Streit um Abaya-Verbot: Macron spricht sich für Einheitskleidung an Schulen aus

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PARIS. Im Streit um das Abaya-Verbot an Frankreichs Schulen hat sich Frankreichs Präsident Emmanuel Macron für einheitliche Kleidung von Schülerinnen und Schülern ausgesprochen: Jeans, T-Shirt, Jacke – fertig. Einen Versuch seines Bildungsministers mit Schuluniformen unterstützt er dennoch.

„Viel akzeptabler“: Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron. Foto: Alexandros Michailidis / Shutterstock

„Es gibt die Uniform und es gibt Einheitskleidung“, erklärte Macron am Montagabend im Interview mit dem Youtuber Hugo Décrypte. „Ohne dass man eine Uniform hat, kann man sagen, ihr zieht ein T-Shirt, eine Jeans und eine Jacke an“, meinte der Präsident. „Man kann Dinge haben, die viel akzeptabler sind für die jungen Leute, nämlich die Einheitskleidung, die keine Uniform ist und die nach meiner Meinung weniger strikt ist aus disziplinarischer Sicht, sie regelt viele Dinge.“

Die Debatte um ein Einführen von Schuluniformen war in Frankreich wieder aufgeflammt, weil in Schulen nach Behördenangaben verstärkt Schülerinnen sogenannte Abayas tragen. Dabei handelt es sich um traditionell von Frauen in islamischen Ländern getragene knöchellange Gewänder. Zum Schuljahresstart Anfang der Woche untersagte Bildungsminister Gabriel Attal das Tragen von Abayas. Er stützt sich dabei auf das seit langem geltende Verbot von sichtbaren religiösen Symbolen an Schulen in dem auf Laizität, also die strikte Trennung von Staat und Religion, bedachten Frankreich.

„Es geht darum, Ruhe an den Schulen zu schaffen, an der Schule steht die Gemeinschaft im Mittelpunkt“

Mit der Frage, ob ein Verbot von Abayas an Schulen überhaupt rechtens ist, befasst sich an diesem Dienstag der Staatsrat, Frankreichs höchstes Verwaltungsgericht. Ein Verein zum Schutz der Rechte von Muslimen hatte einen Eilantrag gegen das Verbot eingereicht. Strittig ist, ob eine Abaya tatsächlich ein religiöses Kleidungsstück ist (oder nur ein kulturell geprägtes).

Zugleich hatte der Bildungsminister vom Herbst an eine Erprobung von Schuluniformen an verschiedenen Schultypen angekündigt. Wie Macron am Montagabend sagte, unterstütze er einen Test mit Schuluniformen. Es gehe darum, Ruhe an den Schulen zu schaffen, an der Schule stehe Gemeinschaft im Mittelpunkt. Niemand solle wegen seiner Kleidung stigmatisiert oder ausgegrenzt werden. Dabei gehe es um Kleidung mit einem religiösen Bezug und auch um allzu exzentrische Kleidung. In der Vergangenheit hatte es in Frankreich auch Diskussionen um das Tragen von Crop-Tops, bauchfreier T-Shirts, gegeben. News4teachers / mit Material der dpa

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Freiya
9 Monate zuvor

Auch an deutschen Schulen würde eine solche Regelung Zündstoff aus dem Miteinander nehmen. Die elende „Mode“schau hätte ein Ende. Mobbing der Kleidung wegen würde aufhören. Familiäre Dispute gehörten der Vergangenheit an. Kids könnten länger schlafen, denn die Kleidungswahl wäre erledigt. So viele Vorteile. Auch ich als Lehrerin würde mich gerne dieser Regelung „beugen“.

Maggi
9 Monate zuvor
Antwortet  Freiya

Echt? Unisex-Kleidung fänden sie gut? Also alle, unabhängig vom Geschlecht, eine Jeans einer bestimmten Marke und Model, ebenso bei den T-Shirts und der Jacke? Das ist aber dann eine günstige Marke, denn es muss sie sich jeder leisten können. Sobald das nicht der Fall ist, wäre das Mobbing wieder vorhanden. Achtjährige, die Taschen auch entsprechend begrenzen und die Schuhe auch. Einfache Snikers, passt nicht, unbequem – gib’s nicht und das auch für das Kollegium.
Wäre kaum durchsetzbar.

