Von wegen Rechtsanspruch: Hunderttausende Kita-Plätze fehlen – Kretschmann: Problem für die Wirtschaft

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GÜTERSLOH. Zwar gibt es Fortschritte beim Kita-Platz-Ausbau. Trotzdem ist der Rechtsanspruch auf eine Betreuung für Hunderttausende Kinder laut Studie unerfüllt. Vor allem die Kleinsten gehen leer aus. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) sieht darin ein großes Problem – auch für die Wirtschaft.

Die Kitas kommen an ihre Grenzen (Symbolfoto). Foto: Shutterstock

In Deutschland fehlen einer Studie zufolge rund 430.000 Kita-Plätze – trotz Rechtsanspruchs auf einen Betreuungsplatz. Zwar habe es Fortschritte beim Ausbau von Kita-Angeboten gegeben, der Bedarf sei aber zugleich kontinuierlich gestiegen, die Lage inzwischen «untragbar», hieß es bei Veröffentlichung des «Ländermonitoring Frühkindliche Bildungssysteme» der Bertelsmann Stiftung am Dienstag. Die Analyse sieht eine Kita-Krise und mahnt energische kurz- und langfristige Maßnahmen an.

In den westdeutschen Bundesländern fehlen demnach 385.900 Plätze, um den Betreuungsbedarf zu erfüllen. In Ostdeutschland bestehe eine Lücke von etwa 44.700 Kita-Plätzen. Seit 2013 besteht für Kinder nach ihrem ersten Geburtstag ein Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz. Für Jungen und Mädchen ab drei Jahren gibt es den Anspruch schon seit 1996.

Immer mehr Eltern wünschen sich den Angaben zufolge auch besonders für ihren jüngeren Nachwuchs eine Betreuung. Entsprechend groß ist der Mangel vor allem bei U3-Plätzen, also für unter Dreijährige. Der Personalmangel sei nach wie vor ein gravierendes Problem.

Es gibt deutliche Ost-West-Unterschiede: In Ostdeutschland ist der Anteil der Kinder, die eine Kita besuchen, wesentlich höher als im Westen. Beim Qualitätsmerkmal Personalschlüssel sieht es im Osten ungünstiger aus: Eine vollzeitbeschäftigte Fachkraft betreut dort rechnerisch 5,4 Kinder unter drei Jahren. Bei den älteren Jungen und Mädchen ab drei Jahren kümmert sich eine Erzieherin im Schnitt um 10,5 Jungen und Mädchen. Im Westen komme eine Fachkraft auf 3,4 unter Dreijährige und auf 7,7 ältere Kinder ab drei Jahren.

Kindgerecht sei nach wissenschaftlichen Empfehlungen ein Personalschlüssel von 1 zu 3 für die Kleinsten und 1 zu 7,5 für die Betreuung der über Dreijährigen, hieß es in Gütersloh. Der Fachkräftemangel erschwere es zunehmend, den Bildungsauftrag der Kitas umzusetzen. «Die Situation ist für Kinder und Eltern wie auch für das vorhandene Personal untragbar geworden», betonte Bildungsexpertin Anette Stein.

Wie sieht es zukünftig aus? Die Autorinnen und Autoren sehen Chancen auf «spürbare» Verbesserungen bis 2030. Allerdings müsse dafür umgehend gehandelt werden. In den ostdeutschen Ländern hält die Analyse wegen sinkender Kinderzahlen beim Personalschlüssel eine Angleichung ans Westniveau für möglich, ebenso eine Deckung des Platzbedarfs. Voraussetzung aber: «Für alle Ost-Bundesländer gilt, dass das aktuell beschäftigte Kita-Personal nicht entlassen werden darf und sogar zusätzlich neue Fachkräfte gewonnen werden müssen.»

Für die meisten westdeutschen Länder könnte es schwieriger werden, bis 2030 bei Deckung des Platzbedarfs und Personalschlüssel die Ziele zu erreichen. Es gelte, beim Platzausbau mehr Tempo zu machen. Tendenziell positiver sehe es in Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein aus.

Ein Mix aus lang- und kurzfristigen Maßnahmen ist nötig: So mahnt das Autorenteam langfristige Strategien für die Gewinnung und Qualifizierung von neuen Fachkräften an. Es brauche attraktive Arbeitsbedingungen auch, damit das Personal im Berufsfeld bleibe. Als Sofortmaßnahme solle das pädagogische Personal von Hauswirtschafts- und Verwaltungsaufgaben entlastet werden. Auch Quereinsteiger könnten die Lage entspannen. Abstriche bei der pädagogischen Qualifizierung dürfe es allerdings nicht geben.

In einigen Bundesländern könne eine vorübergehende Reduzierung der Kita-Öffnungszeiten bis 2025 hilfreich sein. Eine solche einschneidende Maßnahme müsse mit allen Partnern gut abgestimmt sein. Die Kita-Krise sei so weit fortgeschritten, dass «neue Antworten» gefragt seien, unterstrich die Stiftung.

Der Abbau des Kitaplatz-Mangels muss aus Sicht von Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann politische Priorität haben. «Weil das ist nicht nur für die Kinder von großer Bedeutung, sondern auch für die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt», sagte der Grünen-Politiker am Dienstag in Stuttgart. Neben der frühkindlichen Bildung seien Kitas auch wichtig für Eltern, die arbeiten wollten. Zuständig seien dafür aber die Kommunen, das Land unterstütze so gut es könne.

Würden die Öffnungszeiten auf sechs Stunden pro Tag verkürzt, könnte Baden-Württemberg laut Bertelsmann Stiftung bis 2025 die Platz-Bedarfe aller Eltern erfüllen – und zugleich die guten Personalschlüssel im Land gehalten werden.

