Personalnot immer schlimmer: Viele Kitas müssen ihre Wochenstunden reduzieren

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DÜSSELDORF. Berufstätige Eltern, die in der Kita etwa 45 Wochenstunden Betreuung für ihren Nachwuchs gebucht haben und plötzlich auf nur noch 35 Stunden zurückgeworfen werden, haben ein akutes Problem. Kein Einzelfall, wie das Beispiel Nordrhein-Westfalen zeigt.

Immer mehr Kitas schließen frühzeitig. (Symbolfoto) Foto: Shutterstock

In etlichen Kindergärten Nordrhein-Westfalens haben Eltern derzeit mit gekürzten Wochenbetreuungsstunden zu kämpfen. «Aktuell sind in NRW die Kitas vielerorts gezwungen, die Betreuungszeiten einzuschränken oder gar Gruppen zusammenzulegen», berichtete die Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Ayla Çelik. Die SPD-Opposition kündigte am Montag Anfragen an die Landesregierung an, wie umfangreich das Problem landesweit sei und wie das Familienministerium darauf reagieren wolle.

Nach Erkenntnissen der GEW sind zwangsweise Einschränkungen der Wochenbetreuungsstunden mehr als bloße Einzelfälle und unter anderem aus Düsseldorf, Essen und Bonn bekanntgeworden. Çelik mahnte, wenn sich zusätzlich zum landesweiten Fachkräftemangel auch noch eine Krankheitswelle niederschlage, sei die Not groß. «Dann ist weder frühkindliche Bildung noch Betreuung bedarfsgerecht möglich».

«Die Nachwirkungen der Corona-Pandemie, Krankheitswellen und ein andauernder Fachkräftemangel bringen die Einrichtungen in eine besonders herausfordernde Lage»

Familienministerin Josefine Paul (Grüne) sagte, es sei erkennbar, dass die Meldungen zu Personalunterdeckungen bei den Landesjugendämtern im Monat Januar zunächst zurückgegangen, im Februar aber erneut angestiegen seien. «Die Nachwirkungen der Corona-Pandemie, Krankheitswellen und ein andauernder Fachkräftemangel bringen die Einrichtungen der Kindertagesbetreuung in NRW in eine besonders herausfordernde Lage», räumte die Ministerin ein. «Auch für die Kommunen, die für die Umsetzung des Rechtsanspruchs auf Betreuung zuständig sind, ist das eine schwierige Lage.»

Der Fachkräftemangel sei für alle Akteure eine der größten sozialen Herausforderungen der nächsten Jahre. Mit einem «Sofortprogramm Kita» ergreife die Landesregierung zusammen mit den Trägern bereits «kurzfristig erste notwendige Maßnahmen in dieser akuten Situation». Klar sei, dass der Status quo darüber hinaus mittel- und langfristig verändert werden müsse, damit alle Kinder bestmögliche Chancen auf gute Bildung und gesellschaftliche Teilhabe hätten.

Auch in der Diakonie sind aktuell Einschränkungen in Kitas bekanntgeworden. Allerdings seien das Notfallmaßnahmen, die nicht überall vorzufinden seien, berichtete Kita-Expertin Sabine Prott vom Diakonischen Werk Rheinland-Westfalen-Lippe aus örtlichen Rückmeldungen. Wenn der Fachkräfte-Mindestschlüssel in einer Einrichtung nicht eingehalten werden könne, gebe es im Prinzip zwei Optionen: nur noch Notgruppen für wenige anzubieten oder aber die Wochenstunden zu reduzieren.

Aus Protts Sicht treffen hier struktureller Fachkräftemangel und die jahreszeitlich übliche Krankheitswelle nach den Strapazen der Corona-Pandemie «auf ein erschöpftes System». Dass den Kitas deswegen massenhaft ausgebrannte Erzieherinnen und Erzieher davonliefen, sei dem Diakonischen Werk von den örtlichen Einrichtungen allerdings nicht zugetragen worden.

