Kultusministerin zum Sportunterricht früher: „Auswählen war immer grausam“

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STUTTGART. Baden-Württembergs Kultusministerin Theresa Schopper hat die geplanten Änderungen bei Bundesjugendspielen verteidigt. «Ich finde, dass die Balance bei den Bundesjugendspielen halbwegs gelungen ist: Es gibt den Wettkampf und man fördert Bewegungsfreude», sagte die Grünen-Politikerin in Stuttgart. Früher sei das im Sportunterricht mitunter anders gewesen.

„Gibt’s nichts Wichtigeres?“: Baden-Württembergs Kultusministerin Theresa Schopper. Foto: Kultusministererium Baden-Württemberg.

Es sei wichtig, Talente zu entdecken und zu fördern. «Bei denen, die kein Talent haben, müssen wir uns darauf konzentrieren, dauerhaft den Spaß an der Bewegung zu fördern», sagte Schopper, die auch Sportministerin ist. «Eigentlich sollte man 60 Minuten Sport am Tag machen. Das erreichen inzwischen 80 Prozent der Kinder nicht mehr. Dabei ist das für Körper und Geist so wichtig.»

Vom neuen Schuljahr an werden die jährlich stattfindenden Spiele in den Sportarten Leichtathletik und Schwimmen für alle Grundschulkinder bis zur vierten Klasse nur noch als Wettbewerb ausgetragen – und nicht wie bislang nur in der ersten und zweiten Klasse. Damit sollen die Spiele kindgemäßer werden. Im Unterschied zum Wettkampf werden die Punkte für Leistungen künftig nicht mehr nach bundesweiten Normgrößen vergeben. Zudem sollen die Leistungen der Schüler nicht mehr mit der Stoppuhr oder zentimetergenau mit dem Maßband erfasst werden. Stattdessen gibt es künftig zum Beispiel beim Weitsprung oder Werfen verschiedene Zonen, in denen bestimmte Punkte vergeben werden.

«Ich bin ein scharfer Gegner davon, dass wir dauernd solch banale Sachfragen zu Kulturkämpfen hochjazzen»

Kritiker der Reform hatten den Wegfall des Leistungsgedanken beklagt. Das sieht Schopper nicht so. «Wenn man jetzt so tut, als würde mit den veränderten Bundesjugendspielen die Leistungsgesellschaft infrage gestellt, dann frage ich mich, ob die Welt nichts Wichtigeres zu diskutieren hat», sagte die Ministerin. Ähnlich hatte sich jüngst auch Ministerpräsident Winfried Kretschmann geäußert. «Ich bin ein scharfer Gegner davon, dass wir dauernd solch banale Sachfragen zu Kulturkämpfen hochjazzen», sagte der Grünen-Politiker (News4teachers berichtete).

Sie könne sich noch gut erinnern, dass zu ihrer Zeit als Schülerin im Schulsport auch häufig ausgegrenzt wurde, sagte Schopper. «Ich war immer diejenige, die beim Sport wählen durfte, wer in meiner Faustballmannschaft sein sollte. Im Grunde ist dieses Auswählen immer grausam gewesen.»

Der Sportunterricht habe deswegen auch eine besondere Rolle unter den Schulfächern. «Wenn jemand im Sportunterricht wie ein Ai am Stufenbarren hängt, dann besteht die Gefahr, vor der ganzen Klasse ein Stück weit der Lächerlichkeit preisgegeben zu werden», sagte Schopper. Ein Ai ist eine besondere Faultier-Art.

Das sei etwas anderes, als beispielsweise in Physik eine 6 zu bekommen. Da könne man beim nächsten Mal einfach besser lernen, meinte Schopper. «Im Sport ist das so schnell nicht zu machen. Ein Kind, das sportlich einfach weniger begabt ist, macht man nicht einfach in einem Vierteljahr zu einem Usain Bolt.» News4teachers / mit Material der dpa

Kein Wettkampf mehr: Ist die Reform der Bundesjugendspiele ein Symbol für den Niedergang Deutschlands?

