Ist Wittenberg untragbar? Gerangel um Standort für geplantes Deutsch-Israelisches Jugendwerk

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Der bayerische Antisemitismusbeauftragte und frühere Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) bringt deshalb München ins Spiel.

Die Stadtkirche von Wittenberg ist Weltkulturerbe – hat aber ein Problem. Foto: Shutterstock

Er könne sich eine Ansiedlung des Werkes in der bayerischen Landeshauptstadt «durchaus vorstellen», erklärte Spaenle. «Zwischen Bayern und Israel gibt es seit den frühen 2010er Jahre einen intensiven Austausch in Schulfragen», sagte er und verwies auf eine entsprechende Vereinbarung, die er noch in seiner Zeit als bayerischer Kultusminister mit seinem damaligen israelischen Amtskollegen unterzeichnet habe.

Es gebe auch Kontakte zwischen bayerischen und israelischen Schülerinnen und Schülern, außerdem hat die Konferenz der europäischen Rabbiner ihren Hauptsitz von London nach München verlegt, wie Spaenle betonte.

München steht allerdings auch für ein dunkles Kapitel in der israelischen Geschichte: Am 5. September 1972 drangen palästinensische Terroristen in die Unterkunft der Sportler im Olympischen Dorf ein, erschossen zwei Männer und nahmen neun Geiseln, die später bei einem Blutbad auf dem Flugplatz in Fürstenfeldbruck ums Leben kamen.

Jüngst hatte sich der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, gegen die Ansiedlung des geplanten Deutsch-Israelischen Jugendwerks in der Lutherstadt Wittenberg in Sachsen-Anhalt ausgesprochen. «Eine Stadt, in der mit der ‚Judensau‘ an der Stadtkirche Judenfeindlichkeit so offen ausgestellt wird, kann für jüdische Israelis kein Ort des Willkommens sein», erklärte Klein in der vergangenen Woche. «Damit Wittenberg Sitz des Deutsch-Israelischen Jugendwerks werden kann, muss zuerst die antisemitische ‚Judensau‘ entfernt werden.»

Die „Judensau“ an der Stadtkirche Wittemberg stammt von 1290 – ein Sinnbild des jahrhundertealten Antisemitismus. Foto: Posi66 / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

Bundesfamilienministerin Lisa Paus (Grüne) hatte die Gründung des Jugendwerks im September 2022 mit der damaligen israelischen Bildungsministerin Jifat Schascha-Biton verabredet. So soll der Jugendaustausch beider Länder ausgebaut werden. Wittenberg war als Standort im Gespräch, weil das Jugendwerk auf «Grundlage der bestehenden Koordinierungsbüros für den Jugendaustausch in Deutschland und Israel» etabliert werden soll – und der deutsche Sitz dieses Koordinierungsbüros Wittenberg ist. News4teachers / mit Material der dpa

Mehr Schüleraustausch: Deutschland und Israel vereinbaren gemeinsames Jugendwerk

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Pälzer
10 Monate zuvor

Sieht Felix Klein in einem 500 Jahre alten kleinen historischen Sandsteinbild das größte Problem für Juden in Deutschland? Hm.