Neuer Bachelor-Studiengang für Niederdeutsch in Oldenburg mit Blick über Niedersachsen hinaus

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OLDENBURG. Erster Schritt zur Anerkennung von Plattdeutsch als zweite Fremdsprache: Mit einem explizit auf Niederdeutsch gerichteten Studiengang soll Niederdeutsch an den Schulen etabliert werden.

Ein neuer Studiengang soll für den Unterricht von Niederdeutsch an weiterführenden Schulen ausbilden. Der Bachelor «Niederdeutsch» sei einzigartig in Niedersachsen und starte im Wintersemester, teilte die Carl von Ossietzky Universität Oldenburg mit. Zwei Masterstudiengänge für Niederdeutsch an Haupt- und Realschulen sowie an Gymnasien seien noch in Planung. Das Studium qualifiziere aber auch für eine Arbeit in der Wissenschaft, bei Medien, Verlagen oder im Kulturbereich im Norden Deutschlands.

Blick auf den entfernten rot-gelb gestreiften Pilsumer Leuchtturm über einen Deich mit Schafen und eine flache Landschaft hinweg.
Die Ausbildung von Fach-Lehrkräften bildet laut niedersächsischem Kultusministerium um einen ersten Schritt zur Anerkennung von Niederdeutsch als zweiter Fremdsprache. Foto: Hanna Schwichtenberg / Unsplash.com (U. L.)

In den anderen norddeutschen Bundesländern gebe es keinen vergleichbaren Studiengang. «Das Fach Niederdeutsch ist an mehreren Universitäten im Germanistikstudium verankert – in Kiel, Flensburg, Hamburg, Greifswald, Rostock, Hannover und so weiter», sagte Doreen Brandt, Juniorprofessorin für Niederdeutsche Literatur in historischer und kulturwissenschaftlicher Perspektive an der Universität Oldenburg. Auch sonst gebe es Niederdeutsch bisher nur als Ergänzungs- oder Beifach im Master. An der Universität Oldenburg seien bisher sieben Studierende eingeschrieben, eine Bewerbung sei noch bis zum 15. Oktober möglich – auch ohne Vorkenntnisse im Niederdeutschen.

Die Studierenden sollen sich im Rahmen des Studiums mit der Sprachpraxis, der Sprach- und Literaturwissenschaft sowie mit der Fachdidaktik des Niederdeutschen auseinandersetzen. «In den sprachwissenschaftlichen Lehrveranstaltungen wird die Variation des Niederdeutschen eine große Rolle spielen», sagte Brandt. «Und da gucken wir nicht nur auf Niedersachsen, sondern auf den gesamten niederdeutschen Sprachraum mit all den norddeutschen Bundesländern. Das schließt auch nördliche Teile von Sachsen-Anhalt, Nordrhein-Westfalen und Hessen mit ein.»

Niederdeutsch – oder auch umgangssprachlich Plattdeutsch – wird als Regionalsprache durch die 1998 in Kraft getretene Europäische Charta der Regional- und Minderheitensprachen geschützt. Aktiv Plattdeutsch sprechen in ganz Norddeutschland Schätzungen zufolge rund 2,5 Millionen Menschen.

Das Kultusministerium in Hannover geht davon aus, dass an mehr als 300 Schulen aller Schulformen im Land Niederdeutsch gesprochen wird – etwa in Wahlpflichtkursen, AG-Angeboten oder Unterrichtsprojekten. Landesweit gibt es 44 anerkannte Schulen, an denen Niederdeutsch Teil des Schulprogramms ist. Schülerinnen und Schüler können dort Plattdeutsch oder Saterfriesisch etwa im Regelunterricht oder in Wahlpflichtkursen als zweite Fremdsprache wählen.

Damit Niederdeutsch als zweite Fremdsprache regulär anerkannt werden könne, «müssen zunächst entsprechend ausgebildete Fach-Lehrkräfte zur Verfügung stehen», teilte ein Sprecher des niedersächsischen Kultusministeriums mit. Der Studiengang in Oldenburg sei dafür ein erster Schritt. Wann Niederdeutsch auch im anschließenden Referendariat angeboten werden könne, sei noch unklar. Auch in anderen Bundesländern wie in Mecklenburg-Vorpommern laufen Abstimmungen mit Hochschulen zur Ausbildung von Lehrkräften für Niederdeutsch. (dpa)

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Alisia
7 Monate zuvor

Was das für einen Nutzen haben soll erschließt sich mir ehrlich gesagt nicht so ganz.

Platt ist als Verkehrssprache auf dem Rückzug und es zu erlernen ist nunmal alles andere als nützlich.
Mit so gut wie jedem mit dem die Schüler sich auf Platt verständigen könnten, können sie auch jetzt schon eine Konversation führen. Es bringt also anders als Fremdsprachen deren Muttersprachler nicht fast automatisch auch Hochdeutsch sprechen, keinen wirklichen Gewinn.

Palim
7 Monate zuvor
Antwortet  Alisia

Niederdeutsch ist als eigenständige Sprache anerkannt und kann dann 2. Fremdsprache in der Schule sein. Wie im Bericht genannt gibt es schon jetzt Schulprojekte bzw. -versuche, in denen es bilingualen Unterricht auf Niederdeutsch gibt, auch um die Sprache als solche zu stärken.

Alisia
7 Monate zuvor
Antwortet  Palim

Ja natürlich KANN es. Was ich anmerken wollte ist, dass es nahezu keinen Mehrwert hat bzw. keinen wirklichen Sinn macht.

Hawaiisch ist auch eine eigenständige Sprache, warum kann man es dann in deutschen Schulen nicht als Fremdsprache wählen? Ganz einfach weil keiner (hier) es irgendwie gebrauchen kann.

Ich befürchte hier bloß, dass Platt dann zur ersten Wahl für Lernfaule wird, es ist eben doch wesentlich leichter zu erlernen als zB Französisch.

Nur haben die Schüler, die Platt hatten dann hinterher nicht die Fähigkeit mit mehr Menschen zu kommunizieren als vorher, der eigentliche Sinn des Sprachenlernens wurde also nicht erfüllt.