Der Bundeswehr geht der Nachwuchs aus – Linke sieht „immer aggressivere Versuche“, in Schulen zu werben

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STUTTGART. Verteidigungsminister Boris Pistorius will mehr Tempo beim Umgang mit Bewerbern für eine Ausbildung oder einen Dienstposten bei der Bundeswehr. Zudem müssten die Anstrengungen erhöht werden, um Frauen sowie Menschen mit einem Migrationshintergrund für die Streitkräfte zu gewinnen, sagte der SPD-Politiker bei einem Besuch in einem Karrierecenter der Bundeswehr in Stuttgart. Die Linken-Bundestagsfraktion kritisiert unterdessen „immer aggressivere Versuche“, in Schulen um Nachwuchs zu werben.

Der Bundeswehr fehlt Nachwuchs. Foto: Shutterstock

Pistorius forderte, in den Werbekampagnen ein realistischeres Bild der Bundeswehr zu zeichnen und nicht mit Action-Filmen zu werben – auch um Abbrecherquoten nach dem Dienstantritt zu verringern. Wichtig sei, „dass wir keine Mission-Impossible-Filmchen drehen darüber, was bei der Bundeswehr alles passieren könnte wie in Hollywood, sondern dass es ein realistisches Bild ist”. Hintergrund: Die Bundeswehr wirbt in sozialen Medien mit Dokusoaps („Die Rekruten“), die wegen trivialer und stark beschönigender – mitunter unfreiwillig komischer – Inhalte in der Kritik stehen, um Schülerinnen und Schüler.

Die Zahl der Bewerber bei der Bundeswehr ist unterdessen weiter gesunken. Von Januar bis Ende Mai 2023 bewarben sich deutlich weniger Männer und Frauen für den Soldatenberuf als im Vorjahreszeitraum, wie der „Spiegel” unter Berufung auf einen Bundeswehr-Sprecher berichtete. Laut einer internen Tabelle des Wehrressorts bewarben sich dem Magazin zufolge bis Ende Mai dieses Jahres 23 414 Frauen und Männer. Das ist im Vergleich zum entsprechenden Zeitraum 2022 ein Rückgang von rund sieben Prozent.

„Wir haben beim Heer eine Abbrecherquote von 30 Prozent, das ist bekannt”

Pistorius machte deutlich, dass er auf eine Trendumkehr setze und Anzeichen dafür sehe. So gebe es zwar sieben Prozent weniger Bewerber als im Vergleich zum Zeitraum des Vorjahres, aber gleichzeitig 16 Prozent mehr Beratungsanfragen. Zu Interessenten müsse schnell Kontakt aufgenommen werden. Es dürfe dabei keine Nachlässigkeiten geben, denn junge Leute könnten unter einer Vielzahl von Angeboten auswählen. Pistorius: „Wir werden bis zum Jahre 2035 sieben Millionen weniger Erwerbstätige in den Altersjahrgängen haben, die wir bei der Bundeswehr brauchen. Das sind Zahlen, die die Gesellschaft, die die Volkswirtschaft Deutschlands insgesamt für Herausforderungen stellt, aber eben natürlich auch die Bundeswehr.”

Zudem gehe es darum, diejenigen zu halten, die sich für die Bundeswehr entschieden und den Dienst angefangen haben. „Wir haben beim Heer eine Abbrecherquote von 30 Prozent, das ist bekannt. Das hat viel mit Erwartungshaltung, mit Erwartungsmanagement zu tun, mit vielleicht falschen Vorstellungen, im Einzelfall auch mit Überforderung”, sagte Pistorius.

Völlig unterrepräsentiert seien zwei Gruppen. Frauen hätten im militärischen Bereich außerhalb des Sanitätsdiensts eine Quote von knapp zehn Prozent. „Das ist zu wenig. Im Übrigen wird das auch dem Anspruch der Bundeswehr nicht gerecht, eine Bürger-, eine Staatsbürgerinnen- und Staatsbürger-Armee zu sein.” Verstärkte Bemühungen müsse es auch um Menschen mit einem Migrationshintergrund geben. Pistorius: „Wir haben viele, viele Millionen Menschen in Deutschland, die in zweiter, dritter Generation hier leben, die eine Migrationsgeschichte haben, die den deutschen Pass haben und die wir nicht gewinnen derzeit für die Bundeswehr aus unterschiedlichen Gründen.”