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konfutse
7 Monate zuvor

„Auswählen war immer grausam.“
Ich finde es immer so unprofessionell, wenn meine Chefs ihre eigene Vita oder Befindlichkeit als Argument für oder gegen etwas heranziehen. Daran merkt man m.E., dass sie tatsächlich nicht vom Fach sind oder gaaanz weit entfernt von der Praxis sind, weil sie den laufenden Laden eben nicht kennen.

TheTeacher
7 Monate zuvor

Ich möchte die Rolle des Sports in der Schule gar nicht diskutieren, aber der Vergleich: „Das sei etwas anderes, als beispielsweise in Physik eine 6 zu bekommen.“ … „Im Sport ist das so schnell nicht zu machen. Ein Kind, das sportlich einfach weniger begabt ist, macht man nicht einfach in einem Vierteljahr zu einem Usain Bolt.“ hinkt doch.

Ich musste wegen übertriebener Faulheit die Vokabeln von fast einem Jahr in Französisch in Klasse 10 aufholen und das hat ein 3/4 Jahr gedauert. Das ging eben auch nicht von heute auf morgen neben dem normalen Schulbetrieb, bedurfte viel Durchhaltevermögen und Fleiß (auch Tränen) und hat mich auch nicht zu einem A. Dumas gemacht. Am Ende des Jahres war ich aber in der Lage eine 2+ zu schreiben. Hat ja auch gereicht. Als ob man ein Usain Bolt werden müsste…

Es ist ganz nüchtern die Frage, ob einem eine Verbesserung in einer Eigenschaft das benötigte Engagement wert ist. Das gilt in fast allen Bereichen.

tozitna
7 Monate zuvor

Mein Gott, außer etwas anekdotischer Relevanz hat die Argumentation von Frau Schopper rein garnichts zu bieten.
Zudem trifft der Vergleich voll daneben: So wenig im Physikunterricht kleine Einsteins die Zielgröße sind, sollen im Sportunterricht kleine Usain Bolts geformt werden. Aber das spielt in solchen pauschalen Aussagen wahrscheinlich keine Trompete…

Jette
7 Monate zuvor

In mehreren Punkten widerspreche ich Frau Schopper:
1.“Das sei etwas anderes, als beispielsweise in Physik eine 6 zu bekommen. Da könne man beim nächsten Mal einfach besser lernen, meinte Schopper. «Im Sport ist das so schnell nicht zu machen.“

  • Das ist nicht richtig, im Sportunterricht kann man genauso durch Üben seine Leistung verbessern, wie in anderen Fächern auch. Auch einen Handstand, ein Rad oder einen Korbwurf kann man lernen!

2.“Wenn jemand im Sportunterricht wie ein Ai am Stufenbarren hängt, dann besteht die Gefahr, vor der ganzen Klasse ein Stück weit der Lächerlichkeit preisgegeben zu werden.

  • Die gleiche Gefahr besteht in anderen Fächern, z.B. wenn man eine Buchpräsentation vorträgt, ein Referat hält oder vorlesen soll. Schaffen wir deshalb das Lesen ab oder die Buchpräsentation?

3,“Im Grunde ist dieses Auswählen immer grausam gewesen.“

  • Wie grausam ist es denn bei Gruppenarbeiten in Deutsch, Mathe oder Sachkunde, wenn die Teams gebildet werden und Kinder nicht in die Gruppe kommen? Natürlich sollte man das als Lehrer/in abfedern, das gilt aber auch für den Sport. Z. B. kann man so wählen lassen, dass erst Kinder zu einer Mannschaft gewählt werden. Wenn die Hälfte (oder ein Drittel) der Kinder weggewählt ist, kann man den Spieß umdrehen: Die übrig gebliebenen Kinder dürfen wählen, in welche Mannschaft sie möchten.

Ich finde es fatal, wenn die Meinung herrscht, im Sportunterricht kann man seine Leistungen nicht steigern. Mit der Einstellung kann es nicht funktionieren! Für was lernen wir Lehrer an der Uni, wie man Kindern Bewegungsformen beibringt. Der eine lernt schneller, der andere langsamer. Genauso wie ein sportlich unbegabter nicht in 3 Monaten ein Usan Bolt wird, wird ein naturwissenschaftlich unbegabtes Kind nicht in 3 Monaten zum Einstein und ein sprachlich unbegabtes Kind wird kein Goethe.
Ich würde mir bei einer Kultusministerin eine etwas differenziertere Denkweise wünschen!

