Philologen: Wozu braucht es einen Modellversuch für Schulverwaltungskräfte?

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KIEL. Der Philologenverband wundert sich über ein Projekt von Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien (CDU). Die lässt in einem Modellversuch ermitteln, ob Schulen Schulverwaltungskräfte gebrauchen können – drei Jahre lang. 

Wo ist das Haar in der Suppe? (Symbolfoto) Foto: Shutterstock

Im Oktober 2022 ließ Ministerin Prien in einer Pressemitteilung ankündigen, es werde ein Modellvorhaben mit Schulverwaltungskräften getestet. Die Schulleitungen sollten möglichst von administrativen Aufgaben entlastet werden. Mittlerweilen ist dieses Modellvorhaben angelaufen. An den knapp 800 Schulen Schleswig-Holsteins wurden dafür laut Philologenverband ganze fünf Schulverwaltungskräfte eingestellt. Nun wird drei Jahre lang erprobt, ob sich dieses Modell zur Entlastung bewährt.

Die Vorsitzende des schleswig-holsteinischen Philologenverbandes, Barbara Langlet-Ruck, kritisiert diese Vorgehensweise: „Wir müssen schon sehr lange nicht mehr darüber diskutieren, ob ein Bedarf zusätzlichen Verwaltungspersonals an den Schulen Schleswig-Holsteins besteht, so Langlet-Ruck. In den letzten Jahren sei an den Schulen, wie in anderen Bereichen auch, der Anteil administrativer Aufgaben enorm gestiegen. Zusätzlich wurde die Übertragung pädagogischer und erzieherischer Zuständigkeit auf die Schulen verstärkt.

Der Philologenverband wiederholt daher seine Forderung, ab sofort Schulverwaltungskräfte an jeder Schule einzustellen. „Hier besteht ein dringender Nachholbedarf. Zeitverzögerungen durch mehrjährige Erprobungsphasen können wir uns nicht leisten“, so Langlet-Ruck. Vielmehr gilt es nun, parallel zur Zusammenarbeit mit Schulverwaltungskräften bewährte Prinzipien aus der Welt der Arbeitsorganisation anzuwenden: Learning by Doing, Nachjustierung im laufenden Prozess sowie Austausch von Best-Practice Erfahrungen. „Schulleitungen können das!“, betont die PhV-Vorsitzende.

„Nicht nur Schulleitungen, sondern auch Lehrkräfte müssen durch die Zuarbeit von Schulverwaltungskräften entlastet werden“, fordert Langlet-Ruck. Bereits vor zwei Jahren habe der Phv-SH dem Ministerium eine Liste unterrichtsferner Aufgaben vorgelegt, die von den Lehrkräften des Landes zusätzlich zu leisten sind. „Gymnasiale Lehrkräfte sollen sich vor allem auf den Fachunterricht konzentrieren können.“

Schleswig-Holstein stehe bundesweit in Konkurrenz um Lehrkräfte. Mit einem vergleichsweise hohen Stundendeputat habe das Land dabei bereits einen schweren Stand. Wenigstens mit dem konsequenten und flächendeckenden Abbau von Aufgaben, die mit der Profession einer Lehrkraft in keinem Zusammenhang stehen, solle Schleswig-Holstein versuchen, bundesweit zu punkten. Langlet-Ruck: „Auch in der Schule gilt die Maxime unseres Ministerpräsidenten (Daniel Günther, CDU, d. Red.): Nicht schnacken – anpacken!“ News4teachers

Begleitstudie zu Modellversuch bestätigt: Schulschwestern sind eine enorme Entlastung für Lehrer – wann gibt’s die endlich an jeder Schule?