Die Bundeswehr hat derzeit etwa 183.000 Männer und Frauen in Uniform. Erklärtes Ziel ist es, bis zum Jahr 2031 auf 203.000 Soldaten zu kommen. Pistorius hat an dieses ältere Ziel bereits ein Fragezeichen gemacht. Als ein Problem gilt auch der steigende Altersdurchschnitt der Soldaten, weil der Personalbestand teils nur mit der Weiterverpflichtung von Zeitsoldaten gehalten werden kann.

„Selbst in den Schulen, die eigentlich ein geschützter Raum sein sollten, wird Krieg als etwas Gewöhnliches und das Töten als Job unter vielen dargestellt“

Auch an Schulen wird die Bundeswehr als Arbeitgeber vorgestellt. Für den Zeitraum von Januar 2022 bis September 2023 fanden insgesamt 1.314 „Vorträge / Veranstaltungen von Karriereberaterinnen und Karriereberatern“ an deutschen Schulen statt bzw. waren geplant, wie die „Frankfurter Rundschau“ unter Berufung von Zahlen, die das Bundesverteidigungsministerium auf eine Anfrage der Linken-Fraktion meldete. Von Gesamt- und Mittelschulen bis Real- und Oberschulen sowie Gymnasien und Berufsschulen seien alle Schulformen der Sekundarstufe eins und zwei vertreten gewesen.

Zaklin Nastic, menschenrechtspolitische Sprecherin der Linken, sprach gegenüber der Zeitung von „immer aggressiveren Versuchen, unter Schülerinnen und Schülern zu rekrutieren“. Junge Menschen seien zwar „immer weniger dazu bereit, ihr Leben potenziell für sinnlose Kriege herzugeben“. Dennoch treibe die Bundesregierung „die Militarisierung der Gesellschaft“ weiter voran, sagt Nastic dem Berich zufolge. „Selbst in den Schulen, die eigentlich ein geschützter Raum sein sollten, wird Krieg als etwas Gewöhnliches und das Töten als Job unter vielen dargestellt.“

Die Wehrbeauftragte der Bundesregierung, Eva Högl (SPD), wies diese Vorwürfe zurück. Sie erklärte, es gehe um Aufklärung über die Arbeit der Bundeswehr. News4teachers / mit Material der dpa

Wehrbeauftragte Högl: Bundeswehr sollte Teil der Schulbildung sein – „auch kritisch“

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55 Kommentare
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Hilli
9 Monate zuvor

Ich habe jetzt nicht verstanden, wo die Linke aggressive Versuche sieht. Dass auch für diese Berufstätigkeit geworben werden darf und wegen den zu geringen Bewerbungen auch geworben werden muss, wird von der Linken ja offenbar nicht bemängelt.

447
9 Monate zuvor
Antwortet  Hilli

„Die Linke“ halt, natürlich sind die anti-Bundeswehr. Das ist ja nichts neues.

Rainer Zufall
9 Monate zuvor
Antwortet  Hilli

Ist halt erstmal seltsam, wenn Kinder als künftige Rekruten angesprochen werden müssen, dass sich überhaupt wer für den Beruf interessiert.
Aber bestimmt ist die Werbung ausgeglichen, informiert über Auslandseinsätze und Statistiken bezüglich Verletzungen, Traumata oder Todesfällen 😉

447
9 Monate zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

So ausgeglichen wie die „Werbung“ in Schulen dafür, dass Soldaten quasi Mörder sind, Uniformen des Teufels und man von UCK bis Taliban, von Tigers of Pan Tang bis „Serbische Volksarmee“(sic!) bis hin zu „Russische Föderation“ mit Latte Machiatto-Logik, „Probleme ausdiskutieren“ und ganz viel Gendergerechtigkeit Konflikte löst bzw. verhindert.

Das dürfte sich also dann ausgleichen. 🙂

(Mal davon abgesehen, dass auch ich SuS bei Nachfragen von einer BW-„Karriere“ fast immer abrate)

Rainer Zufall
9 Monate zuvor
Antwortet  447

Die missverstehen mich. Ich habe kein Problem mit der Bundeswehr oder dem Soldatenberuf. Aber dieser Beruf unterscheidet sich in seiner Gefährlichkeit deutlich von anderen und ich habe Sorge, dass diese bei der Werbung unterschlagen wird. Auf den Plakaten waren auch Pilot*innen zu sehen, die BW sucht aber Mannschafter und mittlere Dienstgrade.