DerechteNorden
7 Monate zuvor
Antwortet  Jette
  • „Wie grausam ist es denn bei Gruppenarbeiten in Deutsch, Mathe oder Sachkunde, wenn die Teams gebildet werden und Kinder nicht in die Gruppe kommen? Natürlich sollte man das als Lehrer/in abfedern, das gilt aber auch für den Sport. Z. B. kann man so wählen lassen, dass erst Kinder zu einer Mannschaft gewählt werden. Wenn die Hälfte (oder ein Drittel) der Kinder weggewählt ist, kann man den Spieß umdrehen: Die übrig gebliebenen Kinder dürfen wählen, in welche Mannschaft sie möchten.“

Hier geben Sie Frau Schopper recht.

Jette
7 Monate zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Nein, das tue ich nicht! Ich meine, dass Wählen-lassen nicht viel anders ist als die Gruppenbildung in anderen Fächern, wo bisweilen auch manche nicht in die gewünschte Gruppe kommen. Wenn das nicht ständig passiert, müssen Kinder damit auch mal klarkommen.

DerechteNorden
7 Monate zuvor
Antwortet  Jette

„Wenn die Hälfte (oder ein Drittel) der Kinder weggewählt ist, kann man den Spieß umdrehen: Die übrig gebliebenen Kinder dürfen wählen, in welche Mannschaft sie möchten.““

Nicht gemerkt?

Lisa
7 Monate zuvor
Antwortet  Jette

„Auch einen Handstand, ein Rad oder einen Korbwurf kann man lernen!“ Es gibt tatsächlich Menschen, die es nicht lernen. In Kanada gibt es für Kinder übrigens einen individuellen Trainingsplan. Da kann auch eine Verbesserung in vermehrtem Einsatz, Fleiß und es Probieren mit in die Note einfließen.

uesdW
7 Monate zuvor
Antwortet  Lisa

Ich fand meinen Sportlehrer seinerzeit glaubwürdig, als er einem „Sportass“ einen schlechte Note gab, weil er keinen Bock hatte, beim Geräteturnen mit zu machen.
Gleichzeitg bekamen diejenigen, die sich bemühten und im Laufe des Unterrichts entsprechende Fortschritte gezeigt haben, auch ein mal eine zwei.

Wenn man will geht das schon. Und bei Teamsportarten kann man das Zusammenspiel und die sozialen Komponenten durch Vorgaben auch fördern.

Reisinger
7 Monate zuvor

Na, die Schopper hätte ich auch nicht gewählt. PS: bin Sportlehrer

DerechteNorden
7 Monate zuvor
Antwortet  Reisinger

Eben. Wie schön, dass Sie hier demonstrieren, weshalb es nicht gut ist.

Lari Fari
7 Monate zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Unfug. Jemanden, der im Team keine Funktion hat, es nicht zur Leistung führt, würde ich auch nicht wählen- und demzufolge die Dame nicht in ein/das politische Amt. Ob Herr Reisinger die Wahl in ein Sportteam gemeint hat, ist nicht eindeutig formuliert. Ein Team, z. B. in einem Unternehmen, ist keine vornehmlich soziale Einrichtung.

DerechteNorden
7 Monate zuvor
Antwortet  Lari Fari

? Frau Schopper meinte aber schon den Sportunterricht.
Und wer so wie Sie drauf ist, nun ja, der hat früher unsportlicheren Schüler*innen bestimmt nicht so viele schöne Momente beschert.

Reisinger
7 Monate zuvor
Antwortet  Lari Fari

Weder ins Sportteam damals noch ins politische Amt.

Lisa
7 Monate zuvor
Antwortet  Reisinger

Warum nicht ins Sportteam? Das sie die Mannschaftswahlen nicht mochte, sagt doch streng genommen nichts über ihre Leistung aus. Und wenn sie nicht gut ist, ginge es nicht darum, sie zu fördern?