Das sei mit der Schaffung einer Öffnungsklausel bald möglich, sagte Kretschmann. «Die Kommunen können von den Standards abweichen – und wie sie das machen, in welchen Öffnungszeiten, das ist dann ihre Entscheidung. Dafür müssen sie selber die Verantwortung übernehmen und sich selber mit den Eltern auseinandersetzen, was sie gut finden und was nicht so gut.» Über die Einführung der Öffnungsklausel soll der Landtag am Mittwoch abschließend entscheiden. News4teachers / mit Material der dpa

„Wir können den nicht erfüllen“: Fachkräfteverband fordert, den Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz auszusetzen

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TaMu
3 Monate zuvor

Ich habe es in neun Jahren selbständiger Kindertagespflege mit U3 Kindern entspannt erlebt, bis zu fünf Kinder gleichzeitig zu betreuen.
Ich konnte Profil, Betreuungszeiten, Planung der individuellen Eingewöhnungen mit mindestens zwei Monaten Abstand zur nächsten Eingewöhnung und alle täglichen Einzelheiten selbst planen. So hatte ich meistens drei sehr gut eingewöhnte Kinder, eines mit einigen Wochen Eingewöhnung, das sich an den bereits gut angekommenen Kindern orientieren konnte und eines, das neu dazu kam. Die Stimmung war ruhig und ausgeglichen. Darauf habe ich Wert gelegt und entsprechend gestaltet. Durch Krankheit, Urlaub und Lücken zwischen verabschiedeten Kindern und neuen Kindern waren im Schnitt über das Jahr immer 3,5 Kinder anwesend, also mal drei, mal vier Kinder. Das war für die Gruppendynamik sehr wichtig. Ich war froh, vertraglich fünf Kinder gleichzeitig in der Betreuung haben zu dürfen und damit geschickt zu planen. Ich habe es geliebt, wenn ich mal einige Monate lang tatsächlich fünf gut eingewöhnte Kinder zusammen hatte. Das war lustig, fröhlich, aktiv und völlig unkompliziert.
In so kleinen Betreuungseinrichtungen, wo nicht noch mehr Kinder und Erwachsene in einem Raum sind und es dadurch unruhiger ist, sondern wirklich nur dieses „Nest“ mit einer dauerhaften Bezugsperson, ist das Verhältnis 1/5 sehr gut, wenn die Tagesmutter das kann und auch möchte. Es wird so auch sicher gestellt, dass immer zumindest ein bis zwei weitere Kinder anwesend sind und sie miteinander Spaß haben können. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Kinder U3 es lieben, untereinander zu spielen und dabei gut behütet zu sein. Sie brauchen in diesem sicheren Rahmen die Gleichaltrigen für ihre gesunde Entwicklung, deshalb darf es gerne eines mehr sein.
Es ist also nicht unbedingt immer das Verhältnis 1/3 bei U3 am besten. In großen Gruppen mit 10 oder mehr U3 Kindern ist es aber sicherlich so.

Christine Frels
3 Monate zuvor
Antwortet  TaMu

Das Verhältnis 1:3 in der Bertelsmann Studie beinhaltet Pausen, Urlaub, Krankheit, Verfügungszeiten (also Zeiten, in denen die Erzieher*innen Arbeiten OHNE Kinder erledigen) und Fortbildungen. Insofern ist die Schlüsselangabe verwirrend, denn damit ist nicht gemeint, dass immer eine Erzieherin auf drei Kinder aufpasst.
Man kann diese Schlüssel also gar nicht auf die höchstpersönliche Dienstleistung Kindertagespflege übertragen!
Ich bin selbst als Kindertagespflegeperson tätig und unser Schlüssel 1:5 kann tageweise immer noch viel besser sein, als der in der Kita.
Da ist nämlich in der Gruppe mit 12 Babys und Kleinkindern dann evtl. von den vier Kräften eine in Urlaub und eine krank!
Ist die Kindertagespflegeperson krank, gibt es hoffentlich eine Vertretung (bei uns z.B. den Stützpunkt) wo die Vertretung auch höchstens fünf Kinder betreut.
Also bitte den wirklichen guten Schlüssel bei der Kindertagespflege beibehalten!
Fünf Kinder sind wirklich eine schöne Gruppengröße, ich habe gerade fünf Zweijährige, die so toll zusammen sind!

Tigerente
3 Monate zuvor

Ich habe seinerzeit mit dem Kopf geschüttelt, als dieser Rechtsanspruch formuliert wurde.

Ich habe das Gefühl, die Politik beschließt gerne etwas und glaubt, damit ist es nun auch Realität. Fertig. Natürlich ist das dann aber nicht fertig, sondern ein Ziel. Es ist auch gut, ein Ziel festzulegen, aber so rechtsverbindlich wird alles nur noch teurer, denn nun zahlt der Staat nicht nur für den Bau neuer Kindergärten, er zahlt auch Entschädigungen dort, wo diese Kindergärten noch nicht da sind. Das wiederum behindert den Bau neuer Kindergärten und manchmal rechnet eine Kommune vielleicht, dass die Entschädigungssummen augenblicklich geringer sind als die Baukosten.

Man sollte nicht alles zu Rechtsansprüchen (oder gerne auch gleich zu einem Menschenrecht) erklären. Das entwertet die wirklich unabdingbaren Sachen. Ziele setzen kann man sich ja trotzdem, auch gerade politisch, und bei der Wahl muss man Rede und Antwort stehen. Es wäre ja gut, wenn immer am Ende einer Legislatur Politiker in einem offiziellen Gremium/Plenum Stellung nehmen müssen, was sie verwirklich haben und was nicht.