Hilli
9 Monate zuvor
Antwortet  Rainer Zufall
447
9 Monate zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Ach so, dann hatte ich Sie falsch verstanden, sorry.

0815
9 Monate zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Natürlich – genauso wie die Werbung für Schokolade vor den Konsequenzen von übermäßigen Schokoladenkonsum warnt und Werbung für Coca Cola die Gefahren von Süßstoffen thematisiert. (Ironie aus)

Es scheint mir nicht richtig, die Werbung der Bundeswehr nach anderen Maßstäben zu beurteilen, als andere Werbung. Immer daran denken: Die Werbung informiert nicht über Risiken und Nebenwirkungen. Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt oder fragen Sie in Ihrer Apotheke. 

Peter Gross
1 Monat zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Ob die Verwunderung dann wohl groß ist, wenn herauskommt, dass die Zahl derer, die bei der Ausübung ihrer Arbeit zu Tode kommen, bei Bauhandwerkern drei- bis viermal so hoch ist wie bei Soldaten im Auslandseinsatz? Und die Bauhandwerker werden dabei nicht einmal beschossen.

DerDip
9 Monate zuvor

Habe hier im Forum sehr oft gelesen, dass der Lehrerberuf an Attraktivität verliert und viele im Nachhinein lieber was anderes tun würden. Für wen wäre denn die Bundeswehr im Nachhinein eine bessere Alternative? (Meine Frage richtet sich an die Lehrer)

447
9 Monate zuvor
Antwortet  DerDip

Ich kann da aus beiden Welten berichten…kurz gefasst: Ausserhalb von wenigen Ecken ist echtes Militär in der Bundeswehr natürlich nicht so angesagt.
Einsatzverband war klasse, bestimmte stark begehrte Verwendungen haben neben starker Belastung auch große Reize.

Gesamtbilanz: Ist für ne zeitlang super, aber es gibt spezifische und sehr große Nachteile, das ergibt dann für die BW als AG irgendwie so ne „befriedigend“.
Sehr positiv kann man noch die Chance/Pflicht zu Sport hervorheben.

Jetzt kommt aber das große „aber“, und es ist riesengroß:
1. Die Politik und auch die höhere Führung behindert und fällt in den Rücken, wo sie nur kann – extremstes Beispiel: Selbst bei parlamentarisch abgesegneten Einsätzen wird staatsanwaltlich gegen die eigenen Soldaten ermittelt, wenn es zur Handlung kommt. Lebendiger Irrsinn. Klar, kann man vom zivil-linken Meckertisch so behaupten, historisch begründen, blah-blah…na ja, dann sollen DIE (oder ihre Kinder) doch den Job machen.
2. Aufgrund der Personalpolitik ist es schlicht beruflich und finanziell „gefährlich“… die besten zwölf Jahre bleiben beim Bund liegen…und dann? BS-Laufbahn ist ausserhalb bestimmter Nischen kaum zu bekommen. Zivil verwendbar ist vieles nicht, wieder mit ganz wenigen Ausnahmen wie z.B. IT-Sicherheit.
3. Medien, Politik, die „schnatternde Klasse“ – alles logischerweise latent bis offen Anti-BW, jeder kann Gelöbnisse stören, Hetzberichte verfassen…und die BW bückt sich noch extra tief, „kooperiert“ mit Medien die eh nie gutes über sie schreiben…

Also: Gemischtes Doppel, 5/10, kann man machen, muss man aber ganz sicher nicht.
Daher würde ich eher abraten, da zu arbeiten.

Ausser man hat schriftlich zugesichert bestimmte Verwendungen, Ausbildungen usw., die halt topp sind. Das wäre dann die Ausnahme.

Lisa
9 Monate zuvor
Antwortet  447

Das ist richtig mit dem: Was kommt danach ?. Mein Fallmanager beim Jobcenter war auch ein Exbundeswehrler. Er war nicht gerade glücklich.

447
9 Monate zuvor
Antwortet  Lisa

Gibt es oft, da die SAZ-12er bevorzugt im ÖD angestellt werden…nur ist der Frust dann oft hoch…logischerweise.

0815
9 Monate zuvor
Antwortet  447

Aber ist das denn so anders als bei den Lehrkräften, die auch irgendwann sehr frustriert sind, wenn sie ihren Beruf wegen irgendwelcher bürokratischer Hürden nicht so machen können, wie sie es für richtig und sinnvoll halten?