447
7 Monate zuvor

Ich darf es nicht sagen, nicht sagen, nicht sagen…Uhlenspiegel, eile mir zur Hülf! 😀

Georg
7 Monate zuvor

Hinweis: Es ist nahezu unmöglich, in Physik oder in einem anderen Fach der Fächergruppe II ohne eigenes Zutun eine 6 zu bekommen. Sogar eine 5 ist streng genommen schon aktive Leistungsverweigerung und eine 4 eine Blamage.

ed840
7 Monate zuvor
Antwortet  Georg

Das kommt m.M. schon auch auf die Lehrkraft an. Manche können einem das Fach wirklich vermiesen. Ich habe mal in einer Physik-EX eine 6 bekommen, weil der Lehrer sich vor der ganzen Klasse darüber mokiert hatte, ich hätte mich so blöd angestellt, dass in meinem Schaltkreis nicht mal Strom fließen würde. Ich war trotzdem überzeugt, dass wie gefordert erst Lampe 1 leuchtet, dann Lampe 2 und dann alle beide gleichzeitig. Ich durfte es dann vor der Klasse mit Batterie, Kabel, Klemmen und Glühbirnen nachstellen. Vermutlich hat er gedacht ich würde mich vor den anderen lächerlich machen. Hat dann aber schon erst Lampe 1 geleuchtet, dann Lampe 2 , dann beide gleichzeitig. Allerdings beide zusammen nur mit halber Kraft, da ich sie in Reihe und nicht parallel geschaltet hatte. Kommentar des Lehrers: „Hab doch gleich gesagt, dass das nicht funktioniert, die Sechs bleibt.“ Damit war für mich Physik in diesem Schuljahr gestorben. Ich hatte aber auch mal nen wirklich tollen Physiklehrer der mir auch Sinn und Spaß an der Sache vermittelt hat, da waren dann auch die Noten entsprechend gut.

Lisa
7 Monate zuvor

Ja, sie hat Recht. Das Auswählen ist für diejenigen, die immer am Schluss dran sind, grausam. Und bei Sport muss man sich mit dem ganzen Körper präsentieren, was Mobbing Tür und Toren öffnet. Ich habe noch nie mitgekriegt, dass jemand ausgelacht wird, weil er nicht gut zeichnet beispielsweise. Ich selber bin Asperger Autist, habe körperlich Koordinationsschwierigkeiten und war als Kind ständig in dieser Situation, kann das also gut verstehen. Aber und nun kommt das Aber: Gerade Bundesjugendspiele fand ich nicht so schlimm. Bis auf Staffellauf ist man da Einzelkämpfer. Man wird nicht ausgewählt. ( Wobei es da auch andere Methoden gibt, wie Auslosen der Mannschaften übrigens) und ist einfach nur für sich schlecht, ohne dass auch noch die ganze Mannschaft auf einen wütend ist, weil’s ja ums Gewinnen geht.

Lari Fari
7 Monate zuvor
Antwortet  Lisa

Das Leben ist Herausforderung, mit der Menschen umgehen müssen. Auch dazu muss Schule befähigen. Leben ist kein Ponyhof.

Lisa
7 Monate zuvor
Antwortet  Lari Fari

Herausforderungen sind schulisch nur sinnvoll, wenn sie ( auch mit Anstrengung, Übung und Mühe durchaus) irgendwie bewältigt werden können. Mit ihrer Argumentation könnte ich Viertklässlern auch Mathematikaufgaben aus der Oberstufe geben.

Lari Fari
7 Monate zuvor
Antwortet  Lisa

Meine Güte! Sie kennen schon Kompetenzen, Kompetenzstufen und sind mit Didaktik vertraut? Was ist denn das für ein Argumentationsversuch? Natürlich richtet sich schulisches/ unterrichtliches Handeln an dem aus, was der Lerngruppe gemäß ist.
Das Leben und die zu bewältigenden Herausforderungen und Zukunftsaufgaben fragen danach aber nicht unbedingt- da gibt es keine didaktische Reduktion.

