Umfrage: Lehrkräfte wünschen sich kostenfreie Zugänge zu KI-Anwendungen

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DÜSSELDORF. Die Skepsis unter Lehrkräften gegenüber generativen KI-Systemen wie ChatGPT scheint zu sinken. Darauf weist eine Online-Befragung unter Mitgliedern des nordrhein-westfälischen Philologenverbandes (PhV NRW) hin. „Unsere Umfrage zeigt, dass viele Kolleginnen und Kollegen neuen Technologien aufgeschlossen gegenüberstehen“, sagt Sabine Mistler, Landesvorsitzende des PhV NRW. Das gilt vor allem für die jüngeren Kolleginnen und Kollegen, wird aber auch in einem weiteren Ergebnis deutlich: Der Großteil der befragten Lehrer*innen wünscht sich, dass die Landesregierung Lehrkräften die Nutzung von KI-Systemen ermöglicht.

Vor allem unter den jüngeren Lehrkräften hat der Anteil derjenigen stark zugenommen, die KI-ysteme im Zuge ihrer Arbeit nutzen. Foto: Shutterstock/Mizkit

Erst vor rund zwei Wochen verwies die Ständige Wissenschaftliche Kommission der Kultusministerkonferenz (SWK) in einem Impulspapier auf das große Potenzial, das KI-Anwendungen wie ChatGPT für das Lernen und die Unterrichtsvorbereitung bieten könnten (News4teachers berichtete). Nun lassen die Ergebnisse der Mitglieder-Befragung des PhV NRW vermuten, dass Lehrkräfte weiterführender Schulen zunehmend bereit sind, die Vorteile der neuen Technologie zu entdecken. 48 Prozent der 853 Lehrkräfte, die an der Umfrage teilnahmen, gaben dieser zufolge an, KI-Systeme im Arbeitsalltag zu verwenden. Zum Vergleich: Im vorherigen Jahr antworteten in einer entsprechenden PhV-Umfrage lediglich 22 Prozent von 755 befragten Lehrkräfte, solche Anwendungen regelmäßig für ihren Unterricht zu nutzen.

Akzeptanz besonders bei jüngeren Lehrkräften ausgeprägt

Vor allem unter den jüngeren Lehrerinnen und Lehrern scheint die Bereitschaft größer, KI-Systeme einzusetzen. Während in der Gruppe der bis 35-Jährigen 66 Prozent angaben, solche Tools für ihre Tätigkeit als Lehrkraft zu verwenden, nutzen in der Altersklasse ab 55 Jahren nur noch 28 Prozent KI-Anwendungen. Unter den bis 45-Jährigen sind es noch 51 Prozent und 48 Prozent bei den bis 55-Jährigen.

Dabei setzen die Lehrkräfte vor allem für Textarbeit, Texterstellung oder Textvergleiche auf KI-Systeme: Häufig erstellen sie mit ihnen Aufgaben für Unterricht und Klausuren, aber auch sogenannte Erwartungshorizonte. Zudem kommt KI zur Bild- und/oder Videoproduktion zum Einsatz, ebenso für die Korrespondenz beispielsweise mit Eltern. Fast die Hälfte der Befragten vermittelt ihren Schülerinnen und Schülern den Umgang mit KI in ihrem Fachunterricht.

Häufiger Mehrbelastung statt Entlastung

Allerdings: Nicht einmal jede zehnte Lehrkraft (9 Prozent) empfindet die Nutzung von Künstlicher Intelligenz als Entlastung, etwas mehr als jede Vierte fühlt sich immerhin „eher entlastet“ (28 Prozent). Die Mehrheit hält ChatGPT & Co. jedoch eher für eine Mehrbelastung (45 Prozent) oder klar für eine Mehrbelastung (18 Prozent). Diese Ergebnisse unterstützen die SWK-Einschätzung, dass KI-Anwendungen nur unter bestimmten Bedingungen positiv zum Lehr-Lern-Prozess beitragen, wie etwa, wenn „Lehrkräfte für den Einsatz der Tools qualifiziert sind“. Dazu passt, dass vielen Befragten laut Verband in ihrem Berufsalltag Zeit und Freiheit fehlten, um neue Technologien ergebnisoffen auszuprobieren, sowie themenbezogene Fortbildungen. Zudem vermissen die Pädagoginnen und Pädagogen in NRW Vorgaben zur rechtskonformen Nutzung, konkrete Anwendungen für den eigenen Unterricht und Hilfe beim Erkennen von KI generierten (Schüler-)Texten.