Ich habe viel Verständnis für Soldatinnen und Soldaten, die frustriert sind, weil es z.B. nicht die richtige Kleidung für sie gibt.
Ich habe viel Verständnis für Soldatinnen und Soldaten, die frustriert sind, weil ihre Panzer z.B. nicht fahren und ihre Flugzeuge nicht fliegen.
Ich habe viel Verständnis für Soldatinnen und Soldaten, die frustriert sind, weil sie z.B. nicht ordentlich üben können, weil es nicht genügend Munition gibt.

Genauso habe ich Verständnis für die Lehrkräfte, die beispielsweise deshalb frustriert sind, weil ihre Schulen inklusiv bilden sollen, aber noch nicht einmal ausreichend viele Lehrkräfte für nicht inklusiven Regelunterricht bekommen.

447
9 Monate zuvor
Antwortet  0815

Klar, da ist eine gemeinsame Schnittmenge.

Was die (beispielsweise) unterirdischen Stiefel den einen sind, das ist den anderen die nächste „Konzeption“, die durchs Dorf getrieben wird.

Ursache ist auch die gleiche: Völlige Fehlallokation von zu wenig Mitteln durch eine politisierte Führungsschicht, die nicht von der fachlichen Basis kommt.

dickebank
9 Monate zuvor
Antwortet  DerDip

Für diejenigen, die beim Bund Pädagogik/Erziehungswissenschaften studiert haben und nicht als HR-Manager in die Industrie gegangen sondern Lehrer geworden sind. Die würden sich vermutlich gerne aufihre alten Dienstposten zurück bewerben.

Aus meiner Sicht gibt es eine große Zahl von Schulabgängern ohne Abschluss und mit HA9, für die im Anschluss an das Berufsvorbereitungsjahr an einem Berufskolleg eine mindestens dreijährige Verpflichtung bei der BW die einzige Möglichkeit wäre, um beruflich Tritt zu fassen.

Einer
9 Monate zuvor
Antwortet  DerDip

Welchen Sinn hat eine solche Frage?!
Sie könnten auch Fragen für wen Maurer, Bäcker, Einzelhandelskaufmann, Förster, Bademeister oder einer der anderen 573 verschiedenen Berufe eine bessere Alternative wäre.

Die Bundeswehr ist doch nicht in den Schulen um Lehrer abzuwerben sondern um Jugendliche anzuwerben.

Last edited 9 Monate zuvor by Einer
Dietmar
9 Monate zuvor
Antwortet  Einer
DerDip
9 Monate zuvor
Antwortet  Einer

Ich Frage deshalb, weil ich hier immer wieder Beschwerden über den Lehrerberufs lese (Aufwand, Klassenfahrten, blablabla…). Eine Offizierslaufbahn bei der Bundeswehr wäre ja eine Alternative. Daher würde mich interessieren, ob diejenigen, die sich über den Lehrerberufs beschweren, eine Offizierslaufbahn bei der BW im Vergleich zum Lehrerdasein als attraktiver ansehen oder als weniger attraktiv.

0815
9 Monate zuvor
Antwortet  DerDip

Vor dem Hintergrund, dass jede Lehrkraft ihre berufliche Zufriedenheit an eigenen Maßstäben festmacht, kann man diese Frage sicher nicht allgemeingültig beantworten.

Mir persönlich würde es nicht gefallen, immer wieder versetzt zu werden. Natürlich möchte ich mich auch nicht töten oder verletzen lassen. Und ich möchte auch niemanden töten oder verletzen.

Wie aufopferungsvoll die Tätigkeit einer Soldatin oder eines Soldaten ist, erahne ich immer, wenn ich in amerikanischen Filmen sehe, wie sich die Bürger bei den Veteranen für ihren Dienst bedanken. Wir in Deutschland sind da – sicher auch wegen unserer Vergangenheit – nicht so dankbar. Schade eigentlich.

