstein. Die 39 Jugendherbergen im Land zählten im vergangenen Jahr 769.111 Übernachtungen und damit fast so viele wie im Vor-Corona-Jahr 2019 (778.251), wie der DJH-Landesverband Nordmark am Dienstag mitteilte. Zurücklehnen wird sich der Landesverband eigenen Angaben zufolge indes nicht können. Die Auswirkungen von Inflation, Energiekrise und allgemeiner Personalknappheit seien herausfordernd. «Gerade unsere junge Gästeklientel ist preissensibel», sagte Geschäftsführer Stefan Wehrheim. «Es ist ein Balanceakt, weiterhin bezahlbare attraktive Klassenfahrten oder Jugendfreizeiten zu bieten, während auch für uns die Kosten stetig steigen.» Bisher sei der Ausblick der Jugendherbergen im Norden jedoch hoffnungsvoll: Mehr als 800 000 Übernachtungen sind den Angaben zufolge im Landesverband bereits für 2023 gebucht.

Allerdings stellten nun Inflation und Energiekrise neue Herausforderungen dar, sagte Hauptgeschäftsführer Oliver Peters. Vor allem junge Menschen seien im Zuge der Pandemie oftmals auf der Strecke geblieben und benötigten jetzt dringend wieder die Chance, sich sozial und persönlich in einem sicheren Raum entwickeln zu können, betonte Peters. Klassenfahrten seien deshalb wichtiger denn je und müssten grundsätzlich allen Kindern zur Verfügung stehen. News4teachers / mit Material der dpa

„Intensiverlebnis Gemeinschaft“: Warum es einen Nachholbedarf bei Klassenfahrten gibt

 

 

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4 Kommentare
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Lera
1 Monat zuvor

Hoffentlich konnte der Tee-Stein unten in der Kanne nach so langer Trockenheit reaktiviert werden.

Ron
28 Tage zuvor

Bei den aktuellen Zahlen muss man berücksichtigen, dass es einen aktuellen Nachholeffekt gibt, der auch wieder abebben wird. Quasi jeder Jahrgang, der nun bereits seit vielleicht drei Jahren nicht mehr unterwegs war, wird nun nach einer Fahrtmöglichkeit suchen. Zudem sollte man die steigenden Schülerzahlen in den Blick nehmen. Hier mal die Zahlen von BW:

2019/20 1.098.436
2020/21 1.095.252
2021/22 1.097.786
2022/23 1.126.700

Bundesweit steigen die Schülerzahlen derzeit um ca. 0,5 Prozent pro Jahr. Der Trend soll sich in Zukunft beschleunigen:

https://www.zdf.de/nachrichten/panorama/zahl-schueler-deutschland-100.html

Dil Uhlenspiegel
28 Tage zuvor
Antwortet  Ron

Zahlen zu den Schülerjahrgangsstärken! Fantastisch, dass es das gibt … müssen wir sofort weitermelden, damit kann man ja richtig in die Zukunft planen.

Ron
28 Tage zuvor
Antwortet  Dil Uhlenspiegel

Jip. Kann jeder ablesen, wie viele Schüler es in wenigen Jahren in der Sek1 gibt. Die Daten sind von den Bundesländern selbst. Die Entscheider lesen sie aber scheinbar nicht. Ist wie bei der Grundsteuer.