TaMu
3 Monate zuvor
Antwortet  Tigerente

Das sehe ich genauso. Ich finde es vollkommen irre, den Wunsch der Wirtschaft nach Arbeitnehmern und das Bedürfnis der Eltern nach wirtschaftlicher Sicherheit über das Sozialgesetzbuch abzuwickeln und es als Recht des Kindes auf Frühkindliche Förderung zu deklarieren, damit aber möglichst viel Betreuung zu meinen. Diese Quadratur des Kreises muss dann von überlasteten Betreuungseinrichtungen geleistet werden und die offensichtliche Gefahr der Einbußen beim Kindeswohl wird mit der Pflicht der Einrichtungen verschleiert, einen Präventionsmaßnahmen -Katalog auszuarbeiten.
Würde es um das Recht auf frühkindliche Förderung gehen und stünde kein Platz zur Verfügung, müsste man im Schadensersatzfall ermitteln, welchen Schaden das betroffene Kind erlitten hat. Geht es aber gar nicht um Kinder, sondern um Eltern und Arbeitgeber, ist der Schaden gut zu ermitteln in Form von entgangenem Einkommen und höheren Kosten des Betriebes für Ersatz.
Auch Steuerzahler müssten dagegen protestieren, für Schadensersatz aufkommen zu müssen, der keine rechtliche Grundlage hat. Das Kind hat den Rechtsanspruch, nicht Eltern und Arbeitgeber. Sobald es um Kinder und Soziales geht, wird gemauschelt, dass es nur so kracht. Und immer wird bei jeder Argumentation dagegen unterstellt, jemandem seien die Kinder egal.

mama51
3 Monate zuvor
Antwortet  Tigerente

Das ist, Tigerente, ein großartiger Beitrag. Leider haben die „Verantwortlichen“ nicht genug Weitsicht, um über den Tellerrand zu schauen. Aber diese Kurzsichtigkeit ist ja leider nichts Neues.
Ich war 2013 auch entsetzt, als dieser Rechtsanspruch beschlossen wurde. Und mit dem Rechtsanspruch für die Betreuung in der GS wird es sich dann genauso, wenn nicht noch schlimmer, entwickeln.

  • Man sollte nicht alles zu Rechtsansprüchen (oder gerne auch gleich zu einem Menschenrecht) erklären…

…sonst (Vorsicht: Ironie!) erwartet die Menschheit irgendwann den „Rechtsanspruch/Menschenrecht auf Gesundheit und ewiges Leben“…

Angelika Mauel
3 Monate zuvor

Wir könnten Eltern jetzt im Interesse ihrer Kinder und im eigenen Interesse nahelegen, sich vor der Anmeldung für eine frühe Langzeitbetreuung mit den Erfahrungen und auch den von Psychotherapeuten genannten Studien zu befassen. Obwohl natürlich auch die eigene Empathie dafür sprechen kann, das eigene Kind nicht ausgerechnet in einer Hochphase des Personalmangels schnellstmöglich in Krippe oder Kita anzumelden!

Bewährte Tagesmutter, die einen guten Ruf haben, sind leider ausgerechnet den Eltern mit Ambitionen auf eine Karriere nicht „sicher“ genug. Sie könnte ja krank sein und wohin dann mit dem Kind? Hinweise auf die Cortisoltagesprofile von Kleinkindern in Kitas, sollten wieder zum Thema werden. Ob der Cortisolspiegel noch stärker steigt, wenn der Krankenstand der „Bezugserzieherinnen“ es auch tut? Es gibt Videos, in denen Eva Rass auf wissenschaftliche Studien verweist. Nicht grundlos weist auch Stefanie Stahl auf irreversible Schäden hin, die Kindern drohen, wenn sie zu früh in die Kita gegeben werden.
https://www.stern.de/gesellschaft/stefanie-stahls-aussagen-im-faktencheck–schadet-die-kita-einem-kind–34225320.html

TaMu
3 Monate zuvor
Antwortet  Angelika Mauel

Bei mir sind gut eingewöhnte, zufriedene Kinder nach einem Jahr herausgenommen und in die Kita gebracht worden, weil sie dort an fünf Tagen pro Woche je 8 Stunden Betreuung bekommen haben. Bei mir sollten sie sich an vier Tagen mit maximal 7 Stunden an den Betreuungsalltag gewöhnen.
Bei mir durften sie ausgiebig schlafen, was sie in diesem Alter noch dringend brauchen. In den Kitas war das bereits für zweijährige Kinder nicht ausreichend möglich. Die Eltern erzählten mir oft, wie schade sie den Wechsel für ihre Kinder fanden, aber wegen ihrer Arbeit waren sie erleichtert.
Viele Kinder werden auch schon sehr früh bei der Tagesmutter abgemeldet, weil ein Kita-Platz frei geworden ist und die anschließenden Plätze ab 3 Jahren zunächst nur an die U3 Kinder aus derselben Einrichtung vergeben werden.

Angelika Mauel
3 Monate zuvor
Antwortet  TaMu

Liebe TaMu, falls Sie nicht selbst gern einen Artikel über die positiven Seiten der Tagespflege schreiben möchten, kann ich Sie auch gern interviewen. Bevor ich Erzieherin wurde, habe ich einen Monat Vertretung für eine Tagesmutter gemacht, die zur Kur gefahren war. Wenn maximal so viele Kinder da sind, wie man an einer Hand abzählen kann, bekommen die Kinder imsgesamt viel mehr Zuwendung, die sie auch besser annehmen können, als alles, was ihnen in einem Gewusel geboten wird.

Ich finde es unbegreiflich, dass so viele Eltern meinen, eine lange Ausbildung und Zertifikate würden für mehr Qualität in der Betreuung sorgen. Wer das Pech hat, keinen Platz in einer guten, kindgerechten Tagespflege zu finden, sollte auch die Do-it-yourself-Betreuung als Option in Betracht ziehen. Ansonsten reicht es in vielen Krippen- gruppen nur dazu, dass Kinder sich nach einer Phase des Sträubens an das anpassen, was von ihnen erwartet wird. Diese Gefahr ist in der Tagespflege wesentlich reduziert. Vor allem, weil Tageseltern selbst entscheiden können, welche Kinder ab welchem Alter aufgenommen werden. Sie können sogar – anders als Erzieherinnen und Kindheitspädagoginnen – einen Betreuungsvertrag kündigen, wenn sie finden, dass dieses Kind noch nicht reif für die Betreuung in einer Gruppe ist.