GEW-Landeschefin Çelik forderte das Familienministerium auf, jetzt schnell an der Entlastung des Personals und besseren Beschäftigungsbedingungen zu arbeiten. Der familienpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion Dennis Maelzer konstatierte, inzwischen sei der Fachkräfte-Flaschenhals zum «Nadelöhr» geschrumpft. Schon zum Jahresende seien in NRW mehr als 1300 Kitas wegen Personalmangels von Teil- oder Komplettschließungen betroffen gewesen. «Für das kommende Kita-Jahr verheißt das nichts Gutes», stellte der Oppositionspolitiker fest. Die Ministerin müsse umgehend mit mehr Geld und zusätzlichem Personal gegensteuern. News4teachers / mit Material der dpa

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Gelbe Tulpe
11 Monate zuvor

Es wird eh Zeit, dass flächendeckend die 30-Stunden-Woche üblich wird. Dann müssen die Kinder auch nicht so lange in die Kita.

Lakon
11 Monate zuvor
Antwortet  Gelbe Tulpe

Genau. und 15% Lohnerhöhung.

noname
11 Monate zuvor
Antwortet  Gelbe Tulpe

Bei einer 30-Stunden-Woche ohne Lohnverzicht bin ich dabei. Ist das Ihre Vorstellung?
.

Angelika Mauel
11 Monate zuvor
Antwortet  noname

Wie wäre es mit einer moderaten Gehaltseinbuße? Einiges lässt sich doch wohl bei den meisten dadurch kompensieren, dass man Geld durch Eigenarbeit einspart: Etwas selbst reparieren. Selbst kochen statt Fast-Food kaufen oder ins Restaurant gehen. Butterbrote schmieren statt in der Bäckerei Schokostreuselbrötchen zu kaufen…

Wenn ich im Kindergarten mal eine Strippe am Handtuch oder einen Knopf angenäht habe, bekam ich mehr als einmal zu hören „Kannst du das? Bei uns kann das nur meine Oma.“

Kürzere Arbeitszeiten haben Vorteile, die man durch Geld nicht unbedingt aufwiegen kann.

Angelika Mauel
11 Monate zuvor
Antwortet  Gelbe Tulpe

Oder noch besser: Nur 25 Stunden! Esther Vilar hat vor langer Zeit schon fünf Stunden pro Tag für alle empfohlen. https://www.amazon.de/Die-F%C3%BCnfundzwanzig-Stunden-Esther-Vilar/dp/3612230689 Lesenswert!

Lakon
11 Monate zuvor

Kleine Kinder gehen wöchentlich 45 Stunden in die Kita? oha.

Ureinwohner Nordost
11 Monate zuvor
Antwortet  Lakon

Jo, gibt es.
Die Kinder sind sooo glücklich über die viele Chancengleichheit. Wirklich.

Mama
11 Monate zuvor
Antwortet  Lakon

Nein. In der Regel ist hier auch Puffer eingeplant. Wenn man flexible Arbeitszeiten hat, kann der Tag mal später beginnen und dafür später aufhören. Oder sehr früh anfangen und dafür früher aufhören. Lehrer kennen da ja auch: nachmittags Konferenz bedeutet abends länger arbeiten. Wenn die Arbeit aber nicht zuhause erfolgen kann, sondern mit Präsenz und Wegezeiten einhergehen, kann sich – auch ein Teilzeitjob – auf eine potenzielle Zeitspanne von über 10 Stunden/Tag erstrecken. Damit die Kinder nicht direkt von der Betreuungseinrichtung zum Jugendamt gebracht werden buchen Eltern lange Betreuungszeiten.
Nein – das hat nichts mit Vernachlässigung zu tun oder Desinteresse am Kind, das ist schlichtweg den Zwängen flexibler Arbeitszeiten und der bestmöglichen Verlässlichkeit geschuldet.
Solange Menschen ihre Arbeitszeit nicht völlig frei einzuteilen, keine Großeltern haben, pendeln müssen, kurzfristige Einsätze notwendig sind, Arbeitszeiten unerwartet ausgedehnt werden müssen wird die Rechnung sein: Arbeitszeit + Pendelzeit + Pausenzeiten + Puffer.
Wenn ich 20 Stunden Arbeitszeit habe, einfach 30 Minuten pendeln muss, und als Auswahlmöglichkeit 25 Stunden Betreuung oder 45 Stunden habe, dann buche ich vermutlich die 45 Stunden.
Aber Danke für den unterschwelligen Angriff!

