„Nur noch Abzocke“: Monatliche Zinsbelastung bei Studienkredit fast verdreifacht

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BERLIN. Wer einen KfW-Kredit zur Finanzierung seines Studiums aufnimmt, muss immer höhere Zinsen dafür zahlen. Die Nachfrage nach dem Studienkredit ist nun deutlich zurückgegangen, zeigen aktuelle Zahlen.

Es geht aufwärts (was für die Betroffenen aber schlecht ist). Illustration: Shutterstock

Für einen KfW-Studienkredit zahlen Darlehensnehmer monatlich im Schnitt fast drei mal so viel Zinsen wie noch vor fünf Jahren. Das zeigen Daten der staatlichen Förderbank, die das Bundesbildungsministerium auf Anfrage der Linken herausgegeben hat. 2018 lag die durchschnittliche monatliche Zinszahlung demnach bei etwa 32 Euro, jetzt sind es rund 80 Euro. Die Antwort des Ministeriums lag der Deutschen Presse-Agentur vor.

Im Schnitt hatten Darlehensnehmer bei vollständiger Tilgung des Studienkredits 2013 insgesamt 1300 Euro Zinsen gezahlt, jetzt sind es 2700 Euro. Das Ministerium wies darauf hin, dass die Höhe auch von der gewählten Laufzeit und der Höhe der Darlehen abhänge. Bis 2021 habe es eher kurzläufige Darlehen gegeben.

Allerdings sind die KfW-Studienkredite an sich auch deutlich teurer geworden. Der Zinssatz lag im Oktober 2021 noch bei 3,76 Prozent. Zuletzt hatte ihn die KfW zum 1. Oktober auf 9,01 Prozent angehoben und das mit dem Anstieg des europäischen Referenz­Zinssatzes Euribor begründet.

Ein KfW-Studienkredit wird nicht in einer Summe ausgezahlt, sondern monatlich. Es gibt maximal 650 Euro pro Monat für höchstens 14 Semester. Die Höchstsumme liegt damit bei 54.600 Euro. Nach der letzten Zahlung beginnt eine 18-monatige sogenannte Karenzzeit, danach folgt die Rückzahlungsphase. Maximal 25 Jahre Zeit bleibt für die Tilgung. Zinsen werden in der Regel über die gesamte Zeit von der Auszahlungsphase bis zur Rückzahlungsphase fällig.

Der Regierungsantwort zufolge waren Stand 8. November knapp 40.000 Menschen in der Auszahlungsphase und 40.000 in der Karenzphase, 176.000 zahlten ihren Kredit ab.

Die Zahl der beantragten Kredite ging deutlich zurück. Im laufenden Jahr wurden demnach bis Anfang November rund 8.800 Anträge auf einen KfW-Studienkredit gestellt, im gesamten vergangenen Jahr waren es 16.600 und im Jahr davor sogar 24.800 Anträge. In der Corona-Zeit zwischen Mai 2020 und September 2022 hatte der Bund allerdings als Entlastungsmaßnahme auch einen Teil der Zinsen übernommen.

Die bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion Nicole Gohlke kritisierte die Entwicklung: «Schluss mit dem Zinswahnsinn und her mit einem Instrument, das wirkt: Das Bafög muss schnellstmöglich existenzsichernd ausgestaltet werden», sagte sie angesichts der Zahlen. Der KfW-Studienkredit sei für viele nicht nur unattraktiv geworden, sondern habe als Instrument ausgedient und sei nur noch Abzocke. News4teachers / mit Material der dpa

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4 Kommentare
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Lisa
3 Monate zuvor

Studienkredite taugen nur für Studenten, die eh schon Geld haben. Leider.

Hysterican
3 Monate zuvor

Halsabschneider-Zinssätze!!

…würde mich nicht wundern, wenn man bei Abschluss eines solchen Kreditvertrages in einer Vertragsklausel die Abfabe des Erstgeborenen zusichern muss.

Realist
3 Monate zuvor

Naja, 9% für einen Kredit ist auch nicht die Welt, wie wir alle von Dispo-Krediten wissen…

Es ist eher so, dass sich Gesellschaft und natürlich auch Gen Z an die billige Droge „Geld“ mit Zinssätzen nahe der Nullline gewöhnt hat und das Geld für mehr oder weniger sinnlose Dinge herausgeworfen hat, die man sich unter „normalen“ Zinsbedingungen niemals hätte leisten können: Angefangen bei der Wirtschaft mit nur durch Billigst-Geld lebensfähigen „Zombie-Unternehmen“ ohne ein Produkt, dass jemand zu einem „normalen“ Preis (exkl. billiger Zinsen) kaufen würde, über den Staat mit seinen Fantasie-Gesellschafts-Transformation-Projekten, bis zu Gen Z mit der Playstation 5 auf 0%-Kredit… viele Hauskäufer mit ihren „Also 250qm ist doch heute Minimum“-Häusern werden sich beim Auslaufen der Zinsbindung auch wundern und lautstark nach dem Staat schreien („gierige Bank wirft unschuldige Familie mit ihren höchstbegabten Kinder vor die Tür in das kalte Winterwetter…“).

Die Zeiten normalisieren sich einfach wieder. Aus mit der Traumtänzerei der vergangenen 15 Jahre…

Spirale
3 Monate zuvor
Antwortet  Realist

9% ist nicht die Welt? Klar, sind auch absolut übliche Zinssätze. Damals (TM) wie auch heute. Fragt sich, wer hier Traumtänzerei betreibt.