Dietmar
9 Monate zuvor
Antwortet  DerDip

Auch die Bundeswehr sucht immer wieder Lehrkräfte. Die BwFachS München sucht beispielsweise eine Sek I-Lehrkraft. Regelbeförderung auf A14: https://www.service.bund.de/IMPORTE/Stellenangebote/bundeswehr/2023/07/B752314HL-2022-00003838-B.html?nn=4642046&type=0&searchResult=true&templateQueryString=lehrkraft

HorchHorch
9 Monate zuvor
Antwortet  DerDip

Auch die Bundeswehr hat Schulen, an denen ganz normale Lehrkräfte ganz normale Fächer wie Deutsch, Englisch, Mathematik usw. unterrichten. Wer disziplinierte Schülerinnen und Schüler sucht, ist dort genau richtig: https://www.bundeswehr.de/de/organisation/personal/organisation-/bildungszentrum-der-bundeswehr-/bundeswehrfachschule

Übrigens: Schulschwänzer suchen die Feldjäger.

Lisa
9 Monate zuvor
Antwortet  HorchHorch

Hmmmm, klingt anziehend. Nicht wegen der Feldjäger. Aber wegen der Disziplin.

HorchHorch
9 Monate zuvor
Antwortet  Lisa

Disziplin muss auch sein. An den Bundeswehrfachschulen wird schneller gelernt als an den Schulen der Länder. Während SuS an den Landesschulen beispielsweise für die höhere Berufsfachschule 2 Schuljahre Zeit haben, schaffen die Bundeswehrschulen die Stofffülle in einem Jahr. Was u.a. daran liegt, dass die Soldatinnen und Soldaten über einschlägige Berufspraxis verfügen.

Rainer Zufall
9 Monate zuvor
Antwortet  DerDip

Hatte nach dem Wehrdienst angedacht, Soldat auf Zeit zu werden und so das Studium zu finanzieren.
Die Noten waren aber zu schlecht und mittlerer Dienstgrad bot ausschließlich Ausbildungen an

447
9 Monate zuvor

Der Nachwuchs geht der Bundeswehr aus gutem Grund aus:
Die maximal erwünschten Soldat_*X sind halt genau die Leute, denen sich bei einer Formulierung wie „Deutschland verteidigen“ entweder innerlich alles sträubt oder die damit noch ganz…andere Probleme…haben.

Gleichzeitig gibt es ausserhalb der Einsatzverbände (mit ihren noch einmal eigenen Problemen) für die effektive Arbeitszeit wenig Geld, BS-Laufbahn extrem schwer zu erreichen…

Von der Austattungs-Problematik haben mittlerweile auch Zivilisten gehört…

Es mag für einige ganz wenige potentielle Bewerber passen „beim Bund“… im großen und ganzen kann man nur abraten.

DerDip
9 Monate zuvor
Antwortet  447

Das Thema Geld und Arbeitszeit ist, meine ich, die eine Sache. Meines Erachtens fehlt in der Gesellschaft vor allem eine angemessen Anerkennung der Tatsache, dass sich da Menschen Verpflichten, im Zweifel ihr Leben für das Vaterland und die deutsche Bevölkerung zu riskieren.

Wenn man bedenkt, dass an deutschen Schulen nicht einmal die Nationalhymne gelernt wird, kann man nicht erwarten, dass Menschen bereit sind für die Nation etwas zu opfern.

447
9 Monate zuvor
Antwortet  DerDip

Denke mal auch, dass da der Hauptpunkt liegt.
Hat man mal die Gelegenheit, mit Franzosen, Amerikanern usw. in ihren jeweiligen Heimatländern Freizeit in Uniform zu verbringen…merkt man den Unterschied.

Rainer Zufall
9 Monate zuvor
Antwortet  447

Die Gegner*innen des Genderns sind nachweislich in der Mehrheit. Stellt sich also die Frage, was die ganzen Patriot*innen treiben, die (zumindest montags) genügend Zeit zur Hand haben 😛

447
9 Monate zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Klebstofftuben nachfüllen oder so, vermute ich. 🙂

Peter Gross
1 Monat zuvor
Antwortet  447

Wenig Geld? Das ist sehr relativ. Die Besatzung der Fregatte HESSEN, zur Zeit im Roten Meer, erhält neben ihren Regelbezügen noch einen Auslandsverwendungszuschlag i.H.v. 4350 Euro (Monat.Bei anderen Auslandsaufenthalten istdieser Betrag nicht ganz so hoch, aber auch die sind recht lukrativ, zumal man das Geld an Bord auch nicht ausgibt.

Gelbe Tulpe
9 Monate zuvor

Wenn man mal auf Kununu liest, wie man bei der Bundeswehr mit Bewerbern umgeht, ist ein Bewerbermangel dort kaum glaubhaft.