Dass den Fachkräften in Kitas nicht die Kompetenz zugestanden wird, Eltern einfach zu raten, dass sie ihr Kind bitte abmelden und gern später wieder betreuen lassen können, finde ich falsch. Früher konnten Kindergärtnerinnen bei älteren Kinder sagen, dass ein Kind noch nicht die nötige Reife für den Kindergarten hat – und diese Kinder kamen nahezu ausnahmeslos ein halbes oder ganzes Jahr später bestens mit ihrem Kindergartenbesuch klar.

Der grandiose Hype um die Partizipation der Kinder geht nicht so weit, dass ihre eindeutig gezeigte Körpersprache ernst genommen wird. Kleinkinder, die sich erkennbar immer wieder gegen ihren Krippen- oder Kitabesuch sträuben, verdienen Respekt. Doch anstatt ihre Lebensäußerungen ernst zu nehmen, lässt man sie so lange in Krippen und Kitas ausharren, bis sie sich anpassen. Dann sieht es auch so aus, als ob sie wirklich aus freien Stücken immer gern hingehen. Aber irgendwie ist es so ähnlich wie mit den arrangierten Ehen früher. Als Scheidung unmöglich war, mussten sich notgedrungen auch die vergewaltigten Frauen anpassen.

Überhaupt: Es werden meist in allen Institutionen zu viele Kinder im Schichtdienst betreut. Da bleibt es nicht aus, dass viele Fälle von Gewalt und Missbrauch unentdeckt bleiben.

Wenn der Staat außerstande ist, für die Jüngsten kindgerechte Betreuungsmöglichekeiten zu schaffen, sollte er wirklich besser Familien auf andere Weise unterstützen. U-3-Betreung hat sich nun wahrlich nicht so bewährt, dass man nicht mehr über Alternativen nachdenken dürfte.

TaMu
3 Monate zuvor
Antwortet  Angelika Mauel

Liebe Angelika Mauel, ganz herzlichen Dank für Ihre freundlichen Worte über selbstständige Tageseltern! Ich bin auch froh, dass Sie diese als Erzieherin nicht als Konkurrenz oder negativ wegen fehlender Erzieherausbildung sehen, sondern als lohnende weitere Möglichkeit der Kleinkindbetreuung. Wir haben den Slogan „Familiär gut betreut“, was ein ganz anderes Konzept ist. Im eigenen Wohnbereich den Kindern täglich ein zu Hause zu geben, ist tatsächlich sehr schön. Oft ist die eine oder andere Mutter oder ein Vater nach dem eigentlichen Abgeben noch auf einen Tee geblieben, während die Kinder schon längst spielten. In diesem Setting konnte fast alles in Ruhe und mit gegenseitiger Wertschätzung geklärt werden. Wir konnten über das Kind und die Familie sprechen. Wir haben aneinander Anteil genommen, also auch die Eltern an mir und meiner Familie.
Darüberhinaus war es meine Kindertagespflege und ich war die Chefin. Wenn es einem Kind wirklich nicht gut ging, hätte ich den Betreuungsvertrag kündigen können. Das war aber nie notwendig, weil die Verhältnisse mit den Eltern immer so gut waren, dass wir reden konnten und sich dabei immer heraus stellte, dass die Eltern wussten, dass ihr Kind noch nicht betreuungsbereit war. An dieser Stelle musste ich als Tagesmutter dann natürlich auf der Übernahme der Kosten durch die Eltern bestehen, was Bestandteil in meinem privaten Vertrag war. Ich war nie gezwungen, für mich nicht tragbare Zustände weiter zu führen und konnte jederzeit neu planen. Das habe ich natürlich immer konstruktiv getan. Mir hat es sehr gefallen, gleichzeitig Unternehmerin zu sein.
Mich hat es auch geschmerzt, dass der Konflikt, Kinder unter drei Jahren unbedingt abgeben zu müssen, um arbeiten gehen zu können, immer öfter und immer heftiger in meine Betreuung getragen worden ist. Meine Familien von 2013 bis ungefähr 2016 waren noch tief entspannt. Sie brachten zunächst einmal ihre gerade Einjährigen zu mir und suchten erst wenn das Kind sicher bei mir war, wieder den beruflichen Anschluss. Vorher galt „wenn er es heute nicht schafft, ruf an und ich hole ihn ab“. So konnten wir uns alle wunderbar herantasten. 2016 tauchte dann die erste Mutter auf, die im ersten Eingewöhnungsmonat verkündete, sie habe die ganze Woche wichtige Termine und an drei Tagen müsse das Kind bei mir sein, egal wie. Da konnte es bei mir noch nicht einmal schlafen. Sie meinte, ich solle es gegebenenfalls brüllen lassen. Das war dann eines der Betreuungsverhältnisse, die freundlich und bestimmt geklärt und in gegenseitigem Einvernehmen aufgegeben werden mussten. Ab diesem Erlebnis habe ich schon beim Erstgespräch darüber gesprochen, was Eltern in der Eingewöhnung erwarten können und was nicht. Das wurde dann jedes Jahr bedrückender. Viele Eltern wollten Sicherheiten schon vor der Eingewöhnung, dass es innerhalb von zwei Monaten klappen müsse. Das klappt häufig wirklich, aber nie bei den Kindern dieser Eltern. Ich habe auch nie Anmeldungen für ungeborene Kinder angenommen. Ich wollte Kinder immer sehen und sie zusammen mit ihren Eltern und den bereits anwesenden Tageskindern erleben, bevor ich Zusagen gegeben habe. Da kam aber schon viel Druck bei mir an am Telefon durch interessierte zukünftige Eltern und auch durch das Jugendamt. Dort wurde auch erwartet, dass ich gleich nach dem positiven Schwangerschaftstest das Kind auf die Warteliste setze. Ich habe aber immer auf meine Art meine Plätze belegen können.
Ja, die Eltern sind heute anders als noch vor 10 Jahren. Corona hat dem Ganzen die Krone aufgesetzt. Ich hatte damals zum Glück die weltbesten Kinder und Eltern in meiner Gruppe, aber um mich herum bei den Kolleginnen habe ich die Hölle miterlebt. Ich habe allen meinen Familien einen Extra – Betreuungstag geschenkt, weil sie so toll waren und mir nicht absichtlich Corona eingeschleppt haben und immer ruhig und besonnen geblieben waren. Aber seitdem habe ich generell das Gefühl, dass Eltern ihre Kinder gar nicht mehr zu Hause haben, sondern lieber arbeiten gehen wollen und sie von Kindern und ihren Bedürfnissen überfordert sind und Erziehungsspezialisten dafür brauchen.
Das war jetzt schon beinahe der Artikel oder das Buch, das Sie angesprochen hatten. Vielleicht schreibe ich tatsächlich mal eines. Danke für die Idee!