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14 Kommentare
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Canishine
1 Monat zuvor

Wenn die fünf Verwaltungskräfte für 800 Schulen zuständig sind, dann wird man nach drei Jahren feststellen, dass es keine spürbare Entlastung gab und dass die enormen Mehrkosten, wenn man sie auf fünf Kräfte pro Schule hochrechnet, den Ertrag nicht rechtfertigen.
😉
(Abgesehen davon, dass die fünf Kräfte nach drei Wochen womöglich davonlaufen …)

Lessi
1 Monat zuvor
Antwortet  Canishine

Sie werden davonlaufen. 😉

Charlotte
1 Monat zuvor
Antwortet  Canishine

Da kann ich mich nur anschließen. Das wäre nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Der Grundgedanke dabei ist aber richtig, nur die Umsetzung ist ein Witz. Interessant ist aber, dass das Bildungsministerium sich hierfür verantwortlich sieht. Im Lande Brandenburg sieht das anders aus. Da wird diese „Zuständigkeit“ an die Kommunen abgeschoben.

R.Wadel
1 Monat zuvor

Es ist ein Aprilscherz im Januar.

mama51
1 Monat zuvor
Antwortet  R.Wadel

…aber ein gaaaanz schlechter 🙁

Einer
1 Monat zuvor

Wenn es meine Aufgabe wäre als Abteilungsleiter oder Sekretär eine solches Projekt öffentlich bekannt zu geben, würde ich aus Scham den Dienst verweigern. Mit so einen Scheiß ich nicht in Verbindung gebracht werden wollen. Ich hätte auch die Arbeitsgruppe vorher verlassen.

Jedem, wirklich JEDEM, Menschen ist doch klar das 800 Schulen nicht durch fünf Vollzeitkräfte entlastet werden können. Das ganze wird dann noch ausgewertet. Wahrscheinlich sind die fünf Arbeitskräfte nur damit beschäftigt zu dokumentieren welchen Schulleiter sie gerade unterstützen sollten. Welche hochbezahlte Arbeitsgruppe kommt den auf so eine Idee? Können die Sitzungsprotokolle dieser Arbeitsgruppe eingesehen oder veröffentlicht werden? Es kann doch nicht sein, dass normal denkende Menschen, womöglich noch Menschen mit einem akademischen Abschluss, sich so etwas ausdenken und dafür dann noch gelobt oder sogar bezahlt werden.

JoS
1 Monat zuvor
Antwortet  Einer

Es wundert mich ehrlich gesagt, dass sich für dieses wahnwitzige Unterfangen tatsächlich 5 Du… ich meine natürlich Freiwillige gefunden haben. Ich bin gespannt, wie lange sie durchhalten.

Konfutse
1 Monat zuvor

Ich glaube, da muss ein Irrtum vorliegen. Wahrscheinlich wollte Frau Prien für die 800 Schulen je 5 Verwaltungsfachkräfte einsetzen!

JoS
1 Monat zuvor
Antwortet  Konfutse

Bei der Kompetenz, die Frau Prien in der Vergangenheit unter Beweis gestellt hat, ist das eine sehr wohlwollende Betrachtung

Einer
1 Monat zuvor
Antwortet  Konfutse

Woher bekommt sie denn in absehbarer Zeit 4.000 Verwaltungsfachkräfte? Diese Vorstellung ist genauso absurd.

dickebank
1 Monat zuvor
Antwortet  Einer

Durch Bürokratieabbau …

Mo3
1 Monat zuvor
Antwortet  dickebank

Der ist gut!

anka
1 Monat zuvor

„Und wenn Du nicht mehr weiterweißt, gründ`st Du einen Arbeitskreis“.
Danach kann man die Idee beerdigen, weil sie in der Praxis nicht funktioniert hat (bei den beschriebenen Voraussetzungen anzunehmen).
Schon wieder: Geld gespart, Beförderung gesichert.

Mondmatt
1 Monat zuvor

Ist wie bei den dem Lied „Thank you for travelling with Deutsche Bahn“ der Wise Guys.

Wir haben ne Theorie, doch noch fehlt uns der Beweis, im Winter wird es kalt und im Sommer wird es heiß,