Uwe
11 Monate zuvor
Antwortet  Lakon

45 Stunden ist das Maximum, muss man ja nicht ausschöpfen. Hab ich auch gebucht, von 7:30 bis 16:30. Einige Kinder bleiben auch so lange (meiner nicht, bin ja Lehrer), wo ist das Problem?

Ephraims Tochter
11 Monate zuvor
Antwortet  Uwe

Das Problem besteht möglicherweise darin, daß nicht jedes Kind gleich ist und daß deswegen nicht jedes Kind gleich gut einen Acht- bis Neun-Stundentag wegsteckt. Was dem einen das größte Glück ist, ist dem anderen das größte Gräuel.
Nur spielt das Befürfnis des Kindes absolut keine Rolle.
Der Ein/Zweijährige mag heute nicht in die Krippe, schon gar nicht von morgens halb acht bis nachmittags um halb fünf?
Er ist heute müde und quengelig, hat nicht ausgeschlafen oder brütet eine Erkältung aus?
Seine Lieblingserzieherin ist auch nicht da, die ist heute krank, dafür ist eine andere da, aber die mag er nicht so gut leiden, deshalb schreit er Zeder und Mordio, aber leider, leider, die Arbeit ruft und Mutti oder Vati können da jetzt keine Rücksicht darauf nehmen und geben den Kleinen schweren Herzens trotzdem ab.
Passiert nicht gerade selten, in diesen Tagen. Aber sie haben natürlich völlig recht: „Wo ist das Problem?“ Der Kleine hat sich schon bald wieder beruhigt und weint nicht mehr, was bleibt ihm auch anderes übrig? Die Erzieherinnen sind froh, daß sich das „Problem“ so schnell „erledigt“ hat, sie haben ja auch genug zu tun, wegen des Personalausfalls.
Aber glücklich wirkt der Kleine dieser Tage nicht. Er ist so merkwürdig still und ernst. Aber wie gesagt: „Wo ist das Problem?“

Uwe
11 Monate zuvor
Antwortet  Ephraims Tochter

Mein Kleiner war von 18 Monaten bis 3 Jahre bei einer Tagesmutter. Von 7:30 bis 16:30. Meistens habe ich ihn auch früher abgeholt, bin wie schon gesagt Lehrer. Und bei 2 Tagesgeschwisterkindern wüsste ich nicht einen Unterschied zwischen der Tagesmutter und seinem Zuhause. Ab 3 im Kindergarten habe ich ihn fast immer erst um 16:30 abgeholt, im Sabbat Jahr weil ich Wellness und Fittness gemacht habe (und er WOLLTE ich hab ihn jeden morgen gefragt), jetzt weil ich nach der Schule noch gern ein paar Stunden für mich habe.

Die Idee „Kindergarten ist Arbeit“ ist kompletter Unsinn, die Kinder SPIELEN im Kindergarten, es gibt überhaupt keinen Unterschied zwischen „ich gehe mit dem Kleinen auf den Spielplatz“ oder „der Kleine spielt auf der riesigen Außenfläche im Kindergarten“. Ob ich mit dem Kleinen male oder die Erzieher*innen ist auch völlig wurscht.

Und wenn der Kleine mal nicht will (kommt vor, dann liegt es aber immer daran das er irgendeine Krankheit ausbrütet) gehe ich halt zum Kinderarzt und hole mir den KB Schein , dafür sind die ja da.

Und mit „meiner“ Kindergartengruppe habe ich Glück, die Erzieher*innen werden ausnahmslos von meinem Sohn gemocht.

Ron
11 Monate zuvor
Antwortet  Uwe

Ist das Ironie oder meinen Sie das so?

uwe
11 Monate zuvor
Antwortet  Ron

ja dann mal Butter bei de Fische: Wo jetzt GANZ genau liegt der Unterschied zwischen mit einem Elternteil auf dem Spielplatz spielen und spielen auf dem Spielplatz im Kindergarten. Das eine ist ja wohl voll entspannend, das andere Schwerstarbeit die schon fast traumatisiert. Und bitte auch GANZ genau den Unterschied zwischen malen am Tisch im Kindergarten mit Erzieher*innen und malen am Tisch zu Hause mit Papa, damit ich verstehen kann (ich will das wirklich verstehen) warum das erstere schwersttraumatisierende Schwerstarbeit und das zweite Freizeit ist.