Lera
3 Monate zuvor

Hunderttausende Familienplätze fehlen – ausgerechnet bei den Kleinsten!

Riesenzwerg
3 Monate zuvor
Antwortet  Lera

Verdammt noch eins!

Die haben Eltern!

Die sollten eine Bindung zu ihrem Kind aufbauen – nicht zu ihrem Arbeitsplatz.

Angelika Mauel
3 Monate zuvor

Mittlerweile glaube ich, dass es eine Frage der Zeit ist, bis Kitafachkräfte Eltern nahelegen werden, angesichts des Fachkräftemangels und des seit Jahren hohen Krankenstandes in Kitas ihr Kind auf keinen Fall als Baby und möglichst auch nicht vor dem zweiten Lebensjahr in eine Krippe oder Kita zu bringen.

Es ist wirklich gut, dass mittlerweile fast in jedem Bundesland ein eigener Kitafachkräfteverband gegründet würde. Die Mitglieder kämpfen nicht wie die Gewerkschaften nur um Geld, Gesundheitsschutz und die Dauer der Tarifbindung. – Den in Verbänden organisierten Kitafachkräften geht es tatsächlich um das Wohl der Kinder! – Äußerungen, die als Verstoß gegen arbeitsrechtliche Verpflichtungen zur Verschwiegenheit gesehen werden könnten, können von Kitafachkräfteverbänden souverän, klar und leicht verständlich mitgeteilt werden.

Teacher Andi
3 Monate zuvor
Antwortet  Angelika Mauel

Kinder werden immer mehr als Ware, Betreuungsmodelll und sonstiges gesehen, nicht als Teil der Familie. Warum zum Teufel kann man nicht die ersten drei Jahre in der Famile verbleiben?

Angelika Mauel
3 Monate zuvor
Antwortet  Teacher Andi

Die ersten drei Jahre (oder zumindest zwei Jahre) zu Hause bleiben! – In meinem Bundesland scheinen die meisten Erzieherinnen immer noch dafür zu sein. Ich natürlich auch. Und die langen Öffnungszeiten finde ich auch für etliche ältere Kinder als überfordernd und unzumutbar.

Selbst wenn Eltern Zeit für ihr Kind haben könnten, erlebt man es immer wieder, dass sie – das Smartphone im Blick – Kindern signalisieren, dass sie lästig sind. In öffentlichen Verkehrsmitteln genossen Kleinkinder früher immer wieder die Aufmerksamkeit von Schülern oder auch anderen Fahrgästen. Und heute gibt es das Ding in der Hand und für den zu bildenden Nachwuchs Angebote wie „Babywatching“ in Kindergärten und Schulen. https://www.khbrisch.de/fortbildungen/base.html Soll ganz toll sein und der Förderung der Feinfühligkeit dienen. (Hat jemand Erfahrungen damit gemacht oder hat das eigene Kind schon im Stuhlkreis gesessen und am gemeinsamen „Babywarching“ teilgenommen?)

Clara
3 Monate zuvor
Antwortet  Teacher Andi

Weil das den Konsum- und Profitbedürfnissen diametral entgegensteht, sagt nur kaum jemand so deutlich.

Riesenzwerg
3 Monate zuvor
Antwortet  Teacher Andi

Sehe ich genauso.

Das ist ein tatsächlich sinnvoller Schritt.

Auch wenn unsere dolle Wirtschaft und die Politik mit ihren geldgierigen Lobbyistenkumpels das lange anders sehen und Mindestlöhne und Ausbeutung mit Druck und Zwang und der Drohung, den Arbeitsplatz zu verlieren fur den einzig richtigen Weg halten.

Der „Erfolg“ ist da – und keiner ist zufrieden.

Schlecht mit dem Nachwuchs, der ja so wertvoll sein soll (!) umzugehen, führt halt zu dem, was wir jetzt haben und erleben.

Ich habe fertig.

Christine Frels
3 Monate zuvor
Antwortet  Teacher Andi

Manche Menschen gehen auch sehr gern ihrer Arbeit nach und möchten darauf nicht verzichten! Und wenn ich meine süße Waschbärbande sehe (gerade fünf Kinder, alle zwei Jahre alt), dann weiß ich: im kleinen Rahmen brauchen Kinder andere Kinder und lieben ihre Peergroup.Diese soziale Miteinander, das lernen von Teilen und Abwechseln, das schon vorhandene Mitgefühl, wenn einer sich den Kopf stößt… Ich hab jeden Tag Gänsehautmomente mit diesen kleinen Menschen in ihrem Miteinander.
Ich sag immer: eine Mama mit einem Kind in der Wohnung alleine ist auch keine „artgerechte Haltung“….

Ich sage den Eltern genau das: Kinderbetreuung ist nicht schwarz – weiß, man kann gute Krippen finden oder schlechte Tagespflege (selten). Man kann sein Kind 45 Wochenstunden betreuen lassen oder nur 20…. Es gibt viele Graustufen und es ist nicht mit „selbst betreuen ist das Beste“ „45 Stunden große Krippe ist schlecht“ getan!