Alex
9 Monate zuvor
Antwortet  Gelbe Tulpe

Im Gegensatz zum Lehrberuf, den laut landläufiger Meinung jeder kann, der nicht bei 3 auf dem Baum ist, gibt es für BW-Soldaten (mit Recht) halt strenge Anforderungen. Diese wurden im übrigen in den letzten Jahren auch schon stark verwässert, zudem steigt die Anspruchshaltung der Bewerber nachhaltig an: Einsatz nur in Wohnortnähe, komfortable Kasernen, gern auch noch die Unterwäsche als gestellte Dienstkleidung etc. pp.

Gelbe Tulpe
9 Monate zuvor
Antwortet  Alex

Die Unterwäsche wird doch gestellt, ist aber recht merkwürdig geschnitten.

447
9 Monate zuvor
Antwortet  Gelbe Tulpe

So sieht es aus 🙂

Dietmar
9 Monate zuvor
Antwortet  Alex
DerDip
9 Monate zuvor
Antwortet  Dietmar

…was eigentlich ein Skandal ist. Wer sich entscheidet Soldat zu werden, muss damit rechnen, auch zu kämpfen. Sich dem Kriegsdienst Just in dem Moment zu verweigern, in dem ein Einsatz wahrscheinlich wird, zeigt auf, dass zum Teil die falschen Personen sich für die BW entschieden haben…(bzw. ausgesucht wurden…)

447
9 Monate zuvor
Antwortet  DerDip

Sie dürfen sich die BW schon seit langer, langer Zeit nicht mehr als (echtes) Militär vorstellen.

Abgesehen von ein paar Nischen ist das eher „ÖD in Panzerkombi“, es geht um permanente extreme Mangelverwaltung, Schmiernippel und „bloß unser Standort nicht in den Medien“.

Entsprechend ist das Personal häufig, es kann ja keiner ahnen dass das „THW in grün, das man zwischen Flutkatastrophen immer fleissig beschimpfen darf“ auf einmal wirklich vor der entfernten Möglichkeit steht, dass da….schockschwere Not…. am Horizont ein Feind auftauchen könnte.
Also, so ein richtiger.

Rainer Zufall
9 Monate zuvor
Antwortet  Alex

Welche Anforderungen sind das?

Peter Gross
1 Monat zuvor
Antwortet  Gelbe Tulpe

Vielleicht sollten sie nicht im Internet lesen, sondern sich mit Soldatinnen und Soldaten unterhalten, die dort sind.

Georg
9 Monate zuvor

Wer in die Bundeswehr möchte, muss sich mit Deutschland identifizieren. Es gibt kaum etwas, was der heutigen Schülerschaft stärker ausgetrieben wird als Nationalbewusstsein.

447
9 Monate zuvor
Antwortet  Georg

Das ewige Dilemma der BW: Wie eine „Bundeswehr“ sein (steckt ja „wehrhaft“ drinnen, igitt-igitt, ganz toxisch-maskulin und quasi „deutschtümmelnd“) und gleichzeitig möglichst „un-deutsch“ sein?

Der Spagat ist nicht zu gewinnen, Neudefinition als „Verteidigungsprofis“ verstösst gegen Tabus der inneren Führung – insgesamt eben ein problematisches Arbeitsumfeld, da auch Soldaten ziemlich viele Bürgerrechte (faktisch) abgeben.

Die Personalprobleme gibt es schon lange, wie viele andere Probleme auch…andererseits bin ich mittlerweile angesichts der aktuellen Regierungen regelrecht froh…hätten wir eine tatsächlich einsatzbereite und einsatzfähige Armee, wer weiß welche Dinge da noch kommen würden…die „“““bedingte“““ (also nicht vorhandene) Einsatzbereitschaft „schützt“ uns zumindest vor politischen „Großtaten“.

Lisa
9 Monate zuvor
Antwortet  447

Toxisch maskulin dürfte dann auch für die Soldatinnen gelten?

447
9 Monate zuvor
Antwortet  Lisa

Ich gebe das mal extrem verkürzt wieder: Überall wo es zur Kernaufgabe von Militär kommt findet das für Frauen praktisch nicht statt. Reine Politikente, Show.

Aber ja, die paar echten Soldatinnen (z.B. Israel, USA teilw, Kurdische locals.), die wirklich dabei sind…für die gilt das dann wohl auch. 🙂

Die sind auch ganz böse, wenn sie bösen Buben einheizen.