Meister Jeder
11 Monate zuvor
Antwortet  uwe

Verstehe gut, weshalb das Kind lieber in der Kita ist….

Uwe
11 Monate zuvor
Antwortet  Meister Jeder

Nennt man halt Ad Hominem und ist als Argument ungefähr so viel wert wie ein feuchter Furz. Aber nett das sie der Welt mitteilen wie dumm sie sind.

Angelika Mauel
11 Monate zuvor

Und immer noch bleibt es dabei, dass unsere Sprache ausgiebig zur Verschleieruung der Misere benutzt wird.

Warum wird nicht ausdrücklich von den GRUNDBEDÜRFNISSEN der Kinder gesprochen? Diese können immer wieder nicht angemessen befriedigt wenn Erzieherinnen als wichtige Bezugspersonen ausfallen. Statt auf die Lage der Kinder einzugehen ist in verkrampfter Sachlichkeit von „Personalunterdeckung“ die Rede ist. Jahrelang wurden in Elternbefragungen die „Bedarfe“ abgefragt, um mit den Ergebnissen die Forderungen nach längeren Öffnungszeiten zu rechtfertigen. Bedarfsermittlung – ein Begriff aus der Wirtschaft!

Eltern haben mit gekürzten Wochenbetreuungsstunden zu „kämpfen“… Wozu? Für ihre Arbeitgeber und wirtschaftliche Interessen? Es ist doch kein Gewinn für ihre Kinder oder das Familienleben, wenn sie länger in Kitas sein müssen als Erwachsene auf ihren Arbeitsstellen!

Ureinwohner Nordost
11 Monate zuvor
Antwortet  Angelika Mauel

Die neue LTI?

Angelika Mauel
11 Monate zuvor

Und ein „familienpolitischer Sprecher“ spricht vom „Fachkräfte-Flaschenhals“!!!

Das ist doch alles absurdes Theater! Jedenfalls nichts, was als Familienpolitik ernst genommen werden könnte!

GS in SH
11 Monate zuvor

Aber mal ganz ehrlich, woher wollen die Kommunen die fehlenden Fachkräfte und Räumlichkeiten hernehmen?
Geschlossene Förderschulen sind längst umgebaut worden und trotzdem reicht der Platz nicht mehr aus.
Die Standards, z. B. Fachkräfteschlüssel, wurden gesenkt (also weniger Fachkräfte pro Kinder) und trotzdem reichen die Fachkräfte nicht aus.
Trifft ein unterversorgtes System auf die kleinste Krise, kollabiert es. Das wird schon seit Jahrzehnten angemahnt, ohne dass Konsequenzen erfolgten.

Ureinwohner Nordost
11 Monate zuvor
Antwortet  GS in SH

Lassen wir es den Bach hinunter laufen, ins Tal.
Gott hat dem Wasser den Weg gewiesen.
Schei..egal

Riesenzwerg
11 Monate zuvor

Vorschläge?

Angelika Mauel
11 Monate zuvor
Antwortet  GS in SH

Die Kommunen wollen doch gar keine Fachkräfte zusätzlich einsetzen, die ihnen sowieso zu teuer wären. Ungelernte, kurz geschult, und dann sieht es im Gruppenraum wieder so aus, als seien genug „Bezugserzieher“ da. Außerdem werden schon jetzt sanierungsbedürftige Kitagebäude an private Kitabetreiber abgegeben, die nach einem so genannten „Haustarif“ bezahlen, der unter dem TVöDSuE liegt. (Nicht immer, aber nahezu ausnahmslos.)

Gegen den Kollaps des Betreuungssystems könnte vielleicht noch eine Rücknahme des Rechtsanspruchs für unter Dreijährige oder eine drastische Einschränkung der besonders viel Personal erfordernden Betreuung der Jüngsten helfen. – Doch dann würde sich ein Widerstand regen, gegen den die Proteste der Erzieherinnen nur ein Klacks sind.

Aber es bleibt dabei: Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht.
Es ist nicht zuvörderst die Pflicht der Erzieherinnen nach Belieben und den Forderungen anderer Gruppen zusammenzulegen oder eine Gruppe allein zu betreuen, wenn die Zustände nicht mehr mit der Aufsichtspflicht und dem Erziehungs- und Bildungsauftrag zu vereinbaren sind.