Dazwischen gibt es hundert verschiedene Betreuungsmodelle!

Z.B. eine liebevolle Kindertagespflege für 30 Stunden die Woche!

TaMu
3 Monate zuvor
Antwortet  Angelika Mauel

Ich hoffe für die Kitafachkräfte und die Verbände auf raschen Erfolg! Das ist wirklich notwendig.

Riesenzwerg
3 Monate zuvor

Die Wirtschaft schafft die Probleme, die Wirtschaft kriegt die Probleme.

Ausbaden müssen es – alle anderen.

Kein Wunder, dass unsere Gesellschaft den Bach runtergeht.

So wie Arbeitnehmer ihre Kinder behandeln müssen!

Wegorganisieren, um dem Mammon zu dienen. Dem Mammon anderer, versteht sich.

Teacher Andi
3 Monate zuvor

Man zeigt hier immer schreiende und weinende Kinder, wenn es um den Kitaplatzmangel geht. Ich denke, dass viele Kinder gar nicht so traurig sein würden, wenn sie zumindest in den ersten 3 Jahren in der Familie erzogen würden und vielleicht deshalb weinen, weil sie in dieser frühen Kindheit der Fremdbetreuung ausgesetzt werden. Das ist MEINE Meinung.

Angelika Mauel
3 Monate zuvor
Antwortet  Teacher Andi

Glückliche, keiner Trennung gegen ihren Willen ausgesetzte Babys und Kleinkinder duften!!! – Gestresste Kinder riechen ganz anders.
Oft riechen Erzieherinnen eher als die eigenen Eltern, wenn deren Kind etwas ausbrütet und wir staunen, dass Eltern ihre Kinder krank abgeben, wo wir es schon auf einen Meter Entferung wahrnehmen können, dass es eine Halsentzündung hat.

Riesenzwerg
3 Monate zuvor
Antwortet  Teacher Andi

Nö.

Das ist m e i n e Meinung 😉

Sehe ich ganz genauso.

Wir reden und hören immer von Beziehungsarbeit und wie wichtig die ist (was ich unterstütze).

Aber nur im Zusammenhang mit EuEs und Lehrkräften.

Sind nicht die Eltern die wichtigsten Menschen im Leben ihrer Kinder?!

Oder sollten es zumindest sein (können und dürfen)?

Rüdiger Vehrenkamp
3 Monate zuvor

Schön, dass BW bis 2026 den Anspruch auf Ganztagesplätze in der Grundschule schafft. Viele Grundschulen sind baulich überhaupt nicht auf Ganztagesbetrieb ausgelegt, vom fehlenden Personal mal ganz zu schweigen. Aber Hauptsache der Rechtsanspruch ist da. Man sieht hier an den Kitaplätzen, wie gut dieses Konzept funktioniert.

TaMu
3 Monate zuvor

Ja genau, das funktioniert in Baden Württemberg so wunderbar, dass im Gemeindeblatt nonstop die eierlegende Wollmilchsau gesucht wird, die täglich von 12 Uhr bis 15 Uhr für Hort, Essensausgabe und Hausaufgabenbetreuung gesucht wird und die nicht zu viel kosten darf, also eher für ein Taschengeld und natürlich für immer leuchtende Kinderaugen. In allen Kommunen wird massenhaft nach ihr Ausschau gehalten.
Das Jugendamt zahlt übrigens für Kinder über drei Jahren schlappe 5.50 Euro Zuschuss pro Stunde und Kind an Tagesmütter, die Schulkinder auf selbstständiger Basis betreuen würden.
Natürlich reißt sich niemand darum.
Was ganz bestimmt funktionieren wird, ist die kommende Klagewelle. Das Geld für Schadensersatz fehlt dann überall sonst.