Lisa
9 Monate zuvor
Antwortet  Maggi

Ich finde Unisex Kleidung, die sich wieder einmal am Mann orientiert, ungerecht. Rock mit einer gewissen Länge oder Hose. Meine Schwägerin in ihrer Schule hat Schuluniform, sie findet das als Lehrerin eine Erleichterung.

Maggi
9 Monate zuvor
Antwortet  Lisa

Nein, wenn dann dürfen alle Geschlechter alles anziehen. Ein Rock ist im Gegensatz zu einer Hose ein deutlich erfrischendes Kleidungsstück bei heißen Temperaturen. Außerdem ist eine Hose inzwischen bei allen Geschlechtern akzeptiert und gängige Mode. Der Rock würde wohl primär von Frauen getragen. Das Problem ist, warum sollte hier eine Ausnahme gemacht werden? Was ist mit Tanktops – sind doch auch irgendwie T-Shirts… wenn eine Ausnahme gemacht wird, dann wollen andere auch welche.

Wenn man wirklich die Kleider in Schulen vorgeben wollen würde, müsste man zunächst das Grundgesetz abändern und hierfür wird es Gott sei Dank keine Mehrheit im Bundestag geben.

Maggi
9 Monate zuvor
Antwortet  Freiya

Korrektur: Achja nicht Achtjährige

Freiya
9 Monate zuvor
Antwortet  Maggi

Hatte ich mir gedacht.
Röcke und alles Andere kann man doch nach Schulschluss tragen. Ja, eine Markenauswahl vorzuschreiben, und zwar preiswerte, möglichst ökologische, wird wohl nötig sein.

Fakten sind Hate
9 Monate zuvor

Und was man noch erwähnen muss: Mädchen leiden morgens besonders unter der Vielzahl an Kleidungsauswahl.
Einheitskleidung vermindert daher die Benachteiligung von Mädchen im Schulsystem.

Lisa
9 Monate zuvor

Ich kenne das aus Südamerika. Wohlhabendere Schulen haben Uniformen, ärmere Schulen vorgeschriebene Schulfarben: Weißes Hemd oder Bluse, dunkelblaue Stoffhose oder Rock etc. Ein Vorteil war, und das konnte ich beobachten, dass die Schüler mit Schulkleidung sozusagen auch geistig in den “ Schulmodus“ schalteten. Das war mir nicht bewusst zuvor. Ich würde empfehlen, wenn die Schulversammlung dafür ist, einfach ausprobieren.

Maggi
9 Monate zuvor
Antwortet  Lisa

Südamerika unterliegt nicht dem Grundgesetz, das die freie Entfaltung der Persönlichkeit vorsieht. Es gibt kein höheres Gesetz in Deutschland und daher wäre der Beschluss der Schule für die Mülltonne.

A.J. Wiedenhammer
9 Monate zuvor
Antwortet  Lisa

Schulkleidung kann man auch so definieren, dass mehrere Wahlmöglichkeiten zur Auswahl stehen. Das kenne ich von Austauschschulen in England so.
Ich bin mir aber persönlich nie sicher, ob ich Schuluniformen gut oder schlecht finde. Von der Theorie finde ich Argumente für beides. Es käme wohl auf einen direkten Versuch an.

Aber in diesem Fall ist das ganze Gerede von Schuluniformen wohl ein wenig ein Ablenkungsmanöver. Der wirkliche Knack- und Streitpunkt ist ja die Abaya bzw. das Abaya-Verbot. Und die Frage, was das Bemühen um Laizität darf.
„Schuluniformen“ verlagern die Kontroverse auf einen etwas weniger verminten Nebenschauplatz.