Trotz der bestehenden Unterstützungsbedarfe lehnen die befragten Lehrkräfte KI-Tools nicht grundsätzlich ab. Im Gegenteil: 81 Prozent wünschen sich, dass die Landesregierung Lehrkräften die Nutzung von KI-Systemen ermöglicht. Vor allem kostenfreie Zugänge zu den Anwendungen über landeseigene Lizenzen, wie sie beispielsweise Mecklenburg-Vorpommern für seine Lehrerinnen und Lehrer bereitstellt, scheinen eine ersehnte Variante zu sein. PhV-Landesvorsitzende Mistler erklärt dazu: „Die Ständige Wissenschaftliche Kommission der Kultusministerkonferenz empfiehlt in ihrem jüngsten Impulspapier die systematische Erprobung von KI in Schule und Unterricht. Kostenfreie Zugänge für Schülerinnen und Schüler sowie für Lehrkräfte sind dafür eine wichtige Voraussetzung.“ News4teachers

Eckpunkte zur Umfrage
In der Zeit vom 5. bis 21. Januar 2024 führte der Philologenverband NRW eine Online-Befragung unter seinen Mitgliedern durch, an der sich 853 Personen beteiligten. Von ihnen gaben 87 Prozent an, am Gymnasium tätig zu sein, 11 Prozent an einer Gesamtschule zu arbeiten und jeweils ein Prozent an Weiterbildungskollegs beziehungsweise an anderen Schulformen zu unterrichten. 18 Prozent der Teilnehmenden waren jünger als 35 Jahre, 36 Prozent jünger als 45 und 33 Prozent jünger als 55 Jahre. 14 Prozent gehören zur Gruppe der über 55-Jährigen.

Hier finden Sie die Ergebnisse in der Übersicht.

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8 Kommentare
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Der Zauberlehrling
1 Monat zuvor

Mein Heizungsmonteur hat mir das mal so erklärt:

Das ist mein Heizungsmonteurkoffer. Den habe ich bezahlt, das Werkzeug gehört mir und ist immer sehr gut in Schuss. Da hat der Chef und auch sonst niemand seine Finger drin.

Ja, das war sofort nachvollziehbar. Mein PC daheim ist auch wesentlich besser nutzbar als die Win10-Klapperkisten am Arbeitsplatz wo der Systemstart mal 10 Minuten braucht.

Wenn ich etwas nutzen soll, dann soll der sachliche Kostenträger dafür latzen. Da kann ich meinem Heizungsmonteur nicht folgen.

Und was wird gekauft? Dreck.

Nicht zentral zu wartende digitale Tafeln mit einem abgespeckten Android 8 auf denen ChatGPT schon beim Aufrufen der Seite konstatiert: Browser too old.

Für die Vorbereitung des Unterrichts nutze ich keine LLM. Bringt mir nichts. Vielleicht für Deutschlehrer oder affine Fächer.

Baden-Württemberg kauft kein fertiges System sondern arbeitet an einer eigenen Zugangslösung. Bis die am Mann ist, ist Scholz nicht mehr Kanzler. Obwohl, das kann sehr schnell gehen. Schlechter Vergleich.

Hans Malz
1 Monat zuvor

Kein Bundesland kauft ein fertiges System, sondern entwickelt ein besseres System, als die anderen Bundesländer. So läuft es doch immer. Dann kommt die Einführung Jahre später und die Lösung wäre dann in den 90ern gut gewesen (LogineoNRW). Aber auf uns hört ja keiner, wir haben nicht den Überblick über das „große Ganze“.

Finagle
27 Tage zuvor
Antwortet  Hans Malz

Woher auch… ohne eine zertfizierte Fortbildung lernen doch Lehrer selbständig nichts dazu – ist dich amtlich.

Einer
26 Tage zuvor
Antwortet  Finagle

Fortbildungen? Sucht mal im Netz nach den Fortbildungsbudgets der Länder.
NRW: 45 Euro pro Kalenderjahr pro Vollzeitstelle
RLP: 230 Euro pro Schule + 6,5 Euro pro Lehrer pro Kalenderjahr
in den anderen Ländern kein festes Budget sondern nur auf Antrag.

Was für „Fortbildungen“ soll man denn besuchen die wirklich etwas fortbilden? Ich war schon auf genug Fortbildungen und eins habe ich gelernt: Immer wenn die Fortbildung von einem Lehrer gehalten wurde, hätte ich sie mir auch schenken können. Dann war sie absolut wertlos!

Rainer Zufall
26 Tage zuvor

Wenn wir bei Vergleichen sind… will Ihr Heizungsmonteur für einen Forumsbeitrag zum Thema KI-Anwendungen herangezogen werden?