Marion
3 Monate zuvor

Warum gibt es für Kinder keinen Rechtsanspruch auf Betreuung durch Mutter oder Vater zumindest in den ersten drei Lebensjahren?
Warum sind Eltern aus finanziellen Gründen darauf angewiesen, ihr Kind oft schon mit einem Jahr in die Krippe zu geben?
Warum wird familiäre Erziehungsarbeit soviel geringer geschätzt, als Erwerbsarbeit und die Betreuung in Kitas?
Warum werden Eltern, die diese überaus wertvolle Arbeit leisten, von der die ganze Gesellschaft profitiert, bei der Rente nicht stärker berücksichtigt?
Warum werden sie belächelt?
Warum wird immerwieder behauptet, diese Menschen würden ja nicht arbeiten? Jeden Morgen aufzustehen, das Frühstück für die Familie herzurichten, dafür zu sorgen, dass alle es rechtzeitig mit gut gefüllten Brotboxen zur Schule schaffen, kochen, putzen, waschen, sich um den Garten kümmern, dafür sorgen, daß der soziale Kitt nicht bröckelt, indem man immer rechtzeitig an sämtliche Geburtstage denkt, Geschenke besorgt, mit den Kindern Einladungen bastelt, bei den Hausaufgaben helfen, sich um die Jüngsten kümmern, sie trösten, wickeln, in den Schlaf wiegen, ihnen Werte vermitteln, damit sie zu verantwortungsbewußten Mitgliedern dieser Gesellschaft heranwachsen, sie zu Sport- Musik- oder sonstigen Kursen und Veranstaltungen fahren, ihnen zuhören und sie bei der Bewältigung von Problemen und Konflikten unterstützen usw. usf.
Alles keine Arbeit? Alles ein minderwertiger, langweiliger Depperlesjob? Alles Faulenzer, die zu Hause rumsitzen und Däumchen drehen?
Warum wird Familien nicht das Recht zugestanden, all dies leisten zu können, ohne gleichzeitig durch die Dreifachbelastung Beruf, Kinder und Haushalt mit spätestens Mitte vierzig reif für die Insel zu sein?
Warum haben Kinder kein Recht auf Eltern, die ausreichend Zeit und Nerven haben, sich um all die genannten Aufgaben zu kümnern, ohne deshalb von Armut bedroht zu sein?
Warum kein Recht auf ECHTE Wahlfreiheit?
Jeder sollte frei von finanziellem Druck, darüber entscheiden können, ob er zugunsten des Berufes auf das Angebot öffentlicher Betreuungsplätze zurückgreifen möchte, oder ob er zugunsten der Kinder für einige Jahre sein berufliches Fortkommen hintanstellt.
Das würde zu einer deutlichen Entlastung des maroden Systems führen und Kapazitäten frei machen, für diejenigen, die dieses Angebot aus freien Stücken nutzen wollen und für die, die aus anderen Gründen darauf angewiesen sind, sei es weil sie Unterstützung bei der Erziehung brauchen oder die Kinder auf zusätzliche Förderung angewiesen sind.
Es muss auch endlich gesellschaftlich breiter bekannt gemacht werden, dass Kinder eben nicht uneingeschränkt von möglichst frühzeitiger institutioneller Betreuung profitieren. Es ist in den Köpfen der Eltern inzwischen so fest verankert, daß Kita es besser kann als sie selbst, dass viele es gar nicht mehr in Erwägung ziehen, es ohne Krippe zu versuchen.
Dieser stetig wachsende Trend hin zum Abgeben eigener Erziehungsverantwortung an öffentliche Einrichtungen, führt in meinen Augen verstärkt dazu, dass Eltern mehr und mehr ihren natürlichen Instinkt dafür verlieren, was gut für ihre Kinder ist und was nicht. Wohlgemerkt: Das gilt selbstverständlich nicht für alle Eltern. Aber die Tendenz eines zunehmenden Mangels an Erziehungskompetenz ist da und die nimmt nicht ab, wenn wir Eltern nicht ermöglichen ihrer Verantwortung gegenüber ihren Kindern wieder besser gerecht werden zu können.
Also: Weg mit dem Recht auf einen Krippenplatz für Babies und her mit dem Recht des Kindes auf elterlich Fürsorge, solange es darauf angewiesen ist.

Riesenzwerg
3 Monate zuvor
Antwortet  Marion

Das ist sooo richtig und spricht mir aus der Seele – vielen Dank 🙂

Annika
3 Monate zuvor
Antwortet  Marion

Liebe Marion,

solange es empatische und vernunftbegabte Menschen wie Sie gibt, gebe ich die Hoffnung nicht auf, dass es irgendwann gesellschaftlich wieder Berg auf gehen kann. DANKE!

Hans Malz
3 Monate zuvor

Gefahr für die Wirtschaft – wenn ich das schon lese. Eine Gefahr vor allem für die Kinder(!) und die verbliebenen Erzieher in den Einrichtungen. Für die Eltern vielleicht auch noch.
Konsequenzen? – Ein Mix aus Maßnahmen, der irgendwann mal greift. Na toll.
Vielleicht sollte man sich mal ehrlich machen und solche Gesetze aus dem Wolkenkuckucksheim einfach mal zurücknehmen, weil es nicht geht.
Aber das wäre ja noch mehr eine Gefahr für die Wirtschaft…

Riesenzwerg
3 Monate zuvor
Antwortet  Hans Malz

Die Wirtschaft hat sich diese Gefahr selbst geschafft.

Fängt an beim Mindestlohn, den auch nicht jeder zahlt.

Bei drei Jobs, damit die Miete bezahlt werden kann – oder gehören geldgierige Immobilienhalsabschneider nicht zur Wirtschaft?

Und die drollige Politik mit ihren Lobbyisten und sonderbaren Verwicklungen in Audsichtsräten, die eigentlich ihrem Job als Politiker entgegenstehen sollten….

Raffzähne – gierige – alle miteinander.

Walter
3 Monate zuvor
Antwortet  Hans Malz

Gesetzlich gesicherter Rechtsanspruch, aber bevor der Platz in einer Kita eingeklagt werden kann, müssen die Erziehungsberechtigten das zuständige Jugendamt informieren. Sollte das Jugendamt keinen Betreuungsplatz zur Verfügung gestellt haben, können die Erziehungsberechtigten beim zuständigen Verwaltungsgericht einen Kita-Platz einklagen.

MB aus NRW
3 Monate zuvor

Der Platz alleine hilft auch nicht viel, „unsere“ Kita ist mal wieder in Notbetreuung und der Sohnemann seit Mitte letzter Woche komplett zu Hause…

Alter Pauker
3 Monate zuvor

Kretschmann: Problem für die Wirtschaft.

Genau das ist das Problem! Kinderwegbetreuung hat rein gar nichts mit Kindeswohl zu tun. Es geht nur noch um das „weg“ !!!!

Riesenzwerg
3 Monate zuvor
Antwortet  Alter Pauker

Kriegste ja auch bei uns zu hören, wenn Elternabend, abendliche Elterngespräche anstehen: „Organisier deine Kinder weg.“

Oder einfacher – Schrank auf, Kind rein, Schrank zu.

Unfassbar – wie wir mit unserer Zukunft umgehen müssen!

schöne neue Welt
3 Monate zuvor

Schreckliche Entwicklung. Und aus Mangel an Einrichtungen eröffnen immer mehr Waldkindergärten. Da wird dann ein alter Bauwagen am Waldrand abgestellt und den Eltern als das Beste fürs Kind verkauft. Derzeit ist es in der Früh nass, kalt und dunkel. Sogar der Hund ist nach der Runde froh, wenn er wieder rein kann. Trotzdem setzt man bereits morgens um 8 etwa Zweijährige, noch mit Nuckel im Mund so dick eingepackt, dass sie sich kaum bewegen können am Waldrand auf Fellen aus. Als ich das erste mal dort vorbeikam, hatte ich eher das Bild einer sehr armen Familie aus dem Mittelalter im Kopf.