Rainer Zufall
9 Monate zuvor
Antwortet  Georg

Was ist mit den Anhängern der patriotischen Parteien? Das sind nicht gerade wenige

Realist
9 Monate zuvor

Ich verweise einmal auf ein Interview mit Helmut Schmidt, immerhin nach Umfragen immer noch der beliebteste Bundeskanzler aller Zeiten:
https://www.youtube.com/watch?v=Wy5rGsCyKlw

Im Hintergrund übrigens Richard von Weizsäcker, ehemaliger Bundespräsident.

Angelika Mauel
9 Monate zuvor
Antwortet  Realist

Danke für den Link. Gern erinnere ich mich auch an den Signaler Hellmuth Prieß, den ich noch persönlich kennengelernt habe. Er und seine Mitstreiter haben sich für Abrüstung eingesetzt. Wenn Persönlichkeiten wie er an die Schulen gehen würden, hätte ich kein ungutes Gefühl.

Karin Fuchs
9 Monate zuvor

Wer zur Bundeswehr geht, muss bereit sein, Waffen zu benutzen, möglicherweise zu töten und getötet, verletzt zu werden oder eine Behinderung davonzutragen. Der Einsatz für das Land, für Menschen und in Krisenzeiten ist durchaus ehrenwert, doch das alles muss einem klar sein.
Und gerade jetzt zeigt sich, Soldat ist eben kein Beruf wie jeder andere.

Angelika Mauel
9 Monate zuvor
Antwortet  Karin Fuchs

Das und noch einiges mehr hat Major Prieß, der als Vater der Friedensbewegung in der Bundeswehr gilt, sehr klar zum Ausdruck gebracht. https://www1.wdr.de/radio/wdr5/sendungen/erlebtegeschichten/priesshelmut102.html Das Video ist bis 2099 auf WDR 5 verfügbar.

Lisa
9 Monate zuvor

Die Werbung ist so gut, dass es mir gruselig wurde. Evtl sollte das Kultusministerium Baden-Württemberg sich da was absehen. Es ging ganz stark um Sinnsuche im Leben. Die Realität ist natürlich anders, bräsiger. Das sind nicht die Marines, Gott sei Dank. Dennoch ist Soldat kein Beruf wie jeder andere. Töten. Sterben. Das die Zahl der Kriegsdienstverweigerer so gestiegen ist, passt dazu, dass sich da die Bewerber zuvor keine Gedanken darüber machten.

Last edited 9 Monate zuvor by Lisa
Rainer Zufall
9 Monate zuvor
Antwortet  Lisa

Ich widerspreche Ihnen deutlich. Die Werbung hat eben nicht funktioniert. Der Ukrainekrieg, in dem Deutschland nicht kämpft, hat schon zu weiteren Austritten geführt.

Bundeswehr als auch Kultusministerium sollten endlich für sich herausfinden, was ihre Leute antreibt. Können sie ja interviewen, um eine Idee zu bekommen

Lisa
9 Monate zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Dann war ISIS mit einer Propaganda, die auch auf Sinnsuche zielte ( ich sah sie mir an, bevor YouTube die Inhalte rausgenommen hat) deutlich erfolgreicher. Die jungen Leute selber zu fragen ist eine gute Idee.

Rainer Zufall
9 Monate zuvor

Habe gedient und generell kein Problem mit dem Soldatenberuf. Ich sehe auch keine aggressive Werbung wie bspw. in den USA, aber ich bin mir nicht sicher, wie umfänglich und ausgewogen die Information an den Schulen ist.
Man kann sich ja einfach die absolut lachhaften Plakate und Werbespots ansehen, denen zufolge händeringend Pilot*innen gesucht würden.

Peter Gross
1 Monat zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

In der Schule gilt zu unterscheiden zwischen lediglich informierenden Jugendoffizieren und Karriereberatern, die in der Regel gemeinsam mit anderen Unternehmen und Institutionen (z.B. Polizei / Bundespolizei) auf Einladung der Schulen- meist in Form einer Jobbörse- auftreten. Hier können nur Erstgespräche die Ernsthaftigkeit und die Eignung abklopfen. Mehr ist gar nicht möglich.

Sven Hausmann
1 Monat zuvor

Die Linken, war ja klar das die die oft den Wehrdienst verweigert haben dagegen sind ,
Was ist so schlimm daran wenn die Bundeswehr die Kinder für sich gewinnen will, das heißt noch lange nicht das die Kinder zur Bundeswehr wollen.