Rainer Zufall
26 Tage zuvor

Es wäre so cool, wenn ich kostenlos das geistige Eigentum anderer klauen dürfte. Natürlich wäre das der Verlage bestimmt nicht in den Trainingsdaten der KI enthalten 😉

Hysterican
23 Tage zuvor

Die Skepsis unter Lehrkräften gegenüber generativen KI-Systemen wie ChatGPT scheint zu sinken. Darauf weist eine Online-Befragung unter Mitgliedern des nordrhein-westfälischen Philologenverbandes (PhV NRW) hin.“

Ich würde sagen: falsch!!

Die Skepsis bei den LuL ist weiterhin extrem hoch … sie gaben aber verstanden, dass sie sich dem Anwendzngsdruck nicht entziehen können, weil die politischen Entscheider und die Universitäten Bildungsberater gemeinsam den Plan verfolgen, diese KI-Systeme mit aller Gewalt in die Schulen zu zwingen.

Die Variante, Anstrengungen gegen diese KI-Systeme zu unternehmen, wurden nach kurzer Beratung und mit dem Hinweis, dass wir ansonsten vom „internationalen Standard“ agehängt werden könnten, gleich verworfen.

Daher haben LuL, die es seit Jahrzehnten gewohnt sind, dass über ihre Köpfe hinweg auch blödsinnige Erlasse und Entscheidungwn durchgesetzt werden, innerlich beschlossen, sich nicht weiter kräftetehrend dagegen zur Wehr zu setzen.

Das ist ein bisschen wie in der DDR in den Jahren nach dem Mauerbau, als die Bürgerinnen und Bürger begriffen haben, dass sie aus diesem System nicht herauskommen: sie haben sich darin eingerichtet und – wenn auch zähneknirschend – hingenommen, ihr Leben, ihre Arbeit, ihre Entscheidungen den vorgegebenen Richtungen anzupassen.

Kaum jemand käme da auf die Idee, dass die DDR-Bevölkerung nun plötzlich linientreu und staatsbegeistert war.

Nolens volens müssen wir uns mit diesem Scheiß im Rahmen von Schule befassen – eine positive Hinwendung kann ich beim besten Willen nicht erkennen – egal, was diese seltsamen Studien auch immer herausfinden mögen.
Sie dienen meiner Einschätzung nach lediglich der Manipulation der KuK, die immer noch an ihrer berechtigten Kritik und den Zweifeln an der Sinnhaftigkeit festhalten. Denen kann man dann nämlich sehr schön erzählen, dass sie weiterhin rückwärtsgewandt und technologiefeindlich seien und sie damit auch zum inneren Einlenken in dieser Frage nötigen – den gestellten äußeren Anforderungen können wir uns eh nicht widersetzen.

Hysterican
22 Tage zuvor
Antwortet  Hysterican

Im Übrigen bin ich der Meinung (ich halte es hier mal mit Cato dem Älteren), dass wir auf keinen Fall diese kostenlosen Zugänge bekommen werden.
Wir hatte vor einiger Zeit eine Fortbildung – per Videokonferenz – zum Thema KI und Chat-GPT bei einer Fachfrau aus der Nähe von Freiburg.
Deren Einschätzung war, dass die Gratisversion 3.5. von AI schon ganz „nett“ sei aber wirklich ernsthaft arbeiten könne man nur mit der Bezahlversion 4.0, die dann auch die unterrichtsrelevanten Tools anbieten würde.

Wir haben da mit den KuK des benachbarten Gymnasiums in deren Aula gesessen – zusammen fast 180 LuL und kurz durchgerechnet, was ein monatliches Abo für die 4.0-Version nur für uns kosten würde – dann einmal kurz aber heftig aufgelacht und innerlich einen Haken an die Sache gemacht.

Ergo werden wir mit zutiefst analogen Mitteln auf die Entwicklung und Anwendung der KI-Instrumente reagieren – sodass Schleicher uns dann wieder vorwerfen kann,dass die Lehrer noch nicht im 21. JAHRHUNDERT angekommen sind.

Viele SuS werden auf diese KI- Instrumente zugreifen, weil es gerade für die masseträgen unter ihnen eine enorme Entlastung bringt. Die geben das Geld gerne aus….und wir versuchen dann in zeitlich aufwändigen mündlichen Überprüfungen herauszufinden,was nun von ihnen und was von der KI kommt.

Man könnte das auch als asymmetrische Kriegsführung bezeichnen, in der wir konsequent aufgerieben werden, bis die Kraft zur Überprüfung solcher fremdgenerierten Arbeiten ausgeht und wir auch dort schlicht die Waffen strecken werden.

Die Schuldigen sind bereits jetzt ausgemacht – man kann beim alten Feindbild bleiben – schön, dass es wenigstens hier Verlass (im doppelten Wortsinn) gibt.