Riesenzwerg
11 Monate zuvor
Antwortet  Angelika Mauel

Ich bin ja immer noch der Auffassung, dass a u c h die Arbeitgeber, die ja diese ausufernden Zeiten zur Gewinnmaximierung (was für ein blödes Wort!) anserzen, etwas beizutragen haben, damit das laufen kann.

Angelika Mauel
11 Monate zuvor
Antwortet  Riesenzwerg

Zuerst einmal scheinen Betriebskitas Vorteile zu haben. Mütter könnten sogar zum Stillen zu ihrem Kind gehen, Eltern wären im Notfall schneller vor Ort.(Sofern die Betriebskita nicht fern vom Betrieb errichtet wurde,)

Aber von allen Angestellten wird nicht selten unterschwellig oder sogar ganz direkt erwartet, dass sie den Interessen des Arbeitgebers nachkommen. Für die Erzieher wird es schwierig, die Betreung kranker Kinder abzulehnen. Und von Eltern wird erwartet, dass sie ihr Kind auch länger als gewollt betreuen lassen, wenn es im Betrieb gewünscht wird.

Für so genannte Mini-Kitas, werden übrigens geringere Anforderungen gestellt als an Regelkindergärten. Sie dürfen sogar ohne ein eigenes Außengelände betrieben werden.

Lena Hauenstein
11 Monate zuvor
Antwortet  Angelika Mauel

Das ist allerdings bei vielen Elterninitiativen auch nicht gegeben. In Gegenden mit genügend Spielplätzen geht das auch gut.

Angelika Mauel
11 Monate zuvor
Antwortet  Lena Hauenstein

Ich habe wiederholt als Springerin in einem Kindergarten ohne eigenes Außengelände gearbeitet. – Bitte glauben Sie mir: Es hat immer Nachteile, wenn kein eigenes Außengelände da ist. Heute reden sich Eltern in Großstädten die Betreuung ihrer Kinder insie Krippen und Kitas ohne Garten schön, weil sie – absolut zu rech ! – beanstanden, dass anderswo das zu kleine Aißengelände an eine Art „Käfighaltung“ erinnert. Ältere Menschen schenken den Kindern schon mal durch den Zaun Süßigkeiten. Da bleint es nicht aus, dass man an Zootierhaltung denken muss.

Eltern und Erzieher sollten einen Ehrenkodex entwickeln, dass sie nicht mehr in Kitas ohne Garten arbeiten, bzw. ihre Kinder dort nicht mehr anmelden.

Ron
11 Monate zuvor
Antwortet  Angelika Mauel

Ich habe mehrere Kindergärten erlebt, in denen die Erzieher wenig Lust auf Außengelände hatten und lieber einen „Bewegungsraum“ eingerichtet haben. Nach draußen gehen bedeutet nämlich Kinder ankleiden und später Dreck in der Bude.

potschemutschka
11 Monate zuvor
Antwortet  Angelika Mauel

Diese Mini-Kindergärten schießen bei uns hier wie die Plize aus dem Boden. Wenn ich an einem vorbeigehe, kommen mir immer die gleichen Gedanken: bei Tieren demonstrieren die Tierschützer gegen Käfighaltung, warum hört man da nichts vom Kinderschutzbund?

Angelika Mauel
11 Monate zuvor
Antwortet  potschemutschka

Danke! Genaus das frage ich mich auch seit vielen Jahren. Der Deutsche Kinderschutzbund scheint sich leider ohne Skrupel auf die ortsüblichttp://www.kindergartenkritik.de/blog/nobody-is-perfecthen Konditionen eingelassen zu haben.
Nachdem ich das viel zu kleine SAußengelände der Stuttgarter „Kita Berghasen“ beanstandet habe, wurde nur die die Formulierung von der Webseite genommen.

„Einmal in der Woche dürfen wir das Außengelände unserer Nachbareinrichtung „educcare“ nutzen.“ (Quelle: Website der Kita „Berghasen“ in Stuttgart unter „Konzeption“, Stand: 14.12.2015.)