Teacher Andi
7 Monate zuvor
Antwortet  Lisa

Es liegt am Sportlehrer, hier ein pädagogisches Händchen zu haben. Sportunterricht hat nichts mit Leistungssport zu tun, sondern es werden Kompetenzen vermittelt, auch soziale. Die Sportlehrer von gestern, die sich immer auf die Seite der Sportlichen geschlagen haben, gehören zum Glück schon längst der Vergangenheit an. Schlechte Lehrer gibt es aber leider immer noch, aber in allen Fächern.

Lari Fari
7 Monate zuvor

Und wieder wird deutlich, dass die Dame keine Ahnung hat. Auch im Sport- gerade da- ist durch Fleiß und Dranbleiben für jeden und jede eine Leistungssteigerung zu erzielen. Den Vergleich mit einem Weltmeister anzuführen, ist redundant- man könnte erwidern, im Fach Physik erreicht auch nicht jede:r durch Lernen das Niveau Einsteins.
Dieses dauernde Weichspülen nervt. Die Realität fragt nicht immer nach Work- Life- Balance; die Realität, in der unsere Schüler:innen erwachsen sein werden, macht Kompetenzen nötig, die auch auf Leistung, Einsatz, Innovationskraft und Resilienz fußen.
Davon abgesehen- eine Stunde Bewegung täglich, das gilt auch für Politikerinnen der Grünen.

DerechteNorden
7 Monate zuvor
Antwortet  Lari Fari

Zum Glück war ich damals nie selbst betroffen, wenn gewählt wurde. Aber mitgefühlt habe ich mit denen, die übrigblieben, weil sie zu unsportlich waren.
Glücklicherweise ist das heute verpönt und die Sportlehrkräfte an meiner Schule würden das auch niemals in Erwägung ziehen.
Zu den Bundesjugendspielen in Leichtathletik habe ich allerdings eine andere Meinung als Frau Schopper.

Teacher Andi
7 Monate zuvor

Frau Schopper sollte einfach mal ihren Mund halten und ihre 2 Jahre noch still absitzen, dann wird sie hoffentlich an einen anderen Posten versetzt, bei dem man die so deutliche Realitätsferne nicht so sehr ins Gewicht (!) fällt.

konfutse
7 Monate zuvor
Antwortet  Teacher Andi

Das sehe ich fast auch so, habe aber in den letzten 25 Jahren gelernt und zu spüren bekommen, dass man easy vom Regen un die Traufe kommen kann. Schlimmer geht immer.

TaMu
7 Monate zuvor

Und dann kommt man in eine Reha-Gruppe mit lauter Schwerbehindertern, die wieder laufen lernen, die es schriftlich haben und Narben und deutliche, körperliche Veränderungen vorweisen können, dass sie eben nicht mehr wie früher funktionieren.
Und nach einem Vierteljahr zweimal wöchentlich zwei Stunden rentenfinanzierter Intensiv- GruppenReha nach der stationären Reha erleben alle, wie stark sie sich verbessert haben. Da geht keiner als Para- Olympics Teilnehmer heraus, aber dass Körper sich unter Anleitung selbst im Alter unter schwierigsten Bedingungen regenerieren und Muskeln bilden können, dass man wieder ohne Krücken oder Rollstuhl nach schwerer Erkrankung oder einem Unfall laufen kann, ist eine Erfahrung, die unter Reha üblich ist.
Und dann kommt Sportministerin Schopper daher und meint, ein gesunder Jugendlicher schafft in einem Vierteljahr keine deutliche Leistungssteigerung?
Das schafft in der Reha jede Oma, Frau Schopper! Und wissen Sie was? Das wird von der Deutschen Rentenversicherung auch ganz klar vorausgesetzt. Dafür wird Geld ausgegeben! Es wird in Rückmeldebögen unter anderem die Motivation der Patienten abgefragt. Fragen Sie einfach mal im Sozialministerium nach, die wissen das.
Die jungen Menschen dürfen ruhig ein bisschen gefordert werden, damit sie auf ihre Zukunft vorbereitet sind. Einfach schwer krank sein und ausgesorgt haben? Vergiss es. Muskeln aufbauen, auch zum Ausgleich für operativ entfernte Muskeln, oder trainieren mit Prothesen, das wird vorausgesetzt, dann Wiedereingliederung und zurück ins Berufsleben. Wer da nicht mit kommt, braucht gute Gründe oder er landet im Bürgergeld. Da hängt es sich sehr ungemütlich als Ai.
So viel zum Thema Auslese. Training lohnt sich.