TaMu
3 Monate zuvor

Danke, das ist so traurig und trotzdem musste ich bei ihrer Beschreibung lachen, so grotesk ist das! Auf Fellen ausgesetzt und Mittelalter, man kann es kaum glauben.
Immer die heilige, frische Luft!
Bei mir war einmal ein zweijähriges ehemaliges Tageskind direkt nach einem stundenlangen Vormittag an der frischen Luft zu Besuch. Es brauchte eine frische Windel, das konnte man beim Umarmen schon riechen. Ich fragte, ob es gerne mal wieder von mir gewickelt werden wollte und es nickte und lächelte. Bis ich es aus dem Schneeanzug und der Kleidung darunter gepellt hatte und die Windel öffnete, war der Inhalt bereits Stunden alt (das geübte Tagesmutterauge kennt da forensische Unterschiede) und die zarte Haut war tief rot und bildete Blasen. Diese öffneten sich trotz extrem vorsichtiger Reinigung mit lediglich Auflegen von weichen Einmalwaschlappen mit lauwarmem Wasser, um den bereits fest werdenden Schmutz zu entfernen. Ich habe das Kind dann einfach abgeduscht. Es handelte sich um ein extrem tapferes Kind, dem die Tränen still und unter Seufzern herunter liefen, während es ganz ruhig alles machen ließ. Mir wurden ebenfalls die Augen feucht und die Mutter stand entsetzt daneben. Sie sagte, das sei nicht das erste Mal, die Betreuung könne draußen nicht wickeln und es sei Pech, wenn direkt am Morgen etwas in die Windel ginge.
Zum Glück hatte ich alles da, um das arme Kind gut zu versorgen. Es hat dann doch gespielt und gegessen.
Ich habe seitdem immer nach der hygienischen Versorgung gefragt, wenn jemand sein Kind in einer Freiluft- Betreuung anmelden wollte. Schließlich bekommt man an der frischen Luft und durch die dicken Schneeanzüge gar nichts von den Windeln mit.
Auch das hat etwas mit Kindswohl zu tun.

Ingo Walter Völzke
3 Monate zuvor

Wenn von etwas zu wenig da ist, dann konzentriert man das Angebot.
Das Krippen-Angebot ab 1 Jahr ist eh fragwürdig, da die Hirnentwicklungs-Psychologie deutlich sagt, Kleinkinder brauchen bis zum 2,5 ten Lebensjahr den sicheren Kontakt zur Mutter. Jede andere Situation setzt Stresshormone beim Kleinkind frei, dass die Hirnentwicklung beeinträchtigt. Wir fragen uns, warum Ende der Grundschulzeit selbst Kinder aus eigentlich bildungsorientierten Elternhäusern, Defizite in den Lernergebnissen aufzeigen > Folgen von: zu früh in die Krippe, Folgen von zu wenig Elternpräsents während des täglichen Lebens. Kinder lernen besonders motiviert, weil sie es ihren Eltern recht machen wollen, sie nicht enttäuschen wollen. Das ist der große Motor. Aber Eltern sind heute ja kaum da, es wirkt also nicht. Kinder lernen bei uns in emotionaler Armut. Das ist das ganze Problem, bei Eltern die sozialpsychologisch es nicht können (und auch keine Verpflichtung empfinden) und Eltern die in voller Berufstätigkeit aufgehen und wenig Kontakt zu ihren Kindern haben.
Also, Krippen auflösen, Personal in die Kitas, Zugewanderte müssen anfangs ihre Kinder selbst organisiert in Gruppen betreuen (bes. Ukrainer), erst ein Jahr vor der Schule in allgemeine Kitas. Kitas in denen Kinder mit Deutsch als Muttersprache die große Mehrheit bilden. Sonst bringt das ganze System sowieso nichts. Also wohlüberlegt das Kita-Angebot konzentrieren!!!

Christine Frels
3 Monate zuvor

Kein Wissenschaftler sagt, dass ein Kleinkind 2,5 Jahre die Mutter braucht!

Babys und Kleinkindern brauchen verlässliche, zugewandte BINDUNGSPERSONEN!

Das kann außer der Mutter auch der Vater, die Oma, die Tagespflegeperson oder eine konstant anwesende Erzieherin sein!

Und genau da liegt das Problem der Krippen und Kitas: Erzieher*innen sind angestellt mit Anspruch auf Urlaub und Pause und krank werden sie auch. Und dann werden diese Babys und Kleinkinder trotzdem in die Krippe / die Kita gebracht und haben keine Bindungsperson da!

Das ist bei Papa, Oma und Tagesmutter anders.

Marion
3 Monate zuvor
Antwortet  Christine Frels

So sehe ich das auch.
Eine Form der Tagesbetreuung, wie TaMu sie weiter oben beschreibt, halte ich für völlig unbedenklich. Eine echte Alternative für Eltern von U3-Kindern, die ihre berufliche Erwerbstätigkeit nicht einschränken können oder wollen.
Ich fände halt wichtig, daß Eltern überhaupt eine Wahlfreiheit haben. Die ist momentan nicht gegeben. Zuviele sind auf zwei Gehälter angewiesen, um über die Runden zu kommen, obwohl sie ihr Kind eigentlich lieber noch länger zu Hause betreuen würden.
Zu ihrem Post weiter oben:
Auch da stimme ich grundsätzlich zu. Was die Peergroup für Kinder unter drei betrifft, da können Kontakte aber durchaus auch im privaten Umfeld oder in Eltern-Kind-Gruppen organisiert werden.
Da ist nicht unbedingt eine öffentliche Betreuungsinstitution dafür nötig. Da ist halt auch ein wenig Eigeninitiative gefragt.
Mittlerweile gibt es da in unserer durch und durch vernetzten Gesellschaft genug Angebote und Möglichkeiten.