Kein Wunder, dass der Personalmangel in Kitas chronisch geworden ist! An sich ein schöner, sinnvoller Beruf. Aber die Fachkräfte werden ausgenutzt und sollen sich mit Betreuungsbedingungen arrangieren, die vernünftigerweise erheblich nachgebessert werden müssten.

potschemutschka
11 Monate zuvor
Antwortet  Angelika Mauel

Ich habe gerade mal gegoogelt: der Tierschutzbund hat 800 000 Mitglieder, der Kinderschutzbund 50 000. Alles klar! Damit hat sich meine Frage von eben erübrigt. Das spiegelt doch die Wichtigkeit beider Gruppen in unserer Gesellschaft wider und bestätigt den Eindruck, den ich seit Jahren habe. Armes Deutschland!

Angelika Mauel
11 Monate zuvor
Antwortet  potschemutschka

Und viele Mitglieder des Kinderschutzbundes sind Mitgleider etablierter Parteien und profitieren von ihrem „Engagement“. Früher gab es Mitglieder, die rehelmäßig mit Heimkindern Fußball bespielt und sich akriv um Kinder gekümmert haben. Heute fehlt der Nachwuchs und die Rebellion von unten.

Riesenzwerg
11 Monate zuvor
Antwortet  Angelika Mauel

Genau das ist das Problem – die Erwartungshaltung der Arbeitgeber!

Bin gespannt, wie die sich noch verändern wird …. Unbesetzte Stellen gibt es ja nun, Schülys, die sich nicht derart über den Tisch ziehen lassen, auch.

So sehr ich mich über meine „faulen Nichtlernerys“ auch ärgere… Sie machen das ganz richtig!

Angelika Mauel
11 Monate zuvor
Antwortet  Riesenzwerg

Inwieweit gab es an Ihrer Schule denn Kampagnen am Boys und Girls day, mit dem Ziel auf den „höchst unbekannten Erzieherberuf“ , den ja kaum jemand kennt, aufmerksam zu machen?
😉

Ale
11 Monate zuvor

Das ganze hat sich bei Palmers Forderung nach Spielgruppen schon angedeutet. Es geht darum mehr Betreuung für weniger Geld anzubieten. Familien sind am Limit, dieses Jahr schlimmer als die 2 Jahre davor. Nur interessiert das nicht wirklich jemand. Corona-Kinder-Krankentage fallen weg, Kinder sind dauerkrank, Erzieher ebenso. Und es wird nicht besser sondern im schlimmer.

Kritischer Dad*NRW
11 Monate zuvor

Die Kinderbetreuung wird penibel vertraglich geregelt und Zahlungen nachgehalten. Die Eltern müssen weit im voraus die „benötigten“ Zeitblöcke der Betreuung buchen. Flexible Verschiebungen lässt das Buchungssystem wegen dem Personal seit Einführung natürlich nicht zu. Nur die plötzlichen Kürzungen mit eigener Beschaffung der Ersatzbetreuung sind erstattungsfrei hinzunehmen.
Verständnis für diese unvorhersehbaren Kapazitätsengpässe durch Personalunterdeckung bei 384.000 fehlenden Betreuungsplätzen habe ich da nicht mehr, da schon vor 20 Jahren die Zahl der benötigten KiTa-Plätze viel zu gering war.
Und so wie man die freien Träger immer weiter finanziell beschnitten hat, wir sich kein klar denkender Betreiber mit Ausnahme der kommunalen Träger mehr finden.

Angelika Mauel
11 Monate zuvor

Schon vor über 30 Jahren gab es zu wenig Betreuungsplätze. Zumindest in mehrern westlichen Bundesländern. Niemand muss für die vorhersehbare und von Anfabg an billigend in Kauf genommene Misere heute Verständnis haben.

Aber es ist traurig: Missstände wie in der Alten- und Krankenpflege haben sich nun auch in der Kinderbetreuung etabliert. Und warum? Weil man in sozialen Berufen immens viel Gedud braucht und wer so veranlagt ist, dass er in den Berufsfeldern arbeiten möchte, dem fällt es nach einem anstrengenden Arbeitstag erst recht schwer, sich gegen die Arbeitsbedingungen zu wehren.