Bayer
7 Monate zuvor
Antwortet  TaMu

🙂 danke für den Kick ins wirkliche Leben, liebe TaMu.

Ja, Reha kann schon knallhart fordernd sein – und etwas bringen.
Es gibt Teilnehmer, die verweigern – weil sie erwarten, dass die Ärztinnen/ Pflege alles übernehmen/ gesundzaubern,
eine Einstellung, die sich von klein auf festigen kann……wenn nicht die Älteren/ Eltern/ Peergroup/ Gesellschaft Vorbild sind.

Teacher Andi
7 Monate zuvor
Antwortet  TaMu

Danke Tamu für diesen Weitblick, der einer Frau Schopper nun gänzlich abgeht. Richtig ist, die Reha wird bezahlt (von der Allgemeinheit) und so manche Krankengymnastik ist nicht zielführend, da die Betroffenen hinterher meistens wieder in ihren alten Trott der Bequemlichkeit verfallen. Und diese Bequemlichkeit ist in erster Linie anerzogen und von Peers beeinflusst. Sportunterricht hat die wichtige Aufgabe, das Bewusstsein der Schüler zu stärken, dass Bewegung im Alltag wichtig ist und Sport in Maßen nur positiv sein kann. Leider bieten sich im Sportunterricht nicht die erforderlichen Möglichkeiten, man muss als Sportlehrer schon sehr kreativ sein, um von den klassischen Vorstellungen (Barren, Reck, Kasten, Bock, Schwebebalken) wegzukommen und mit den zur Verfügung stehenden Mitteln für alle Schüler der Klasse den Sportunterricht zu einem positiven Erlebnis zu machen.
Und da kommt eine Frau Schopper daher, und faselt von „grausamer Mannschaftsbildung durch Wählen“! Habe ich auch noch erlebt, aber diese Frau war wohl seit ihrer Schulzeit in keiner Turnhalle mehr. Sollte vielleicht ihr Augenmerk darauf legen, dass die Sportlehrer für ihre wichtige Aufgabe (wird leider oft nicht so gesehen) das nötige Rüstzeug bekommen. Ich gebe jedes Jahr hunderte von Euro für schülergerechtes Spielmaterial aus, weil man keine Chance hat, da was zu bekommen. Stattdessen stehen teuere Pauschenpferde (!!) und eine Vielzahl unbeliebter Böcke in den Geräteräumen.
Ich würde Frau Schopper gerne mal auf einen kreativen Parcours schicken, ohne wählen, aber mit einer gewissen Leistungsforderung, welche ja momentan ach so verpönt ist.

Lisa
7 Monate zuvor
Antwortet  TaMu

Bei der körperlichen Verfassung vieler Schüler wäre Rehasport evtl ein besserer Ansatz als Leistungssport. Ich habe Kinder in der ersten Klasse, die bräuchten eigentlich Haltungsturnen.

Teacher Andi
7 Monate zuvor
Antwortet  Lisa

Schulsport ist kein Leistungssport, und Haltungsturnen war schon vor 40 Jahren Inhalt der Sportlehrerausbidlung und ist meistens ein Schwerpunkt im Sportunterricht. Das Problem ist, dass man maximal, wenn überhaupt, zwei Sportstunden/Woche und die volle Klassenstärke von über 30 Schülern (gerade in den untersten Klassenstufen) hat. Aber gerade in diesem Alter muss man die Bewegungsfreude fördern und erhalten. Also Anstehen am Reck für 2x Aufschwung in der Sportstunde müsste absolut tabu sein. Leider gibt es noch solche Lehrer.

Canishine
7 Monate zuvor

Stimmt, so eine Wahl kann für Politiker grausam sein …

diehoffnungstirbtzuletzt
7 Monate zuvor

Hallo Zusammen,

also ehrlich mit welcher fachlichen Inkompetenz unsere Vorgesetzten auftreten ist schon eine wahre Freude. Im Sportunterricht geht es doch schon lange nicht mehr um höher, weiter, schneller. Ich würde sogar sagen, dass sich kein anderer Unterricht so dermaßen verschwierigt hat wie der Sportunterricht (zumindest nehme ich das so wahr) Fähigkeiten werden von Jahr zu Jahr weniger (Ausdauer, Stützkraft, Griffkraft, Ballgefühl) gepaart mit immer größeren Gruppen, größerem Individalismus der Teilnehmenden und natürlich nicht zu vergessen die Außenwelt als Vorbilder…das muss mein Kind nicht machen, das darf es nicht machen, das möchte es nicht machen, das verletzt das Gefühl, das Selbstbewusstsein, die Körperwahrnehmung, die Fußballbundesliga als Handlungsvorbild sorgt auch immer wieder für leichte Versimmungen…nein wir Spucken nicht auf den Boden oder auf den Schiedsrichter/Lehrer (auch nicht wenn wir andere Meinung sind, oder er tatsächlich eine Fehlentscheidung getroffen hat) …usw…die Quereinsteiger aus dem Vereinssport (ja hier kommen die Kinder meist freiwillig und wollen sich bewegen;-)) werden sich noch wundern…hängt natürlich sehr von der Gruppenzusammensetzung ab. Moderner Sportunterricht hat doch tatsächlich die gleichen Ziele wie in den anderen Fächern…die Kinder/Jugendlichen da abholen wo sie sich gerade befinden…und das erfordert immer mehr Aufmerksamkeit, Kreativität, Nerven aus Stahlseilen, Lärmresistenz und eben Vorbild sein…ich darf an der Mittelschule in Bayern viele Fächer unterrichten (D,M,E,GPG,NT,WIB, Informatik und Sport) Sport hat vielleicht weniger Nachbereitung und Korrektur, aber im Unterricht steht man oft unter Hochspannung, um unseren Individualisten auch wirklich gerecht zu werden…ob Frau Schopper schon mal selbst Sportunterricht gegeben hat???Aber Hauptsache mal wieder einen rausgehauen…unfassbar. Ich frage mich wirklich wie eine Leistungsgesellschaft im globalen Wettkampf überleben soll, wenn jeglicher Leistungsvergleich an den Schulen abgeschafft wird…

Bernie
7 Monate zuvor

Oh man…
Ich bin selber eher rundlich und war einer von denen, die spät gewählt wurden. Ja und? Ist unangenehm, aber man wächst daran. Ich weiß noch, dass ich am Barren total verloren war. Beim Radschlag gab es damals eine 2. Begründung des Lehrers; wenn jemand (nicht böse gemeint) mit der Figur alles gibt und abliefert, wird das honoriert. War für mich Ansporn. Später Sport im Abi gehabt (Volleyball). Mit 1- bestanden.
Die Kids müssen nicht komplett in Watte gepackt werden.

Teacher Andi
7 Monate zuvor
Antwortet  Bernie

Genau meine Haltung und Erfahrung. Wenn es „klick“ macht im Kopf und die Vorzeichen stimmen, dann kommt auch die Sportbegeisterung und mit jedem Erfolg kommen weitere dazu, ganz zu Schweigen vom Wachsen des eigenen Selbstbewusstseins. Wenn man den Kindern diese wichtigen Erfahrungsgrundlagen entzieht, schadet man ihnen mehr als man ihnen nützt.
Aber Politiker wissen ja alles besser.

Pauker_In
7 Monate zuvor

Ach Gott, ist Sportunterricht grausam…
Ich wurde immer als Letzter in die Fußballmannschaft gewählt. War mir doch wurscht! Dafür konnte ich mich beim Schwimmen oder Turnen über die Fußballer lustig machen. Jeder hat seine Stärken, der Sportunterricht muss sie halt herauszufinden helfen.
Und wenn die sportlichen Stärken im Unterricht nicht relevant sind, lernt man eben, über den Dingen zu stehen. Das hilft im Leben garantiert weiter!