Lösungen. die sich in der Altenpflege nicht wirklich bewährt haben, sollen nun auch für Kitas gelten. Siehe eine Meldung des heutigen Tages:

BW-Kommunen wollen „Befreiungsschlag“ in Kita-Notlage: https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/kita-notlage-bw-kommunen-100.html „Der Städtetag verlangt vom Land Baden-Württemberg eine Öffnungsklausel im Landesgesetz, damit Kita-Träger zum Beispiel verstärkt Hilfskräfte anstelle von Erzieherinnen und Erziehern einsetzen können. Das Konzept für einen sogenannten Zukunftsparagrafen liegt dem SWR vor.“

Diese neue „Zukunftsparagrafenreiterei“ wird alle Bundesländer erfassen. Hoffentlich empören sich endlich auch Eltern darüber, dass Ungelernte in Kitas arbeiten und auf den Personalschlüssel angerechnet werden sollen.

Was würde den Eltern nicht alles versprochen! Anfangs wollte man die kürzer als Erzieher ausgebildeten KinderpflegerInnen nicht in Krippen arbeiten lassen! Obwohl sie mehr über die Pflege und Betreuung der Jüngsten gelernt haben als ErzieherInnen. Aber im Hype um die Frühkindliche Bildung sollten bevorzugt „Kindheitspädagoginnen“ als studierte Fachkräfte die Arbeit mit den vielen Windelwechseln und den Pflegearbeiten übernehmen… Es wurde gar so getan, als ob Eltern ihrem Kind Bildung vorenthalten würden, wenn sie es nicht früh in die Betreuung geben würden! – Und jetzt geht es der Politik vor allem darum, dass wenigstens die Verwahrung der Kinder möglichst vereinbarungsgemäß stattfinden kann.

Die Bürgermeisterin von Viersen meinte 2020 sogar, es sei heute normal, dass für Bewerbungen im Kindergarten keine Zeugnisse mehr eingereicht oder erwartet würden… (Nur das erweiterte polizeiliche Führungszeugnis und bei Fachkräften die Urkunde zum Bestehen der staatlichen Prüfung…

Echt
11 Monate zuvor
Antwortet  Angelika Mauel

Qualität ist zweitrangig. Die entsprechende Qualifikation muss halt formal vorhanden sein. Bei der Bezahlung wird ja auch nicht die tatsächlichen Qualifikation in Form von Weiterbildungen und Berufserfahrung berücksichtigt. Ein weiteres Manko des Erzieherberufs. Wer es nur lange genug auf einer Stelle aushält oder den Träger nicht wechselt, kann zumindest in den Erfahrungsstufen aufsteigen und mit der Zeit auf etwas mehr Gehalt hoffen. Wer, trotz vielfältiger Erfahrungen und auch Zusatzqualifikationen, den Träger wechselt, z.B. durch Umzug oder nach einer Auszeit, fängt wieder weit unten an. Somit wird schon seit Jahren versucht, die Erzieher vom Jobwechsel abzuhalten. Ziemlich mies m.M.n. und auch demotivierend für junge Leute, die vielleicht auch noch in anderen sozialpädagogischen Berufsfeldern Erfahrungen sammeln möchten, was der beruflichen und persönlichen Qualifikation sicherlich zuträglich ist. Eine befreundete engagierte Erzieherin wollte mit Mitte 40 gerne neue Erfahrungen in einem anderen Kindergarten mit besonderen konzeptionellen Schwerpunkten sammeln. Sie hat es aus oben benannten Gründen sein lassen und zieht ihre Arbeit jetzt teils unmotiviert einfach bis zur Rente durch. So stimmt wenigstens das Gehalt einigermaßen.

Angelika Mauel
11 Monate zuvor
Antwortet  Echt

Auf dem Verhandlungsweg lässt sich noch einges erreichen. Allerdings habe ich auch schon manche Schlappe erlebt und mich dann gegen einen Vertretungseinsatz entschieden. Wenn der „Zukunftsparagraf“ kommt, könnte es mit dem Verhandeln ums Gehalt wieder noch schwieriger werden, weil einige Idealisten sich auf die Arbeit mit den Kindern freuen werden und man natürlich wieder allen „Karrierechancen“ vorgaukeln wird.

Selbst wenn man Kindergartenleiteringeworden ist, hat man noch keine „Karriere“ gemacht. Das Gehalt steht in keinem Verhältnis zur Arbeitsleistung.